2019/2020 Inselwelten

184. Vereinsjahr

Inselwelten

Die Vortragsreihe beschäftigt sich mit der Geographie von Inselwelten. Inseln werden dabei nicht nur als abgeschlossene Welten in ihrer jeweiligen Besonderheit begriffen, sondern auch als Orte, an denen sich globale Entwicklungen in ganz besonderer Weise niederschlagen – auf ihre Biodiversität, Ökosysteme und Klima. In manchen Fällen bedrohen diese Entwicklungen die Inselwelten als solche, denn sie könnten im steigenden Meerespiegel einfach verschwinden. Die Vorträge der Reihe fragen aus unterschiedlichen Perspektiven, welche Rolle der Mensch für diese Entwicklungen hat (oder nicht), welche Folgen sich womöglich aus Ihnen ergeben und was getan werden kann, wenn Entwicklungen bedrohlich sind.

23.10.2019 Prof. Dr. Severin Irl (Universität Frankfurt am Main)
Schatzinseln in Gefahr? Über die Gefährdung der einzigartigen Biodiversität auf ozeanischen Inseln durch den Menschen

Inseln tragen überproportional zur globalen Artenvielfalt bei. Insbesondere liegt dies an den vielen endemischen Arten – Arten, die nur auf Inseln vorkommen. Durch ihre kleinräumige Verbreitung und besonderen evolutiven Umständen sind endemische Arten besonders durch menschliche Einflüsse wie Landnutzungswandel, invasive Arten und Klimawandel bedroht. Der Vortrag verdeutlicht exemplarisch anhand endemischer Pflanzenarten auf den Kanarischen Inseln, welchen Gefahren die einzigartige Biodiversität auf Inseln ausgesetzt ist.


06.11.2019 Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
Rapa Nui – Die Osterinsel als ökologisches Weltmodell?

Vor gut einem Jahrtausend entstand auf Rapa Nui, der Osterinsel, eine einzigartige Megalithkultur. Vor kaum drei Jahrhunderten verging sie. Zeitgleich verschwanden die Wälder. Jared Diamond erklärt, dass die Rapanui ihren Untergang mit den Waldrodungen selbst  auslösten. Terry Hunt sieht dagegen Ratten als Ursache für den Kollaps der Gesellschaft. Manche erwarten gar, dass – ähnlich wie auf der Osterinsel – die globale „Umweltzerstörung“ die menschliche Gesellschaft auslöschen wird. Der Referent gibt nach 17-jähriger intensiver Forschungstätigkeit auf Rapa Nui eine ganz andere Erklärung.


20.11.2019 Prof. Dr. Eberhard Gischler (Universität Frankfurt am Main)
Bora Bora – geowissenschaftliche Bedeutung einer Insel im Süd-Pazifik

Trotz seiner relativ geringen Größe von nur 30 km2 hat Bora Bora (Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien) aus geowissenschaftlicher Sicht große Signifikanz. Die Insel wurde bereits vor über 175 Jahren von Charles Darwin als Typ-Modell eines Barriereriffs in seiner bekannten Subsidenz-Theorie der Bildung von Korallenriffen bezeichnet. Diese erklärt das Auftreten von Korallenriffen und -inseln im Ozean durch die Absenkung von Vulkanen, die zunächst von küstennahen Saumriffen umgeben sind, dann von landfernen Barriereriffen und sich schließlich zu Atollen mit tiefer Lagune entwickeln. Nachfolgend konnte i.w. mithilfe von Bohrungen in Korallenriffen gezeigt werden, daß Darwins Modell über lange geologische Zeiträume gesehen zwar anwendbar ist. Es wurde aber auch klar, daß die glazio-eustatischen Meeresspiegel-Schwankungen des Quartärs, die im Subsidenz-Modell unberücksichtigt geblieben waren, großen Einfluß auf die Bildung von Korallenriffen hatten und haben. Unsere Arbeitsgruppe hat in den vergangenen Jahren aus dem Barriereriff, dem Saumriff und der Lagune von Bora Bora – von wo keine Daten aus dem Untergrund existierten – Bohrkerne entnommen, um zu entschlüsseln, welche Umweltfaktoren für die Bildung der dortigen Riffe entscheidend waren. Im Vortrag wird von den Geländearbeiten, der Auswertung und den Ergebnissen dieser Studien berichtet. Die Bedeutung der steuernden Faktoren der Riff-Entwicklung, wie Subsidenz und Meeresspiegel-Schwankungen, wird vor dem Hintergrund der derzeitigen Umweltveränderungen, insbesondere Erwärmung und Meeresspiegel-Anstieg, diskutiert.


