Gastprofessur 2010

 

 

Prof. Dr. Josef Estermann

Vorlesung:

Religion und Theologie im andinen Kontext Lateinamerikas/Südamerikas

Termine                           

Themen

Mittwoch, 20.10.2010  Von der „Ausrottung des Götzendienstes“ bis zur „Inkulturation“
Mittwoch, 27.10.2010  Religiöser Synkretismus und kulturelle Identität
Mittwoch, 03.11.2010  Andine Philosophie als weisheitlicher Hintergrund
Mittwoch, 10.11.2010  Religion, Spiritualität und Glaube im andinen Kontext
Mittwoch, 17.11.2010  1992: Herausforderung an die Befreiungstheologie
Mittwoch, 24.11.2010  Indigene Theologien in Lateinamerika
Mittwoch, 01.12.2010  Gottesbild aus andiner Sicht
Mittwoch, 08.12.2010  Andine Christologie
Mittwoch, 15.12.2010  Herausforderungen an die europäisch-westlichen Theologien

Seminar

Befreiung - Inkulturation - Interkulturation

Seminar: Di, 14-16 Uhr, (Beginn: 12.10.)
Studientag: Samstag, 13.11. (TN verpflichtend)

Die andine Religiosität ist geprägt von vor-spanischen einheimischen Weisheitstraditionen, dem iberischen Volkskatholizismus und Elementen befreiungstheologischer Praxis. In letzter Zeit machen sich immer mehr Kirchen neu-pfingstlerischer Ausprägung mit einer „Theologie des Wohl-stands“ bemerkbar. Außerdem ist in den meisten Andenländern eine Renaissance der autochthonen Religiosität und Spiritualität festzustellen.

Was bedeuten diese Elemente für eine interkulturelle Dekonstruktion der (europäischen) Theologie? Ist die Konzeption von ‚Theologie‘ überhaupt auf andere Kulturräume übertragbar? Wie steht es mit der interkulturellen Übertragbarkeit theologischer Begrifflichkeit (diatopische Hermeneutik)? Was bedeutet denn eine „Entkolonialisierung“ von Kirche und Theologie, wie sie zum Beispiel in Bolivien gefordert wird? Wie sieht die interkulturelle Transformation der Befreiungstheologie im 21. Jahrhundert aus? Welche Herausforderungen an die europäische akademische Theologie stellen die Ansätze einer Andinen Theologie? Ist die christliche Theologie unweigerlich an das hellenistische Gedankengut gebunden (Benedikt XVI.), oder vermag sie sich in nicht-abendländische Philosophien zu „interkulturieren“?


Zur Person des Gastprofessors

Prof. Dr. Josef Estermann, geboren am 08. November 1956 in Sursee/Luzern (Schweiz), ist seit 2004 Professor für Missionswissenschaften, Christliche Ethik und Religionswissenschaften am Instituto Superior Ecuménico Andino de Teología (ISEAT) in La Paz/Bolivien, mit dem der Fachbereich durch einen Kooperationsvertrag verbunden ist. Darüber hinaus lehrt er als Professor für Philosophie an der Universidad Católica Boliviana „San Pablo“ (UCB, La Paz) und als Professor für Andine Philosophie, Interkulturelle Philosophie und Geschichte der Philosophie an der staatlichen Universidad Mayor de San Andrés (UMSA, La Paz). Seit 2004 ist er Nationaler Koordinator für Bolivien bei der Bethlehem Mission Immensee/Schweiz (BMI).

Prof. Estermann studierte von 1976 bis 1981 Katholische Theologie in Luzern und Nijmegen (Niederlande). Er schloss sein Studium mit dem Diplom und einer Arbeit über Johann Baptist Metz ab. 1981 bis 1985 folgte ein Studium der Philosophie in Utrecht (Niederlande) und Amsterdam, das er mit dem Lizentiat und einer Arbeit über Emmanuel Lévinas abschloss. Nach Doktoratsstudien in Philosophie in Luzern und Utrecht von 1985 bis 1989 promovierte er 1990 an der Universität Utrecht mit einer Dissertation über Gottfried Wilhelm Leibniz zum Thema „Individualität und Kontingenz“.

Von 1990 bis 1998 arbeitete Prof. Estermann im Auftrag der Schweizerischen Missionsgesellschaft Bethlehem in Cusco (Peru) und lehrte dort von 1991 bis 1998 als Professor für Philosophie am Erzbischöflichen Theologischen Seminar. Von 1998 bis 2004 war er Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio e.V. (MWI) in Aachen.

Prof. Dr. Estermann ist ein international anerkannter Experte für die Kulturen, Philosophien und Religionen im andinen Raum. Höchst eindrucksvoll ist sein umfangreiches und mehrsprachiges Publikationsverzeichnis. Durchgängige Schwerpunkte seiner theologischen und philosophischen Lehr- und Forschungstätigkeiten bilden der lateinamerikanisch-europäische Dialog im Kontext von Kultur und Religion sowie die Frage nach dem Beitrag der autochthonen Ortskirchen (v.a. aus dem andinen Raum) für die Weltkirche. Auf der Grundlage seiner profunden Kenntnis sowohl der lateinamerikanischen, andinen als auch der westlich-europäischen Sprach- und Gedankenwelt gelingt es ihm, Ansätze zu einer christlichen Philosophie, Theologie und Kirche in andiner-postkolonialer Perspektive zu entwickeln und zu vertiefen, die für den interkulturellen und interreligiösen Dialog sowie für die Perspektive einer Weltkirche im Horizont des II. Vatikanischen Konzils und der davon angestoßenen lateinamerikanischen Theologie der Befreiung und ihrer Weiterentwicklung im 21. Jahrhundert von unschätzbarem Wert sind.

Prof. Dr. Josef Estermann ist verheiratet und hat drei Kinder. Er besitzt sowohl die schweizerische als auch die niederländische Staatsbürgerschaft.