Systemakkreditierungsverfahren

Seit 2008 ist es für Hochschulen möglich, alternativ zu den Programmakkreditierungen auf Studiengangsebene eine Akkreditierung auf Systemebene zu durchlaufen. Gegenstand dieser Systemakkreditierung ist das interne Qualitätssicherungssystem einer Hochschule im Bereich Studium und Lehre. Die Strukturen und Prozesse werden dahingehend überprüft, ob sie das Erreichen der Qualitätsziele gewährleisten. Hierbei finden die European Standards and Guidelines for Quality Assurance in Higher Education (ESG), die Vorgaben der KMK sowie die des Akkreditierungsrates Anwendung. Eine positive Systemakkreditierung bescheinigt einer Hochschule, dass ihr Qualitätssicherungssystem die Qualitätsziele und -standards ihrer Studiengänge gewährleisten kann. Studiengänge, die nach der Systemakkreditierung eingerichtet werden oder bereits Gegenstand des internen Qualitätssicherungsverfahrens waren, sind somit akkreditiert. 

Die Systemakkreditierung ist ein mehrstufiges Verfahren und kann in folgende drei Phasen unterteilt werden:

 1)    Vorbereitungsphase

  • vorbereitendes Gespräch
  • Zulassungsantrag
  • Vorprüfung/Zulassung durch die Akkreditierungskommission der Agentur, Vertragsabschluss mit der Akkreditierungsagentur

 2)    Begutachtungsphase

  • Einreichung der Selbstdokumentation
  • Bestellung der Gutachtergruppe durch die Akkreditierungsagentur
  • Erste Begehung: Überprüfung der Selbstdokumentation hinsichtlich ihrer Vollständigkeit, ggf. Aufforderung zur Ergänzung bis zur zweiten Begehung; Verständigung der Gutachter auf die Zusammenstellung der Stichproben, welche sich sowohl auf eine vertiefte Untersuchung von speziell ausgewählten Studiengängen als auch horizontal auf studiengangsübergreifende Merkmale (z.B. Qualifikationsziele, Workload, Studierbarkeit etc.)
  • Zweite Begehung: Durchführung der Stichproben (bei Studiengängen werden Fachgutachter-Gruppen gesondert bestellt), kritische Analyse der von der Hochschule noch vorzulegenden Dokumente 

3)    Entscheidungsphase

  • Erstellung eines Gutachtens (mit Beschlussempfehlung)
    • Stellungnahme der Hochschule zum Gutachten (ohne Beschlussempfehlung)
    • Beschluss der Akkreditierungskommission der Agentur, Veröffentlichung des Gutachtens, Eintrag der akkreditierten Studiengang in die Datenbank des Akkreditierungsrates 

Die Akkreditierung entscheidet auf Basis des Gutachtens unter weiterer Berücksichtigung der Stellungnahme der Hochschule. Sie spricht die Akkreditierung mit oder ohne Auflagen aus oder versagt sie. Die Akkreditierungsentscheidung kann durch Empfehlungen und/oder Anregungen ergänzt werden. Eine einmalige Aussetzung des Verfahrens durch die Agentur ist in der Regel für 12, höchstens 24 Monate möglich. 

Die Agentur überprüft die Erfüllung der Auflagen. Nach der Hälfte der ersten Akkreditierungsperiode legt die Hochschule der Agentur eine Selbstevaluation vor, welche im Wesentlichen eine Übersicht der im bisherigen Akkreditierungszeitraum durchgeführten Verfahren der Qualitätssicherung beinhaltet. Die Agentur erstellt einen Bericht über das Ergebnis der Zwischenevaluation, die ggf. Empfehlungen zur Behebung von Qualitätsmängeln enthält, stellt ihn der Hochschule zur Verfügung und veröffentlicht ihn. 

Der Aufbau eines funktionierenden Qualitätsmanagementsystems unterliegt folgenden vom Akkreditierungsrat vorgegebenen Kriterien

  • Qualifikationsziele
  • Hochschulinterne Steuerung in Studium und Lehre
  • Hochschulinterne Qualitätssicherung
  • Berichtssystem und Datenerhebung
  • Zuständigkeiten
  • Dokumentation
  • Kooperationen 

Die Vorteile der Systemakkreditierung liegen auf der Hand: Die Hochschule erhält nicht nur ein hohes Maß an Autonomie und Selbstverantwortung zurück, sondern auch das Know-how verbleibt in der jeweiligen Hochschule. Und nicht zuletzt die Qualität der Studiengänge dürfte sich bei dieser Form der indirekten (System-)Akkreditierung sukzessive verbessern. Denn aufgrund der spezifischen Verfahrensweise sind Programmakkreditierungen sehr zeitpunktorientiert angelegt, so dass in ihrem Mittelpunkt die Ergebnisqualität steht. Die Systemakkreditierung dagegen setzt darüber hinaus auf eine studiengangbegleitende Verfahrensqualität, die der einzelnen Hochschule, den Studiengängen sowie den Bedürfnissen der Studierenden mehr gerecht wird.