 

15.01.2020 Prof. Dr. Jörg Friedhelm Venzke (Universität Bremen)
Eisland, Grünland? Umweltgeschichte und heutige Lebenswelten in Westgrönland

Eirik der Rote, der die riesige, vereiste Insel im Nordatlantik im späten 10. Jahrhundert von Island aus erreichte, nannte sie „Grünland“, um sie für wikingische Siedler attraktiv erscheinen zu lassen. Der „Traum“ vom eisfreien Grönland mag sich – zumindest in einigen Regionen – in der Zukunft aufgrund des Klimawandels verwirklichen …


Der Vortrag stellt sowohl den faszinierenden Naturraum von Westgrönland als auch die historische und gegenwärtige Auseinandersetzung des Menschen mit der Umwelt dieser einsamen Regionen am Rande der Ökumene dar und geht darüber hinaus der Frage nach, inwieweit aus der (noch) stark vergletscherten Insel im Zuge der Klimaveränderungen „grünes“ Land werden wird.


 

29.01.2020

Prof. Dr. Silja Klepp (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
Klimawandel und Migration: Perspektiven eines Pazifischen Inselstaates

Der Vortrag fächert zunächst das interdisziplinäre Feld der Klimamigrationsforschung auf und untersucht, welche unterschiedlichen Narrative und Interessen damit verknüpft werden. Anschließend lernen wir den Inselstaat Kiribati im zentralen Pazifik kennen, der so stark vom Klimawandel bedroht ist, dass KlimaforscherInnen seine mittelbis langfristige Unbewohnbarkeit annehmen. Von unterschiedlichen Akteur*innen werden verschiedene Strategien und Lösungen für die Zukunft des Landes angeboten.


12.02.2020 Prof. Dr. Detlef Kanwischer (Universität Frankfurt am Main)
Grünes Kap, grünes Denken? Biodiversitätsmanagement in Kap Verde mittels digitaler Geomedien für Wissenschaft und Zivilgesellschaft

Wissenschaftler/-innen aller Disziplinen müssen sich mit dem Phänomen auseinandersetzen, dass in den letzten Jahrzehnten erfolgreiche Forschung stattgefunden hat, die die funktionalen Zusammenhänge von Ökosystemen erklärt, gleichzeitig aber viele natürliche Ökosysteme durch menschliche Aktivitäten von der Zerstörung bedroht werden. In diesem Zusammenhang werden neue Konzepte der Wissenschaftskommunikation gefordert. Digitale Geomedien haben ein enormes Potential, um die Wissenschaftskommunikation effizienter zu gestalten und darüber hinaus die Wissenschaft mit dem zivilgesellschaftlichen Engagement von Bürgern zu verknüpfen. Wie solch ein neues Konzept aussehen kann, war das Thema eines DAAD-Projektes, dessen Ergebnisse im Rahmen des Vortrags vorgestellt werden.



Weitere Informationen

Veranstaltungsort

Vorträge im Hörsaal 10, 3. Etage, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1

Die Vorträge beginnen jeweils mittwochs um 18:15 Uhr im Hörsaal 10, 3. Etage (Aufzug), Hörsaalzentrum der Goethe-Universität
Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Anfahrt

Das Hörsaalgebäudeder Goethe-Universität Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1 ist zu Fuß von der U-Bahn-Station Holzhausenstraße zu erreichen (U-Bahn U1, U2, U3, U8); Bus 36 Haltestelle "Campus Westend"; Bus 64, 75 Haltestelle "Bremer Straße"; Bus 75 Haltestelle "Max-Horkheimer-Straße").

Vom Campus Riedberg führt der kürzeste Weg mit der U-Bahn U8 bis Holzhausenstraße. Eine individuelle Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist mit der RMV-Fahrplanauskunft möglich

Im Umfeld des Campus Westend (Westend, Nordend, Palmengarten) sind nur begrenzt Parkplätze vorhanden.

Eintritt

Der Eintritt für Mitglieder der FGG ist frei

Nichtmitglieder zahlen 5,00 € — Schüler und Studenten 3,00 €.

max. zwei Schulklassen nach Anmeldung frei

Lehrerfortbildung

Alle Vorträge sind beim Hessischen Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) als Lehrerfortbildung akkreditiert.