Dr. des. Achim Vesper

Lehre


Wintersemester 2017/18

Di, 14-16 Uhr, IG NG 731
Normativität (Gibbard, Parfit, Railton)
(mit Philipp Schink)
BA VM 3; MA GM3, SPM; MAG MOD 3a, 3b; L3 3a, 3b

Der zweite Band von On What Matters, dem monumentalen Hauptwerk des am ersten Januar dieses Jahres verstorbenen Derek Parfit, enthält eine ausführliche Abhandlung zur Metaethik, in der Parfit naturalistische und non-kognitivistische Positionen kritisiert und die Auffassung verteidigt, dass es Gründe gebende nicht-reduzierbare normative Wahrheiten gibt. Er schreibt: „Normativity is either an illusion, or involves irreducibly normative truths.“

Wir werden Parfits Abhandlung ausführlich diskutieren und mit Gibbards Expressivismus und Railtons Naturalismus konfrontieren. Damit wird das Seminar mit drei für die gegenwärtige Debatte innerhalb der Metaethik besonders zentralen und vieldiskutierten Auffassungen vertraut machen.

Literatur:

  • Parfit, Derek: On What Matters. Volume Two, Oxford: Oxford UP 2011. (Bitte anschaffen!)
  • Gibbard, Allan: Wise Choices, Apt Feelings. A Theory of Normative Judgment, Oxford: Oxford UP 1990.
  • Gibbard, Allan: Thinking How to Live, Cambridge, MA: Harvard UP 2003.
  • Parfit, Derek: On What Matters. Volume Three, Oxford: Oxford UP 2017.
  • Railton, Peter: Facts, Values, and Norms, Cambridge: Cambridge UP 2003.
  • Singer, Peter (Hg.): Does Anything Really Matter? Essays on Parfit on Objectivity, Oxford: Oxford UP 2017.

Do, 14-16 Uhr, SH 0.109
Kant: Kritik der praktischen Vernunft
BA AM 1, 3; MAG AM 1b, 3a; L3 AM 1b, 3a

Die Kritik der praktischen Vernunft von 1788 bildet Kants Hauptwerk in der praktischen Philosophie. Im Seminar werden wir die Argumentation des Buchs aufmerksam rekonstruieren und diskutieren.

Literatur:

  • Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Hamburg: Meiner 2003. (Bitte anschaffen!)
  • Otfried Höffe (Hg.):Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Berlin: Akademie 2002.
  • Andrews Reath/Jens Timmermann (Hg.): Kant’s Critique of Practical Reason. A Critical Guide, Cambridge/New York: Cambridge UP 2013. 

Sommersemester 2017

Konstitutivismus und Normativität
Veranstaltung im MA

Konstitutivistische Theorien erklären Normativität aus den Bedingungen für Akteurschaft. Ihnen zufolge ist Handeln mit konstitutiven Zielen oder Prinzipien verbunden, denen ein normativer Gehalt zukommt. Das Seminar wird sich mit einer Reihe von Autoren beschäftigen, die diesem Programm mit verschiedenen Mitteln zur Ausführung verhelfen. In grober Übersicht wird der Ansatz mittlerweile in humeanischen und kantianischen Varianten vertreten.

Das Seminar bietet eine Gelegenheit, anhand von Texten von Autoren wie Korsgaard, Velleman, Street oder Smith einen gegenwärtig vieldiskutierten Ansatz in der Begründung von insbesondere (aber nicht nur) moralischer Normativät kennenzulernen.

Literatur:

  • Korsgaard, Christine M.: Self-Constitution. Agency, Identity, and Integrity, Oxford/New York: Oxford UP 2009.
  • Katsafanas, Paul: Agency and the Foundations of Ethics. Nietzschean Constitutivism, Oxford/New York: Oxford UP 2013.
  • Velleman, David: How we get along, Cambridge/New York: Cambridge University Press, 2009.

Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit
Veranstaltung im BA

John Rawls’ Theory of Justice von 1971 ist das mit Sicherheit wichtigste Werk der politischen Philosophie im 20. Jahrhundert. In ihm gibt Rawls eine auch heute noch vieldiskutierte Antwort auf die Frage, worin Gerechtigkeit als erste Tugend sozialer Institutionen besteht. Im Seminar werden wir uns mit Rawls Auffassung von politischer und sozialer Gerechtigkeit anhand der deutschen Übersetzung des Buchs ausführlich beschäftigen. Am Ende des Seminars sollen zudem einige prominente kritische Einwände gegen seine Gerechtigkeitskonzeption zur Sprache kommen.

