Veranstaltungen und Konferenzen

Prof. Michael A. Rosenthal (University of Washington, Seattle): Spinoza, Toleration, and the Jews

Buber plakat buber lecture 2017

Martin-Buber-Vorlesung zur jüdischen Geistesgeschichte und Philosophie

14. November 2017, 18:15-19:45, anschließend Empfang
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Casino 1.811
(Vortrag in englischer Sprache)

Im Jahre 1670 veröffentlichte Spinoza anonym seinen berühmten Tractatus Theologico-Politicus, der aufgrund seiner Kritik der Heiligen Schrift, seiner Theorie des Verhältnisses von Staat und Kirche und seines leidenschaftlichen Eintretens für die Freiheit des Denkens sofort heftige Kontroversen auslöste. Seither haben jüdische Gelehrte vielfach äußerst unterschiedliche Auffassungen über den Philosophen und seine Ideen vertreten. War er ein dem Selbsthass verfallener Jude, der die jüdische Gemeinschaft zu untergraben suchte, wie Hermann Cohen behauptete, oder jemand, wie David Ben-Gurion urteilte, den man posthum zum Ehrenbürger Israels erklären sollte? In seinem Vortrag untersucht Michael A. Rosenthal vier Interpretationen dieses Textes, die jeweils aus einem unterschiedlichen zeitlichen und geographischen Kontext stammen und erkennbar unterschiedliche Auffassungen über religiöse Toleranz im Allgemeinen und Visionen jüdischen Lebens im Besonderen widerspiegeln. Einige Fragen, die in diesem Zusammenhang erörtert werden, lauten: Wie verstand Spinoza die Situation und den Ort der Juden in den zeitgenössischen Niederlanden? War er ein Revolutionär, der die Religion abschaffen wollte? Oder aber war er ein Reformer, der eine Möglichkeit zu eröffnen trachtete, das religiöse Leben den Bedingungen des Nationalstaats anzupassen? Ist Spinoza als Proto-Zionist zu verstehen oder aber als Theoretiker der Diaspora? Ziel des Vortrags ist, zu zeigen, dass der Tractatus Theologico-Politicus über die Jahrhunderte hinweg als Grundtext für die Deutung jüdischer Existenz gelesen wurde und auf welche Weise die einander widerstreitenden Interpretationen die Spannungen sichtbar machen, welche die jüdische Moderne bestimmen.

Michael A. Rosenthal ist Professor der Philosophie und Inhaber der Samuel und Althea Stroum Professur für Jüdische Studien an der University of Washington (Seattle). Nach seinem Studium an der Stanford University promovierte er im Fach Philosophie an der University of Chicago. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der frühneuzeitlichen Philosophie, der Ethik, der politischen sowie der jüdischen Philosophie. Gegenwärtig forscht er insbesondere zum Denken Spinozas – gemeinsam mit Yitzhak Y. Melamed ist er Herausgeber des Bandes Spinoza’s Theological-Political Treatise: A Critical Guide, Cambridge 2010.


Antrittsvorlesung von Dr. habil. Philipp von Wussow

Thema: "Was ist jüdische Philosophie?"

Zeit: 16. November 2018, 18-20 Uhr 

Ort: Campus Westend, Nebengebäude, Raum NG 1.701