Sophia aus Georgien, Psychologie

"Ich musste mein Studium komplett alleine finanzieren"

Ich habe in meiner Heimat Germanistik studiert. Während des Studiums habe ich mir immer gewünscht nach Deutschland zu fliegen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern und die deutsche Kultur besser kennen zu lernen. Nach dem Abschluss meines Erststudiums habe ich geschafft nach Deutschland zu fliegen. Als ich das erste Mal Frankfurt besucht habe, habe ich sehr schnell bemerkt, dass ich in diese Stadt verliebt war. Als ich das erste mal die Goethe Universität besichtigt habe, wusste ich schon, dass ich mein Zweitstudium anfangen und genau an der Goethe-Universität studieren wollte.

Das erste Semester war eine besonders schwierige Zeit in meinem Leben, sodass ich das Studium als „Ersti“ nicht richtig realisieren konnte und ich habe wenige Erinnerungen an das Studium. Ein paar Monate vor dem Anfang meines Studiums an der Goethe Universität war Krieg in meiner Heimat. Meine Familie hat direkt im Kriegsgebiet gewohnt. Sie sollten unser Zuhause verlassen und ein Dach über dem Kopf in einem anderen Teil von Georgien suchen. Dementsprechend konnte ich keine Unterstützung von der Familie bekommen. Ganz im Gegenteil, ich musste neben dem Studium hart arbeiten und meine Familie unterstützen.

Als ein Höhepunkt meines Studiums betrachte ich die Abgabe meiner Bachelorarbeit. Ich war richtig stolz auf mich und überglücklich, dass ich trotz der vielen Schwierigkeiten und Herausforderungen geschafft habe, mein Studium abzuschließen.

Ein besonderer Erfolg war für mich, dass ich dank dem Internationalen Office der Goethe Universität in der Abschlussphase meines Studiums ein DAAD-Stipendium bekommen konnte, d.h. ich hatte finanzielle Sicherheit und ich konnte mich komplett auf das Studium konzentrieren.  

Eine besondere Herausforderung war für mich, dass ich neben dem Studium viel gearbeitet habe. Ich musste mein Studium komplett alleine finanzieren, deswegen musste ich neben dem Studium einige Nebenjobs haben.

Im Bachelor-Studium hat mir gefehlt, einen freien Rahmen für die Gestaltung des eigenen Studiums zu haben. Damit meine ich, auch als Bachelor-Student eine Möglichkeit zu haben, Seminare und Vorlesungen nach eigenen Interessen auszuwählen und manchmal Seminare für die Orientierung im Fachgebiet ohne Benotung belegen zu können. Im Master-Studium ist es anders. Das Master-Studium ist schon anspruchsvoll. Man kann eigener Schwerpunkt setzen und dementsprechend das Studium nach eigenen Interessen gestallten

Ich habe nicht darüber nachgedacht mein Studium aufzuhören und in mein Heimatland zurück zu gehen, denn es war mir von Anfang an bewusst, welche Schwierigkeiten und Probleme auf mich zukommen könnten. Ich habe immer nur daran gedacht, wie ich diese Probleme lösen könnte.

Wie ich schon erwähnt habe, habe ich während des Bachelorstudiums sehr viel in verschiedenen Bereichen gearbeitet, unter anderem vor allem als pädagogische Hilfskraft im Kindergarten, als Publikumsbetreuerin im Museum, als Altenpflegerin in Altenheim.

Am Ende meines Bachelorstudiums habe ich ein zweimonatiges Pflichtpraktikum bei einer Versicherungsgesellschaft in der Abteilung Personalentwicklung gemacht. Nach dem Abschluss des Pflichtpraktikums bin ich in derselben Abteilung als Werkstudentin übernommen worden, wo ich fast zwei Jahre tätig war. Jetzt arbeite ich als studentische Hilfskraft in der Abteilung der Arbeits- und Organisationspsychologie der Uni-Gießen.

Liebe internationale Studierende der Goethe- Universität, versucht euch nicht zu sehr unter Leistungsdruck zu setzen. Genießt ihr euer Studium und behaltet eure Ziele vor den Augen. Es ist schön an der Goethe-Uni studieren zu können.