Didaktik

Publikationsprojekt: Deutsch. Unterrichtspraxis für die Klassen 5 bis 10, H. 51 (2017): Multimodale Texte lesen

Die Unterscheidung zwischen kontinuierlichen und diskontinuierlichen Texten erscheint angesichts der semiotisch, ästhetisch und typographisch z. T. komplexen „Texte“ unserer Gegenwart nicht mehr zeitgemäß. Die vielfältig gestalteten Gesamtexte werden in der angloamerikanischen Forschung als multimodale Texte bezeichnet. Sie fordern von ihren Rezipienten anstelle von Literacy nun Mulitiliteracies bei der Erschließung. Deshalb sollte sich der didaktische Blick auf die im DU zu vermittelnden Kompetenzen erweitern. 

Unter multimodalen Texten werden zeichenhafte Gesamttexte verstanden, die mit vielen Gestaltungsmitteln und –formen arbeiten, wie Bildunterschriften, Kästen, Textblöcke, Abbildungen (Fotos, Piktogramme, Grafiken), Tabellen mit oder ohne Legende (auf die sich wiederum der kontinuierliche Text bezieht) sowie vielfältige Ausgestaltungen der Typographie. Das zeigt ein Blick in ein aktuelles Schulbuch ebenso wie der in ein politisches Magazin oder in die Zeitung, z. B. auf der Wirtschaftsseite.

Insofern ist die „klassische“ Gegenüberstellung von literarischen Texten und Gebrauchstexten nicht mehr für zeitgemäß. Vielmehr lassen sich die Textsorten in einem Koordinatensystem mit den Achsen „absichtsvolle ästhetische Gestaltetheit (bislang stets als der entscheidende Merkmal für Literatur gesehen) und „Informativität“ abbilden. So zeigen sich Reportage, Feature, Essay als ästhetisch ausgeformte Genres der Sachliteratur und ein politisches Gedicht oder eine Fabel als literarische Texte mit einem gewollt hohen Grad an Informativität.

Für diese Ausgabe von Deutsch suchen wir Beiträge, die Schülern einen Zugang zu multimodalen Texten ermöglichen und sie dabei unterstützen, deren variantenreiche Gestaltungsmittel in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.

 

Kontakt: sh.becker@em.uni-frankfurt.de