Goethe-Innovations-Preis 2016

Der vollbesetzte Casino-Saal wurde zum fünften Mal Schauplatz eines Gesprächs von Deutschlands Top-Managern mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über Innovationstrends. Den Chefs von Postbank, Metro, PWC, Schaeffler und KUKA ging es um die Auswirkungen der Digitalisierung. Zuvor wurde der Goethe-Innovationspreis an drei Gründerteams aus dem Goethe-Unibator verliehen.

Insgesamt 17.000 Euro stiften die Freunde und Förderer der Goethe-Universität jährlich aus dem Erlös der Veranstaltung für den Goethe-Innovations-Preis und unterstützen darüber hinaus die Infrastruktur des Goethe-Unibators. Beworben hatten sich 10 Teams mit den unterschiedlichsten Ansätzen und bewertet wurde von 16 Juroren aus den verschiedensten Bereichen nach 8 Kriterien. Die Preise wurden von Initiatorin Dr. Friederike Lohse zusammen mit der Präsidentin Prof. Birgitta Wolff vergeben: 

  • Der 1. Preis mit 10.000 Euro ging an RhabdoTec: Diese herausragende Innovation zur Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen wie Antibiotika kommt aus dem Labor von Naturwissenschaftlern, die außerdem Unternehmergeist haben.
    Gründer: Kenan Bozhüyük, Florian Fleischhacker, Felix Wersich und Darko Kresovic
  • Der 2. Preis mit 5.000 Euro ging an das Start-up Legalhead: Im War for Talents um Juristen können sich Arbeitgeber und Kandidaten einer Job-Matching-App bedienen, die durch einen speziellen Pairing-Algorithmus die Stellenbesetzung optimiert.
    Gründer: Samuel Ju, Clemens Reichel und Fabian Schebanek
  • Der 3. Preis mit 2.000 Euro ging an LIME medical: Eine durchaus innovative Idee löst ein wichtiges Problem im Gesundheitswesen durch den Einsatz von Roboter-Physiotherapie. Die drei beeindruckenden jungen Gründer  haben bereits als Schüler ihre Idee zielstrebig verfolgt.
    Gründer: Pascal Lindemann, Christian Schorr und Dominic Libanio 

Ob Robotik, Handel, Banken, Autoindustrie oder Wirtschaftsprüfung – alle Topmanager, die sich auf dem Podium über Innovation austauschten, kooperieren inzwischen mit Start-ups oder beteiligen sich daran. Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PWC werden weltweit 900 Milliarden Dollar und damit fünf Prozent des Umsatzes von den Unternehmen weltweit investiert, um fit für die vernetzte Industrie 4.0 zu werden.

Besonders gefragt war an dem Abend Keynote Speaker Till Reuter von KUKA. Der Weltmarktführer in der Robotik wurdevor wenigen Wochenvom chinesischen Hausgerätehersteller Midea übernommen wurde.„Die Generation R (R wie Relaxed) wächst heran, und sie wird mit den Robotern so arbeiten wie wir mit dem Smartphone“, sagte Reuter. Er ist überzeugt, dass der Trend zu intelligenten Robotern nicht mehr aufzuhalten ist. Automobilzulieferer Schaeffler setzt laut CEO Klaus Rosenfeld auf Transparenz.Der Wälzlager-Hersteller lädt beispielsweisejedes Jahr mehrere Dutzend größere und kleinere Unternehmen an den Firmensitz in Herzogenaurach zum Technologiedialog ein, um sich frei über Lösungen auszutauschen. Der Wille, etwas auszuprobieren, gehöre zur DNA eines langfristig denkenden Familienunternehmens. Auch Fehler seien erlaubt - sofern der gleiche nicht zweimal gemacht werde.

Am heftigsten hat es bislang den Handel erwischt, bei dem der US-Onlinehändler Amazon die ganze Branche aufgemischt hat. Der Erfolg der großen Konzerne in der Vergangenheit sei Segen und Fluch zugleich, argumentiert Metro-Chef Olaf Koch. Nur mit Innovationen könne die Branche bestehen, und die liege stark beim Kunden. So habe die Metro-Tochter Mediamarkt die schnellste Smartphone-Werkstatt im Markt. „Das kann Amazon nicht“, betont Koch. „Unser Kundenkontakt ist ein Vorteil.“ Ebenso sieht der Postbank-Chef Frank Strauss seine Branche unter Druck. Die Banken stünden in den nächsten beiden Jahren vor gewaltigen Veränderungen.