Philipp Schwartz (1894-1977)

Philipp Schwartz lebte in der Haardtwaldstraße 2

Philipp Schwartz wurde am 19. Juli 1894 in Werschetz (Vrsac) in Ungarn geboren (heute Serbien). Schwartz´ Vater war Kaufmann und gehörte dem Reformjudentum an. Sein Medizinstudium nahm Schwartz 1912 in Budapest auf und promovierte dort 1919, nachdem er ab 1914 in der ungarischen Infanterie gedient hatte und 1918 im Rang eines Honvéd-Leutnants entlassen worden war.

Im Herbst 1919 wurde er Assistent am Pathologischen Institut der Frankfurter Universität und habilitierte sich 1923 über die „Traumatische Schädigung des Neugeborenengehirns bei der Geburt“. Sein Nachweis, in welch ungeahntem Ausmaß Totgeburten oder postnatale Behinderungen durch Komplikationen während des Geburtsvorgangs selbst bedingt sind, machte ihn zu einem Wegbereiter der modernen Schwangerschaftsvorsorge.

1927 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt, ab 1930 deutscher Staatsbürger, musste Schwartz mit seiner Familie im März 1933 nach Zürich fliehen. Hier begründete er die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“, dank deren Hilfe Tausende entlassende Hochschullehrer und verfolgte Akademiker neue Anstellungen in aller Welt fanden. Schwartz persönlich gelang im Sommer 1933 eine einzigartige Gruppenvermittlung von zunächst 30 Professoren an die neu eröffnete Universität Istanbul; insgesamt fanden so etwa 250 weitere Gelehrte und Künstler Zuflucht in der Türkei. Schwartz, der ebenfalls in Istanbul einen Lehrstuhl annahm, wäre in den 1950er Jahren gerne an seine Frankfurter Wirkungsstätte zurückgekehrt, blieb hier jedoch unerwünscht.

Als international renommierter Neuropathologe leitete Schwartz bis zwei Jahre vor seinem Tode eine Forschungsanstalt für Geriatrie in Warren, Pennsylvania. 2014 ehrte ihn die Stadt Zürich mit einem Ehrengrab. In ihrem Jubiläumsjahr 2014 erinnert die Frankfurter Universität mit der Errichtung einer Stele auf dem Campus Niederrad an diesen großen Retter der Idee der Wissenschaft. (GK)