Dr. Hannes Kuch

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (DFG-Projekt, "Eigene Stelle")

an der Professur Sozialphilosophie (bei Prof. Martin Saar).

Sprechstunde:

Freitags, 10-12 Uhr, nach Voranmeldung per Email

 
 

E-Mail:

h.kuch@em.uni-frankfurt.de

Raum: R. 2.517
Telefon: 069 798-32784
Fax: 069 798-32788 (Sekretariat)
Anschrift:  Norbert-Wollheim-Platz 1
D-60629 Frankfurt am Main

Aktuelle Vorträge

„Market Socialism and Cooperative Property: Potentials and Challenges“, Philosophy and Social Science Conference, Prague, 30.05.2019

„Zum Verhältnis von Arbeitsverdienst und Kapitalverdienst“, Forum Wirtschaftsphilosophie, HfP München, 26.02.2019

"Liberaler Sozialismus im Anschluss an Hegel", Institutskolloquium, Institut für Philosophie, FU Berlin, 31.01.2019

"Pluraler Kooperativismus: Institutionelle Herausforderungen", Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, 23.10.2018 (https://vimeo.com/296865853

Forschung

Sozialphilosophie: Anerkennung, Sozialkritik, Sittlichkeit

Politische Philosophie: Macht, Demokratie, Freiheit, Institutionentheorie

Sprachphilosophie: sprachliches Handeln, sprachliche Gewalt, Sprache und Gesellschaft

Philosophie der Ökonomie: Philosophie des Marktes, Ausbeutung, Alternativen zum Kapitalismus, Marktsozialismus

DFG-Projekt „Ökonomie und soziale Freiheit“

In der liberalen politischen Philosophie wurde der Markt lange Zeit oft eher unbefragt oder in stark idealisierter Form befürwortet, meist unter der Annahme, dass Märkte als solche effizienzsteigernde Institutionen sind. In den letzten Jahren haben sich Märkte jedoch als zunehmend krisenhaft, als Verstärker von Ungleichheit und als eigendynamische Institutionen erwiesen, die auf problematische Weise in nicht-marktförmige Lebensbereiche vordringen. Angesichts dessen werden Märkte in der Philosophie nun zunehmend kritisch untersucht. Dabei hat die Weltwirtschaftskrise nicht nur den Glauben an die Effizienz des freien Marktes erschüttert, sondern zugleich dazu beigetragen, dem Begriff ›Sozialismus‹ inner-philosophisch wie auch in der breiteren Öffentlichkeit neue Konjunktur zu verleihen. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt die normativen Grundlagen und die institutionellen Rahmenbedingungen dessen, was in der Tradition von John Stuart Mill und John Rawls als ›liberaler Sozialismus‹ bezeichnet wird: eine Form des Wirtschaftens, in der die kapitalismustypischen Eigenschaften des Marktes überwunden werden, aber politische Grundfreiheiten und demokratische Rechte gesichert sind.

Das Forschungsprojekt macht das Hegelianische Konzept der sozialen Freiheit für die normative Rechtfertigung und die institutionellen Ausgestaltung eines liberalen Sozialismus fruchtbar. Dem Begriff der sozialen Freiheit zufolge sind Andere nicht primär als Grenze der eigenen Freiheit zu verstehen, sondern als deren Bedingung und Erweiterung. Mit Hilfe dieses Konzepts lässt sich zeigen, dass es nicht genügt, lediglich den erwirtschafteten Output ex post solidarisch umzuverteilen, oder ex ante eine Angleichung der Ausgangsbedingungen des Wirtschaftens vorzunehmen. Worauf es vor allem ankommt, ist der angemessene Vollzug wirtschaftlichen Handelns, der anspruchsvollen Normen der Solidarität genügen muss. In dem hier befürworteten liberalen Sozialismus wird dem Markt als Koordinationsmechanismus nach wie vor eine wichtige Rolle eingeräumt. Allerdings soll der Markt konstitutiv transformiert werden, so dass dessen ›sittliche‹ Mängel signifikant reduziert werden, etwa was die unfaire Ausnutzung von Machtvorteilen oder die Abwälzung von Kosten auf unbeteiligte Dritte betrifft. Der Marktsozialismus zielt nicht einfach nur auf eine bessere ordnungspolitische oder sozialstaatliche ›Einhegung‹ des Marktes, sondern auf dessen konstitutive Transformation: Es geht darum, den Markt ›von innen heraus‹ zu sozialisieren, durch eine Änderung der konstitutiven Regeln und eine Stärkung der internen Regulationsmechanismen.

 

Zur Person

Hannes Kuch leitet seit Juli 2017 das DFG-Forschungsprojekt „Ökonomie und soziale Freiheit“ (‚Eigene Stelle‘) am Institut für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Im WS 2017/2018 und SoSe 2018 beurlaubt aufgrund der Vertretung der Professur für Politische Theorie und Politische Philosophie an der Hochschule für Politik/TU München.

2016-2017 DAAD-Stipendium und Fellow am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. 2013-2016 Postdoctoral Research Fellow im Bereich Ideengeschichte an der Universität Stockholm. 2011 und 2012 Lehraufträge an der Freien Universität Berlin und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

2012 Promotion zu Hegels Figur von Herr und Knecht und deren Transformationen in Philosophie und Sozialtheorie. 2008 bis 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Forschungsprojekt „Zur Performanz sprachlicher Gewalt“ (FU Berlin). 2007 Stipendiat am DFG-Graduiertenkolleg „Sklaverei, Knechtschaft, Zwangsarbeit“, Universität Trier.

1999 bis 2007 Studium der Philosophie, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt/Main und an der FU Berlin.

