Ariunzaya aus der Mongolei, Rechtswissenschaften

"Gerade das Wissen und das Verständnis für Land und Menschen macht die Bereicherung aus"

Die Mongolei und DDR unterhielten - bis zur Deutschen Einheit - aufgrund der gemeinsamen sozialistischen Systeme enge Beziehungen; in dieser Zeit haben viele mongolische Studenten in der DDR studiert. Unter anderem aus diesem Grund ist Deutschland für die Mongolen ein sehr geschätztes Land. Auch derzeit ist Deutschland der drittgrößte Handelspartner der Mongolei und genießt insgesamt ein sehr hohes Ansehen.

Ich wollte - nach meinem Bachelorstudium der "Internationalen Beziehungen" in der Mongolei - im Ausland studieren und kam mit 21 Jahren zum Studium nach Deutschland. Ein persönlicher Grund für meine Entscheidung für Deutschland als Studienort war, dass in Deutschland keine Studiengebühr zu zahlen waren/sind. Dieser Aspekt war für mich sehr wichtig, weil meine Eltern mich nur sehr eingeschränkt bzw. kaum finanziell unterstützen konnten. Ich habe mich von der Mongolei aus an einigen Universitäten in Deutschland beworben und hatte aber dabei keine konkreten Vorstellungen von den Örtlichkeiten. Inzwischen liebe ich die Stadt und auch die Goethe-Universität Frankfurt, schon wegen ihrer Internationalität und da ich dort meine ersten Auslandserfahrungen gemacht und über 10 Jahre gelebt habe.

Nach dem Bestehen der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) habe ich das Studium aufgenommen. Das erste Semester habe ich als besonders herausfordernd empfunden. Sehr viele neue Wörter kennengelernt, die nicht in den gängigen Wörterbüchern erklärt wurden bzw. nicht zu finden waren. Aufgrund meiner damals schlechten Deutschkenntnisse hatte ich mir nicht zugetraut, auf die deutschen Studierenden zuzugehen und Freundschaften zu schließen. Aber trotz der Herausforderungen fand ich es spannend und war stolz, an einer solchen Universität in einer schönen Stadt studieren zu dürfen.

Was mich in meinem Studium gefördert und mich in vielfacher Hinsicht (akademisch, persönlich wie sozial) geprägt hat, war, dass ich im Lehrstuhl von Frau Prof. Ogorek als studentische Hilfskraft mitarbeiten durfte. Das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde und die Chancen, mich weiterzuentwickeln, haben meine Persönlichkeit gestärkt und gefördert. Ein besonderer Erfolg in meinem Studium war, dass ich 2007 den DAAD-Preis als beste ausländische Studierende an der Goethe-Universität bekommen habe. Diese Auszeichnung hat mich sehr motiviert.

Die schwerste Zeit, die ich während meines Studiums zu durchleben hatte, lag in meinem persönlichen Umfeld. Aufgrund der plötzlichen Diagnose einer schweren Erkrankung bei meinem Vater kehrte ich für ein Urlaubssemester in die Mongolei zurück. Nur wenige Monate nach der Diagnose ist mein Vater verstorben. Dieses tiefgreifende Erlebnis in meinem Leben hat sich auf mein Studium ausgewirkt und verzögerte meine Examensvorbereitungsphase für einen längeren Zeitraum.

Die größte Herausforderung, die mich über meine Studienzeit bis zum heutigen Tag begleitet, ist die Komplexität der deutschen Sprache, die - zumindest wenn man diese als Erwachsene erlernt - eine sehr schwierige Sprache ist. Da teile ich die Auffassung von Mark Twain über die deutsche Sprache voll und ganz :-) / Nachzulesen in seinem Aufsatz "Die schreckliche deutsche Sprache". Ich hätte mir hier eine größere Auswahl von ausgebauten Deutschkursangebote für ausländische Studierende, insbesondere zum Schreiben von wissenschaftlichen Texten gewünscht.

