Natallia aus Weißrussland

"Die erste Note 1 war für mich als Nichtmuttersprachlerin ein besonderer Erfolg"

Nach der Schule habe ich in Litauen an einer belarussischen Universität im Exil Journalismus studiert und mich politisch in meiner Heimat engagiert. Während meines Studiums habe ich eine Möglichkeit bekommen hier in Frankfurt bei der Commerzbank ein Praktikum zu absolvieren. Nach dem Studium war es für mich klar, unter anderem auf Grund der zugespitzten politischen Lage in meiner Heimat, dass ich in Belarus zu dem Zeitpunkt keine Zukunft habe, aber auch in dem politischen Bereich nicht mehr arbeiten möchte und kann. Ich wollte mich für die Menschen einsetzen. So habe ich eine Möglichkeit für Ausländer gefunden, in Deutschland mich beim Roten Kreuz zu engagieren. Ich habe 1,5 Jahre im Sonderpädagogischen Zentrum St. Vinzenzstift mit Kindern mit Behinderungen gearbeitet und gelebt. Es war eine ausschlaggebende Zeit für mein Leben und es war für mich klar, dass ich im pädagogischen Bereich weiter arbeiten möchte. So fiel die Entscheidung wieder zu studieren. Da ich aus privaten Gründen vor hatte in der Region um Frankfurt zu bleiben, habe ich mich unter anderem an der Goethe-Universität beworben und eine Zusage bekommen.

In meinem ersten Semester in Frankfurt war es sehr schwierig sich erstmal zu orientieren. An meiner ersten Universität war das Studium anders strukturiert. Der Stundenplan war vorgegeben, es gab eine feste Gruppe aus 20 Studierenden, man musste selber weniger organisieren. An der Goethe Universität musste ich mich erstmal zurechtfinden und mit den ganzen Online Systemen wie OLAT und LSF zurechtkommen. Ich hatte Glück, dass ich nicht zusätzlich mein soziales Umfeld aufbauen musste. Meine Noten waren im ersten Semester auch schlechter, als in den späteren Semestern. Es hat gedauert bis ich alles verstanden habe. Auf der anderen Seite fand ich es gut, dass man die Freiheit hatte selber zu entscheiden, welche Seminare man besuchen möchte und kann. Ich konnte mein Studium sehr gut mit einer Teilzeitarbeit kombinieren. Ich fand es auch gut, dass es viele internationale Studierende gab. Man wurde ganz normal von Mitstudierenden wahrgenommen und ich habe viele verschiedene Menschen kennen gelernt, mit denen ich noch heute in Kontakt bin.

Die erste Note 1 war für mich als Nichtmuttersprachlerin ein besonderer Erfolg und natürlich das erfolgreiche Abschließen der Bachelorarbeit. Eine besondere Herausforderung waren, wie ich bereits beschrieben habe, die Systeme OLAT und LSF. Die haben einige Zeit und Nerven gekostet. Eine weitere Herausforderung für mich war der Kontakt mit dem Fachbereich Geschichtswissenschaften. Ich habe als Wahlfach die Seminare und eine Vorlesung von diesem Fachbereich genommen, weil ich mich für die Geschichte interessiere. Es war aber eine Katastrophe, weil der Fachbereich schlecht organisiert ist. Die Mitarbeiter sprechen miteinander nicht, die einen akzeptieren die Scheine der anderen nicht, obwohl sie alle zu einem Fachbereich gehören. Meine Hausarbeit und mein Schein wurden verloren. Die Erwartungen einiger Professoren waren viel höher, als die Qualität der Inputs. Ich hätte mir generell mehr Informationen über die Rahmenbedingungen von Seminaren oder zusätzliche Angebote für Studierende gewünscht. Würde ich noch einmal mit dem Studium von vorne beginnen, würde ich mich besser über Dozenten und Rahmenbedingungen informieren, um hier nicht viel Zeit zu verlieren

Ich habe meinen heutigen Arbeitgeber bereits zwei Jahre vor dem Studium kennengelernt und während des Studiums dort als studentische Aushilfe gearbeitet. Nach dem Studium wurde ich als Vollzeit-Fachkraft übernommen.

Ich würde internationalen Studierenden empfehlen, viele soziale Kontakte zu knüpfen, das Studium ernst zu nehmen und sich immer Hilfe zu holen, wenn etwas unklar ist. Es erleichtert das Studium. Außerdem ist es aus meiner Sicht empfehlenswert bereits während des Studiums praktische Erfahrungen in dem zukünftigen Arbeitsumfeld zu sammeln, damit man die Inhalte des Studiums besser versteht, aber auch nach dem Studium leichteren und schnelleren Zugang zu dem Arbeitsmarkt hat. Ich wünsche euch viel Erfolg und vor allem Spaß im Studium!