Kinder zwischen Chancen und Barrieren. Wie Eltern, Kinder, Kita & Schule interagieren

Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Familie und Grundschule: Positionen und Perspektiven von Kindern

Foto: Veit Mette

Projektleitung: Prof.’in Tanja Betz

Projektmitarbeiterinnen: Nicoletta Eunicke, Laura Kayser

Studentische Mitarbeiterin: Laura Anschulin Layer

Praktikantinnen: Naoual Azalaf (bis August 2017), Verena Frantzen (bis Dezember 2016), Gabriele Kloberdanz (bis Oktober 2016)

Kooperationspartner: Bertelsmann Stiftung, Antje Funcke

Dauer: 2015-2018

Stichworte: Bildungs- und Erziehungspartnerschaft; Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule; Kindheitsforschung; Bildungsungleichheit; Grundschule

Die Studie:
Eltern, Lehr- und Fachkräfte sollen in Grundschulen und Kindertageseinrichtungen ‚auf Augenhöhe‘ zusammenarbeiten und ‚an einem Strang ziehen‘ – zum Wohl des Kindes und für die Förderung von gleichen Bildungschancen für alle Kinder! Diese Forderungen nach einer Zusammenarbeit zwischen Bildungsinstitutionen und Familien erfahren aktuell erhöhte Aufmerksamkeit und werden vielfach unter dem Begriff „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft“ verhandelt. Im Kern geht es dabei um die Frage der ‚richtigen‘ gegenwärtigen und zukünftigen Gestaltung des Aufwachsens von Kindern in öffentlicher und privater Verantwortung – auch angesichts der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich und den steigenden Anforderungen an die Qualifikationen und Kompetenzen der jüngeren Generation.

Was aber bedeutet eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Umsetzung konkret für die einzelnen Akteure? Was genau sind die Ziele, worin liegen mögliche Herausforderungen? Die Fachliteratur zu diesen Fragen ist durch zumeist praxisorientierte Beiträge geprägt. In diesem Rahmen kommen vor allem die Perspektiven von Institutionen und ihren Vertreterinnen sowie Vertretern zur Geltung. Zugleich fällt auf, dass es nur selten eine grundlegendere Diskussion um die Ziele, die Grundannahmen oder auch die möglichen (Neben-)Wirkungen einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gibt und dass in der aktuellen Debatte der Begriff vorwiegend positiv besetzt ist (zu einem kritischen Überblick: Betz 2015). Bereits die Vorstellungen und Wünsche der Eltern werden deutlich weniger in die Diskussion und Überlegungen einbezogen. Eine entscheidende Perspektive fehlt bisher jedoch vollständig: diejenige der Kinder beziehungsweise der Schülerinnen und Schüler. Diese geht auch nicht darin auf, dass bereits die ‚Familie‘ und die ‚Schule und Kindertageseinrichtung‘ in den Blick gerückt wurden.

Aus kindheits- und ungleichheitstheoretischer Perspektive setzt unsere Studie an dieser entscheidenden Leerstelle an. Bislang wurden Kinder überwiegend als Objekte einer solchen Zusammenarbeit konzipiert. Dementsprechend ist auch empirisch nicht erforscht, wie sich ihre Rolle und Position an der Schnittstelle von Bildungsinstitutionen und Elternhaus überhaupt gestaltet, vielleicht auch wie sie sich durch mehr oder andere Formen der Zusammenarbeit verändert. Ebenso ist nicht bekannt, wie die Kinder selbst – als Kinder innerhalb einer generationalen Ordnung – das Verhältnis von Elternhaus und Bildungsinstitutionen und deren Zusammenarbeit ‚zu ihrem Wohl` wahrnehmen und einschätzen. Welche Chancen und Barrieren sehen sie beispielsweise selbst in einer verstärkten Zusammenarbeit für Kinder generell? Unklar ist auch noch, wie sich die Kindergruppe nach zentralen Differenzlinien, wie sozialer Herkunft, Geschlecht und Migrationshintergrund, im Kontext einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Familie und Bildungsinstitutionen unterscheiden lässt.

