Hochschulentwicklungsplan II

Internationale Kooperationen

Strategische Partner – interdisziplinäre Zentren – FKH
Der Goethe-Universität ist es gelungen, international an Sichtbarkeit und damit stärkerer Anziehungskraft im weltweiten Wettbewerb um exzellente ProfessorInnen zu gewinnen. Das zeigt etwa das jüngste Abschneiden beim Shanghai-Ranking; hier schaffte es die Goethe-Universität 2011 als eine von sechs deutschen Einrichtungen (und einzige hessische Hochschule) unter die 100 weltbesten Universitäten. Den Vorsprung will die Universität weiter ausbauen. Eine wichtige Rolle spielen dabei ausländische Kooperationen. Typischerweise haben einzelne ForscherInnen oder Gruppen bilaterale Kontakte mit dem Ausland. Sie sind jedoch sehr spezifisch und hängen stets vom individuellen Engagement der WissenschaftlerInnen ab. Kompetitive Forschung in großen Formaten wie Clustern ist auf kontinuierliche Kooperationen mit externen Partnern angewiesen - außeruniversitären wie internationalen. Sie dienen der Verbesserung der Forschungsleistung. Der Ausbau internationaler Kontakte mit vergleichbar leistungsstarken Universitäten muss ein Entwicklungsziel der Hochschule bleiben. Die Weltoffenheit des Standorts Frankfurt am Main und seine gute logistische Anbindung prädestinieren dazu, strategische Forschungskooperationen mit ausgewählten internationalen Partneruniversitäten dort auf- bzw. auszubauen, wo bereits enge Kontakte zwischen Forschern bestehen. Die Goethe-Universität will verstärkt mit sieben Einrichtungen zusammenarbeiten: mit der University of Toronto, der University of Pennsylvania, der Fudan-Universität in Shanghai, der Osaka University, der Tel Aviv University sowie der Karls-Universität in Prag und der University of Birmingham. Sie passen zum Profil der Goethe-Universität, insofern sie herausragende Forschungsstätten, Volluniversitäten und ebenfalls an wichtigen Handels- und Wirtschaftszentren beheimatet sind. Zusammen mit diesen strategischen Partnern richtet die Universität beispielsweise internationale Sommerschulen und Konferenzen aus. Zentrale Koordinierungsstelle für solche Projekte ist das International Office der Universität.

Über solche Kontakte hinaus sind Regionalpartnerschaften wie mit Ostasien und Australien (darunter mit der Deutsch-Vietnamesischen Hochschule in Vietnam und mit Hochschulen in Queensland), mit Sub-Sahara Afrika (darunter mit dem Zentrum Point Sud in Mali sowie diversen Wissenschaftseinrichtungen in Malawi), mit Nordamerika (darunter mit Hochschulen in Massachusetts und Wisconsin) wertvolle Bereicherungen, die weiterhin gepflegt werden sollen. Entwicklungen in diesen Ländern stehen auch im Zentrum des Forschungsinteresses von vier interdisziplinären Zentren. Darüber hinaus beabsichtigt die Goethe-Universität ihre Auslandsaktivitäten so auszurichten, dass sich auch bereits bestehende Partnerschaften der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen sowie der Universität wechselseitig begünstigen. Wichtigste Voraussetzung zur Herstellung tragfähiger Kontakte ist und bleibt jedoch die internationale Orientierung der WissenschaftlerInnen an der Goethe-Universität. Sie soll künftig durch folgende Maßnahmen noch mehr gefördert werden: Forschungsaufenthalte im Ausland, die Einwerbung von Fellowships, die Unterstützung globaler Konferenzen, die Einrichtung von Gastprofessuren, die Förderung internationaler Publikationen sowie eine gezielte Berufungsstrategie, die vermehrt auch international die besten WissenschaftlerInnen in den Fokus nimmt. Zudem ist ein Welcome Center geplant, um GastwissenschaftlerInnen und Neuberufenen aus dem Ausland die erforderliche Unterstützung für eine rasche Eingewöhnung in ihr neues soziales Umfeld zu geben.

