Maria aus Kolumbien, Erziehungswissenschaften

"Als ich vor 8 Jahren nach Frankfurt gekommen bin, hätte ich mir nicht vorstellen können, in wenigen Jahren an einer deutschen Hochschule zu studieren."

Ich bin im Jahr 2009 als Au-pair Mädchen direkt nach Frankfurt gekommen. Die Stadt hat mich mit ihrer Vielfältigkeit bezaubert. Bereits als Au-pair begegnete ich internationalen Studierenden, die mir vom Studium in Deutschland bzw. vom Studieren an der Goethe-Universität berichteten. Da ich das deutsche Hochschulsystem nicht kannte, informierte ich mich umgehend und entschied mich - dank der Unterstützung meiner ehemaligen Gastmutter und der meines Mannes - für ein Studium in Deutschland. Bei meinen Recherchen zu den Studienangeboten gefiel mir bei den Erziehungswissenschaften die Tatsache, dass ich viel forschen konnte.

Im ersten Semester habe ich mich als internationale Studierende dank der Einführungsveranstaltung (für internationale Studierende) sicher gefühlt, weil ich dort Menschen kennengelernt habe, die ebenfalls nicht nur neu in der Uni-Welt sondern auch in dem Land waren. Eine meiner ersten Erinnerungen an das erste Semester an der Uni bezieht sich auf die Einführungsveranstaltung meines Fachbereiches. Diese fand eine Woche nach der Einführungsveranstaltung für internationale Studierende statt. Dabei wurden wir in kleine Gruppen aufgeteilt, um gemeinsam mit den Tutoren den Stundenplan für das erste Semester zu erstellen. Da ich meinen bereits bei der Einführungsveranstaltung für internationale Studierende erstellt hatte, konnte ich eine Kommilitonin mit Rat und Tat unterstützen. Sie war sehr dankbar und fragte mich woher ich das alles wissen würde. Genau in dem Moment bestätigte sich für mich die Bedeutung der Einführungsveranstaltung für internationale Studierende und  der dabei gewonnenen Kenntnisse.  

Als internationale Studierende war es für mich eine Herausforderung, das deutsche Hochschulsystem zu verstehen und die Unterschiede zwischen Seminaren und Übungen zu begreifen. Man wird mit vielen Ängsten (bzgl. Sprache, Finanzierung, Hochschulsystem, u.a.) konfrontiert und jeder muss sich selbst diesen Ängsten stellen, um weiter zu kommen. Bei den Gruppenarbeiten, Referaten und Hausarbeiten habe ich bald gelernt, dass ich doch in der Lage war, einen Beitrag zur Gruppenarbeit bzw. zum kollegialen Austausch zu leisten. In den Seminaren konnte ich oft nicht begreifen, warum ich einen Satz oder einen Text anders verstanden und interpretiert hatte als meine (deutschen) Kommilitonen. Ich dachte, ich wäre nicht gut genug um mit ihnen mithalten zu können und würde dementsprechend keine Arbeit schreiben können. Bei der Fertigstellung meiner ersten Hausarbeit konnte ich dann endlich verstehen, dass ich aufgrund meiner Herkunft, Kultur, Sprache und Sozialisation andere Erfahrungen, Blickwinkel und Denkmuster habe.

Als ich vor 8 Jahren mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache nach Frankfurt gekommen bin, hätte ich mir nicht vorstellen können, in wenigen Jahren an einer deutschen Hochschule zu studieren. Dennoch habe ich es geschafft, als internationale Studierende sowohl mein Bachelor- als auch mein Master-Studium der Erziehungswissenschaften mit sehr guter Gesamtnote abschließen zu können. Damit verbunden war ein besonderer Höhepunkt für mich als ich aufgrund meiner guten Noten das Studienabschlussstipendium für internationale Studierende erhielt. Besonders positiv war die Tatsache, dass mich meine (deutschen) Kommilitonen bei Fragen und Unklarheiten unterstützt hatten und dadurch ein gegenseitiger Austausch entstehen konnte.

Mein Berufseinstieg hat gut geklappt: Dank der Pädagogik-Messe, die jedes Jahr vom Fachbereich Erziehungswissenschaften organisiert wird, hatte ich die Möglichkeit, viele Träger kennenzulernen, die im pädagogischen Bereich tätig sind. Bei der Messe hatte ich als Studentin die Möglichkeit, mit Mitarbeitern und Leitungskräften diverser Einrichtungen zu reden und mich über die Arbeitsweise und Konzeption der jeweiligen Träger bzw. Einrichtungen zu informieren.

Mein Rat für internationale Studierende: Glaubt an euch selbst, an eure Fähigkeiten und Fertigkeiten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jeder von uns eine innere Stimme hat, die uns dazu bewegt, nicht aufzugeben und immer das Beste von sich zu geben. Denkt immer daran, dass die meisten Anstrengungen auch belohnt werden.

Außerdem würde ich den internationalen Studierenden das Kompass-Programm und die studienbegleitenden Kurse des International Office ans Herz legen, weil sie die Begegnung mit der akademischen Wissenschaftssprache in der Fremdsprache erleichtern. Das Schreiben wissenschaftlicher Texte in einer Fremdsprache bedarf einer gewissen Beherrschung komplexer grammatikalischer Zusammenhänge, die sich nicht einfach von den muttersprachlichen Sprachkompetenzen übertragen lassen, weil jede Sprache von einem spezifischen, interkulturellen Aspekt gekennzeichnet ist, der zu ihrer Einzigartigkeit beiträgt: muttersprachliche Ausdrucksformen und Redewendungen lassen sich nicht eins zu eins übersetzen. Es geht nicht darum die Muttersprache zur Seite zur legen, sondern das Besondere der deutschen Sprache zu entdecken und diese anzuwenden.