Edina aus Ungarn, Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung

"Diese Zeit an der Goethe-Universität wird lange mit euch bleiben"

In Ungarn waren die angebotenen Masterstudiengänge in meinem Studienbereich (internationale Studien) sehr EU-geprägt, so dass ich für die Weiterentwicklung meines beruflichen Horizonts auf jeden Fall etwas Anderes wollte. Ich durfte schon während des Gymnasiums ein Jahr als Austauschschülerin in Deutschland verbringen - diese Zeit in Deutschland hat mich sehr geprägt. Deshalb entschied ich mich dazu, für meinen Master zurück zu kehren.

In Bezug auf mein erstes Semester war der Orientierungstag meines Studiengangs die allererste Erinnerung, die ich habe. Der Rundgang am wunderschönen Campus Westend und in Frankfurt... Ich habe die Personen kennengelernt, mit denen ich später auch gerne Zeit verbrachte. Ich erinnere mich auch daran, wie sehr ich mich gefreut habe, dass ich meinen Stundenplan alleine zusammenstellen durfte – im meinen Bachelorstudium war er für uns schon vorbereitet. Natürlich war ich sehr schnell von den zahlreichen Angeboten überfordert, jedoch freute ich mich sehr auf die Vielfalt der Seminare.

Eine besondere Herausforderung war mein Perfektionismus. Wenn ich etwas sage, sollte das bitte richtig, gut formuliert und kompetent sein. Dies hat dazu geführt, dass ich bei den Seminaren Hemmungen beim Sprechen hatte – ist es jetzt Dativ, Akkusativ, Genitiv, ist es jetzt grammatisch gesehen ein korrekter Satz? Gerade im ersten Semester hatte ich öfters das Gefühl, dass ich mein Wissen und Fachkenntnisse nicht kompetent kommunizieren kann und sitze deshalb nur still während des Seminars. Bei Hausarbeiten und schriftlichen Aufgaben ist man öfters darauf zugewiesen, dass irgendjemand trotz sorgfältiger Vorbereitung Korrektur liest. In Ungarn war ich selber diejenige, die den anderen gerne geholfen hat, und jetzt war ich plötzlich diejenige, die Unterstützung benötigte. An diesen Tagen wollte ich wirklich in meine Heimat zurückkehren und lieber dort, mit mehr Erfolg studieren. Das war, wie ich bald merkte, eine sehr kontraproduktive Grundeinstellung. Ich habe mich dann immer freundlicherweise daran erinnert, dass Veränderung und Weiterentwicklung immer außerhalb meiner Komfortzone passieren. Ich musste wirklich bei jedem Seminar diese Hemmung überwinden und mich selbst davon überzeugen, dass meine Kommilitoninnen und Professoren mich auch dann gut verstehen, wenn mal eine Präposition nicht stimmt. Es war jedoch manchmal unheimlich schwer, diese "Sprechangst" – die ich auf meiner Muttersprache nicht habe – zu bekämpfen.

Aber für den Fall, dass ich mein Studium noch einmal von vorne beginnen könnte, würde ich zuerst das Schreibzentrum besuchen und erlernen, wie die Erwartungen an deutschen Universitäten aussehen, wie man eine gute Hausarbeit konzipiert und wie das wissenschaftliche Vorgehen aussieht.

Zum Glück gab es im Studium ganz viele besondere Ereignisse, über die ich mich freuen durfte und auf die ich stolz sein kann. Im 3. Semester wurde ich in die Förderung durch das Deutschlandstipendium aufgenommen, eine positive Bestätigung, die mir sowohl professionell als auch persönlich sehr viel brachte. Mein Deutschlandstipendium hat mir z.B. die Teilnahme an der größten Model United Nations Konferenz der Welt, an der National Model United Nations Konferenz in New York ermöglicht. Es lag mir immer besonders am Herzen, bei verschiedenen Model United Nations Konferenzen mitzuwirken. Im Zuge dieses Engagements wurde ich für die MainMUN Konferenz an der Universität ausgewählt und durfte als Chairperson die Generalversammlung mit 120 Delegierten leiten. Obwohl ich am Anfang noch wegen der Größe des Komitees Angst hatte, bin ich dieser Aufgabe mit großer Freude nachgegangen. Der persönliche Höhepunkt meines Studiums erfolgte jedoch, als ich den DAAD-Preis für herausragendes Engagement internationaler Studierender erhielt – eine Auszeichnung, die mich bis zum heutigen Tage sehr prägt.

Mein Berufseinstieg ging ziemlich unkompliziert: ich wurde nach dem Praktikum übernommen. Aus diesem Grund empfehle ich es sehr, während des Studiums sehr gezielt und zielorientiert nach einer passenden Praktikumsstelle zu suchen. Sollte es doch nicht die richtige Arbeitsstelle sein, kann man sich während der Praktikumszeit vernetzen oder sich mit erfahrener Kollegen über Karrieremöglichkeiten/Perspektiven austauschen.

Außerdem rate ich internationalen Studierenden: Zum erfolgreichen Studium gehören meiner Meinung nach nicht nur die eingebrachten Leistungen, die Vorlesungen und Seminare, die ihr besucht – es ist auch genauso wichtig, was ihr nebenbei für eure persönliche Entwicklung selber macht. Diese Zeit an der Goethe-Universität wird lange mit euch bleiben. Nun ist es wichtig, wie ihr dieses Kapitel des Lebens selber schreibt. Findet ihr ein Ziel, ein Anliegen, wofür ihr euch wirklich unermüdlich engagieren und einsetzen könnt - dann werdet ihr wirklich aktiver Teil dieser universitären Gemeinschaft und neben den scheinbar unendlichen Stunden in der Bibliothek auch Erinnerungen und Erfahrung sammeln, die euch noch Jahre, Jahrzehnte später begleiten werden.