Forschungsfelder und -projekte

  • Migration & Stadt: Politiken und Praktiken der Bürgerschaft

    Im Anschluss an meine Arbeiten zu städtischen Politiken der Bürgerschaft in der postmigrantischen Gesellschaft greife ich aktuell die in der Citizenship-Literatur prominente Fokussierung auf Praktiken der Bürgerschaft auf, die insbesondere in Prozessen der Selbstorganisation in der Stadt und der Aneignung von Stadt zum Ausdruck kommen. Ich verstehe ›Stadt‹ dabei als lokale Maßstabsebene, in der Diskurse und Strukturen der Nation und globale Bewegungen der Migration interagieren und rücke Letztere als soziale und kulturelle Dynamiken und in ihrer räumlichen Manifestation oder Bedingtheit stärker in den Blick. In Bearbeitung ist diesbezüglich ein Projekt, das sich mit der Geographie von Moscheebauten in Frankfurt beschäftigt. Ausgehend von den bedeutsamen Veränderungen städtischer Zugehörigkeits- und Identitätsdiskurse, fragt es danach, inwiefern sich Aneignungsprozesse des städtischen Raums durch Moscheegemeinden verändern können oder müssen (AT: »A Muslim right to the city? Urban citizenship and the political geography of mosques in Frankfurt am Main, Germany«). Ein zweites Projekt in diesem Bereich beschäftigt sich mit städtischen Dynamiken seit dem ›Sommer der Migration‹ 2015. Dabei habe ich zuletzt neue Bewegungen und Solidaritäten der Migration in der Stadt thematisiert, die sich mit unterschiedlichen Konzepten (Urban Citizenship, Solidarity City, Sanctuary City) für mehr Rechte aller Stadtbürger_innen einsetzen. Weitere Arbeiten in diesem Kontext werden sich empirisch mit sozialen, politischen und räumlichen Praktiken syrischer Communities in unterschiedlichen deutschen Groß- und Kleinstädten und ggf. auch im ländlichen Raum beschäftigen. Mein konzeptionelles Ziel ist es in diesem Forschungsfeld, zur Diskussion um »lokale Migrationsregime« (Pott/Tianos) beizutragen, dabei die ethnographische Migrations- und Grenzregimeforschung für die Sozial- und Stadtgeographie fruchtbar zu machen und insbesondere deren Konzept der »Autonomie der Migration« mit der Urban Citizenship-Literatur zusammenzuführen und damit für die Analyse (stadt)gesellschaftlicher Dynamiken ›nach der Migration‹ aufzuarbeiten. 

  • Neo-Nationalismus in der postmigrantischen Gesellschaft

    Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist hier die politische Geographie der aktuellen Konjunktur von Nationalismus und Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft. Diese Geographie zeigte sich schon im Komplex des rechtsterroristischen, sogenannten »Nationalsozialistischen Untergrund«: Rückzugs- und Unterstützungsorte des Täter-Trios lagen überwiegend in ostdeutschen Regionen, Anschlagsziele dagegen in westdeutschen Stadtgesellschaften, die als Kristallisationspunkte der postmigrantischen Gesellschaft gelten können. Diese politische Geographie artikulierte sich dann auch in der Genese der PEGIDA-Bewegung und in der Wahlgeographie der AfD: in Frankfurt mobilisierte die Stadtgesellschaft beispielsweise massenhaft gegen den Versuch ›FRAGIDA‹ zu etablieren und nach der Bundestagswahl wurde sie zur Stadt »die sich der AfD-Logik entzieht« (Die Zeit). Mein Ziel in diesem Forschungsfeld ist, einen konzeptionellen und empirischen Zugang zu entwickeln, mit dem diese politische Geographie aufgearbeitet werden kann, ohne sie einfach auf zweiter Ebene zu ›Ostdeutschland‹ gegen ›Westdeutschland‹ zu reifizieren. Das Projekt untersucht stattdessen auf Grundlage eines relationalen Raumverständnisses unterschiedliche lokale Konjunkturen von Nationalismus und Zugehörigkeit anhand politischer Konflikte um ›Rechtsextremismus‹ sowie ›Flucht und Migration‹. Ausgangspunkte der Untersuchung bilden die Stadtgesellschaften von Dresden, Leipzig und Frankfurt, ggf. werden im Verlauf weitere Städte einbezogen.  