Eine wichtige Rolle bei der Internationalisierung nimmt auch das interdisziplinäre Forschungskolleg Humanwissenschaften (FKH) wahr. Die Goethe-Universität betreibt es gemeinsam mit der Werner Reimers-Stiftung in Bad Homburg. Dort treffen sich WissenschaftlerInnen der Region mit Experten aus aller Welt, um gemeinsam an aktuellen Fragestellungen der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zu arbeiten, so z.B. an Fragen der Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierung.

Bologna-Prozess

Reform der Reform – Bologna-Werkstätten – Master-Universität – Internationalisierung – Campus-Kultur – zweisprachige Verwaltung

Die weitestgehende Hochschulreform der vergangenen Dekade betraf das Studiensystem. Magister und Diplom wurden abgeschafft und Bachelor und Master eingeführt. Die Politik verfolgte damit viele verschiedene Ziele wie die Einführung eines ersten berufsqualifizierenden Abschlusses (Bachelor), die Verkürzung der Studienzeiten und der Abbrecherquoten, die Flexibilisierung der Angebote und die Erhöhung der Mobilität; die Ziele wurden jedoch zum Teil verfehlt, weshalb bereits 2009 bundesweit zu einer „Reform der Reform“ aufgerufen wurde. Die Goethe-Universität hat sich zum Bologna-Prozess bekannt und ihn kritisch begleitet. Die geplante Umsetzung der Reform war bereits Gegenstand des Entwicklungsplans 2001; mittlerweile sind nahezu alle Studiengänge modularisiert – mit Ausnahme der Staatsexamensfächer, die besonderen Regelungen unterliegen. Doch auch in Frankfurt ist der Prozess nicht reibungslos verlaufen. Das liegt zum einen daran, dass die Politik nicht die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen hat: Der Wissenschaftsrat hat wiederholt darauf hingewiesen, dass das neue Studiensystem kleinere Arbeitsgruppen und bessere Betreuungsverhältnisse erfordere. Zum anderen aber führten zu strikte und zu widersprüchliche Vorgaben zur stofflichen Überfrachtung und überzogenen Prüfungsanforderungen. Generell wurde die Reform an der Goethe-Universität auch als neue Überregulierung wahrgenommen, die der Philosophie einer autonomen Stiftungsuniversität widerspricht. Doch gelang es wegen der besonderen Handlungsfreiheit, rascher auf Bedenken und Probleme zu reagieren, Spielräume zu nutzen und neue Formen zu entwickeln.

Eine Schlüsselfunktion übernahmen die „Bologna-Werkstätten“, in denen seit Anfang 2010 Studierende, Lehrende und Hochschulleitung gemeinsam die „Reform der Reform“ vorantreiben; dazu zählen u. a. eine verbesserte Studierbarkeit und Strukturierung der Curricula, die Öffnung der teilweise überfrachteten Module zur Erleichterung eines Auslandsaufenthalts, Flexibilisierungen bei der Schwerpunktbildung, transparente Curricula zwecks besserer Vergleichbarkeit sowie eine stärkere Beratung der Studierenden, um überlange Studienzeiten zu verhindern. Bis die Ziele erreicht sind, werden die Bologna-Werkstätten fortgeführt.

