Abgußsammlung

Zu den Sammlungen der Klassischen Archäologie gehört eine repräsentative Abguss-Sammlung. Sie ist nahe den Räumlichkeiten der Abteilung im I.G.-Farben-Haus im 7. OG in einem großen Oberlichtsaal untergebracht (Raum 7.511). Die Sammlungsbestände werden u.a. in der Lehre eingesetzt; hier werden die Studierenden direkt an das Objekt und seine Geschichte herangeführt. Die Möglichkeiten der Einbindung in die Lehre sind vielfältig, insbesondere bei der Einübung vergleichender Formanalyse: In einer Abguss-Sammlung können antike Skulpturen ganz unterschiedlicher Standorte versammelt und unter gleichen Wahrnehmungsbedingungen ringsum betrachtet werden, was so in keinem Museum möglich ist. Die Frankfurter Abguss-Sammlung ist eng mit der Universitätsgeschichte verbunden und spiegelt die Entwicklung der Forschungsschwerpunkte im Fach Klassische Archäologie wider.

Den Grundstock bildete die städtische Sammlung von Gipsabgüssen antiker Statuen des Städel'schen Kunstinstitutes, die bei der Gründung der Universität in deren Besitz überging. Hans Schrader als erster Lehrstuhlinhaber der Klassischen Archäologie konnte erreichen, dass die Abgüsse in einem eigens geschaffenen Oberlichtsaal des Hauptgebäudes der Universität untergebracht wurden. Universität und Stadt schrieben einen Etat zu deren Unterhalt und Vermehrung fest. In Schraders Konzept zum Ausbau der "klassizistischen" Städel'schen Abguss-Sammlung zeigen sich deutlich die ästhetischen Maßstäbe seiner Generation: Der zuerst durch die Parthenonskulpturen erweckte und durch die Funde der großen Ausgrabungen des späten 19. Jhs. geförderte Sinn für griechische „Originale“ setzte sich seit Beginn des 20. Jhs. auch bei den klassischen Archäologen durch. Schrader, der selbst in Athen an der Veröffentlichung der archaischen Marmorplastik von der Akropolis mitwirkte, schaffte überwiegend Abgüsse von Werken der Archaik, des Strengen Stils und der Hochklassik an. Seine lange Abwesenheit aus Krankheitsgründen führte jedoch dazu, dass die Sammlung in kurzer Zeit durch konkurrierende Interessen aus ihren Räumen gedrängt wurde. Die Universität reklamierte 1931 die Stellfläche der Abgüsse für sich und ordnete deren Magazinierung in angemietete Räume der Unions-Druckerei an der Bockenheimer Landstraße an.

Trotz intensiver Bemühungen konnte Ernst Langlotz, der in den Jahren 1933-1940 den Lehrstuhl in der Nachfolge Schraders innehatte, keine angemessene Unterbringung erreichen. In diesem Zustand ist dann eine der ältesten und reichsten Abguss-Sammlungen Deutschlands bei dem schweren Bombardement 1944 zugrunde gegangen. Erhalten blieben lediglich die am ursprünglichen Standort verbliebenen, in die Wand eingemauerten Teile des Parthenonfrieses, die, nachdem sie der Obhut des Archäologischen Instituts entzogen waren, durch mehrfache Übertünchung ihren archäologischen Wert inzwischen eingebüßt haben. Guido Kaschnitz von Weinberg hat unmittelbar nach dem Krieg den Grundstock einer neuen Abguss-Sammlung gelegt.

Die Nachfolger Gerhard Kleiner, Hans von Steuben und Wulf Raeck haben die Sammlung gemäß ihren Grabungs- bzw. Forschungsaufträgen insbesondere durch Beispiele archaisch-milesischer, attisch-klassischer und hellenistisch-pergamenischer Plastik ergänzt. Unter der Obhut der Kustoden Peter Hommel und Ursula Mandel ist die Sammlung bis heute auf über 200 Stücke angewachsen. Da das Institut seit den Kriegsjahren keinen Etat mehr zur Vermehrung einer Abguss-Sammlung zur Verfügung hat, sind es neben der Vereinigung von Freunden und Förderern der Universität vor allem private Spender, die diesen Zuwachs ermöglichen.

