Ram Panday aus Nepal, Humanmedizin

"An sich selbst zu glauben ist nicht immer einfach, das war mit Abstand der größte Erfolg."

Das Studium in Deutschland hat einen sehr guten Ruf und war das einzige Land wo man sogar das Medizinstudium ohne hohe Studiengebühren erfolgreich absolviert konnte.  Die erste Zulassung zum Besuch eines Studienkollegs erhielt ich von der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Nach Abschluss des 1-jährigen Kurses begann das spannende Uni-Leben mit dem schönsten Studiengang der Welt.

Der Ernst begann im Oktober 2009. Der Hörsaal voller Studenten, Videoübertragung im  Nebenraum bei Platzmangel. Anatomie war das einzige Fach, welches die Begeisterung angehender Ärzte über das gesamte Semester aufrechterhalten konnte. Die anderen Fächer waren nur Nebensache. Nach dem Motto ''Anfangs gut, alles gut'' wurde von Woche zu Woche fleißig gelernt. Das war eine harte Zeit. Aber es war auch eine Zeit, in der ich die ersten entscheidenden Schritte gemacht habe. Vieles zum ersten Mal erlebt, die erste Leiche, erste Verzweiflung und die ersten schlaflosen Nächte. Die erste Leiche vergisst man nie.

Mein Ziel war es, alle Prüfungen im ersten Anlauf zu bestehen. Zum Glück lief alles nach Plan. Das Lernen machte Spaß. Man darf nie vergessen, dass Noten nicht primär entscheidend sind. Als Arzt gibt es viele andere Qualifikationen, die wesentlich wichtiger sind.

Medizin in der Regelstudienzeit zu absolvieren war einer meiner größten Erfolge. An sich selbst zu glauben ist nicht immer einfach, das war mit Abstand der größte Erfolg. Außerdem habe ich während meines Studiums die Möglichkeit gehabt als Stationshilfe im Krankenhaus zu arbeiten. Dadurch konnte ich nicht nur mein Studium finanzieren, sondern auch viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Zu nennen wäre hier insbesondere die Abläufe im Krankenhaus, Arzt-Patienten-Kommunikation und der Umgang mit medizinischen Geräten.

Wenn ich auf mein Studium zurück blicke, realisiere ich, dass ich vieles falsch gemacht habe. Zum Beispiel das Lernen in Gruppen habe ich sehr spät entdeckt. Ich kann es nur empfehlen. Jeder hat Ideen und viele brauchen Ideen! Somit kann man gemeinsam ein Problem schneller und effizienter lösen. Außerdem stellt für uns die deutsche Sprache als ein großes Hindernis dar. Somit ist das Gruppenlernen ein gezieltes Training für jede mündliche Prüfung. Sprache lernt man schließlich nur durch Sprechen.

Der Berufseinstieg war problemlos. Zwar nicht in der gewünschten Stadt aber dafür im guten Krankenhaus. Man kann nicht alles haben im Leben. Ich habe ca. 4 Wochen nach meinem Examen angefangen zu arbeiten. Es ist empfehlenswert ein paar Monaten freinehmen, um sich auszuruhen. Für mich war eine längere Pause  finanziell schlecht machbar gewesen.

Mein Rat für internationale Studierende: Aller Anfang ist schwer. Bitte sucht euch  eine passende Lerngruppe, die anderen bringen immer wieder neues Wissen ins Gespräch. Bitte lasst euch auch nicht durch das Tempo anderer irritieren, denn jeder Mensch ist anders, anders begabt und anders disponiert. Auch das Scheitern ist Teil des Erfolgs. Studieren in fremder Sprache ist nicht einfach. Alles braucht im Leben seine Zeit, die Sprache auch. Ich denke deutsche Sprache zu lernen ist auch eine Leistung, worauf ihr stolz sein könnt.  Am Ende des Studiums werdet ihr froh sein, dass ihr von diesem großartigen Bildungssystem sehr profitiert habt. Frankfurt ist eine tolle multikulti Stadt. Studieren  an der Goethe-Universität und leben in Frankfurt ist  wirklich eine einmalige Erfahrung.   Genießt eure Studienzeit, lebt euch aus und vergisst nie warum ihr nach Deutschland gekommen seid.