Der Namensgeber: Johann Wolfgang von Goethe

Wenn auf einen Frankfurter Bürger der Begriff Universalgenie zutrifft, dann auf Johann Wolfgang von Goethe. Dichter und Staatsmann, Theaterleiter und Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Jurist – da verwundert es kaum, dass die Universität Frankfurt sich 1932 anlässlich Goethes 100. Todestages nach dem großen Frankfurter benannte.

Goethe wurde am 28. August 1749 in der Straße Großer Hirschgraben im heutigen Goethe-Haus geboren. Sein Vater, Johann Caspar Goethe (1710 – 1782), war ein wohlhabender Jurist, dessen Vermögen der Familie ein Leben ohne finanzielle Zwänge ermöglichte. Mutter Catharina Elisabeth Goethe, geb. Textor (1731 – 1808) war eine lebenslustige und geistreiche Frau. Von Johann Wolfgangs fünf Geschwistern überlebte nur Cornelia das Kindesalter. Mit hatte Goethe ein sehr liebevolles und vertrautes Verhältnis.

Im Haus Goethe spielte Bildung eine große Rolle. So besaß der Vater nicht nur eine Bibliothek von über 1.500 Bänden, sondern auch ein Naturalienkabinett und eine Sammlung zeitgenössischer Malerei. Die Geschwister wurden vom Vater und einem Hauslehrer unterrichtet. Ganz dem Ideal der umfassenden Bildung verpflichtet standen mehrere Sprachen, Naturwissenschaften und Religion, aber auch Zeichnen, Musik (Goethe spielte Cello) und Sport auf dem Stundenplan.

Johann Caspar Goethe hatte große Pläne mit seinem Sohn. Dem Wunsch des Vaters folgend begann Johann Wolfgang 1765 ein Jurastudium in Leipzig, dem er jedoch nur halbherzig nachkam. Viel mehr interessierte er sich für Vorlesungen in Poetik und Kunst. Als er 1768 lebensbedrohlich erkrankte und nach Frankfurt zurückkehrte, beschäftigte er sich während seiner langen Genesungszeit intensiv mit religiösen, mystischen und alchemistischen Schriften. Erst 1770 nahm er sein Studium wieder auf, diesmal in Straßburg, wo er auch Johann Gottfried Herder kennen lernte. Im zweiten Anlauf betrieb Goethe das Studium ernsthafter und schloss es zügig ab. Von 1771 bis 1775 lebte Goethe als Advokat in Frankfurt, unterbrochen von einem längeren Aufenthalt in Wetzlar als Praktikant am Reichskammergericht. In diesen hoch produktiven Jahren entstanden u.a. der Götz von Berlichingen (1773) und Die Leiden des jungen Werther (1774).

Ende 1775 reiste Goethe nach Weimar, wo er 1776 zum Geheimen Legationsrat des Herzogtums Sachsen- Weimar-Eisenach ernannt und 1782 in den Adelsstand erhoben wurde. Während der ersten Weimarer Jahre ließ ihm das Staatsgeschäft kaum freie Zeit. Trotzdem entstanden einige berühmte Gedichte (u.a. Erlkönig, Wandrers Nachtlied). In Weimar lernte Goethe auch die Hofdame Charlotte von Stein kennen, mit der ihn über Jahre eine innige Freundschaft verband.

Ab 1780 beschäftigte sich Goethe intensiv mit den Naturwissenschaften. Neben Arbeiten zur Mineralogie, Botanik und Geologie entdeckte er im Jahr 1784 den Zwischenkieferknochen des Menschen (in Wirklichkeit war es zwar nur eine Wiederentdeckung, das soll Goethes Leistung jedoch nicht schmälern). Viele seiner naturwissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er jedoch erst Jahre später.

1786 reiste Goethe aus einer Sinnkrise heraus inkognito nach Italien. In Rom lernte er in der dortigen Künstlerkolonie Heinrich Tischbein und Angelika Kauffmann kennen. Dort konnte er seine Kreativität ausleben, zeichnete viel, studierte die römische Architektur und Kunst und vollendete die Iphigenie auf Tauris und den Egmont. Erst nach beinahe zwei Jahren kehrte Goethe heim.

Zurück in Weimar ließ er sich von zahlreichen seiner amtlichen Verpflichtungen entbinden und war nur noch im kulturell-wissenschaftlichen Bereich tätig. Er lernte Christiane Vulpius kennen und lieben, die aus einfachen Verhältnissen stammte. 1789 wurde Goethes Sohn August geboren, vier weitere Kinder überlebten das Säuglingsalter nicht. Die Hochzeit folgte jedoch erst 1806. Christiane von Goethe starb 1816. Goethes Abschiedsworte auf Ihrem Grabstein lauten:

Du versuchst, oh Sonne, vergebens
Durch die düstren Wolken zu scheinen!
Der ganze Gewinn meines Lebens
Ist, ihren Verlust zu beweinen.


Von 1791 bis 1817 leitete Goethe das Weimarer Hoftheater. Er beschäftigte sich wieder mehr mit den Naturwissenschaften, so betrieb er Studien zur Metamorphose der Pflanzen und zur Farbenlehre. 1794 begann eine enge Freundschaft mit Friedrich Schiller, die bis zu dessen Tod im Jahr 1805 andauerte. Beide Dichter nahmen lebhaft Anteil am Werk des anderen. Die Freundschaft mit Schiller inspirierte Goethe, der sich intensiv der Arbeit am Faust zuwandte (erschienen 1806).

1810 erschien Goethes Farbenlehre, in der Goethe sich dem Phänomen Farbe vom physiologischen, physikalischen uns ästhetischen Standpunkt nähert. Ihm selbst war dieses Werk zumindest ebenso wichtig wie sein literarisches Schaffen. Auch wenn er in physikalischer Hinsicht irrte (sein Versuch, Isaac Newton zu widerlegen, scheiterte), bildet das Werk in seinem ganzheitlichen Ansatz eine Grundlage der Farbpsychologie. Nach dem Tod Christiane von Goethes erschienen in den folgenden Jahren zahlreiche naturwissenschaftliche Schriften. 1829 wurde der Faust in Braunschweig uraufgeführt, auch im hohen Alter von 80 Jahren erschien Goethe geistig noch hellwach und vielseitig interessiert. 1831 vollendete er den Faust. Der Tragödie Zweiter Teil, dessen Veröffentlichung er jedoch nicht mehr erlebte.

Johann Wolfgang von Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar. Seine letzten Worte „Mehr Licht!“ sind legendär, jedoch nicht einwandfrei belegbar. Goethe wurde in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt.

Mehr Goethe: www.goethehaus-frankfurt.de

Bereits in den 70er Jahren ließ sich die Goethe-Universität von Design-Legende Adrian Frutiger ein Logo mit dem Goethe-Kopf im Zentrum gestalten. Dieses Kernlogo nutzt die Goethe-Universität noch heute. Es zeigt den jungen Goethe der Studienjahre und Sturmund Drang-Zeit. Es bringt zum Ausdruck, dass sich die Goethe-Universität dem experimentellen und freiheitlichen Geist des jungen Goethe verpflichtet sieht – eine Universität im Aufbruch eben. Wissenschaft bedeutet beständige Grenzüberschreitung. In diesem Sinnen ist Goethe der nach ihm benannten Universität ein Vorbild.  


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