Stoyan aus Bulgarien, Wirtschaftsinformatik

"Wenn ich mein Studium noch einmal von vorne beginnen könnte, wäre ich vielleicht aktiver was Netzwerken angeht."

Nach meinem Bachelor der Informatik in meiner Heimatstadt habe ich mich eher in Richtung Wirtschaftsinformatik bzw. Aufbau von Grundkenntnissen in den Wirtschaftswissenschaften orientiert. Ich hatte schon seit längerem geplant meinen Master im Ausland zu machen und Deutschland wäre jedenfalls die erste Wahl, da ich Deutsch schon an der Schule gelernt hatte. Es war nicht einfach eine Hochschule zu finden, wo ein Master der Wirtschaftsinformatik für Informatiker angeboten wurde, die Goethe Uni hatte aber den perfekten Studiengang für mich, deswegen habe ich mich für Frankfurt entschieden.

Im ersten Semester hatte ich sehr viel zu tun, da ich ein paar Auflagen vom Bachelor zusätzlich bestehen musste. Die Vorlesungen haben mir sehr gefallen, besonders "Grundlagen der VWL", die interessant strukturiert und erstklassig vorgetragen wurde. Ich konnte trotzdem erste Eindrücke von der Stadt sammeln und erste Freundschaften knüpfen. Letzteres war ziemlich schwierig, da die meisten Kurse Wahlpflichtmodule waren und ich keine ständigen Kommilitonen hatte.

Am Ende meines ersten Semesters habe ich alle Klausuren mit sehr guten Noten bestanden und gleichzeitig meinen ersten Teilzeitjob gefunden, worauf ich sehr stolz war. Als Bachelor war es mir sehr wichtig schon erste praktische Erfahrungen zu sammeln und das wurde durch meine Werkstudententätigkeit zu Realität.

Meine größte Herausforderung war die Erstellung meiner Masterarbeit, nachdem ich alle anderen Module abgeschlossen hatte. Es waren persönlich schwierige Zeiten und mir fehlte teilweise die Motivation. Ich war der Überzeugung dass das schwierigste hinter mir lag und ich hatte bestimmt unterschätzt, wie viel Arbeit in diesen 6 Monaten und knapp 80 Seiten steckte. Obwohl ich rechtzeitig angefangen habe und der Zeitdruck nicht vorhanden war, gab es Tage an denen ich gar nicht wollte, an anderen viel mir nichts Neues auf. Das Feedback meines Mentors war zwar stets gut, aber kurz vor Ablauf der Frist war ich dermaßen erschöpft, dass ich es gerade noch über die Linie geschafft habe.

Wenn ich mein Studium noch einmal von vorne beginnen könnte, wäre ich vielleicht aktiver was Netzwerken angeht. Als Student war ich jederzeit sehr beschäftigt und dachte oft "OK, das reicht für heute/diese Woche/dieses Semester". Ich habe später festgestellt, dass man durchs Zusammensein mit Unbekannten sehr viel Energie auftankt und dass das einen positiven Effekt auf die Produktivität haben könnte.

Für den Berufseinstieg habe ich meinen Job auf den üblichen Wegen - über Online-Jobbörsen, gefunden. Besonders hilfreich waren meine ersten Erfahrungen, sowie der Besuch einiger Jobmessen auf dem Campus Westend. Da konnte man sich mit Vertretern der Finanz- und IT-Branche austauschen, deswegen waren mir viele Firmen bei der Jobsuche schon bekannt. Solche Veranstaltungen kann ich nur empfehlen, obwohl diese am Anfang stressig sein mögen, weil man noch nicht ganz genau weiß, was einer nach dem Studium machen möchte. Von großer Hilfe war auch mein sehr gutes Arbeitszeugnis aus der Werkstudentenzeit. Ich war 2 Jahre (4 Semester) in der IT-Abteilung einer großen Bank als Werkstudent tätig. Als studentische Hilfskraft konnte und durfte ich nicht direkt an der Weiterentwicklung der produktiven Systeme teilnehmen. Trotzdem habe ich Test- und Hilfswerkzeuge mitentwickelt, technische Dokumentation erstellt, die Unternehmensstruktur kennengelernt und den Umgang mit Kollegen und externen Geschäftspartnern zum ersten Mal trainiert. Die dort erworbenen Kenntnisse waren beim Berufseinstieg Gold wert und haben dazu beigetragen, dass ich ohne größere Schwierigkeiten meine Probezeit bestanden habe.

Mein Rat für internationale Studierende: Wenn das Studium gut geplant und realistisch strukturiert ist, kommt man viel einfacher in schwierigen Momenten durch. Man muss außerdem keine Angst haben neu anzufangen, wenn es einfach in dem zuerst gewählten Studiengang nicht klappt. Viele Bekannte von mir wussten mit 18 noch nicht, wo ihre Interessen liegen. Die internationalen Studenten sollten immer Fragen stellen. Es ist jedem klar, dass sie das Ausbildungssystem, sowie auch den Studentenalltag in Deutschland nicht von Anfang an perfekt kennen. Das hilft unglaublich viel in den ersten Monaten, als man sich noch nicht komplett adaptiert hat.