Mädchen- und Frauenarbeit im Kontext von Demokratieförderung

Verbundprojekt für die Förderung eines anwendungsorientierten Forschungsvorhabens zu Mädchen- und Frauenarbeit im Kontext von Förderung der Demokratie mit besonderem Bezug zum Nationalen Präventionsprogramm und zum Strategiepapier der Bundesregierung zur Extremismusprävention. Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (www.integrationsbeauftragte.de)

In den vergangenen 15 Jahren ist in Deutschland eine Reihe von Studien entstanden, die sich mit Muslimen in Deutschland befassen. Fokussiert wurden unter anderem verbandliche Strukturen, Handlungsfelder der Gemeinden und religiöse Orientierungen bei Jugendlichen. Auch wenn diese Studien detaillierte Einblicke in Teilaspekte eines heterogenen muslimischen Alltagslebens ermöglichen, fehlt es bislang an Studien, die sich mit der muslimischen Zivilgesellschaft außerhalb der verbandlichen Strukturen befassen. Folglich wissen wir wenig über niederschwellige Selbstorganisation von jungen Muslim*innen, die von Ihnen bearbeiteten Anliegen und Themen und darin gewonnene Selbstwirksamkeitserfahrungen.

Das Forschungsvorhaben will einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke leisten. Fokussiert wird insbesondere die Mädchen- und Frauen- und Familienarbeit, die in zumeist informellen Zusammenhängen vielerorts geleistet wird. Das Projekt ist ein mehrphasiges und auf Partizipation angelegtes Forschungsprojekt, das explorative Elemente und Praxis in einem innovativen Setting miteinander verbindet. Das Projekt verfolgt im Kontext einer universell ausgerichteten Radikalisierungsprävention folgende Zielsetzungen und grundlegenden Arbeitsergebnisse:

1. Identifizierung von Selbsthilfestrukturen in der muslimischen Zivilgesellschaft
2. Befragung von Akteur*innen aus Selbsthilfestrukturen zur Erhebung der Anliegen und Bedarfe
3. Generierung von Praxisideen im Kontext von selbstorganisierten Strukturen
4. Umsetzung der Praxisideen in einem auf Partizipation angelegten Praxisband
5. Auswertung der Maßnahmen und Generierung weiterführender Perspektiven
6. Erstellung eines abschließenden Berichts

Die Durchführung des Projekts ist in einem hohen Maße abhängig vom Feldzugang. Das Vorhaben, das bis zum 31.12.2019 angelegt ist, folgt einer Struktur von auf die Praxis und ihre Akteur*innen ausgerichteten kooperativen Formaten. Es handelt sich um einen Forschungsverbund der beiden Universitäten Frankfurt am Main und Osnabrück. Über diesen Verbund werden Bereiche der pädagogischen und sozialwissenschaftlichen Analyse und Theorie, gendertheoretische und feministische Erkenntnisse, religionsbezogene Expertise und Kompetenz im Zugang zu muslimischen Binnenräumen zusammengeführt.

Im Einzelnen betrifft das die folgende Forschungserfahrung an beiden Standorten:

  • Theorie der Sozialen Arbeit
  • Bestehende bewährte Zugänge für die empirisch-analytische (Erhebung, auswertungsbasiert) und interventionsnahe (Handlungsforschung, programmbasiert) Arbeit in sozialen Segmenten mit der Signatur Mädchen und Frauen, Religion und Jugendlichkeit
  • Interventionsnahe Forschung mit Projekten und Trägern sozialer Arbeit
  • Bereichsübergreifende Theorien zur Migrationssituation mit intersektionalen Bezug: Gender, sozioökonomische Verortung, Rassismus, Bildung und Religion
  • Theorien zu Kommunikation und Führung in pädagogischen Szenarien, Lehr-Lern-Interaktion
  • Sozialwissenschaftliche Theorien mit Bezug zu Frauen, Gender und Geschlecht
  • Theorien zu religions-bezogener (Schwerpunkt Islam) und religions-ähnlicher (z.B. völkisch- nationalistischer) Rigidisierung, Radikalisierung und Mobilisierung, Schwerpunkt Islam und jugendsoziologische Fragen, religiös überladene neo-rechte und
    femonationalistische Erscheinungsformen.

    Ziel ist es, mit den Projektpartner*innen in die Kooperation zu gehen und sie bei ihren eigenen Vorhaben zu unterstützen. Diese Unterstützungsmaßnahmen werden in finanzieller Form und in wissenschaftlicher Begleitung umgesetzt. Im Fokus stehen hier Maßnahmen, die die Projektpartner*innen bereits anvisieren, jedoch aufgrund fehlender Kapazitäten nicht umsetzen können.

    Projektleitung Standort Goethe-Universität-Frankfurt:

    Professor Dr. Harry Harun Behr und Dr. Meltem Kulaçatan

    Projektkoordination:

    Dipl. Päd. Jette van der Velden

    Projektleitung Standort Universität Osnabrück:

    Dr. Michael Kiefer