  • Die Amazon-Gesellschaft. Sozialgeographien digitaler Arbeit

    In Vorbereitung ist ein drittes Forschungsfeld, in dem ich mich mit (räumlichen) Wechselwirkungen zwischen sozioökonomischen Disparitäten und der Digitalisierung von Arbeit beschäftige. Illustrieren lässt sich dieser Zusammenhang am Beispiel des Online-Handelsportals Amazon. Wie wohl kein anderes Unternehmen weltweit steht Amazon für die Erschließung neuer Handelswege und Absatzmärkte über das Internet sowie für die Optimierung von Arbeitsprozessen durch Digitalisierung. Amazon schafft durch seine Unternehmenspraktiken laufend neue Möglichkeiten der Beschäftigung und der ökonomischen Aktivität in prekarisierten Räumen, (re-)produziert dabei aber auch sozioökonomische Disparitäten. So siedelt das Unternehmen seine Logistikzentren in Deutschland gezielt in ›strukturschwachen Regionen‹ an und verweigert sich dem Tarifvertrag des Einzelhandels. Zu beobachten ist die fehlende Streikbereitschaft eines nicht unerheblichen Teils der Belegschaft, der wie die politischen Vertreter*innen in den Gebietskörperschaften der Standorte froh ist, dass überhaupt Arbeitsplätze entstehen. Zentral scheint dabei auch das Betriebsklima der »panoptischen Fabrik« (K. Dörre), in der die Technologie des Konzerns nicht nur Prozesse optimiert, sondern von den Arbeiter_innen auch am Körper getragen wird und so zur Überwachung genutzt werden kann. Ähnliche Zusammenhänge aus sozioökonomischer Prekarität und Digitalisierung der Arbeit lassen sich auch an anderen Praktiken des Konzerns und für andere Orte als jene ›strukturschwachen Regionen‹ beschreiben. Mit ›Amazon Flex‹ wird bspw. ein neuer Lieferdienst getestet, der (ähnlich wie Foodora, Deliveroo oder Uber) prekäre Beschäftigungsverhältnisse und digitale Prozessoptimierung kombiniert. Ein letzter Hinweis mag die Plattform ›mechanical Turk‹ sein, mit der Amazon bislang nur in den USA wissensbasierte Kleinst-Dienstleistungen aus einer globalen ›on-demand workforce‹ vermittelt. Bezeichnend ist hier das namegebende Bild: als ›mechanical Turk‹ bezeichnete man im 18. Jahrhundert einen ›Schachautomaten‹, dessen Rechenleistung nicht mechanisch erbracht wurde, sondern durch einen kleinwüchsigen Schachmeister, der sich in der Maschine aufhielt. Mit diesem Bild lässt sich mein Forschungsinteresse in diesem Bereich auf den Punkt bringen: Welche Räume werden durch die Digitalisierung von Arbeit (re-)produziert und wie müssen die Menschen sein, leben, sich organisieren, um in diesen Räumen ihre Arbeit verrichten zu können?

Abgeschlossene Projekte

  • Neue Urbane Ordnungen der Migration.
    Integrationspolitische Akteurs-Netzwerke in Frankfurt am Main

    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


    Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung eines Paradigmenwechsels im stadtpolitischen Umgang mit Migration. Dessen zentrales Merkmal sind potentialorientierte Integrationskonzepte als Instrument eines strategischen Integrationsmanagements. Diese Konzepte fassen Integrations- und Vielfaltspolitiken als dauerhafte Querschnittsaufgabe von Stadtpolitik auf und wollen Migration als Ressource für die Stadtentwicklung in Wert setzen. Mit dem Paradigmenwechsel soll ein neuer raumordnungspolitischer und sozialräumlicher Umgang mit migrantisch geprägten Vierteln einhergehen. Das Projekt nimmt den Paradigmenwechsel und insbesondere seine Praxis erstmals systematisch und empirisch fundiert anhand einer detaillierten Feldstudie in Frankfurt a.M. in den Blick. In welchem Verhältnis steht er zu übergeordneten Entwicklungen der Stadtpolitik? Wie schlägt er sich im raumordnungspolitischen Umgang mit Migrationsbevölkerung nieder und welche Implikationen gehen mit seiner inhaltlichen Ausrichtung auf den Sozialraum im Stadtteil in der Praxis einher? Inwiefern entfalten sich in einzelnen Stadtteilen oder einzelnen Maßnahmen kontextspezifische Umsetzungsdynamiken? Zentrale Arbeitsthese ist, dass sich der Wandel zwar als Teil einer übergeordneten Restrukturierung des Städtischen verstehen lässt. Doch die konkreten sozialräumlichen und gesellschaftlichen Effekte des Wandels sind in Abhängigkeit von den lokalen Kontexten (Stadt, Stadtteile, Projekte) sehr heterogen und stehen den übergeordneten Restrukturierungslogiken bisweilen sogar entgegen. Konzeptuell werden gouvernementalitätsanalytische Perspektiven auf städtische Neuordnungsprozesse im Rückgriff auf Konzepte der Actor-Network Theory operationalisiert. Strategien und Praktiken der städtischen Integrations- und Vielfaltspolitiken werden so als Akteurs-Netzwerke durch verschiedene städtische Steuerungsebenen hindurch untersuchbar und lassen sich zu lokalen und übergeordneten, ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Neuordnungen ins Verhältnis setzen. Weitere Informationen

    Assoziiert im Forschungsverbund „Neuordnungen des Städtischen im neoliberalen Zeitalter“