Über das Institut

Das Institut für Ethnologie…

…befasst sich vor allem mit außereuropäischen Kulturen, wobei in Forschung und Lehre ebenso rezente wie historische Themen bearbeitet werden. Regionale Schwerpunkte bilden Afrika, Zentral- und Südasien (Indien), Südostasien und Melanesien sowie das indigene Nordamerika. Thematische Schwerpunkte am Institut sind unter anderen Religions- und Verwandtschaftsethnologie, Wirtschaftsethnologie, Geschichte der Ethnologie, politische Ethnologie, orale Traditionen, visuelle Anthropologie, Medienethnologie und kulinarische Ethnologie. Stellvertretend für das breite Spektrum ethnologischer Themen, die am Institut bearbeitet werden, sind hier insbesondere fünf Schwerpunkte zu nennen, die von den Lehrenden im Fach Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt regelmäßig behandelt werden:

  1. Diffusion – Aneignung – Innovation
  2. Konflikt – Mobilität – Migration
  3. Popular Culture, Medien und Dingkultur
  4. Transformation postkolonialer Gesellschaften und die Herausbildung normativer Ordnungen
  5. Transkulturelle Geschichtsforschung

 

1. Diffusion – Aneignung – Innovation

Die Verbreitung von Neuerungen ist nicht nur als Folge reiner Übernahme kultureller Elemente aus anderen Regionen, Kulturen und Gesellschaften zu sehen. Vielmehr erfahren  Neuerungen durch den alltäglichen Umgang und den Gewinn von Erkenntnissen eine kulturbedingte Interpretation. Die ethnologische Herangehensweise überschreitet die Beschreibung von Diffusion, indem sie sich mit den Bedingungen befasst, unter denen neu eingeführte Institutionen, ethische Normen, materielle Güter, Ideen und Vorstellungen umgewandet, lokalisiert und auf diese Weise angeeignet werden. 

2. Konflikt - Mobilität - Migration

Wanderungen zwischen Regionen und Kontinenten bestimmen die Handlungsmuster heutiger Gesellschaften. Die Ursachen für die Entstehung und Herausbildung verschiedener Formen der Migration sind in den kulturellen Präferenzen und im Verlauf der Biographie von Migranten zu sehen. Mobilität entsteht aber auch als Folge eines Widerspruchs zu Wertordnungen, zu Zwängen der Herkunftsgesellschaft oder als Konsequenz umweltbedingter Veränderungen. Ethnologen erforschen sowohl Migration und die daraus entstehenden Praktiken der Transnationalität im Kontext ihrer kulturellen Einbettung wie auch die Folgen für die Migranten selbst.

3. Popular Culture, Medien und Dingkultur

Der Begriff „Popular Culture“ oder Populärkultur definiert sich im allgemeinen im Verhältnis zu seinem Gegenstück, der Hoch- oder Elitenkultur. Auf die im Zentrum der ethnologischen Forschung stehenden Gesellschaften ist diese Dichotomie jedoch kaum übertragbar. Populärkultur bedeutet hier die Produktion und Reproduktion von Kultur im Alltag – sie ist also Prozess und Produkt zugleich. Es stellt sich die Frage, ob das Gegenstück zur Populärkultur in der Stadtkultur zu suchen ist, der Kultur dörflicher Eliten, der aus der Kolonialzeit erwachsenen Staatskultur, der höfischen Kultur oder in der Exklusivität von Geheimgesellschaften. Durch die nähere Betrachtung der Medien- und Dingkultur lässt sich Populärkultur diachronisch und kulturell gut untersuchen, da beide Bereiche die Inhalte der Populärkultur mediatisieren und verbreiten.

4. Transformation postkolonialer Gesellschaften und die Herausbildung normativer Ordnungen

In den postkolonialen Staaten, aber auch in der Diaspora hat eine Debatte um „universelle“ Werte und kollektive Besonderheiten begonnen. Kulturelle und politische AkteurInnen legen Entwürfe von Staatlichkeit, Gesellschaft und Gemeinschaft vor, die Neuerfindungen örtlicher Traditionen, Adaptationen globaler Diskurse und utopische, meist religiös begründete Heilserwartungen beinhalten. Gegenstand des Forschung sind Prozesse der Herausbildung neuer Normen und Werte, deren Aushandlung und ihre Durchsetzung, ihre Legitimation und die sich daraus ergebenden Implikationen – für lokale Gemeinschaften, translokale Netzwerke und Nationalstaaten.

5. Transkulturelle Geschichtsforschung

Ethnographische Berichte unterscheiden sich von anderen historischen Quellen durch ihren transkulturellen Charakter. Ihre Verfasser gehören einer anderen Kultur an als der, die sie beschreiben. Einerseits stellen sie einmalige Zeugnisse über die Gesellschaften dar, die keine eigene schriftliche Überlieferungstradition hervorgebracht haben. Andererseits dokumentieren sie aber auch, wie Angehörige verschiedener Kulturen sich gegenseitig wahrnehmen, in welchem Ausmaß kulturelle Voreingenommenheiten Kommunikation behindern, wie bestehende Machtgefälle ausgenutzt werden und unter welchen Bedingungen es zu Konflikten oder wechselseitigen Austauschprozessen kommt. Transkulturelle Geschichtsforschung liefert einen wichtigen Beitrag zu einer allgemeinen Theorie des Fremdverstehens, die sich auch auf aktuelle Verhältnisse beziehen lässt.