Katholische Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main - eine Standortbestimmung

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Katholische Theologie an der Goethe-Universität in Frankfurt, das heißt forschen und lehren, studieren und miteinander in den Austausch treten über Gott, Welt und Mensch an einer staatlichen Universität in einer der größten Städte Deutschlands - der Wissenschaft und der Tradition ebenso verpflichtet wie den Menschen und dem realistischen Blick auf die Gegenwart mit ihren vielfältigen Potentialen und Herausforderungen. Katholische Theologie an der Goethe-Universität in Frankfurt, das meint die Eröffnung und das Ergreifen von Selbst-Bildungschancen in einem hochinteressanten Fach an einem jungen Fachbereich mit eigenem Standortprofil.

In der Geschichte der Universitäten gehörte die (katholische) Theologie von Anfang an zum Kosmos der Wissenschaften. Die Frankfurter Universität bildete hier zunächst eine Ausnahme. Erst 1971 wurde der Fachbereich Religionswissenschaften mit einer katholischen und einer evangelischen Wissenschaftlichen Betriebseinheit eingerichtet, der dann 1987 in die zwei selbständigen Fachbereiche Evangelische Theologie und Katholische Theologie aufgeteilt wurde (heute Fb 6 und Fb 7). Mit der Eröffnung des neuen Campus Westend zum Sommersemester 2001 zog der Fachbereich Katholische Theologie in den geschichtsträchtigen Poelzig-Bau, das ehemalige I.G.-Farben-Haus, ein.

Frankfurt ist eine Stadt der Vielfalt und der Gegensätze. "Mainhattan", die Finanz- und Geschäftsstadt, gilt als eine der bedeutendsten internationalen Metropolen; hier finden wichtige Messen statt und hier ist einer der Hauptverkehrsknotenpunkte Europas. Frankfurt zeigt sich großstädtisch und zu Teilen dörflich, (post)modern und traditionell, setzt auf Kunst, Kultur und Bildung und kennt ebenso die unschönen Seiten der Großstadt: Anonymität, Arbeitslosigkeit und die verschiedenen Facetten sozialen Notstands. Frankfurt ist multikulturell und multireligiös - und auch säkular.

Der Fachbereich Katholische Theologie hat die Herausforderungen, die der Frankfurter Kontext mit sich bringt, bewusst aufgenommen, indem er Schwerpunkte interdisziplinärer Forschung entwickelt hat, die auf die gemeinsame Aufgabe der Universität und den Standort Frankfurt bezogen sind und in denen der Fachbereich in der Landschaft Katholisch-Theologischer Fakultäten oder kirchlicher Hochschulen ein ganz eigenes Profil gewonnen hat. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre ist Katholische Theologie an der Goethe- Universität international, interdisziplinär und interkulturell ausgerichtet. Dies wird über verschiedene Einzelprojekte hinaus insbesondere an dem eigens eingerichteten Schwerpunkt "Theologie interkulturell" deutlich. Lehrveranstaltungen im Rahmen der jährlich wechselnden Gastprofessur "Theologie interkulturell" ermöglichen den Dialog mit Theologie und Kirche im außereuropäischen Kontext. An der Vorlesungsreihe können nicht nur Studierende teilnehmen, vielmehr stellt sie auch für die interessierte Öffentlichkeit aus dem Frankfurter Raum ein Angebot dar. Ein ebenfalls in jedem Jahr stattfindendes Forschungssymposium zu unterschiedlichen Schwerpunkten vertieft den Austausch auf interdisziplinär-wissenschaftlicher Ebene.
Der interdisziplinäre Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften wird im Rahmen der Internationalen Arbeitsgruppe Technikforschung (IATF) realisiert. Ein eigenes Feld ökumenischer und interdisziplinärer Zusammenarbeit stellt die theologische Frauenforschung dar. Sie leistet einen wichtigen Beitrag für den kritischen Dialog um die Rolle der Frau in Gesellschaft und Kirche. Im Rahmen des interdisziplinären Instituts für Religionsphilosophische Forschung kooperiert der Fachbereich Katholische Theologie mit den Fachbereichen Philosophie und Geschichtswissenschaften und Evangelische Theologie.
Eine besondere Rolle spielt die Ausbildung von Lehrer(inne)n für das Fach Katholische Religion in allen Schulformen. Da der Fachbereich Katholische Theologie an der Goethe-Universität der einzige an einer staatlichen Universität des Landes Hessen ist und an ihm alle Disziplinen der Katholischen Theologie in Forschung und Lehre vertreten sind, kann eine fachlich differenzierte Ausbildung von Religionslehrer(inne)n gewährleistet werden. Über die erforderliche fachtheologische Kompetenz hinaus erwerben die Studierenden Kenntnisse und Fähigkeiten im fachdidaktischen Bereich und lernen, in theologisch-fachübergreifenden und Fächer verbindenden Zusammenhängen zu denken. Sowohl die Einübung einer christlich-theologischen Perspektive bei der Wahrnehmung, Deutung und Gestaltung der Wirklichkeit als auch die Schulung von Schlüsselkompetenzen, d.h. Selbst- und Sozialkompetenz, Handlungs-, Methoden- und Medienkompetenz, sollen den Studierenden helfen, heutigen Herausforderungen entsprechen zu können.
Mit der Einführung des Bachelor-Studiengangs mit dem Haupt- oder Nebenfach Katholische Theologie wird der Überzeugung Rechnung getragen, dass dieses Fach einen wichtigen Beitrag nicht nur im geisteswissenschaftlichen Diskurs, sondern auch für die Mitgestaltung unser (Welt-)Gesellschaft in unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen leistet.
Lehrende wie Lernende am Fachbereich Katholische Theologie stehen in einem gemeinsamen Prozess der Weiterentwicklung auf inhaltlicher, aber auch auf persönlicher Ebene. Die fruchtbare Spannung zwischen eigenen Vorstellungen und kirchlichem Lehramt, gelebtem Glauben und wissenschaftlicher Reflexion, Traditionen und Traditionswandel führt zu einer intensiven Persönlichkeits- und Glaubensentwicklung, die die unverzichtbare Voraussetzung für eine spätere Berufsausübung auf der Grundlage einer theologischen Ausbildung darstellt.

Eine enge Kooperation besteht mit dem Fachbereich Evangelische Theologie, angefangen von der gemeinsamen Bibliothek über die Frauenförderung und -forschung bis hin zum gemeinsamen universitären Schwerpunkt "Religion im Dialog" und zum gleichnamigen internationalen Promotionsstudienprogramm. Ein Lehrverbund besteht mit dem Institut für Theologie und Sozialethik an der TU Darmstadt. Auf der Grundlage staatskirchenrechtlicher Vereinbarungen bieten die Lehrenden des Frankfurter Fachbereichs dort Vorlesungen und Seminare an. Der Dekan des Fachbereichs in Frankfurt ist Mitglied im Direktorium des Instituts.
Die langjährigen guten Kontakte zwischen der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen und dem Fachbereich sind seit Dezember 2008 auch in Form einer vertraglichen Kooperation zwischen der Goethe-Universität und der Hochschule verstetigt. Diese regelt den Austausch von Lehrkräften, der zur gegenseitigen Ergänzung und Stärkung des Lehrangebots beitragen soll. Die Professor(inn)en des Fachbereichs haben zudem schon seit langem das Recht, Promovenden in Sankt Georgen zum Dr. theol. zu führen. Die Kooperation soll in nächster Zukunft auf das Feld der Forschung ausgeweitet werden, um die Bedeutung von Frankfurt als einem der größten theologischen Standorte im deutschsprachigen Raum noch weiter zu akzentuieren.