Institut für Sonderpädagogik (WE&xnbsp;IV)
Fachrichtung: Lernhilfe
PostanschriftGoethe-Universität
Fachbereich Erziehungswissenschaften
Institut für Sonderpädagogik - Fachrichtung: Lernhilfe
Fach 122
Senckenberganlage 15
D-60054 Frankfurt am Main
Mitarbeiterinnen und MitarbeiterVertr. Prof. Dr. Oliver HechlerWiss. Mitarb. Dr. Robert BernhardtWiss. Mitarb. Dr. Marc Thielen Die "Pädagogik und Didaktik der Lernhilfe" (Lernbehindertenpädagogik) ist eine der drei sonderpädagogischen Fachrichtungen, die am Institut für Sonderpädagogik studiert werden können. Im Arbeitsbereich Lernhilfe werden Lehrveranstaltungen angeboten in den Lehramtsstudiengängen, insbesondere im Studiengang "Lehramt an Sonderschulen" (einschließlich der Betreuung schulpraktischer Studien), im BA/MA "Erziehungswissenschaft" sowie im Magisterstudiengang "Pädagogik".
Selbstverständnis der Fachrichtung LernhilfeIn zahlreichen Bildungsstudien ist belegt, dass etwa 15% der Schülerinnen und Schüler eines jeden Geburtsjahrganges in Deutschland derzeit die unteren Bildungsgänge unseres Schul- und Ausbildungssystems nur mit Schwierigkeiten und mit Resultaten durchlaufen, die einen gesicherten Zugang zur Erwerbsarbeit und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ernsthaft in Frage stellen. Von den Angeboten des Bildungssystems werden diese Kinder und Jugendlichen kaum erreicht, und sie entziehen sich häufig dessen Herausforderungen. Sie wachsen mehrheitlich in nicht-bürgerlichen Kontexten auf, die durch auf Dauer gestellte, teilweise über Generationen 'vererbte' ökonomische Armut und durch selten ausreichend tragfähige soziale Netze gekennzeichnet sind. Die kulturellen Ressourcen dieser Kontexte unterscheiden sich deutlich von klein- und mittelständischen kulturellen Gütern und Geschmäckern, dies trifft um so mehr auf Migrantenkinder zu.
Aus der Tatsache, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Kinder und Jugendlichen aus ganz unter- schiedlichen Gründen den Mindestanforderungen schulischer und beruflicher Regelausbildung entweder nur höchst unzureichend oder aber umfänglich und langandauernd nicht entsprechen kann, lässt sich der Schluss ziehen, dass es die Schule, deren Inhalte und die Formen des Unterrichts sind, die diesen Kindern und Jugendlichen nicht gerecht zu werden vermögen. Das allgemeine und berufliche Bildungs- system kann sich nicht präzise und sensibel genug durch Pluralisierung seiner Inhalte und Formen auf die sozialen und kulturellen Kontexte einstellen, aus denen diese Kinder und Jugendlichen kommen, in denen sie außerhalb der Schule leben und - was das Wichtigste ist - in denen sie nach der Schulent- lassung später mehrheitlich leben werden, in denen sie zurechtkommen und sich behaupten müssen. Üblicherweise wird die 'Schuld' des Versagen ganz auf Seiten der Betroffenen und ihrer Eltern verlagert, es wird ausgeklammert, dass die erheblichen Schwierigkeiten nicht außer-, sondern innerhalb des schulischen Feldes entstehen. Für Irritation, wenn nicht gar für Verärgerung sorgt dagegen der Hinweis, dass die Probleme durch das Schulsystem selbst hervorgebracht werden. Zugespitzt formuliert: Die Schulen selbst, und nicht ihre Schülerschaft, kennzeichnen erhebliche Lernbehinderungen im Umgang mit sozialer und kultureller Pluralität.
ThemenfelderPädagogik und Didaktik der Lernhilfe verstehen wir als Erziehung und Bildung für Kinder und Jugend- liche, die sich gegenwärtig und/oder künftig in erschwerten Lebenslagen bewähren und demzufolge Formen eines nicht-bürgerlichen Habitus erwerben müssen. Auch ein beträchtlicher Anteil unter den körper-, geistig- und sprachbehinderten Kindern und Jugendlichen zählt hierzu. Pädagogik und Didaktik der Lernhilfe umfasst Theorien und Praxis der interkulturellen und geschlechtssensiblen Erziehung unter Deprivationsbedingungen und des entsprechenden Unterrichts sowie die theoretischen und praktischen Konzepte, die in der Bildungsprogrammatik milieuangemessener Kinder- und Jugendschulen, vor- wiegend in der Lernbehinderten- und Verhaltensgestörtenpädagogik ausgearbeitet sind. Für das Studium der Fachrichtung Lernhilfe erachten wir folgende Themenfelder als relevant:
Aufwachsen und Lernen unter erschwerten Bedingungen-Armut und ihre psycho-sozialen Auswirkungen auf Kinder und Familien
-Erschwerte Lebenslagen in städtischen und ländlichen Räumen
-Geschlechtsspezifische Aspekte (Sozialisationsbedingungen, Bewältigungsstrategien)
-Besondere Probleme von Migrantenkindern in der Schule
Institutionen für Erziehung und Unterricht zur Lernförderung-Rechtliche Grundlagen: Hessisches Schulgesetz; SGB III, VIII, XI; Bundessozialhilfegesetz
-System der schulischen Förderung (von der Frühförderung bis zur beruflichen Eingliederung)
-Formen des außerschulischen Stütz- und Fördersystems bei Lernbeeinträchtigungen (Kinder- und Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Beratung, Betreuungseinrichtungen)
Unterrichtliche Aspekte (Didaktik bei Lernbeeinträchtigungen)-Klassische didaktische Prinzipien der Lernhilfe (Anschaulichkeit, Differenzierung, Kleinschrittigkeit usw.)
-Aktuelle Konzepte (z.B. Handlungs- oder Alltagsorientierung, Konzept der Schlüsselqualifikationen)
-Mädchen- und jungenorientierter Unterricht, Interkulturelles und soziales Lernen
-Didaktik der Lernbehindertenpädagogik in den Unterrichtsfächern
Schulentwicklung-Kooperationsmodelle (Zusammenarbeit Sonder-/Regel-/Berufsschule, Sonderpädagogische Förderzentren)
-Integrationsmodelle (Gemeinsamer Unterricht)
-Schulkonzepte für Benachteiligte (Schulen mit besonderen Profilen, Schülerfirmen, Produktionsschulen, Jugendschulen, Straßenschulen, Schule im Strafvollzug, Alphabetisierung junger Erwachsener usw.)
Übergang von der Schule in die Arbeitswelt-Ausbildung, Erwerbsarbeit und Lebensgestaltung benachteiligter junger Menschen
-Institutionen, Programme und Maßnahmen der beruflichen Vorbereitung und Ausbildung für Absolventinnen und Absolventen von Sonderschulen
-Arbeitsweltbezogener Unterricht mit Jugendlichen in erschwerten Lebenslagen
Bildungspolitik-Empfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK) zum "Sonderpädagogischen Förderbedarf" (6.5.1994)
-Auseinandersetzung mit aktuellen bildungspolitischen Kontroversen (z.B. PISA, Schulverweigerung)
geändert am 20. April 2012 E-Mail: Webmistressschuetz@em.uni-frankfurt.de
|
|
Zur Navigationshilfe