Stephane von der Elfenbeinküste, Politikwissenschaft

„Ausländischen Studierenden würde ich empfehlen, wirklich offen zu sein und über den Tellerrand zu schauen“

Ich habe das Abitur in 2001 mit Schwerpunkt Sozialwissenschaft und Philosophie in meinem Heimatland Elfenbeinküste gemacht und im Anschluss habe ich Anglistik bis zum Vordiplom studiert bevor ich 2004 nach Deutschland kam. Schon während meiner Schulzeit war ich gesellschaftlich engagiert und hatte zahlreiche Ämter inne. Später an der Universität in Abidjan bin ich immer weiter politisch engagiert geblieben und bin schon sehr früh auf Führungspositionen aufgestiegen. Ich war hungrig nach Wissen und wollte aus Politik einen Beruf mit Struktur machen, und wollte mich dementsprechend mit gesellschaftlicher Prozesse und Struktur akademisch befassen. Dies erklärt den Schritt mich außerhalb des Landes weiter zu qualifizieren, da das Angebot einfach nicht zur Verfügung stand. Die Entscheidung für Deutschland und nicht Frankreich, was aufgrund der Sprache einfacher wäre, liegt dran dass in Deutschland der Weg zum Studium der Politikwissenschaft frei ist und nicht elitär wie in Frankreich. Zweitens, wenn man in einem Land studiert, möchte man sich von Modellen aus diesem Land prägen lassen, dafür gilt Deutschland als Modell für Demokratie, Ordnung, Innovation und eine langfristige inklusive ökonomische Entwicklung. Das wollte ich als Erfahrung sammeln.

Eine Herausforderung war der soziale Aspekt. Schwierig damals war der Zugang zu Kommilitonen. Jeder war für sich allein oder in kleinen Gruppen, die sich meistens aus der Abiturzeit kannten. Es war wirklich schwierig sich in Gruppen zu finden und von anderen zu lernen. Mein Grundstudium habe ich "solo" durchgezogen.

Ich habe mich während des Studiums ehrenamtlich viel engagiert. Bei der ESG, KHG aber auch bei viele Organisationen wie Brot für die Welt und habe einen Verein mitgegründet. Ich habe mehrere Praktika bei der GIZ in Kongo und Benin gemacht. Außerdem habe ich weitere Kurzzeit-Praktika bei verschiedenen Denkfabriken in Österreich und England absolviert.

Ich kann den Prozess meiner Masterarbeit über Nachhaltigkeit in der Kakaoerzeugung in der Elfenbeinküste als Höhepunkt im Studium betrachten. Es ging darum aufzuzeigen, wie ein Nachhaltigkeitskonzept in Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Elfenbeinküste sich entwickeln und implementieren lässt. Im Laufe der Arbeit konnte ich an von der Bundesregierung wichtigen Gremienarbeit, wie das Forum Nachhaltiger Kakao, teilnehmen und Input bringen. Die Masterarbeit wurde mit sehr gut bewertet und ich bin in Anschluss mit dem DAAD-Preis des besten ausländischer Student 2014 der Goethe-Universität Frankfurt ausgezeichnet worden.

Aber wenn ich noch einmal von vorne beginnen könnte, würde ich mehr Zeit in der Bibliothek verbringen und die verschiedene Angebote wie Auslandssemester nutzen.

Mein Rat für internationale Studierende: Ausländischen Studierenden würde ich empfehlen, wirklich offen zu sein und über den Tellerrand zu schauen. Es ist wichtig, dass sie sich wirklich sehr bald in die deutsche Gesellschaft und das System des Denkens integrieren. Nur dadurch werden sie ihr eigenes Netzwerk durch Engagement aller Art aufbauen und viele Schwierigkeiten überwinden. Ich freue mich, dass es an der Goethe-Universität viele Möglichkeiten für ausländische Studenten gibt. Sie sollten diese einmalige Chance nutzen, um später auf dem Arbeitsmarkt entweder in Deutschland oder in ihren Heimatländern konkurrieren zu können.