Von der Vorlesung zur Prüfung

Lernen ist kein passiver Prozess. Sich in einer Vorlesung berieseln zu lassen, hilft Ihnen beim Verständnis des Stoffes nicht weiter. Der Lernprozess umfasst verschiedene Phasen:

Verstehen: In der Vorlesung erhalten Sie zunächst einfach Informationen. Verständnis für das, was Sie vom Dozenten hören, erwerben Sie zum Beispiel durch aktives Mitdenken während der Vorlesung und eine sinnvolle Dokumentation (Mitschrift mit „rotem Faden“). Für einen Überblick können Sie eine mind map erstellen oder eine eigene Zusammenfassung der Vorlesungsinhalte schreiben. Und nicht zuletzt hilft ausgewählte Fachliteratur dem Verständnis auf die Sprünge.

Behalten: Verstehen und Behalten sind zwei unterschiedliche Dinge. Um das einmal Verstandene auch längerfristig behalten und anwenden zu können, sollten Sie den Stoff zunächst in kürzeren, später in längeren Abständen wiederholen. Tragen Sie Ihr frisch erworbenes Wissen Ihren Kommilitonen vor und erbitten Sie eine kritische Rückmeldung. Diese permanente Wiederholung und Vertiefung ist wichtig, da Ihnen das Wissen sonst verloren geht und Sie vor den Prüfungen quasi wieder bei Null anfangen müssen.

Anwenden: Der letzte Schritt im Lernprozess. Hier zeigt sich, ob Sie den Stoff wirklich verstanden oder nur Einzelheiten auswendig gelernt haben. Stellen Sie Praxisbezug her, bearbeiten Sie eigenständig Übungsklausuren oder simulieren Sie eine Prüfungssituation. Tragen Sie Ihr Wissen einer fachfremden Person vor und versuchen Sie, deren Fragen so verständlich wie möglich zu beantworten.

Einzelkämpfer oder Teamplayer?
Ob Sie lieber alleine oder in einer Arbeitsgruppe lernen, bleibt ganz Ihren persönlichen Vorlieben überlassen. Der Vorteil einer guten Lerngruppe ist, dass aufwändige Aufgaben (viel Literaturarbeit o.ä.) innerhalb der Gruppe aufgeteilt werden können. Und natürlich gibt eine Gruppe einen bestimmten Arbeitsrhythmus vor, was kontinuierliches Lernen fördert. Nicht zuletzt trainieren Sie in einer Lerngruppe Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Moderation, Diskutieren und Argumentieren. Sie können an Ihrer mündlichen Ausdrucksfähigkeit arbeiten, was als Vorübung zu Referaten oder mündlichen Prüfungen zu weniger Prüfungsstress führen kann.

Natürlich ist es verlockend, einen Kommilitonen mit großem Wissensvorsprung in der Lerngruppe zu haben. Das birgt jedoch die Gefahr, sich zu sehr auf die Leistung eines Einzelnen zu verlassen. Nur was Sie sich selbst erarbeitet haben, können Sie später auch anwenden. Verteilen Sie die Aufgaben in der Gruppe möglichst fair und sprechen Sie Unstimmigkeiten sofort an, damit es gar nicht erst zu Spannungen kommen kann.

Mündliche Prüfungen
Viele Studierende haben Probleme mit mündlichen Prüfungen, da diese Form aus der Schülerzeit unbekannt ist. Manchmal wird auch die Beurteilung der eigenen Prüfungsleistung als sehr unfair empfunden. Das Problem ist dann jedoch zumeist nicht eine falsche Beurteilung durch den Prüfer, sondern eine mangelnde Ausdrucksfähigkeit des Studierenden. Es reicht in der mündlichen Prüfung nicht aus, über Wissen zu verfügen. Sie müssen dieses Wissen auch mündlich überzeugend darstellen können. Der Prüfer kann nur das bewerten, was Sie sagen und nicht das, was Sie gewusst hätten. Verfeinern Sie also im Studium Ihre rhetorischen Fähigkeiten, um den bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen.