Eugen aus Russland, Kunstgeschichte

"Es war sehr schwierig, aber aufgeben wollte ich auf keinen Fall."

Nach Deutschland bin ich gekommen, weil ich hier mehr Chancen für meine Zukunft sah. Ich habe mich deutschlandweit beworben und einen Platz in Frankfurt und in Stuttgart bekommen. Da ich in Frankfurt bereits ein paar Freunde hatte (ich war im Austauschcamp in Butzbach), habe ich mich für diese Universität entschieden.

Meine Erinnerung an das erste Semester sind meine erste Klausur und die Hausarbeit. Ich war von einem ganz anderen System und einer anderen Sprache überfordert. Es war sehr schwierig, aber aufgeben wollte ich auf keinen Fall. Außerhalb des Studiums habe ich viele Freunde kennen gelernt, vor allem aus der Kultur- und Musikszene und habe selbst in verschiedenen Clubs Konzerte gespielt. Das war eine gute Entspannung für mich.

Eine besondere Herausforderung war das große Latinum zu bestehen. 3 Semester lang gab es nichts anderes in meinem Leben außer dieser Sprache. Danach lief alles wie geschmiert. Besonders angenehm war meine erste Hausarbeit mit "1,3". Ich glaube, für alle Ausländer bedeutet die gute Note viel mehr als nur eine Note. Als Höhepunkt gilt natürlich mein Abschluss.

Was mir an der Uni fehlte war der Teamgeist. Es gab keine feste Gruppe, mit welcher wir das ganze Studium durchziehen. Man erkannte ab und zu mal bekannte Gesichter, aber mehr war es nicht - mindestens für mich. Es ist schade, dass ich kaum Freunde aus der Uni habe. Der Gedanke aufzuhören war aber ausgeschlossen. Das Studium hat viel Spaß gemacht. Außerdem kostete es so viel Mühe und Zeit, dass es nicht vernünftig wäre, aufzuhören. Ich bin dran gewöhnt, an meinem Ziel zu halten.

Für meinen Berufseinstieg haben mir die Veranstaltungen des Kompass-Programms geholfen, mich richtig zu bewerben: Lebenslauf korrekt zu erstellen, Motivationsschreiben richtig zu verfassen und zu lernen, was man beim Vorstellungsgespräch beachten muss. Den Job habe ich trotzdem erst nach 14 Monaten gefunden. Nach ca. 300 Bewerbungen deutschlandweit habe ich angefangen, die Firmen direkt anzurufen, und mein erster Anruf war da, wo ich jetzt knapp ein Jahr lang arbeite. Die Schwierigkeiten gab es mit der Ausländerbehörde und Arbeitsagentur: mein erster Antrag auf Verlängerung des Aufenthaltes wurde abgelehnt, da der Kunsthistoriker laut Arbeitsagentur über 3500€/Mo. verdienen muss (auf die Summe kommt vielleicht einen Anwalt oder Arzt, aber nicht ein Kunsthistoriker direkt nach dem Studienabschluss). Mein Arbeitsvertrag wurde mehr oder weniger angepasst und ich habe den zweiten Antrag gestellt. Auf die Rückmeldung von der Ausländerbehörde warte ich seit September immer noch...

Mein Tipp für internationale Studierende: Knüpft während des Studiums so viel wie möglich Kontakte in der Branche. Ohne "Vitamin B" ist es schwierig weiter zu kommen. Besucht die externen Veranstaltungen und sucht schon mal während des Studiums einen potenziellen Arbeitsplatz