Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich

Bearbeitung: David Schnur (1.2015-4.2016), Jörn Christophersen (seit 5.2016)

Das am Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden an der Universität Trier angesiedelte und von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz geförderte Langzeitprojekt „Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich“ verfolgt unter der Leitung von Prof. (em.) Dr. phil. Dr. h.c. Alfred Haverkamp und Prof. Dr. Lukas Clemens das Ziel, erstmals alle relevanten, zeitlich und räumlich fixierbaren Quellen zur Geschichte der Juden im Gebiet des römisch-deutschen Reiches für den Zeitraum von 1273 bis 1519 chronologisch zu erfassen, wissenschaftlich zu bearbeiten und in Form von Editionen bzw. Vollregesten zu publizieren.

Die zum 1. Januar 2015 am Seminar für Judaistik an der Goethe-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Hollender eingerichtete Arbeitsstelle bearbeitete zunächst die erste Phase des Teilcorpus „Frankfurt a.M. und die Wetterau“, das die spätmittelalterlichen Quellen zur jüdischen Geschichte der vier Reichsstädte Frankfurt, Friedberg, Gelnhausen und Wetzlar sowie der in dieser Reichslandschaft gelegenen adeligen Territorien (z.B. Eppstein, Hanau, Kronberg) umfasst. Die Bearbeitung der in quantitativer und qualitativer Hinsicht singulären Quellenüberlieferung erfolgte in Form in sich abgeschlossener, chronologisch geordneter Teilcorpora. Die besondere Dichte des Quellenmaterials dieser Zentrallandschaft des aschkenasischen Judentum liegt in der frühen und kontinuierlichen Überlieferung serieller Quellengruppen christlicher Provenienz begründet, welche Tausende bislang nicht oder nur wenig beachteter Judenbetreffe aufweist (v.a. Pfand-, Gerichts- und Rechenbüchern), deren systematische Erschließung weiterführende Erkenntnisse der christlich-jüdischen Beziehungen im Spätmittelalter ermöglicht.

Ein von David Schnur bearbeitetes und von Prof. (em.) Dr. phil. Dr. h.c. Alfred Haverkamp und Dr. Jörg Müller herausgegebenes erstes Teilcorpus, das die Quellen zur Geschichte der Juden in Frankfurt und der Wetterau im Zeitraum 1273 bis 1347 umfasst und in ca. 300 Editionen und Regesten rund 3200 Judenbetreffe beinhaltet, ist bereits seit Herbst 2011 auf der Website des Akademieprojektes frei verfügbar (http://www.medieval-ashkenaz.org/quellen/frankfurt-und-wetterau.html). Der hieran anschließende, bis 1519 reichende Bearbeitungszeitraum gliedert sich in drei weitere Teilcorpora (1348–1389, 1390–1439 sowie 1440–1519), die nach Abschluss der jeweiligen Arbeiten ebenfalls auf der Projektwebsite (http://www.medieval-ashkenaz.org) veröffentlicht werden. Bereits um den Jahreswechsel 2016/2017 wird die Publikation des Teilcorpus „Frankfurt a.M. und die Wetterau“ für die zweite Phase (1348–1389) erfolgen.

Der aktuelle Fokus der Arbeiten in der Frankfurter Arbeitsstelle liegt seit Mitte Mai 2016 auf der Überlieferung der hessischen Archive. So wird hier derzeit von Jörn R. Christophersen – vorher bereits Bearbeiter der Teilcorpora zur Mark Brandenburg – das Teilcorpus zum Erzbistum Mainz für den dritten Untersuchungszeitraum (mit Ausnahme der Thüringischen Gebiete und des östlichen Archidiakonats Nörten) vorbereitet, das dereinst den weit überwiegenden Teil des heutigen Landes Hessen abdeckte. Die Überlieferung hierfür befindet sich wiederum in zahlreichen Archiven auch außerhalb Hessens.