 

Publikationen

Bücher

From Marx to Hegel and Back: Capitalism, Critique, and Utopia, hrsg. gemeinsam mit Victoria Fareld, Bloomsbury, in Vorbereitung.

Herr und Knecht. Hegel, Anerkennung und symbolische Macht, Frankfurt am Main, New York: Campus, 2013.

Humiliation, Degradation, Dehumanization: Human Dignity Violated, Dordrecht u.a.: Springer, 2010,  hrsg. gemeinsam mit Paulus Kaufmann, Christian Neuhäuser und Elaine Webster.

Philosophien sprachlicher Gewalt. 21 Grundpositionen von Platon bis Butler, Weilerswist: Velbrück, 2010, hrsg. gemeinsam mit Steffen K. Herrmann.

Verletzende Worte. Die Grammatik sprachlicher Missachtung, Bielefeld: Transcript, 2007, hrsg. gemeinsam mit Steffen K. Herrmann und Sybille Krämer.

 

Aufsätze

„Social Freedom beyond Capitalism: Three Alternatives“, in: From Marx to Hegel and Back, a.a.O., in Vorbereitung.

„Ökonomie, Subjektivität und Sittlichkeit: Hegel und die Kritik des kapitalistischen Marktes“, in: Sven Ellmers/Philip Hogh (Hg.), Warum Kritik? Begründungsformen kritischer Theorien, Weilerswist: Velbrück, 2017, S. 134-163.

 „Die Sozialisierung des Marktes. Soziale Freiheit und Assoziationen bei Axel Honneth“, in: Sven Ellmers/Steffen Herrmann (Hg.), Korporation und  Sittlichkeit. Zur Aktualität von Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft, München: Fink (Reihe ‚HegelForum‘), 2017, S. 177-204.

„Real Utopias, Reciprocity, and Concern for Others”, in: Philosophy and Social Criticism, 42(9), 2016, S. 879-919.

 „Sprachen der Anerkennung“, in: Philip Hogh/Stefan Deines (Hg.), Sprache und Kritische Theorie, Frankfurt a.M., New York: Campus (Reihe ‚Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie‘), 2016.

„Zwei Formen sprachlicher Gewalt“, in: Franziska Martinsen und Oliver Flügel-Martinsen (Hrsg.), Gewaltbefragungen. Zur Politischen Philosophie der Gewalt, Bielefeld: Transcript,  2013..

„Anerkennung, Wechselseitigkeit und Asymmetrie“, in: Hetzel/Quadflieg/Salaverria (Hrsg.), Anerkennung und Alterität, Baden-Baden: Nomos (Reihe ‚Zeitgenössische Diskurse des Politischen‘),  2011, S. 97-116.

„Abhängigkeit und Indifferenz. Paradoxien in der Bewegung der Anerkennung“, in: Böhm/ Kley/Schönleben (Hrsg.), Ethik, Anerkennung, Gerechtigkeit. Philosophische, literarische und gesellschaftliche Perspektiven, München: Fink, 2011, S. 61-79.

„Der Herr, der Knecht und der Dritte: bei Hegel und nach Hegel“, in: Albert/Greshoff/Schützeichel (Hrsg.), Dimensionen und Konzeptionen von Sozialität, Wiesbaden: VS-Verlag, 2010, S. 47-64 (zugleich in: Bedorf/Fischer/Lindemann (Hrsg.), Theorien des Dritten. Innovationen in Soziologie und Sozialphilosophie, München: Fink, 2010, S. 91-115).

„Austin – Performative Kraft und sprachliche Gewalt“, in: Herrmann/Kuch (Hrsg.), Philosophien sprachlicher Gewalt, a.a.O., S. 219-240.

„The Rituality of Humiliation: Exploring Symbolic Vulnerability“, in: Kaufmann/Kuch/Neuhäuser/Webster (Hrsg.), Humiliation, Degradation, Dehumanization, a.a.O., S. 37-56.

„Sprache, Gabe, Gewalt. Lacan und die symbolische Verletzbarkeit“, in: Krämer/Koch (Hrsg.), Gewalt in der Sprache. Rhetoriken verletzenden Sprechens, München: Fink, 2010, S. 179-199.

„Vergeschlechtlichungen des Schamgefühls“, in: Steffen Herrmann (Hrsg.), Das gute Leben, Münster: Unrast, 2007, S. 33-48.

„Sprachliche Gewalt und symbolische Verletzbarkeit“, in: Kuch/Herrmann/Krämer (Hrsg.), Verletzende Worte, a.a.O., S. 179-210 (gemeinsam mit Steffen K. Herrmann).

„Verletzende Worte. Eine Einleitung“, in: Kuch/Herrmann/Krämer (Hg.), Verletzende Worte, a.a.O. (gemeinsam mit Steffen Kitty Herrmann), S. 7-30.

„Beleidigung, Beschämung und die Gewalt des Performativen“, in: Alexandra Geiger et al. (Hrsg.), Diskurse der Gewalt – Gewalt der Diskurse. Macht, Identität, Gewalt, Magdeburg 2005, S. 95-114.

„Das affektive Leben der Macht: das Gefühl der Scham“, in: Diskus, Heft 3, Jg. 53, 2004,
S. 15-19.

 

Handbuch- Artikel:

„Sprache“, in: Corinna Mieth u.a. (Hg.), Metzler Handbuch Gerechtigkeit, Stuttgart, Weimar: Metzler, 2016, S. 447-451.

 

Rezensionen:

„Die Philosophie des Marktes/The Philosophy of the Market, edited by Hans-Christoph Schmidt am Busch”, in: Critical Horizons, 19(1), 2017, S. 81-83.