  • John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1975. (Bitte anschaffen.)
Weitere Literatur in Auswahl:
  • Samuel Freeman: The Cambridge Companion to Rawls, Cambridge/New York: Cambridge UP 2003.
  • Samuel Freeman: Rawls, New York: Routledge 2007.
  • Otfried Höffe (Hg.): John Rawls – Eine Theorie der Gerechtigkeit, Berlin: Akademie 2013.
  • Thomas W. Pogge: John Rawls, München: Beck 1994.

Wintersemester 2016/17

Blockveranstaltung ab 20.01.2017
David Enoch: Taking Morality Seriously. A Defense of Robust Realism

(mit Philipp Schink)

David Enochs Taking Morality Seriously gehört zu den gegenwärtig meistdiskutierten Büchern in der Metaethik. Gemäß der Behauptung des Buchs wird nur ein „robuster Realismus“, nach dem es nicht-reduzierbare objektive moralische Tatsachen gibt, unserem Alltagsverständnis von Moral gerecht. Im Seminar wollen wir uns das Buch gemeinsam erschließen und seine Thesen kritisch prüfen. Aufgrund seines thematischen Reichtums ist das Buch in hervorragender Weise dafür geeignet, Kenntnisse in der Metaethik zu vertiefen.


Sommersemester 2016

Di, 12-14 Uhr, SH 1.106
Moralischer Realismus
(mit Philipp Schink)
MA GM 3, SPM 1, 2; MAG 3a, 3b; L3 VM 3


Do, 16-18 Uhr, NG 731
Kant: Tugendlehre
BA AM 1, 3; MAG 1b, 3a; L3 AM 1, 3

Die Metaphysischen Anfangsgründe der Tugendlehre bilden den zweiten Teil der Metaphysik der Sitten von 1797. Die Tugendlehre enthält Kants ausgearbeitete Pflichtenlehre; in ihr erweitert Kant seine auf dem kategorischen Imperativ basierende Moralphilosophie um materiale Bestimmungen. Im Seminar soll das System der Pflichten detailliert rekonstruiert und in den Zusammenhang der Moralphilosophie Kants eingeordnet werden. Die Teilnehmer werden einen für Kants Ethik wichtigen Text kennenlernen, der gegenwärtig in der Forschung neue Aufmerksamkeit findet.

  • Immanuel Kant: Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre, Hamburg 2008 (Meiner).
  • Betzler, Monika (Hg.): Kants’s Ethics of Virtue, Berlin/New York 2007.
  • Denis, Lara (Hg.): Kant's Metaphysics of Morals. A Critical Guide, Cambridge/New York 2010.
  • Esser, Andrea: Eine Ethik für Endliche. Kants Tugendlehre in der Gegenwart, Stuttgart 2003.
  • Gregor, Mary: Laws of Freedom. A Study of Kant’s Method of Applying the Categorical Imperative in the Metaphysik der Sitten, Oxford 1963.
  • Timmons, Mark (Hg.): Kant’s Metaphysics of Morals. Interpretative Essays, Oxford/New York 2002.
  • Trampota, Andrea/Sensen, Oliver/Timmermann, Jens (Hg.): Kant’s „Tugendlehre“. A Comprehensive Commentary, Berlin/Boston 2013.

Wintersemester 2015/16

Do, 16-18 Uhr, SH 1.108
Moralischer Konstruktivismus
BA VM 3; MA GM 3, SPM 1,2; MAG VM 3a, 3b; L3 VM 3


Di, 12-14 Uhr, SH 0.109
John Rawls: Politischer Liberalismus
BA AM 1, 3; MAG AM 1b, 3a; L3 AM 1, 3

Politischer Liberalismus von 1993 ist das zweite Hauptwerk von John Rawls und enthält eine Weiterentwicklung seiner Gerechtigkeitstheorie. Das Buch führt aus, wieso der Pluralismus innerhalb liberaler Gesellschaften mit einem Konsens über Fragen der Gerechtigkeit verträglich ist. Im Seminar werden wir das Buch gemeinsam lesen und ausführlich diskutieren.

Literatur:

  • John Rawls: Politischer Liberalismus, Frankfurt/M. 1998 (engl. 1993).
  • Otfried Höffe (Hg.): John Rawls: Politischer Liberalismus, Berlin/Boston 2015.

