Schumpeter-Forschungsgruppe EmMa

Projekt EmMa

Titel: "Förderung der Einwilligungsfähigkeit in medizinische Maßnahmen bei Demenz durch ressourcenorientierte Kommunikation"

Projektbeteiligte: PD Dr. Julia Haberstroh, Prof. Dr. Frank Oswald, Prof. Dr. Johannes Pantel, Prof. Dr. Dr. Gisela Zenz (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Dr. Maren Knebel (Sektion Gerontopsychiatrische Forschung, Universitätsklinikum Heidelberg und Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Dr. Johannes Schröder (Institut für Gerontologie/Sektion Gerontopsychiatrische Forschung, Universität Heidelberg), Prof. Dr. Thomas Klie (Evangelische Hochschule Freiburg), Dr. Tanja Müller, Dr. Susanne Markwort (Main-Kinzig-Kliniken)

Förderung: VolkswagenStiftung

Laufzeit: 01.06.2011 – 30.11.2019

Stichworte: Einwilligungsfähigkeit, Kommunikation, Selbstbestimmung, ärztliche Aufklärung, Demenz

Projektbeschreibung: In Zusammenarbeit von Psychologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Ethik wird die Fähigkeit von Menschen mit Demenz (MmD) zur Einwilligung in medizinische Maßnahmen untersucht. Ausgangspunkt ist dabei die Beobachtung, dass MmD gegenwärtig dadurch benachteiligt werden, dass die zur Feststellung ihrer Einwilligungsfähigkeit angewendeten Methoden deutlich von ihren verbalen Fähigkeiten abhängen, gerade diese jedoch durch die Krankheit eingeschränkt sind. Ziel des Projekts ist die Bereitstellung von praktikablen Maßnahmen zur Unterstützung von Menschen mit Demenz bei der Ausübung ihrer Handlungsfähigkeit bei medizinischen Entscheidungen - sog. Enhanced Consent Procedures (ECP). Hierfür wurde zunächst ein Instrument zur Erfassung kommunikativer Fähigkeiten bei Demenz entwickelt und validiert, das nicht – wie herkömmliche Instrumente – allein auf die Defizite fokussiert, sondern ebenso dazu in der Lage ist, Ressourcen aufzudecken. In einer folgenden Studie wurden mit Hilfe des zuvor entwickelten Instruments solche Ressourcen und Defizite von MmD aufgedeckt, die im Zusammenhang mit der Einwilligungsfähigkeit stehen. Aufbauend auf den hierbei gewonnenen neuropsychologischen Daten werden ECP gestaltet und in einer kontrollierten Interventionsstudie evaluiert, die die relevanten Ressourcen von MmD gezielt nutzen, um deren Einwilligungsfähigkeit zu fördern. Bisherige Forschungsergebnisse verweisen in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des verbalen Abrufs im Informed Consent Prozess und die Notwendigkeit von verbalen und nonverbalen Gedächtnisstützen. Die Ergebnisse sollen zu einer Stärkung der Selbstbestimmung von MmD sowie zu einer größeren Handlungs- und Entscheidungssicherheit in der rechtlichen und medizinischen Praxis beitragen.

Ein Algorithmus zur Anwendung von ECP, der der Individualität von Menschen mit Demenz Rechnung tragen soll, wurde entwickelt und wird derzeit an den Standorten Frankfurt und Heidelberg) evaluiert.

Veranstaltungen, Workshops und Präsentationen

02/2016
Vortrag auf Einladung:
Haberstroh, J.: Promotion of capacity to consent to medical treatment among persons with dementia by means of resource-oriented communication (EmMa project). Senior Scientist. International Conference for Young Scholars “Beneficial coercion in medicine? Foundations, areas of conflict, prevention”, 15 – 19 February 2016 in Bochum, Germany.

09/2016
Vortrag auf Einladung: Haberstroh, J. & Müller, T.: Einwilligungsfähigkeit bei Demenz: Interdisziplinäre Perspektiven. Gerontologie und Geriatrie Kongress 2016, 7.-10. September 2016 in Stuttgart.

09/2016
Vortrag auf Einladung: Gather, J. & Haberstroh, J. (2016). Impulsvortrag „Einwilligungsfähigkeit bei Demenz“. 7.
Jahrestagung „Versorgungsstrategien für Menschen mit Demenz“ des DZNE Witten am 28. September 2016 in Witten.

04/2017
Vortrag auf Einladung:
Haberstroh, J.: Selbstbestimmte Behandlungsentscheidungen bei Demenz durch bessere Person-Umwelt-Passung. 12. Gemeinsamer Österreichisch-Deutscher Geriatriekongress, 20.-22. April 2017 in Wien, Österreich.

05/2017
5. Advisory Board Meeting des Projektes EmMa und öffentliche Abschlussveranstaltung im Rahmen des Frankfurter Forums für Interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA) am 12. Mai 2017 in Frankfurt am Main.

