Die Preisträger der Akademischen Feier 2011

Foto: Universitätspräsident Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, Dr. Andreas Lorbach, Dr. Stefan Merker, Julia Bernstein, Dr. Shahram Ghanaati, Dr. Lena Foljanty, Dr. Eva Martina Ehninger, Dr. Verena Schreiber, Salvatore Mancuso, Philipp Serba, Prof. Dr. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Freunde und Förderer (von links)


Ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftler

In einer Feierstunde am Donnerstag, den 30. Juni haben der Vorsitzende der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, Prof. Wilhelm Bender, und Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl eine Reihe von Preisen für herausragende Diplom- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen verliehen. Die Akademische Feier der Freunde und Förderer ist jährlich eines der bedeutendsten inneruniversitären Ereignisse für die wissenschaftliche Nachwuchsförderung.

  • Adolf-Messer-Stiftungspreis: Der am höchsten dotierte Preis ist der 1994 von Dr. Hans Messer gestiftete Adolf-Messer-Stiftungspreis mit einem Preisgeld von 25.000 Euro. Er richtet sich an promovierte Nachwuchswissenschaftler aus den Naturwissenschaften. Diesjähriger Preisträger ist Dr. Stefan Merker. Der Evolutionsbiologe entdeckte auf der indonesischen Insel Sulawesi eine bislang unbekannte Art der Koboldmakis. Da das Habitat dieser kleinsten Primaten Asiens durch menschliche Nutzung des Waldes stark schrumpft, möchte Merker schnellstens Populationsgröße und Gefährdungsgrad der evolutionsbiologisch hoch interessanten Art ermitteln. Durch molekularbiologische Untersuchungen will er zudem den Einfluss des Paläoklimas auf die Evolution der neuentdeckten Art charakterisieren.
  • Preis der Freunde und Förderer der Universität für den Naturwissenschaftlichen Nachwuchs: Den mit 6.000 Euro dotierten Preis der Freunde und Förderer der Universität für den Naturwissenschaftlichen Nachwuchs, der seit 1969 vergeben wird, erhielt der Chemiker Dr. Andreas Lorbach. Er hat Pionierarbeit auf dem Gebiet der borhaltigen Kunststoffe geleistet, die sich durch ausgeprägte Photolumineszenz bei gleichzeitig geringem Gewicht und hoher mechanischer Flexibilität auszeichnen. Diese Verbindungen sind prädestiniert für Anwendungen im Bereich großflächiger Bildschirme und Beleuchtungskörper sowie leistungsfähiger Solarzellen.
  • Frankfurter Forschungspreis 2010 der Rudolf-Geißendörfer-Stiftung: Überreicht wurde bei der Akademischen Feier weiterhin der Frankfurter Forschungspreis 2010 der Rudolf-Geißendörfer-Stiftung (5.000 Euro). Ziel der Stiftung ist die Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Würdigung von Einzelleistungen in der Chirurgie. Den Preis erhielt Dr. Shahram Ghanaati. Er erforscht, wie der menschliche Körper auf künstliche Knochengewebe-Ersatzmaterialien reagiert, insbesondere wie Knochenneubildung und Fremdkörperreaktion zusammenhängen. Die Förderung der Rudolf Geißendörfer-Stiftung wird er für einen Forschungsaufenthalt am Ludwig-Bolzmann-Institut in Wien verwenden. Dort möchte er eine neuartige chirurgische Technik zu erlernen, mit welcher das Einheilen von Knochenersatzmaterial im lebenden Gewebe besser verstanden werden kann.
  • Werner-Pünder-Preis: Der ebenfalls mit 5.000 Euro dotierte Werner-Pünder-Preis wurde von der internationalen Sozietät Clifford Chance gestiftet, um hervorragende Arbeiten zum Themenkreis „Freiheit und Totalitarismus“ auszuzeichnen. In diesem Jahr wurde die Dissertation „Recht oder Gesetz. Juristische Identität und Autorität in den Naturrechtsdebatten der Nachkriegszeit“ von Lena Foljanty ausgezeichnet.
  • WISAG-Preis: Den mit 5.000 Euro dotierten WISAG-Preis für die beste sozial- oder geisteswissenschaftliche Arbeit erhielt die Humangeografin Dr. Verena Schreiber. In ihrer Dissertation „Fraktale Sicherheiten“ regt sie zu einem kritisch-spekulativen Denken über unser Verhältnis zur Kriminalprävention an und spürt jenen Zusammenhängen nach, welche die Prävention zu einem Sicherheitsversprechen werden lassen, dem wir alternativlos gegenüber zu stehen scheinen. Schreiber bezieht sich dabei auf den französischen Philosophen Michel Foucault und den Literaturwissenschaftler Algirdas Julien Greimas.
  • Mediteran-Preis: Mit dem seit 2000 jährlich verliehenen Mediteran-Preis werden herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der klassischen und vorderasiatischen Archäologie ausgezeichnet. Die Stifterin möchte ungenannt bleiben. Preisträger sind in diesem Jahr Salvatore Mancuso und Philipp Serba. Gegenstand von Mancusos Magisterarbeit war die Datierung des Archelaosreliefs, das zu den meist diskutierten Gegenständen der hellenistischen Bildhauerkunst gehört. Serba untersuchte in seiner Arbeit die Anbringungsorte der schutzbringenden Genien im Palast Sargons II. (721 bis 705 vor Christus) in Khorsabad (Irak).
  • Benvenuto Cellini-Preis: Die Benvenuto Cellini-Gesellschaft, 1976 als Verein der Freunde und Förderer des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität gegründet, stiftet schließlich seit 2004 den mit 3.000 Euro dotierten Benvenuto Cellini-Preis. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr Dr. Eva Martina Ehninger für ihre Dissertation „Vom Farbfeld zur Land Art. Ortsgebundenheit in der amerikanischen Kunst, 1950-1970“. Sie kommentiert drei gewöhnlich separierte Bewegungen der amerikanischen Avantgardekunst – den Abstrakten Expressionismus, die Minimal Art und die Land Art – unter der gemeinsamen Problematik der Ortsgebundenheit. Ihre These ist, dass die Zäsur um 1960 nicht als radikaler Bruch mit dem Medium Bild zu verstehen ist, sondern als konsequente Weiterführung modernistischer Bildkritik durch deren Verkörperung im Realraum.
  • Scardigli-Preis: Was bedeutet es, als jüdisch-russischer Migrant im Ausland zu leben? Die Kulturanthropologin Dr. Julia Bernstein untersucht diese Frage aus der Perspektive von Konsumgewohnheiten und Alltagsleben russisch-jüdischer Migranten in Deutschland und Israel. Insbesondere die Einkaufs- und Essgewohnheiten nimmt sie als herausragende Praktiken symbolischer Welterschließung und Identitätssicherung in den Blick. Für ihre Dissertation, die mittlerweile auch als Buch vorliegt, erhielt sie den mit 3.000 Euro dotierten Barbara und Piergiuseppe Scardigli-Preis. Er wurde in diesem Jahr erstmals verliehen.

