Portrait des Fachbereichs Evangelische Theologie

Fb_logo-neu
 

Der Fachbereich Evangelische Theologie ist ein Ort dialogischen und kritischen Denkens, der seinen wissenschaftlichen Beitrag zur Erschließung der Wirklichkeit und zur Gestaltung einer gerechten und solidarischen Gesellschaft in der Tradition der Frankfurter Bürgeruniversität durch engagierte Forschung und Lehre leistet. Er bietet neben dem spezifischen Studium der Evangelischen Theologie auch das allgemeine Studium der Religionswissenschaften an.

Er erforscht, lehrt und hinterfragt Konzepte und Selbstverständnisse Evangelischer Theologien in ihren jeweiligen Kontexten und Modalitäten sowie religionswissenschaftliche und religionsphilosophische Zugänge zu religiösen Phänomenen, Rationalitäten und Kollektiven. Sein Leitziel ist es, angehende Pfarrerinnen und Pfarrer, Lehrerinnen und Lehrer, sowie Religionsfachkräfte in unterschiedlichen Berufsfeldern zu befähigen, religiöse Praxis und religiöse Diskurse zum Wohle der ganzen Gesellschaft kritisch und konstruktiv zu gestalten.

Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, Religionen und politischer Überzeugungen in der globalisierten Welt fordert es mehr als je zuvor, nicht nur die Traditionen Evangelischer Theologie zu pflegen, sondern sie mit der pluralen Lebenswirklichkeit der Gegenwart und den dort begegnenden differenten Wahrheitsüberzeugungen zu konfrontieren. Dabei wird weder von einem starren Wesensbegriff Evangelischer Theologie noch von einem harmonisierenden Religionsbegriff ausgegangen, sondern von der Notwendigkeit, Theologie und Religionsdiskurse prozessual und dialogisch zu denken. Die Bindung an die biblische Gestaltung der guten Nachricht macht bei aller Diversität und Dialogizität in ihren Konzeptionen und Ausprägungen Theologie bzw. religiöse Praxis als evangelisch erkennbar.

Dieses dialogische Verständnis Evangelischer Theologie zeigt sich institutionell daran, dass neben den klassischen Fächern (Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Ethik, Religionspädagogik, Praktische Theologie) auch auf das wissenschaftliche Verständnis anderer Religionen und den Dialog mit ihnen zielende eigenständige Fächer mit konfessionell nicht gebundener Fachlogik vertreten sind (jüdische Religionsphilosophie, Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Islam). Darüber hinaus gestaltet der Fachbereich Evangelische Theologie seine Forschung und Lehre in inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit mit nahezu allen anderen Fachbereichen der Goethe-Universität sowie in nationalen und internationalen Kooperationen mit theologischer und religionsbezogener Forschung anderer Universitäten. Die Zusammenarbeit mit jüdischen und islamischen Disziplinen ist dem Frankfurter Fachbereich für Evangelische Theologie seit seiner Gründung im Jahr 1986 ein unverzichtbares und gelebtes Anliegen.

Die Frankfurter Evangelische Theologie stellt sich nicht zuletzt der kritischen Aufgabe, das destruktive Potential von Religionen und anderen Ideologien zu thematisieren, und zwar dort, wo diese aufgrund einer Idealisierung des Eigenen und einer Diffamierung des Anderen Gesellschaften spalten und auch immer wieder im Namen religiöser oder politischer Überzeugungen in die Ausgrenzung, Peinigung und Ermordung anders Glaubender und Denkender verstrickt waren – bis hin zum Genozid. Dieser kritische Blick gilt auch der Geschichte und dem aktuellen Wirken protestantischer Kirchen und Akteure.

Mit Sorge und Wachsamkeit kritisiert der Fachbereich Evangelische Theologie jegliche Instrumentalisierung von religiösen Traditionen zur Legitimierung von Gewalt und Ausgrenzung im Namen von Judentum, Islam und Christentum – die drei bedeutendsten Religionen, die – mit ihrem konstruktiven, schöpferischen und humanen Potential – zur ganzen Welt, zu Europa und nicht zuletzt auch zu Deutschland gehören.