Was ist Diskriminierung?

„Societies should be judged by how they treat the weakest among them.” (Maajid Nawaz)

Diskriminierung bezeichnet Formen von Herabwürdigung, Benachteiligung, Abwertung, Stigmatisierung oder Ausschluss aufgrund von

  • rassistischen Zuschreibungen (anhand phänotypischer Merkmale, vermuteter Herkunft und/oder Religionszugehörigkeit, Name usw.)
  • Geschlecht bzw. Geschlechtszuschreibungen
  • (vermuteter) sexueller Orientierung und/oder Identität
  • Nichtberücksichtigung oder Abwertung körperlicher/geistiger Leistungsfähigkeit oder Erscheinungsbild
  • Lebensalter
  • (vermuteter) sozialer Herkunft bzw. sozialem Status

Menschen werden bestimmten Kategorien in der Regel nicht allein aufgrund eines Merkmales zugeordnet, sondern unterschiedliche Kategorien werden zur Einordnung herangezogen. Die oben genannten Merkmale sind folglich häufig miteinander verwoben und können deshalb nicht einzeln betrachtet werden. Eine intersektionale Herangehensweise, die das Zusammenspiel der einzelnen Differenzkategorien berücksichtigt, ist im Umgang mit Diskriminierung von großer Bedeutung. Diskriminierung beruht auf Zuschreibungen und Differenzierungen, die Bestandteil historisch gewachsenerer Ungleichheitsstrukturen sind.

Anhand einer meist unhinterfragten Norm (beispielsweise ‚weiß[1]‚ heterosexuell‘, ‚christlich geprägt‘, ‚nicht-behindert‘ usw.) werden Menschen als ‚zugehörig‘ oder ‚abweichend‘ eingeordnet. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen neutralen Prozess, sondern um einen, der mit Abwertung und sozialem Ausschluss all derjenigen Menschen(gruppen) verbunden ist, die als ‚abweichend’ markiert werden.

Diskriminierende Äußerungen und/oder Handlungen sind für betroffene Menschen häufig schwer zu erkennen oder nachzuweisen, da sie subtil im Alltag verstrickt sind.
Macht beispielsweise eine Schwarze Person wiederholt die Erfahrung, dass sich in der Vorlesung niemand neben sie setzt, ist es kaum möglich nachzuweisen, ob dies ein diskriminierender Akt oder einfach nur Zufall war.

Häufig passieren diese Prozesse unbewusst, ohne Absicht, sie können aber auch bewusst eingesetzt werden, um Menschen(gruppen) auszuschließen oder zu benachteiligen. Für die Einordnung von Diskriminierung ist es jedoch irrelevant, ob diskriminierende Äußerungen oder Handlungen absichtlich oder unabsichtlich erfolgen. Nicht das Motiv oder die Absicht hinter der Handlung ist also entscheidend für die Bewertung, sondern das Ergebnis.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) trat 2006 in Kraft und zielt darauf ab,

„Benachteiligungen aus Gründen der Rasse[2] oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“ (AGG, § 1)[3]

Im Rahmen des Gesetzes wird unterschieden zwischen unmittelbarer und mittelbarer Diskriminierung:

Unmittelbare Diskriminierung

Unter unmittelbarer Diskriminierung wird in Paragraph § 3 Absatz 1 und 2 des AGGs verstanden,

„wenn eine Person wegen eines in § 1 genannten Grundes eine weniger günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person in einer vergleichbaren Situation erfährt, erfahren hat oder erfahren würde.“

Wird eine Person beispielsweise aufgrund ihrer Hautfarbe als nicht-Deutsch eingeordnet und aufgrund dessen beschimpft, handelt es sich um eine offene rassistische Diskriminierung. Ein subtilere Form davon ist, wenn eine als nicht-Deutsch markierte Person wiederholt gefragt wird, ob sie denn überhaupt Deutsch spreche oder woher sie käme. In beiden Fällen handelt es sich um Erfahrungen, die betroffenen Personen vermitteln, nicht Teil der deutschen Gesellschaft zu seien oder aufgrund ihrer Hautfarbe abgelehnt zu werden.

Mittelbare Diskriminierung

Eine mittelbare Diskriminierung liegt vor,

„wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen wegen eines in § 1 genannten Grundes gegenüber anderen Personen in besonderer Weise benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich.“

Wenn beispielsweise öffentliche Einrichtungen, Universitäten und Behörden nicht für alle Menschen zugänglich gebaut werden, weil sie keine oder viel zu enge Zugänge zu Aufzügen haben, werden all diejenigen ausgeschlossen, die auf einen Rollstuhl oder eine Gehhilfe angewiesen sind.
Institutionelle Diskriminierung zeigt sich außerdem im Umgang mit Formalitäten und der damit verbundenen Voraussetzung, von jeder Person in gleicher Weise Kenntnisse der deutschen Sprache zu erwarten und zusätzlich die Fähigkeit, die im amtlichen Briefverkehr benutzten Vokabeln verstehen zu können.
Werden in Broschüren, Büchern oder anderen Medien ausschließlich heterosexuelle Paare als Familien präsentiert, wird damit ein Bild vermittelt, das der Realität unterschiedlicher Lebensweisen und Begehrensformen und der vielfältigen Gestaltung von Familie nicht gerecht wird. Mithilfe solcher Darstellungen werden auf subtile Art und Weise unhinterfragte Normen transportiert und verfestigt. Gleichzeitig sorgen die Darstellungen einer vermeintlich natürlich gegebenen Heteronormativität dafür, homosexuelle Partnerschaften und weitere Lebensmodelle auszuschließen.