Daher werden im Projekt folgende Fragen analysiert: Welche Position in der Zusammenarbeit bzw. beim Zusammentreffen von Bildungsinstitutionen und Familien haben Kinder bzw. Schülerinnen und Schüler (aus kindheitstheoretischer Perspektive)? Welche (ungleichheitsrelevanten) Chancen und Barrieren gibt es für sie an der Schnittstelle von Elternhaus und Bildungsinstitution und im Zusammenhang mit den verstärkt geforderten Bildungs- und Erziehungspartnerschaften? Im Vordergrund stehen dabei in unserer Studie die Perspektiven von Kindern im Grundschulalter und diejenigen der erwachsenen Vertreterinnen und Vertreter der Institution Grundschule.

Überblick über das Studiendesign:
In einem ersten Schritt wurde 2015/2016 der internationale Forschungsstand zu Kinderperspektiven auf Zusammenarbeit, Elternbeteiligung und Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Familien in Bildungsinstitutionen erarbeitet. In einem zweiten Schritt wurden Inhaltsanalysen von Bildungs- und Erziehungsplänen und Fachzeitschriften durchgeführt, die sich an Fach- und Lehrkräfte richten, um mehr über die Position von Kindern in der Zusammenarbeit bzw. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zu erfahren. Drittens werden Experteninterviews mit erwachsenen Personen aus Grundschulen geführt, um einen Einblick in die Praxis der Zusammenarbeit zu erlangen. Im vierten, zentralen Schritt der Studie, werden Gruppendiskussionen und qualitative Einzelinterviews mit Grundschulkindern geführt. Ziel ist es, die Position von Kindern beim Zusammenspiel von Elternhaus und Grundschule und ihre Sicht auf dieses Verhältnis herauszuarbeiten. Die forschungsethischen Gesichtspunkte der Erhebung und Auswertung wurden im Rahmen eines Ethikantrags bei der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) abgesichert.

Weitere Informationen für Eltern, Schülerinnen und Schüler und teilnehmende Grundschulen finden Sie hier:

Infos für Kinder

Infos für Eltern

Infos für Schulen

Publikationen:

Betz, T., Bischoff, S. Eunicke, N., Kayser, L. B. & Zink, K. (2017). Partner auf Augenhöhe? Forschungsbefunde zur Zusammenarbeit von Familien, Kitas und Schulen mit Blick auf Bildungschancen. Gütersloh: Verlag BertelsmannStiftung.

Betz, T. & Eunicke, N. (2017). Kinder als Akteure in der Zusammenarbeit von Bildungsinstitutionen und Familien? Eine Analyse der Bildungs- und Erziehungspläne. In Frühe Bildung. Interdisziplinäre Zeitschrift für Forschung, Ausbildung und Praxis, 6 (1), 3-9.

Kayser, L. B. & Eunicke, N. (2016). Kinder mischen mit! Warum es sich lohnt, Kinder in die Zusammenarbeit einzubeziehen. In Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, (9), 12-13

Betz, T. (2016). Eine Partnerschaft zwischen allen Beteiligten? Die Perspektive von Kindern als Leerstelle in der Fachdebatte. In Die Grundschulzeitschrift, 30 (289.299), 18-19.

Betz, T. (2016). Zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Zusammenarbeit mit Eltern als Bildungs- und Erziehungspartnerschaft? Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, (9), 5-9.

Betz, T. (2016). Wie viel Partnerschaft geht? Kritische Fragen an ein wenig hinterfragtes Ideal. In Die Grundschulzeitschrift, 30 (289.299), S. 6-9.

Betz, T. (2015). Das Ideal der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Kritische Fragen an eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Familien. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

Drittmittelgeber: