Didaktik

Projekt „Varianten der Kulturalität im Literaturunterricht“

Das methodologisch der Hermeneutik verpflichtete Vorhaben versteht sich als Beitrag zur Erforschung von Interkulturalität und Transkulturalität sowie weiterer Varianten von „Kulturalität“ (Multikulturalität, Hyperkulturalität, Metakulturalität u.a.). Es knüpft an vorausgegangene Arbeiten zur Interkulturalität und Transkulturalität an und konzentriert sich auf Forschungsergebnisse der inter- und transkulturellen Literaturwissenschaft bzw. der inter- und transkulturellen Literaturdidaktik. Vorhandene Konzeptionen und Modelle werden in einer Synopse systematisch zusammengefasst und typologisiert sowie zueinander in Beziehung gesetzt. Im Rahmen dieser Standortbestimmung werden Begriffsbildungen und Diskurse, die einen inhaltlichen Bezug zum genannten Themenbereich aufweisen (Fremdheitsdiskurse, Diskurse um Leitbegriffe wie kulturelle Identität, Alterität oder Hybridität, Diskurse um postkoloniale Literaturen oder postmigrantische Gesellschaften) in den Findungsprozess mit aufgenommen. Das Prinzip „Weltliteratur“ muss in diesem Kontext zwar nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aber hinterfragt, der Kulturbegriff für die Zwecke der Studie neu modelliert werden. Eine Hilfe sind dabei benachbarte Disziplinen wie Kulturanthropologie, Kultursoziologie oder Kulturphilosophie. Die literarische Konkretisierung unterschiedlicher Kulturalitätsvarianten erfolgt beispielhaft anhand geeigneter Werke der Allgemeinliteratur und der Kinder- und Jugendliteratur.

Das Vorhaben zielt auf literaturdidaktische Modellierungen, die den inter- bzw. transkulturellen Literaturunterricht fortführen und um weitere Varianten der Kulturalität ergänzen. Angesichts einer zunehmend heterogenen Schülerschaft mit disparatem kulturellen Hintergrund bleibt es ohne Zweifel weiterhin von Bedeutung, auf die im Klassenzimmer vertretenen kulturellen Gegebenheiten mit einem individualisierten Ansatz eingehen zu können. Mehrsprachige Literatur leistet hier einen wertvollen Beitrag. Für den Fall, dass sich dies jedoch nicht durchgängig realisieren lässt, d.h. dass nicht jede Kultur oder Sprache gleichermaßen zur Geltung kommen kann, zeigt die Studie Alternativen auf. Basierend auf Grundgedanken aus der englischsprachigen Fremdsprachendidaktik (world studies, global education) sollen im Rahmen der Studie beispielsweise durch die Verstärkung der kulturübergreifenden Perspektive (Vogel-Perspektive auf Kulturen) Lösungswege angebahnt werden. Zu bedenken ist, dass anthropologische Konstanten, die in ihrer literarischen Verarbeitung als kulturunabhängig bzw. kulturübergreifend erscheinen, sich de facto als kulturabhängig bzw. kulturspezifisch erweisen können, wenn sie durch eine sogenannte „interkulturelle Folie“ überlagert werden.

 

Kontakt:

Lea Grimm (L.Grimm@em.uni-frankfurt.de)