Die im AGG verankerten Begriffsdefinitionen zeigen, dass sich Diskriminierung sowohl auf individueller und interaktioneller Ebene als auch auf institutioneller und strukturell verankerter Ebene zeigt. Trotz intensiver Bemühungen und einer großen Bewusstheit für die Problematik ist daher auch eine Universität nicht frei von diskriminierenden Strukturen und Handlungen. In der Antidiskriminierungsstelle soll Menschen, die diskriminierende Erfahrungen gemacht haben, Raum gegeben werden, um über diese zu sprechen und einen Umgang damit zu finden. Des Weiteren sollen diskriminierende Handlungsweisen und Strukturen sichtbar gemacht werden – mit dem Ziel künftig dafür zu sorgen, Diskriminierung entgegenzuwirken.

Was ist keine Diskriminierung?

Auch wenn Beleidigungen, Beschämung und andere verletzende Handlungen nicht zu akzeptieren sind, so ist doch nicht jeder Konflikt, nicht jede Auseinandersetzung oder verbale Angriff auch eine Diskriminierung. Diskriminierung ist, wie beschrieben, immer auch durch die jeweilige Position in gesellschaftlichen Machtstrukturen bestimmt.
Ebenso ist es keine Diskriminierung, wenn durch sogenannte Nachteilsausgleiche, präventive oder positive Maßnahmen bestehende Diskriminierung abgebaut oder verhindert werden soll. Diese dienen, ganz im Gegenteil, dem Schutz vor bzw. Abbau von Diskriminierung.

Spezifische Formen von Diskriminierung

Gewalt

Gewalt hat viele Erscheinungsformen und ist deshalb ein schwer greifbares Phänomen. So handelt es sich beispielsweise bei Mobbing oder Stalking sind Formen von Gewalt. Ausgehend von einem weit gefassten Gewaltbegriff finden gewalttätige Übergriffe nicht allein auf physischer und/oder psychischer Ebene statt. Auch strukturelle oder auf persönlichen Kompetenzen und Positionen beruhende Machtausübungen schränken Menschen auf gewaltsame Weise ein. So ist beispielsweise der Ausschluss aus Lehrveranstaltungen eine gewaltsame Handlung, sowie auch der Missbrauch einer Machtposition, in Form willkürlicher Behandlungen von Studierenden.

Sexualisierte Gewalt

siehe Sexualisierte Diskriminierung

An wen richtet sich unser Angebot?

Unser Angebot richtet sich an alle betroffenen Personen und an Menschen, die in der Begleitung Betroffener involviert sind.

  • Studierende
  • Mitarbeitende der Universität

Zu den grundlegenden Aufgaben der Antidiskriminierungsstelle gehören:

  • Erstgespräche/Auftragsklärung
  • Einzel- und Gruppenberatung
  • Konfliktberatung
  • Vermittlung an andere qualifizierte Beratungsstellen
  • Schutz vor bzw. Verhinderung von Diskriminierung
  • Information/Aufklärungsarbeit über Diskriminierungen

Die Beratung erfolgt grundsätzlich vertraulich und ist kostenlos!

Verschiedene Schritte werden nur mit dem Einverständnis der betroffenen ratsuchenden Person unternommen. Die Perspektive und Bedürfnisse der Betroffenen stehen im Fokus der Beratung. Wir sind parteilich und prüfen gemeinsam und unter Zuhilfenahme gesetzlicher Richtlinien, welche Wege im Umgang mit Diskriminierungserfahrungen möglich sind. Die Vermittlung an andere qualifizierte Beratungsstellen erfolgt dann, wenn der Wunsch nach intensiver und langanhaltender Begleitung (beispielsweise psychologische Begleitung oder Empowerment) besteht.

[1] In Anlehnung an die Kritische Weißseinsforschung wird weiß hier kursiv und klein, Schwarz groß geschrieben, um den konstruktiven Charakter sichtbar zu machen und „bewusst von der Bedeutungsebene des Schwarzen Widerstandspotenzials, das von Schwarzen und People of Color dieser Kategorie eingeschrieben“ (Eggers, Kilomba, Piesche & Arndt 2009, S. 13) wird, abzugrenzen.

[2] Im Rahmen von Gesetzestexten findet sich nach wie vor die Verwendung des Begriffs ‚Rasse‘, obwohl menschliche ‚Rassen‘ nicht existieren. Da in diesem Kontext der Gesetzestext direkt zitiert wird, erscheint dieser Begriff an dieser Stelle, weshalb wir vom Gleichstellungsbüro darauf hinweisen wollen, dass wir Abstand von dieser Begrifflichkeit nehmen. Siehe hierzu auch: http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/_migrated/tx_commerce/policy_paper_10_und_welcher_rasse_gehoeren_sie_an_2_auflage.pdf

[3] https://www.gesetze-im-internet.de/agg/BJNR189710006.html