Abbildungsnachweise:

  • links: Kopf der Athena aus dem Giebel des Peisistratidentempels, Athen, Akropolismuseum, Inv.Nr. 631 A, Gipsabguß aus Athen
  • mittig: sog. Peploskore,  Athen, Akropolismuseum, Inv.Nr. 679, Gipsabguß aus Athen
  • rechts: Porträt der Julia Domna aus Porcigliano, München, Glyptothek, Inv.Nr. 354, Gipsabguß aus München

↑ nach oben 


Originalsammlung

Neben der Abgußsammlung besitzt das Fach Klassische Archäologie auch eine Originalsammlung, die ebenfalls im IG-Farbenhaus, im 7. OG, in Raum 7.506 untergebracht ist. Zum Grundstock der Sammlung wurden 58 Scherben aus Griechenland: 30 Scherben erhielt Hans Schrader 1918 aus dem Akademischen Kunstmuseum in Bonn; 28 Scherben sandte W. Weber dem ehemaligen Frankfurter Kollegen. Die ersten bedeutenden Stücke kamen 1924 in die Sammlung, zwei attische weißgrundige Lekythen von der Hand des Achilleusmalers und eines Schülers, die Schrader aus persönlichen Mitteln und mit Hilfe von Spenden gekauft hatte. Bis in die mittleren fünfziger Jahre wurde die Sammlung um eine bunte Reihe von Terrakotten, Kleinbronzen, Gefäßen, weiteren Scherben, Lampen und kleineren Skulpturenfragmenten bereichert. Aus dem Besitz Felix Böltes, dessen Nachlaß nach dem Krieg ans Althistorische Seminar gegangen war, kam eine Sammlung griechischer Scherben hinzu, die er von seinen Reisen mitgebracht hatte.
Mit dem Amtsantritt Gerhard Kleiners 1956 setzten wichtige und gezielte Ankäufe, z.T. mit Hilfe von Berufungsgeldern, ein. Zusammen mit K. Parlasca und P. Hommel gelang es Kleiner, den weißgrundigen Lekythen qualitätvolle und repräsentative Beispiele geometrischer, archaisch-schwarzfiguriger, klassisch-rotfiguriger und hellenistischer Keramik an die Seite zu stellen. Im Hinblick auf die Forschungen in Milet wurden außerdem kleinasiatische Objekte erworben, von der orientalischen Bronzeschale bis zur hellenistischen Formschüssel. In Kleiners Zeit fiel die Veröffentlichung eines Teils der Vasensammlung des Instituts im ersten Frankfurter Band des Corpus Vasorum Antiquorum durch K. Deppert. Kurz vor Kleiners Emeritierung erhielt das Institut von dem Historiker Otto Vossler eine reiche Sammlung mykenischer Gefäßscherben und Terrakottafragmente aus Böotien als Geschenk.
Unter Hans von Steuben schließlich gelang eine Bereicherung der kleinen Skulpturensammlung um zwei bedeutende Kopffragmente: das Gesichtsfragment eines griechischen Philosophenportraits in römischer Kopie und das Fragment eines kolossalen Bildnisses vielleicht des Oktavian aus Kleinasien. Diese Skulpturen konnte das Archäologische Institut zusammen mit einer Auswahl an Kleinkunst und Keramik 1991 im Liebieghaus, Museum Alter Plastik, in Frankfurt zeigen; zur Ausstellung erschien ein Katalog von P. Hommel.

Führungen in der Originalsammlung nach Anmeldung:
Dr. Matthias Recke, Archäologisches Institut,
Raum 5.513, Tel. 069/798 32301
E-mail: Recke@em.uni-frankfurt.de

Literatur:
P. Hommel, Antike Kleinkunst aus der Sammlung des Archäologischen Instituts der Universität Frankfurt (1991).
U. Mandel in: Begegnungen: Frankfurt und die Antike (1994) S. 389 ff.
K. Deppert, Corpus Vasorum Antiquorum Frankfurt 1 (1964).
S. Mayer-Emmerling - A. von Mettenheim, Corpus Vasorum Antiquorum Frankfurt 4 (1994).
P. A. Mountjoy, The Johann Wolfgang Goethe University Collections: The Mycenean and the Minoan Pottery (2008).

Abbildungsnachweise:

  • Glasierter römischer Becher (urspr. Slg. Rexroth) aus der Originalsammlung FFM
  • Scherbe einer mykenischen Tasse, LHIIIB, 2. Drittel 2. Jtd. v. Chr., Originalsammlung FFM
  • Hellenistische Münze aus Priene mit dem Kopf der Athena, Museum Milet (Türkei)

↑ nach oben


Photothek

Die Photosammlung der Klassischen Archäologie umfaßt ca. 15.200 Photopappen und ist hauptsächlich im I.G.-Farben-Haus, im 5. OG, Q 5, in Raum 5.506 untergebracht.
Die Sammlung ist nach dem Zweiten Weltkrieg vom Lehrstuhlinhaber Guido Kaschnitz von Weinberg aufgebaut worden und seitdem ständig erweitert und gepflegt worden. Eine Besonderheit sind Hunderte Photographien griechischer Landschaften aus dem frühen 20. Jh., die der Frankfurter Gymnasialpädagoge und historische Geograph Felix Bölte aufgenommen hat. Die Photopappen ergänzen den in Fachbüchern publizierten Denkmälerbestand und können daher in Forschung und Lehre Verwendung finden.

Zugang nur nach Anmeldung: Dr. Matthias Recke (s. o.)

↑ nach oben