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Pressemitteilung

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2017 an Yuan Chang und Patrick S. Moore verliehen, Volker Busskamp erhielt den Nachwuchspreis

FRANKFURT am MAIN. Am 14.03.17 wurde in der Frankfurter Paulskirche der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2017 an das US-Ehepaar Professor Dr. Yuan Chang und Professor Dr. Patrick S. Moore vom „University of Pittsburgh Cancer Institute“ verliehen. Professor Harald zur Hausen, Vorsitzender des Stiftungsrats der Paul Ehrlich-Stiftung,  und Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, überreichten die Urkunden und Medaillen. In diesem Jahr war der Preis erstmals mit 120.000€ dotiert. Dr. Volker Busskamp vom DFG Forschungszentrum für regenerative Therapien der TU Dresden (CRTD) wurde mit dem 60.000€ dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis geehrt. An dem Festakt nahm auch Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst teil.

Chang und Moore sind für die Entdeckung des Humanen Herpesvirus 8 (HHV-8) und des Merkelzell-Polyomavirus (MCV) geehrt worden. Nach HHV-8 sei über fünfzehn Jahre vergeblich gesucht worden, sagte zur Hausen in der Frankfurter Paulskirche. Der Erfolg der Preisträger basiere auf einer neuen Vorgehensweise. Die beiden hätten erkannt, dass die Suche nach neuen Tumorviren eine Suche nach den viralen Genen sein müsse, nicht nach den Viruspartikeln. „Die Pionierarbeit der beiden Wissenschaftler, die als Ehepaar entscheidend zu unserem Verständnis Virus-assoziierter Krebserkrankungen beigetragen haben, ist von großer praktischer Bedeutung. Sie eröffnet neue Möglichkeiten zur Prävention und Therapie einer der inzwischen in Afrika häufigsten Krebserkrankungen und weist auch neue Wege zur Diagnostik, Vorbeugung und Therapie des Merkelzell-Karzinoms“, so der Nobelpreisträger in seiner Laudatio. Bei der Therapie des Merkelzell-Karzinoms ruhen die Hoffnungen auf der Checkpoint-Hemmung, einem neuen vielversprechenden Therapieprinzip gegen Krebs. Beim Kaposi-Sarkom gibt es bisher allerdings weder eine Therapie noch eine Impfung.

Zur Hausen betonte in seiner Eröffnungsrede auch, wie wichtig der offene, freie und internationale Dialog für den wissenschaftlichen Fortschritt sei. „Forschung braucht die besten Talente und die müssen international rekrutiert werden“, so der Nobelpreisträger. Auch Moore und Chang verwiesen in ihren Reden darauf, dass Wissenschaft ein menschliches Unterfangen sei, das keine internationalen Grenzen kenne.

Der Biotechnologe, Neurowissenschaftler und Stammzellforscher Dr. Volker Busskamp wurde für seine anwendungsorientierte neurobiologische Forschung geehrt. Busskamp hat verschiedene Konzepte zur Gentherapie bei der Retinitis pigmentosa entwickelt. Inzwischen verknüpft er Nervenzellen, die er durch die Differenzierung von induzierten Stammzellen im Labor gewinnt, zu reproduzierbaren Nervenschaltkreisen. Diese können als Modelle für Erkrankungen oder für die Grundlagenforschung genutzt werden. Busskamps große Kreativität und Beharrlichkeit und die selbständige Konzeption und Durchführung seiner Projekte, hätten früh erkennen lassen, dass er ein sehr vielversprechender Wissenschaftler sei, sagte Dr. Ernst Bamberg vom Max Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt in seiner Laudatio. Als Biotechnologe hat Busskamp einen geradezu technischen Blick auf die neurobiologischen Fragestellungen. Daraus ergeben sich andere Perspektiven und Zugangswege. Der Nachwuchspreisträger plädierte in seiner Dankesrede dafür, dass Forschung ausreichend finanziert werden müsse und eine wichtige Investition in die Zukunft sei.


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Die Preisträger 2017

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Prof. Chang und Prof. Moore

Chang und Moore wurden für ihre Arbeiten zu Tumorviren geehrt. Wer nach neuen Tumorviren sucht, muss nach deren Genen Ausschau halten, nicht nach den Viruspartikeln. Die diesjährigen Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Preisträger sind mit dieser Strategie zweimal fündig geworden.
Volker Busskamp wurde für anwendungsorientierte neurobiologische Forschung mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet. Der Preisträger wird für seinen Beitrag zur Gentherapie der Retinitis pigmentosa und für die Entwicklung künstlicher Nervenzell-Schaltkreise geehrt. Retinitis pigmentosa ist eine erblich bedingte Form der Blindheit.


Die Preisträger 2016

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Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna erhalten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2016

Charpentier und Doudna werden für Arbeiten ausgezeichnet, die zur Entwicklung der programmierbaren Genschere CRISPR-Cas9 geführt haben. Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Nachwuchspreis ging an Dr. Claus-Dieter Kuhn. Er beschäftigt sich mit Ribonukleinsäuren, die nicht in Eiweiße übersetzt werden, sondern andere Aufgaben bei der Steuerung zellulärer Prozesse übernehmen.

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Die Preisträger 2015

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Prof. James P. Allison und Prof. Carl H. June sowie Prof. Raja Atreya

Die beiden amerikanischen Immuntherapeuten James P. Allison und Carl H. June wurden mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2015 ausgezeichnet.

Prof. Raja Atreya erhält die Auszeichnung für ein neuartiges Diagnostikum, mit dem sich vorhersagen lässt, ob Patienten mit Morbus Crohn von einer Therapie mit einem TNF-α-Antagonisten profitieren werden. Dieses Diagnostikum bietet die Möglichkeit, die Behandlung dieser schwerwiegenden Erkrankung besser zu individualisieren.

Hintergrundinformationen zu Allison und June
Hintergrundinformationen zu Atreya