07/2017
Symposium:
Haberstroh, J. et al.: Enhancing the Informed Consent Process in Clinical Dementia Research, IAGG: 23.07-27.07.2017 in San Francisco

08/2017
Vortrag:
Haberstroh, J.& Knebel, M.: Unterstützte interpersonale Gesundheitskommunikation in der ärztlichen Aufklärung und deren Auswirkung auf die Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Demenz, 13. Kongress für Gesundheitspsychologie Universität Siegen, 22. - 25.08.2017.

Journalbeiträge
Haberstroh, J.; Knebel, M. & Müller T. (2017): Promotion of capacity to consent to medical treatment among persons with dementia by means of resource-oriented communication- The EmMa Project, in: Gather, J.; Henking, T.; Nossek, A. & Vollmann, J. (2017): Beneficial coercion in psychiatry? Foundations and challenges. Münster: mentis Verlag GmbH.

Schatz, T., Haberstroh, J., Bindel, K., Oswald, F., Pantel, J., Paulitsch, M., Konopik N. & Knopf, M. (2017). Improving comprehension in written medical informed consent procedures. GeroPsych, 30 (3), 97–108.

Mueller, T., Haberstroh, J., Knebel, M., Oswald, F., Kaspar, R., Kemper, C. J., Schröder J, Halder-Sinn, P. & Pantel, J. (2017). Assessing capacity to consent to treatment with cholinesterase inhibitors in dementia using a specific and standardized version of the MacArthur Competence Assessment Tool (MacCAT-T). International psychogeriatrics, 29(2), 333-343.

Haberstroh, J. & Müller, T. (2017). Einwilligungsfähigkeit bei Demenz: Interdisziplinäre Perspektiven. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 50 (4), 298-303.

Mueller, T., Haberstroh, J., Knebel, M., Oswald, F., Kaspar, R., Kemper, C. J., Halder-Sinn; P., Schröder, J. & Pantel, J. (2017). Assessing capacity to consent to treatment with cholinesterase inhibitors in dementia using a specific and standardized version of the MacArthur Competence Assessment Tool (MacCAT-T). International psychogeriatrics, 29(2), 333-343.
Knebel, M., Haberstroh, J., Kümmel, A., Pantel, J., & Schröder, J. (2016). CODEMamb–an observational communication behavior assessment tool for use in ambulatory dementia care. Aging & mental health, 20(12), 1286-1296.
Monographien und Themenhefte

Haberstroh, J., Neumeyer, K. & Pantel, J. (2016). Kommunikation bei Demenz: Ein Ratgeber für Angehörige und Pflegende (2. Auflage). Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Haberstroh, J., Neumeyer, K. & Pantel J. (2011). Kommunikation bei Demenz. Ein Ratgeber für Angehörige und Pflegende, Berlin/Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Assoziierte Projekte

  • Assessment der Einwilligungsfähigkeit in medizinische Maßnahmen bei Demenz: syndromspezifische Validierung und Kombination gängiger diagnostischer Verfahren zur Optimierung des diagnostischen Prozesses
    Projektbeteiligte: Dr. Tanja Müller, Dr. Tanja Schatz, PD Dr. Julia Haberstroh, Prof. Dr. Frank Oswald, Prof. Dr. Johannes Pantel (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Dr. Maren Knebel (UniversitätsKlinikum Heidelberg)
    Förderung: VolkswagenStiftung
  • Einflüsse des Sprachstils auf das Verständnis und die Befindlichkeit von älteren Menschen
    Projektbeteiligte: Dr. Tanja Schatz, PD Dr. Julia Haberstroh, Prof. Dr. Monika Knopf, Prof. Dr. Frank Oswald, Prof. Dr. Johannes Pantel (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
    Förderung: Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • "Ich weiß doch am besten, was mir gut tut" - Verbesserung der Lebensqualität demenzkranker Menschen durch Hausbesuche und individuelle Fallbesprechungen
    Projektbeteiligte: Dipl.-Psych. Anne Kümmel, Prof. Dr. Pantel, PD Dr. Julia Haberstroh (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
    Förderung: Alzheimer Gesellschaft Frankfurt am Main sowie Hans und Ilse Breuer-Stiftung mehr 
  • MultiTANDEM - Multiplikation von Trainingsangeboten zur Förderung der Kommunikation in der häuslichen Versorgung demenzkranker Menschen
    Projektbeteiligte: Dr. Judith Franzmann, Dipl.-Psych. Sandra Sahlender, Dr. Katharina Krause, PD Dr. Julia Haberstroh, Dipl.-Psych. Anne Kümmel, Prof. Dr. Johannes Pantel (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
    Förderung: Hessisches Sozialministerium sowie Landesverbände der Pflegekassen in Hessen mehr