Archäobotanische Untersuchungen zur Rekonstruktion der Landschaft und Vegetation im Umfeld der spätbronzezeitlichen Befestigung von Corneşti-Iarcuri im rumänischen Banat

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Antragsteller: Dr. Astrid Stobbe

Förderung: DFG (seit 2015)

Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Maren Gumnior, Dr. Christoph Herbig


Im Rahmen des archäobotanischen Teilprojektes werden Vegetations- und Landschaftsveränderungen in der Umgebung von Europas größter bekannter spätbronzezeitlicher Siedlung Corneşti im rumänischen Banat untersucht sowie Großrestanalysen zur Klärung der pflanzlichen Ressourcennutzung durchgeführt. Aus dem benachbarten Ungarn liegen zahlreiche Hinweise vor, dass große Vegetationsveränderungen in der Kupferzeit begannen. Die Kolluvienbildung in Corneşti lässt vermuten, dass auch dort zu dieser Zeit mit einer intensiven Nutzung gerechnet werden muss. Inwieweit das Gebiet in der Bronezezeit zur Zeit des Baus der Befestigungen noch bewaldet war und wenn, mit welchen Baumarten, sind wesentliche Fragen, die anhand pollenanalytischer Untersuchungen beantwortet werden sollen. Daneben werden die Grabungsbefunde systematisch archäobotanisch untersucht.

In den breiten Tälern und tiefer gelegenen Ebenen der weiteren Umgebung der Siedlung Corneşti existierten ehemals ausgedehnte Sumpflandschaften, welche allerdings sowohl im 18. als auch im 20. Jahrhundert umfassenden Drainagemaßnahmen unterworfen wurden. Heute ist das Gebiet intensiv landwirtschaftlich genutzt (vgl. Abb. 1), weist aber immer noch partiell vernässte Stellen, z. B. in Form von Paläomäandern, auf. Die Befestigungsanlage selber liegt auf einer mit Löss und Tonen bedeckten Terrassenfläche, wo sich unter den überwiegend terrestrischen Bedingungen Pollen nur in Ausnahmefällen erhalten. Das Areal wird jedoch von zwei Bachläufen durchquert, die breite, teilweise sumpfige Auenbereiche aufweisen. Ziel der bisherigen Geländekampagnen war es, palynologisch auswertbare on-site- und off-site-Archive zu finden. Bislang zeigt sich, dass auch in den Paläomäandern keine nennenswerte Torfbildung stattfand, sondern vielmehr eine Wiederverfüllung mit lokalen Tonen erfolgte. Diese waren wiederum von Austrocknung und Mineralisierung betroffen und weisen somit keine makroskopisch erkennbare organische Substanz unterhalb des zweiten Meters auf. Von den 21 Lokalitäten, an denen off-site-Bohrungen durchgeführt wurden, zeigt nur ein Standort bei Vinga auch in tieferen Schichten Pollenerhaltung. Die vorliegenden Sedimente wurden beprobt und die enthaltenen Pollenspektren werden derzeit ausgewertet. Eine engmaschige 14C-Datierung für eine genaue zeitliche Einordnung ist veranlasst.

Abb. 1: Ehemalige Riedlandschaft bei Vinga (im Hintergrund tonbedeckte  Hochfläche mit teilweise erodierten Schwarzerden).

Abb. 2: Altarm nordwestlich von Barateaz, der mit den für die Vinga-Hochebene  typischen, palynologisch sterilen Tonen wiederverfüllt ist.

Abb. 3: Bohrung südlich von Vinga; in 320 cm Tiefe liegt ein Fazieswechsel von pleistozänen Tonen zu Terrassenkiesen mit Schwemmlöss-Auflage vor. Die Ablagerungen der oberen drei Meter sind allesamt pollenführend und werden zur Zeit analysiert.

Die im Zuge von ausgedehnten Bohrkampagnen aufgeschlossenen Sedimente innerhalb der Befestigungsanlage wurden ebenfalls auf Pollen untersucht. Einige fossile Oberböden in den Flussauen, welche in begrabenen Kolluvien ausgebildet sind, enthielten Pollen. In Verbindung mit 14C-Datierungen tragen sie wichtige Erkenntnisse zur lokalen und regionalen Vegetation während der Siedlungsphasen von Corneşti bei, selbst wenn keine echte Chronostratigraphie zugrunde gelegt werden kann.

Seit 2013 werden Bodenproben für die botanische Analyse auf den Grabungen entnommen. Sie zeigen ein breites Pflanzenspektrum. Getreidereste sind regelmäßig über die untersuchten Kulturschichtbereiche verteilt. Eine wichtige Rolle in der Ernährung spielten echte Hirse (Panicum miliaceum), Einkorn (Triticum monococcum) und Spelzgerste (Hordeum vulgare). Dinkel (T. spelta), Emmer (T. dioccon) und Saatweizen (T. aestivum) sind ebenfalls nachgewiesen sowie zahlreiche Leguminosen. Die Auswertung der Proben aus den Grabungskampagnen wird fortgesetzt.