Sommersemester 2015

Derek Parfit: On What Matters
(mit Philipp Schink)
Fortsetzung des Seminars aus dem Wintersemester


Do, 12-14 Uhr, IG 2.501
T. M. Scanlon: What we owe to each other
(mit Claudia Blöser)
BA VM 3; MA GM 3, SPM 1, 2; L3 VM 3; MA PT PT-MA-7


Wintersemester 2014/15

Mo, 12-14 Uhr, Mi, 14-16 Uhr, HZ 6
Einführung in die Philosophie
(mit Jasper Liptow)
BA BM 1; MAG BM 2, 3; L3 BM 2, 3


Di, 14-16 Uhr, PEG 1G.111
Derek Parfit: On What Matters

(mit Philipp Schink)
BA VM 3; Mag. VM 3a, 3b; L3 VM 3a, 3b; MA GM 3 SPM 1, 2

In On What Matters unternimmt es Derek Parfit, die wichtigsten Ansätze der Moralphilosophie – Konsequentialismus, Kantianismus und Kontraktualismus – zusammenzuführen. Er versucht aufzuzeigen, dass es zwischen ihren Positionen keine unauflösbaren Meinungsunterschiede gibt und ihnen ein gemeinsames Moralprinzip zugrunde liegt: „These people are climbing the mountain on different sides.“

Obgleich das Buch erst 2011 erschienen ist, gehört es bereits jetzt zu den meistdiskutierten Werken zur Moralphilosophie aus den letzten Jahrzehnten. In klarer Darstellung kommen in ihm Grundprobleme der Moralphilosophie und der Theorie praktischer Rationalität zur Sprache. Im Seminar werden wir den im ersten Band enthaltenen zentralen Teil lesen und gemeinsam diskutieren

Literatur:

  • Derek Parfit: On What Matters, Oxford: Oxford UP 2011 (Bd. 1 bitte anschaffen!).

Sommersemester 2014

Do, 16-18 Uhr, IG 2.401
Handlungsgründe

(mit Frederike Popp)
BA: VM 2, 3; Mag.: VM 2b, 3a; MA: GM2, GM 3

In der Literatur zur Handlungstheorie wird die Annahme allgemein geteilt, dass Handlungen auf Gründen beruhen. Keine Übereinstimmung gibt es jedoch in den Fragen, worin Handlungsgründe bestehen und was es heißt, aus Gründen zu handeln. Das Seminar wird sich mit der erklärenden wie mit der rechtfertigenden Rolle von Handlungsgründen beschäftigen und darüber hinaus diskutieren, ob sich Handlungsgründe der Psychologie des Akteurs oder Gegebenheiten in der Welt verdanken. Ziel des Seminars ist es, zu einem Überblick über die zentralen Positionen in der gegenwärtigen Debatte über Handlungsgründe zu gelangen.

Literatur:

  • Setiya, Kieran/Paakkunainen, Hille (Hg.): Internal Reasons. Contemporary Readings, Cambridge, Mass.: MIT Press 2012.

Mo, 12-14 Uhr, IG 457
Kant: Kritik der praktischen Vernunft
BA AM 1, 3; MAG AM 1b, 3a; L3 AM 1b, 3a


Wintersemester 2013/14

Do, 14-16 Uhr, IG 2.401
Hart: The Concept of Law
BA VM 1, 3; Mag. VM 1, 3

H.L.A. Harts Buch The Concept of Law von 1961 ist das klassische Werk der analytischen Rechtsphilosophie. Unter anderem enthält es eine Normanalyse, die auch über die Grenzen der Rechtsphilosophie hinaus große Bedeutung erlangt hat. Im Seminar werden wir die englische Originalausgabe lesen und diskutieren.

Literatur:

  • H.L.A. Hart, The Concept of Law. Third Edition, Oxford: Oxford UP 2012. 
  • Green, Leslie:Introduction“, in: H.L.A. Hart, The Concept of Law. Third Edition, Oxford: Oxford UP 2012, XV-LXI.
  • Möllers, Christoph: „Nachwort“, in: H.L.A. Hart, Der Begriff des Rechts, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2011, 366-387.
  • Coleman, Jules (Hg.): Hart’s Postscript. Essays on the Postscript to The Concept of Law, Oxford: Oxford UP 2001.
  • Kramer, Matthew/Grant, Claire/Colburn, Ben/Hatzistavrou, Antony (Hg.): The Legacy of H.L.A. Hart. Legal, Political and Moral Philosophy, Oxford: Oxford UP 2008.
  • MacCormick, Neil: H.L.A. Hart, Stanford: Stanford UP 1981.

Mi, 12-14 Uhr, NG 731
Kant: Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre

BA AM 1, 3; Mag. AM 1b, 3b

Die Metaphysischen Anfangsgründe der Rechtslehre erscheinen 1797 als erster Teil der Metaphysik der Sitten. Im Seminar werden wir Kants Schrift zur Rechtsphilosophie in ihren Argumenten aufmerksam rekonstruieren und diskutieren. Für den Besuch der Veranstaltung werden Kenntnisse der Moralphilosophie Kants vorausgesetzt.

Literatur:

  • Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten, in: Werkausgabe, Bd. VIII, Frankfurt/M.: Suhrkamp u.a. 2009.
  • Byrd, B. Sharon/Hruschka, Joachim: Kant's Doctrine of Right. A Commentary, Cambridge: Cambridge UP 2010.
  • Denis, Lara: Kant's Metaphysics of Morals. A Critical Guide, Cambridge: Cambridge UP 2012.
  • Flikschuh, Katrin: Kant and Modern Political Philosophy, Cambridge: Cambridge UP 2000.
  • Höffe, Otfried (Hg.), Immanuel Kant. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre, Berlin: Akademie 1999.
  • Kersting, Wolfgang: Wohlgeordnete Freiheit. Immanuel Kants Rechts- und Staatsphilosophie, Paderborn: Mentis 3. A. 2007.
  • Ludwig, Bernd: Kants Rechtslehre, Hamburg: Meiner 1988.
  • Ripstein, Arthur: Force and Freedom. Kant's Legal and Political Philosophy, Cambridge, Mass.: Harvard UP 2009.
  • Timmons, Mark: Kant's Metaphysics of Morals. Interpretative Essays, Oxford: Oxford UP 2000.

Sommersemester 2013

Do, 16-18 Uhr, IG 457
Soziale Erkenntnistheorie
BA: VM 2, 3; Mag.: VM 2a, 3b

Die traditionelle Erkenntnistheorie folgt einem individualistischen Verständnis, nach dem sich Erkenntnis individueller Tätigkeit und der Anwendung individueller Fähigkeiten verdankt. Dagegen geht die soziale Erkenntnistheorie davon aus, dass wir auch in kognitiver Hinsicht Gemeinschaftswesen sind. Sie verweist darauf, dass wir viele unserer Überzeugungen von anderen übernommen und nicht durch eigene Erfahrung oder Überlegung erlangt haben und dass Wissen zumindest zum Teil durch kollektive Unternehmungen erworben wird.

Unter anderem wird sich das Seminar mit den Fragen beschäftigen, ob Mitteilung durch andere eine selbständige Erkenntnisquelle bildet, was gemeinschaftlichen Wissensgewinn und kollektive Überzeugungen auszeichnet und welche theoretische Bedeutung Meinungsunterschieden zukommt. Dabei sollen Themen der sozialen Erkenntnistheorie auch mit Blick auf die Anwendungsfelder von Wissenschaft, Recht und Demokratie zur Sprache kommen.

Literatur:

  • Goldman, Alvin I.: Knowledge in a Social World, Oxford/New York 1999.
  • Goldman, Alvin I./Whitcomb, Dennis (Hg.): Social Epistemology. Essential Readings, Oxford/New York 2010.

Di, 12-14 Uhr, IG 457
Interpretationskurs: Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten


Wintersemester 2012/13

Di, 10-12 Uhr
Darwall und Korsgaard über moralische Verpflichtung
(mit Eva Buddeberg)
BA: VM 3; Mag.: VM 3a, 3b

Moralische Verpflichtung lässt sich dadurch charakterisieren, dass moralische Pflichten kategorische Handlungsgründe liefern. Umstritten ist aber, worauf moralische Verpflichtung beruht. Im Rahmen dieses Seminars werden zwei aktuelle Theorien über die Quellen moralischer Normativität verglichen: Christine Korsgaard folgt in verschiedenen Büchern der Idee, moralische Verpflichtung aus den Bedingungen praktischen Überlegens zu erklären. Demgegenüber geht Stephen Darwall vom Verständnis moralischer Forderungen aus, die vom Standpunkt der zweiten Person gegenüber anderen eingeklagt und anerkannt werden können. Während dabei Korsgaard moralische Verpflichtung in der Perspektive der ersten Person erläutert, wird sie von Darwall als etwas wesentlich Soziales beschrieben. Im Seminar werden Korsgaard 2009 und Darwall 2006 diskutiert; außerdem werden wir auf die zwischen Korsgaard und Darwall kontroverse Deutung der Autonomieethik Kants eingehen und weitere Literatur über den interpersonalen Charakter von Moral hinzuziehen.

Literatur:

  • Darwall, Stephen: The Second-Person Standpoint. Morality, Respect, and Accountability, Cambridge, Ma.: Harvard UP 2006.
  • Korsgaard, Christine M.: Self-Constitution. Agency, Identity, and Integrity, Oxford/New York: Oxford UP 2009.

Mi, 12-14 Uhr
Wozu Wahrheit? Eine Kontroverse zwischen Davidson und Rorty
BA: AM 1, 2; Mag.: AM 1b, 2a, 2b

Über Jahrzehnte führten Davidson und Rorty eine Debatte über den Wahrheitsbegriff. Zwar halten beide den Begriff der Wahrheit für nicht definierbar, sie verbinden diese Überzeugung aber mit unterschiedlichen Konsequenzen. Während Wahrheit nach Rorty kein philosophisch interessantes Thema bildet, hält Davidson an der Bedeutung des Wahrheitsbegriffs für die Beschreibung sprachlichen Verhaltens fest. Anhand grundlegender Texte beider Autoren werden wir uns mit der Kritik der traditionellen Wahrheitstheorien bei Davidson und Rorty beschäftigen und beider Alternativen kennenlernen.

Literatur:

  • Donald Davidson/Richard Rorty: Wozu Wahrheit? Eine Debatte, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2005.

Sommersemester 2012

Di, 16-18 Uhr
Moralischer Realismus und Antirealismus
BA: VM 3; Mag.: VM 1b, 3a

Der moralische Realismus verteidigt den Begriff des moralischen Wissens. Dabei stützt er sich auf die Annahmen, dass es von den Einstellungen von Subjekten unabhängige  moralische Tatsachen gibt und diese von wahren moralischen Urteilen repräsentiert werden. Der moralische Realismus wird auf verschiedener Grundlage vertreten, ist aber auch starken Angriffen ausgesetzt. Teilnehmer der Veranstaltung werden diese für die Metaethik zentrale Debatte in ihren Grundpositionen kennenlernen. Dem Seminar liegen Texte aus Sayre-McCord (1988) zugrunde, ergänzt durch neuere Beiträge.

Literatur:

  • Sayre-McCord, Geoffrey (Hg.): Essays on Moral Realism, Ithaca: Cornell UP 1988.

Mi, 12-14 Uhr
Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
BA: AM 1, 2; Mag.: AM 1b, 2a, 2b
Raumänderung: Das Seminar findet in AfE-104a (AfE-Turm, Campus Bockenheim) statt!

Unter dem Titel Philosophical Essays concerning Human Understanding (später An Enquiry concerning Human Understanding) legt Hume 1748 eine kompakte Neufassung des ersten Teils seines Treatise of Human Nature von 1739/40 vor. Ausgehend von einer Darstellung erkenntnispsychologischer Grundlagen enthält die Enquiry concerning Human Understanding eine Analyse der Begriffe von Kausalität, Induktion, Notwendigkeit und Freiheit in Verbindung mit einer Erörterung der Vernunft der Tiere, einer Wunderkritik und einer Auseinandersetzung mit dem teleologischen Gottesbeweis. Im Rahmen der Veranstaltung werden wir diesen klassischen Text – mit dem Hume für einen moderaten Skeptizismus plädiert und durch dessen Lektüre Kant aus dem „dogmatischen Schlummer“ erwachte – in seinen Argumenten rekonstruieren und diskutieren.

Teilnehmer werden gebeten, eine der textidentischen Ausgaben anzuschaffen:

  • David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Hamburg: Meiner 1993. 
  • David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2007.

Weitere Literatur:

  • David Hume: An Enquiry concerning Human Understanding, Oxford/New York: Oxford UP 1999.
  • Klemme, Heiner F.: David Hume zur Einführung, Hamburg: Junius 2007.
  • Kulenkampff, Jens: David Hume, München: C.H. Beck 1989.
  • Kulenkampff, Jens (Hg.): David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Berlin: Akademie 1997.

Wintersemester 2011/12

Vertiefungsmodul
Anscombe: Intention
(mit Mario Wenning)
Do, 14-16 Uhr
VM 1b, 2a, 2b, 3a

G.E.M. Anscombes Buch Intention von 1957 gehört zu den klassischen philosophischen Werken des letzten Jahrhunderts. Ausgehend vom Begriff der Absicht entwickelt Anscombe darin ein sowohl für die praktische Philosophie als auch für die Philosophie des Geistes folgenreiches Verständnis von Handlungen. Im Seminar soll das Buch anhand des Originaltextes wie der aktuellen Neuübersetzung ausführlich besprochen und diskutiert werden.

Literatur:

  • G.E.M. Anscombe: Absicht, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2010.
  • G.E.M. Anscombe: Intention, Cambridge, Mass./London: Harvard UP 2000.

Sommersemester 2011

Aufbaumodul
Moderne Tugendethik
Do 16-18 Uhr
AM 1b, 3a, 3b

Die Tugendethik opponiert Deontologie und Konsequentialismus als Formen der Ethik. Sie beansprucht, ein falsches Bild moralischen Handelns zu korrigieren, für das der Begriff der moralischen Pflicht zentral ist, und bietet alternative Erläuterungen der Motive für moralisches Handeln, der Bedeutung des guten Lebens und des Charakters in der Ethik. Im Seminar werden grundlegende Texte zur Tugendethik von Autoren wie G. E. M. Anscombe, Iris Murdoch, Bernard Williams, Alasdair MacIntyre, Philippa Foot, John McDowell oder Rosalind Hursthouse diskutiert.

Literatur:

  • Borchers, Dagmar: Die neue Tugendethik – Schritt zurück im Zorn? Eine Kontroverse in der Analytischen Philosophie, Paderborn 2001.
  • Crisp, Roger/Slote, Michael (Hg.): Virtue Ethics, Oxford/New York 1997.
  • Darwall, Stephen (Hg.): Virtue Ethics, Malden, MA/Oxford 2003.
  • Rippe, Klaus-Peter/Schaber, Peter (Hg.): Tugendethik, Stuttgart 1998.

Wintersemester 2010/2011

Reading Group, Workshop
The Nature of Normativity
(mit Eva Buddeberg und Jörg Schaub)
Jeweils Freitag, 10-13 Uhr
Kleiner Sitzungssaal (1. OG), Georg-Voigt-Str. 4

Die Reading Group dient der Vorbereitung der Ringvorlesung "The Nature of Normativity" und der Workshops mit den Vortragsgästen im Rahmen des Exzellenzclusters. Gemeinsam diskutiert werden die vorab zur Verfügung gestellten Vortragsmanuskripte. Alle Mitglieder des Exzellenzclusters sind sehr herzlich zur Teilnahme eingeladen.


Hauptseminar
Texte zur Handlungstheorie
Do, 14-16 Uhr, IG 501
VM 2a, 2b, 3a

Die jüngere Debatte in der Handlungstheorie wird zu großen Teilen von den Fragen bestimmt, was Handlungsgründe sind, was es heißt, aus Gründen zu handeln, und worin die Struktur von Handlungserklärungen besteht. Während Vertreter der kausalistischen Auffassung im Anschluss an Davidson behaupten, dass Handlungserklärungen auf Gründen basieren, die Handlungen verursachen, behaupten Vertreter der teleologischen Auffassung, dass Ziele oder Zwecke, die auf Handlungen folgen und deren Verwirklichung durch Handlungen intendiert wird, für Handlungserklärungen relevant sind. Das Seminar wird sich mit der Alternative zwischen kausalistischen und teleologischen Formen der Handlungserklärung beschäftigen, aber auch auf angrenzende Fragen der Handlungstheorie eingehen. Die Veranstaltung bietet eine Gelegenheit, Positionen von Fürsprechern und Kritikern der auf Davidson zurückgehenden Standardauffassung in der Handlungstheorie kennenzulernen.

Literatur:

  • Horn, Christoph/Löhrer, Guido (Hg): Gründe und Zwecke. Texte zur Handlungstheorie, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2010. (Bitte anschaffen!)
  • Leist, Anton (Hg.): Action in Context, Berlin/New York: de Gruyter 2007.
  • Stoecker, Ralf (Hg.): Handlungen und Handlungsgründe, Paderborn: Mentis 2002.
  • Handlungserklärungen, Themenheft Internationale Zeitschrift für Philosophie 17.1 (2008).

Sommersemester 2010

Kolloquium
Kolloquium zu theoretischer Philosophie und Ästhetik
(mit Stefan Deines und Jasper Liptow)


Hauptseminar
Theorien politischer Normativität
(Institut für Politikwissenschaft)

Das Seminar geht den Fragen nach, was politische Normen sind, worin sie sich von Normen anderer Art unterscheiden und wodurch sie begründet werden können. Einleitend sollen Begriffe rechtlicher Normen im Verhältnis zu staatlichem Zwang und Moral bei Austin, Kelsen und Hart in Grundlinien rekonstruiert werden. Im Anschluss wird die aktuelle und kontrovers rezipierte Auffassung Peter Stemmers behandelt, wonach politische Normen wie Normen generell primär durch Sanktionen konstituiert sind. Alternativ wird sich das Seminar darüber hinaus mit prominenten Positionen beschäftigen, nach denen politische Normen durch die Form ihrer Legitimation bestimmt sind. Dabei soll anhand einschlägiger Texte von Rawls, Raz, Dworkin und Habermas auf die Diskussion eingegangen werden, ob die Rechtfertigung politischer Normen auf Überzeugungen über das Gute des menschlichen Lebens Bezug nehmen muss oder sich einem öffentlichen Vernunftgebrauch ohne Basis in Wertorientierungen verdankt. Die Veranstaltung bietet eine Gelegenheit, verschiedene Charakterisierungen politischer Normativität und ihre spezifischen Probleme kennenzulernen.

Literatur:

  • Koller, Peter: Artikel „Norm“, in: S. Gosepath/W. Hinsch/B. Rössler (Hg.), Handbuch der Politischen Philosophie und Sozialphilosophie, Berlin/New York: de Gruyter 2008, 913-918.
  • Dworkin, Ronald: „Equality and the Good Life“, in: ders., Sovereign Virtue. The Theory and Practice of Equality, Cambridge, Ma./London: Harvard UP 2000, 237-284.
  • Habermas, Jürgen: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1992.
  • Hart, H.L.A.: Der Begriff des Rechts, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1973.
  • Rawls, John: „Gerechtigkeit als Fairneß: politisch und nicht metaphysisch“, in: ders., Die Idee des politischen Liberalismus, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1992, 255-292.
  • Rawls, John: „Der Vorrang des Rechten und die Idee des Guten“, in: ders., Die Idee des politischen Liberalismus, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1992, 364-397.
  • Raz, Joseph: The Morality of Freedom, Oxford/New York 1986
  • Stemmer, Peter: Normativität, Berlin/New York: de Gruyter 2008.

Proseminar
Hobbes: Leviathan
(Institut für Politikwissenschaft, Institut für Philosophie)

Hobbes’ Leviathan von 1651 ist eines der zentralen Werke der politischen Philosophie der Neuzeit. Darin legt Hobbes dar, dass es für an Selbsterhaltung und Glück interessierte Individuen rational ist, ihre Macht an die friedenssichernde Gewalt des Staates abzugeben. Im Rahmen der Veranstaltung werden die ersten beiden Teile des Leviathan mit Aufmerksamkeit auf die Konzeptionen von Staat und Naturzustand einschließlich der anthropologischen und moralphilosophischen Voraussetzungen  gelesen. Im Mittelpunkt der  Diskussion steht Hobbes’ Argumentation für die Begründung staatlicher Herrschaft ohne Einschränkung der Macht des staatlichen Souveräns.

Literatur:

  • Thomas Hobbes: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1984.
  • Kersting, Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung, Hamburg: Junius 1992.
  • Kersting, Wolfgang (Hg.): Thomas Hobbes: Leviathan, Berlin: Akademie 1996.

Wintersemester 2009/10

Proseminar
Hume: Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral
(mit Martin Seel)

Mit seiner klassischen Untersuchung über die Prinzipien der Moral (An Enquiry Concerning the Principles of Morals) beteiligt sich Hume 1751 erneut an der Kontroverse, ob die Moral auf Vernunft oder Gefühl beruht. Während er im Treatise of Human Nature von 1739/40 moralische Bewertungen auf den moral sense zurückführt, behandelt er in der Enquiry Nützlichkeit (utility) als Kriterium für den Wert der Tugenden. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird die Untersuchung über die Prinzipien der Moral gemeinsam gelesen und diskutiert sowie mit Passagen aus dem dritten Buch des Treatise verglichen.