    Die in Israel geborene Forscherin prüft in ihrer faszinierenden Forschungsarbeit Begriffe wie „Zuhause für Einwanderer“, „Heimat“, „kulturelle Werte des Migranten“, und „Integration“ und definiert diese neu. Sie zeigt, wie Migranten die Widersprüche ihrer multiplen Identitäten bewältigen, was es beispielsweise heißt, ex-sowjetisch siegreich, jüdisch und Holocaustopfer, hochqualifiziert und Sozialhilfeempfänger in Deutschland zu sein. Anhand der Ess- und Konsumgewohnheiten entwirft sie das Bild einer reichhaltigen sozialen Wirklichkeit. Dr. Julia Bernstein lehrt gegenwärtig am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität zu Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migrationsprozesse durch Transnationalisierungsperspektiven, Identitätsfragen im gesellschaftlichen Wandel, materielle Kultur sowie Nahrungskonsum als identitätsstiftende Praktiken sowie Transformationen nach dem Bruch ex-sozialistischer Gesellschaften.

    Der Barbara und Piergiuseppe Scardigli-Preis wird für herausragende Dissertationen und Habilitationen in den „kleinen“ geisteswissenschaftlichen Fächern vergeben. Die Stifter des Preises waren beide Professoren an der Goethe-Universität Frankfurt.


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