Während meines Studiums habe ich zu keinem Zeitpunkt an das Aufhören oder an den Abbrechen des Studiums gedacht, auch wenn ich aufgrund der fremdsprachlichen Barriere und der Einschränkungen oft Momente der Verzweiflung oder Hilflosigkeit empfand. Zum einen hatte ich mir den Studienabschluss als ein wichtiges Ziel gesetzt, zum anderen wollte ich den Abschluss schaffen, um später u.a. meine Familie unterstützen zu können. Ich war und bin immer noch sehr dankbar für die Ausbildung und für die Chancen, die mir in Deutschland geboten wurden.

Wenn ich mein Studium noch einmal von vorne beginnen könnte, würde ich viel mehr Zeitungen lesen und mehr mit und vor Menschen sprechen, um sprachlich (schneller) selbstsicherer zu werden und weniger Hemmungen zu haben.

Beim Einstieg in den Beruf hatte ich neben den aufenthaltsrechtlichen Schwierigkeiten, Unsicherheiten bei Auswahlverfahren im Assessment Center und Vorstellungsgesprächen festgestellt, die zum einen sprachlich bedingt waren. Zudem machen nicht selten Smalltalks, das Auftreten in Vorstellungsgesprächen, bestimmte Ausdrucksweisen im informellen Austausch einen Unterschied bei der Auswahl der Bewerber. Ausländische Absolventen, die diese Anforderungen zum Teil nur ansatzweise beherrschen, sind hier im Nachteil.

Ich habe unter den o.g. Umständen viele Bewerbungen geschickt und Auswahlverfahren durchgemacht. Ich hatte in Bezug auf meine Tätigkeit sehr konkrete Vorstellungen und es klappte nicht sofort. Dennoch haben mir diese Erfahrungen aus den (vorherigen) Vorstellungsgesprächen später viel geholfen. Man muss einfach unermüdlich dran bleiben und nicht nur auf Jobsuchmaschinen suchen, sondern z.B. regelmäßig auf den Webseiten des jeweiligen Arbeitgebers schauen. Auch Vorstellungsgespräche mit Freunden zu simulieren und zu üben, können hilfreich sein.

Ich habe während meines Studiums einige (Pflicht-)Praktika gemacht. Zudem hatte ich mich gesellschaftspolitisch und ehrenamtlich engagiert. Zu nennen sind: Engagements in der Gewerkschaft ver.di (Jugendgruppe für Auszubildende und Studierende). Dabei habe mich z.B. für die Erhöhung des Stundenlohns für studentische Hilfskräfte an den Universitäten des Landes Hessen eingesetzt und gemeinsam mit Gewerkschaften diese erfolgreich durchgesetzt.

Ich habe mich langjährig beim Frankfurter Rechtshilfekomitee e.V., der seit 40 Jahre für ausländische Mitbürger/innen kostenlose Rechtsberatung gibt, als Mitglied und ehrenamtliche Mitarbeiterin engagiert. Darüber hinaus hatte ich mich im Autonomen Referat für ausländische Studierende im AStA der Universität Frankfurt engagiert und Beratungen durchgeführt sowie Aktionen und Veranstaltungen organisiert.

Den internationalen Studierenden würde ich gerne mit auf dem Weg geben, dass sie sich während ihres Studiums so früh wie möglich auch mit den politischen und gesellschaftlichen Fragen dieses Landes beschäftigen und sich damit auseinander setzen. Tageszeitungen zu lesen, da diese nicht nur helfen, die Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern auch um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und die Mentalität, die gesellschaftlichen Probleme der Deutschen und die Kultur kennenzulernen. Nicht wenige internationale Studierende konzentrieren sich hingegen ausschließlich auf die Lerninhalte des Studiums und nehmen wenig von der Gesellschaft und den Menschen hierzulande wahr. Der Grund hierfür kann u.U. sein, dass sie schnell ihr Studium abschließen und in ihre Heimat zurückkehren wollen. Aber gerade das Wissen und das Verständnis für Land und Menschen macht die Bereicherung aus. Zudem ist dies hilfreich, auch die Studieninhalte und gesellschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.

Bedingt u.a. durch die sprachliche Barriere sollten sich die internationalen Studierende oft doppelt so stark anstrengen, um vergleichsweise Leistungen wie die Bildungsinländer zu erbringen. Gerade dies macht die internationalen Studierenden in der Regel stark.