Literatur:

  • David Hume: Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral, übers. u. hg. v. Manfred Kühn, Hamburg: Meiner 2003.
  • David Hume: Über Moral. Kommentar von Herlinde Pauer-Studer, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2007 (= Traktat über die menschliche Natur, Buch III).
  • Klemme, Heiner F.: David Hume zur Einführung, Hamburg: Junius 2007.
  • Kulenkampff, Jens: David Hume, München: C.H. Beck 1989.

Sommersemester 2009

Kolloquium
Kolloquium zu theoretischer Philosophie und Ästhetik
(mit Stefan Deines und Jasper Liptow)


Proseminar
Warum moralisch sein?

Das Seminar beschäftigt sich mit der Frage, warum es vernünftig ist, moralisch zu sein. Prominent ist diese Frage in der Auseinandersetzung mit dem Amoralisten, der moralische Forderungen als Hindernis für seine eigenen Interessen ablehnt. Gegen die Position des Amoralisten spricht eine Argumentation, nach der es rational ist, Einschränkungen des Eigeninteresses zu akzeptieren. So ist es einigen Vorschlägen zufolge sinnvoll, moralische Verpflichtungen anzuerkennen, weil ohne sie Wohlergehen oder Glück nicht erreichbar ist. Alternativ behaupten andere Autoren, dass moralische Verpflichtungen auf objektiven Werten oder objektiver Vernunft basieren und keiner Unterstützung durch eudaimonistische Motive bedürfen.

Das Seminar behandelt das Problem der Geltung von Moral anhand grundlegender Texte von Autoren wie Platon, H. A. Prichard, F. H. Bradley, Kurt Baier, Richard M. Hare, David Gauthier, Bernard Williams, Philippa Foot, Ernst Tugendhat und Thomas Nagel. Ein Teil der Texte ist enthalten in Bayertz (Hg.) 2002; eine Einführung in das Thema bietet Bayertz 2006.

Literatur

  • Kurt Bayertz (Hg.): Warum moralisch sein? Paderborn: UTB 2002.
  • Kurt Bayertz: Warum überhaupt moralisch sein? München: Beck 2006.

Wintersemester 2008/09

Proseminar
Kant: Kritik der Urteilskraft (Ästhetik)

Das Proseminar wird sich mit dem ersten Teil der Kritik der Urteilskraft (1790) beschäftigen, der Kants Ästhetik enthält. Die Themen bilden die Theorie des Geschmacksurteils als Urteil über das Schöne, die Lehre vom Erhabenen, der Begriff des Genies, die Einteilung der Künste und die Systemfunktion des transzendentalen Prinzips der Urteilskraft. Im Mittelpunkt der Veranstaltung wird die ausführliche Rekonstruktion des Argumentationsverlaufs unter Einbezug ausgewählter aktueller Interpretationsvorschläge stehen. Darüber hinaus soll der Zusammenhang mit empiristischen und rationalistischen Vorgängertheorien über die Natur des Schönen punktuell aufgezeigt und die Tragweite zentraler Positionen Kants für die heutige philosophische Ästhetik diskutiert werden.

Literatur:

  • Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Beilage: Erste Einleitung in die „Kritik der Urteilskraft“, hg. v. Heiner F. Klemme, Hamburg: Meiner 2006. (Zur Anschaffung empfohlen.)
  • Allison, Henry A.: Kant's Theory of Taste. A Reading of the Critique of Aesthetic Judgment, Cambridge/New York: Cambridge UP 2001.
  • Guyer, Paul: Kant and the Claims of Taste, Cambridge/New York: Cambridge UP 1997 (2. A.).
  • Höffe, Otfried (Hg.): Immanuel Kant. Kritik der Urteilskraft, Berlin: Akademie 2008.
  • Kulenkampff, Jens: Kants Logik des ästhetischen Urteils, Frankfurt/M.: Klostermann 2001 (2. A.).

Wintersemester 2007/08

Proseminar
Descartes: Meditationes  
(mit Martin Seel)

René Descartes’ kurze Abhandlung Meditationes de Prima Philosophia aus dem Jahr 1641 ist eines der Grundbücher der neuzeitlichen Philosophie. Die Meditationes stehen für eine nachhaltige Wende im philosophischen Denken, die von der Selbsterfahrung des Denkens her ein Verständnis der objektiven Welt zu gewinnen versucht.

Literatur:

  • Descartes, René: Meditationes de Prima Philosophia, Stuttgart: Reclam 1986.
  • Perler, Dominik: René Descartes, München: Beck 2006.