Olga aus Russland, Rechtswissenschaften

"Man kann sagen, ich habe gleichzeitig Jura studiert und die Sprache gelernt."

Da ich einen Hochschulabschluss mit Auszeichnung im Bereich der Rechtswissenschaft in Russland erworben hatte, entschied ich mich für das juristische Studium in Deutschland, weil das Thema der internationalen deutsch-russischen Beziehungen für mich immer interessant war. Weltbekannt ist, dass die deutschen Abschlüsse sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen. Während der Schulzeit in Russland habe ich auch Deutsch gelernt und die Sprache hat mir immer gut gefallen. An der Goethe-Uni habe ich den Sprachkurs für die DSH-Prüfung besucht, um den Hochschulzugang zu erwerben. Nach der bestandenen DSH-Prüfung, bin ich in Frankfurt geblieben und habe mein Jurastudium angefangen.

Das erste Semester war schwer für mich, weil das Jurastudium eine selbständige Planung eigener Zeit voraussetzt. Das System des Studiums in Deutschland weicht sehr vom russischen ab, deshalb musste ich mich schnell umschalten können. Mit der Sprache war es auch nicht einfach, weil das Jurastudium natürlich hinsichtlich der Sprache sehr anspruchsvoll und umfangreich ist und ein überdurchschnittliches Sprachniveau verlangt. Man kann sagen, ich habe gleichzeitig Jura studiert und die Sprache gelernt. Ich kann mich auch erinnern, dass ich ständig die deutschen und die russischen Gesetze miteinander verglichen habe, um die Parallelen zu finden und dadurch mir ein bisschen den Lernprozess zu erleichtern.

Ein besonderer Erfolg war, dass ich die erste Klausur nach ziemlich kurzer Zeit in Deutschland trotz der komplizierten Sprache bestanden habe. Als ausländische Studierende bekommt man keinen Rabatt für die bessere Bewertung. Danach habe ich geglaubt, dass ich die weiteren Klausuren auch bewältigen kann. Abgesehen davon, ist es mir gelungen schnell alle Scheine zu erwerben, um den Freischuss für die erste juristische Prüfung mitschreiben zu dürfen.

Die Vorbereitung für das erste Staatsexamen war auch eine besondere Herausforderung, man darf sie nicht unterbrechen, damit man den gelernten Stoff nicht vergisst. Sogar wenn die Übungsklausuren bei der Vorbereitung für das Examen nicht so gut ausgefallen sind, wie ich erwartete, musste man trotz der Kritik des Korrektors neue Kräfte finden, weiter zu lernen und wieder die Übungsklausuren zu schreiben.

Ja, es gab die Momente als ich mein Studium abbrechen und in die Heimat zurückkehren wollte. Aber wenn ich mich daran erinnert habe, wie viel Kraft ich bereits ins Studium investiert habe und der Gedanke, wenn ich jetzt abbrechen würde, wäre dann alles vergebens, was ich bisher gemacht habe: die Sprache lernen, arbeiten parallel zum Studium, alle bereits erworbenen Scheine?! Das hat mich von dieser Entscheidung abgehalten.

Könnte ich mein Studium noch einmal von vorne beginnen, dann würde ich so früh wie möglich anfangen die eigenen Zusammenfassungen für jedes Rechtsgebiet zu schreiben, weil es mir gut bei der Vorbereitung geholfen hat.

Hilfreiche Praxiserfahrung konnte ich während meines Studiums als studentische Hilfskraft bei einer russischen und danach bei einer deutschen Rechtsanwaltskanzlei sammeln. Ich erstellte Entwürfe der Schriftsätze an Gerichte und Mandanten und holte in Eigenverantwortung die dafür notwendigen Informationen ein.

Ich würde internationalen Studierenden empfehlen, die kritische Bewertung der Leistung nicht persönlich zu Herzen zu nehmen, sondern mit der Kritik konstruktiv umzugehen und weiter zu machen. Versuchen Sie auch die Kontakte mit den deutschen Studierenden aufzunehmen, ohne zu warten, dass jemand auf sie zuerst zugeht. Genieren Sie sich nicht um Hilfe zu bitten und seien Sie selbst hilfsbereit.