Nach der flächendeckenden Einführung des Bachelor wird in den kommenden Jahren das Augenmerk verstärkt auf der Gestaltung der Masterphase liegen. Gerade hier soll die Einheit von Forschung und Lehre im Sinne einer forschungsorientierten Lehre stärker verankert werden. Denn über die Fächergrenzen hinweg dient die vertiefte wissenschaftliche Ausrichtung der Masterstudiengänge als Grundlage für ein Promotionsstudium. Besonders geeignete Studierende sollen die Chance erhalten, schon nach dem Bachelorabschluss in ein strukturiertes Promotionsstudium zu wechseln (fast track). Alle Masterstudiengänge stehen leistungsstarken Studierenden auch anderer Hochschulen sowie ausländischen BewerberInnen offen; für diese sollen vermehrt zweisprachige sowie internationale Studiengänge geschaffen werden. Erhebungen zeigen inzwischen, dass Studierende insbesondere nach dem Abschluss des Bachelors und Aufnahme des Masterstudiums einen Auslandsaufenthalt einlegen. Um international gute Studierende nach Frankfurt zu holen, liegt ein Schwerpunkt der Universität beim Auf- und Ausbau forschungsorientierter Masterprogramme, etwa in Internationaler Politischer Theorie (mit Toronto), in der Biophysik (mit Fudan) oder der Finanz- und Geldpolitik (mit Pennsylvania). Mittelfristig will sich so die Goethe-Universität international als attraktive Master-Hochschule profilieren.

Generell ist es der Goethe-Universität gelungen, die Mobilität der Studierenden zu erhöhen. Das ist als ein Erfolg der „Bologna-Werkstätten“ zu sehen. Inzwischen hat die Goethe-Universität zur stärkeren Internationalisierung in fast allen Fachbereichen und -verbünden aber auch Auslandsbeauftragte etabliert. Ihre Aufgabe ist ausländische und deutsche Studierende zu beraten, die von Frankfurt aus an eine ausländische Universität wechseln wollen. Generell wünscht die Goethe-Universität, den Anteil der Studierenden, die einen Auslandsaufenthalt einlegen, bis 2015 um 20% zu erhöhen. Zu diesem  Zweck sollen die Bachelor- und Masterstudiengänge so konzipiert werden, dass sie ein Zeitfenster für einen Auslandsaufenthalt vorsehen. Um in ausreichender Zahl Austauschplätze anbieten zu können, sind auch die eigenen englischsprachigen Studienprogramme auszubauen, darunter die International Summer University. Weitere solcher Angebote sollen für die ausländischen PartnerInnen geschaffen werden; etwa von 2012 an eine gemeinsame Summer University mit der Tel Aviv University.

Die Goethe-Universität ist zudem bestrebt, ihr Lehrangebot bis hinein in die Graduiertenausbildung zu internationalisieren. Mit dem Programm „International Campus“ werden gezielt ausländische GastdozentInnen nach Frankfurt eingeladen. Darüber hinaus wird systematisch die interkulturelle Kompetenz der Lehrenden gefördert. Auch ist die Goethe-Universität dabei, gemeinsam mit Studierendenvertretern, Hochschulgemeinden und dem Studentenwerk sukzessive eine „Campuskultur“ mit Veranstaltungen wie dem Sommergarten, der Abendöffnung der Mensa, Wohnheimen auf dem Campus, dem jährlichen Sommerfest oder dem Haus der Stille zu etablieren. Ein Engpass besteht jedoch vor allem bei kostengünstigen Zimmern für ausländische Studierende. Das Studentenwerk plant deshalb ein Boarding-House auf dem Campus Westend, was die Universität begrüßt.

Alle diese Aktionen schaffen Begegnungsorte für deutsche und ausländische Studierende und fördern die soziale Integration und die Bindung an die Universität sowie die Stadt; auch sie werden vom International Office koordiniert. Inzwischen wurde dort zudem die Stelle eines International Recruitment Manager besetzt, der gezielt hoch qualifizierte ausländische Studierende anwerben soll. Nicht zuletzt ist die Goethe-Universität um eine Zweisprachigkeit ihres Verwaltungspersonals in Schlüsselpositionen bemüht; sie soll bei der Vermittlung von Deutschkenntnissen für ausländische Studierende sowie bei der Bereitstellung zusätzlicher Wohnheimplätze helfen. Eine anspruchsvolle englischsprachige Website wird zudem 2011 ins Netz gestellt. Nicht zuletzt sollen Studienerfolg und –zufriedenheit ausländischer Studierender regelmäßig untersucht und Studienverlaufsanalysen erstellt werden.