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Laufende Forschungsprojekte am IE
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Kulturelle und politische Transformationen in Aceh, Indonesien, nach dem Tsunami
Projektleitung: Prof. Dr. Susanne Schröter; Mitarbeiterinnen: Gunnar Stange, Kristina Großmann, Roman Patock Förderung: DFG
In der indonesischen Provinz Aceh hat nach dem Tsunami von 2004 eine virulente gesellschaftliche Transformation eingesetzt, in deren Zentrum Debatten zur politischen und kulturellen Identität, zur Rolle des Islam im Rechtssystem und zur globalisierten Moderne stehen. Das neue Aceh bildet sich in einem von unterschiedlichen Akteursgruppen getragenen multiplen Diskursfeld, in dem Einflüsse von UN und westlichen NGOs genauso verhandelt werden wie Ideen, die von islamischen Klerikern, aus dem Exil zurückkehrenden Widerstandskämpfern oder Frauenaktivistinnen vorgetragen werden. Noch ist der Ausgang der Debatten offen, ist ungewiss, ob sich die Befürworter einer islamistischen Diktatur oder einer offenen Demokratie durchsetzen werden, ob der durch eine internationale Mediatorengruppe vermittelte Frieden nach 30 Jahren Bürgerkrieg stabilisiert werden kann oder die Region wieder in Gewalt und Chaos versinken wird.
Das Projekt soll der Analyse dieser vielschichtigen Entwicklung dienen, wobei die Sichtweisen, Handlungsstrategien und Alltagspraxen der wichtigsten politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen im Mittelpunkt stehen werden.
Das Projekt gliedert sich in drei Teilbereiche:
1. „Genderkonstruktionen zwischen shari’a, autochthoner Kultur und Moderne - Frauenaktivistinnen und weibliche Lebenswelten“. (Kristina Großmann)
2. „Perspektiven ehemaliger Kombattanten zwischen Kriminalität und ziviler Re-Integration“ (Roman Patock)
3. „Acehischer Ethno-Nationalismus und indonesischer Multikulturalismus – Kulturelle und politische Diskurse um kollektive Identität“ (Gunnar Stange)
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Re-defining gender in contemporary Indonesia. Empowerment strategies of Muslim and secular women activists
Projektleitung: Prof. Dr. Susanne Schröter; Mitarbeiterinnen: Dr. Monika Arnez (April 2008-März 2009); Ricarda Gerlach (April 2009 – Juli 2010); Förderung: DFG
Seit der Demokratisierung im Jahr 1998 ist in Indonesien eine Debatte um die Neudefinition von Geschlechterrollen entbrannt, die zunehmend an Schärfe gewinnt und die Gesellschaft polarisiert. Während Liberale für Geschlechtergleichheit votieren und „Women’s empowerment“-Programme sogar in religiösen Institutionen implementieren konnten, fordern muslimische Prediger und Politiker die Durchsetzung restriktiver Geschlechternormen und die Implementierung islamischen Rechts. Gewalttätige Übergriffe auf Frauen im öffentlichen Raum nehmen zu, besonders dort, wo die shari’a eingeführt wurde. In dieser gespannten Situation versuchen säkulare und muslimische Frauenorganisationen emanzipative Gegenpositionen zu entwickeln und Vorstellungen von Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen, die sich an Zielsetzungen der Vereinten Nationen orientieren. Anhand einer vergleichenden empirischen Untersuchung der wichtigsten Organisationen soll sichtbar gemacht werden, wie Aktivistinnen „Gender Mainstreaming“ definieren und umsetzen, wie sie diese Agenda „islamisieren“, welche Allianzen sie schließen und wie sie ihre Einflussmöglichkeiten optimieren.
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Schrift, Ritual und Kulturelles Gedächtnis - Das Alte China und Mesoamerika im Vergleich –Tandem-Projekt der Volkswagen-Stiftung
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Daniel Graña-Behrens, Institut für Historische Ethnologie und Dr. Xioabing Wang-Riese, Institut für Sinologie der Universität München, Laufzeit: 2005-2008.
In einem Kulturvergleich zwischen dem Alten China und Mesoamerika werden Funktion und Bedeutung von Schrift und Ritual als komplementäre Träger des kulturellen Gedächtnisses erforscht. Unter kulturellem Gedächtnis werden der Speicherort und die Erinnerungsform verstanden, die einem Kollektiv oder einer Kultur Identität stiftet. Es umfasst nach Jan Assmann Urgeschichte und Geschichte, die absolute Vergangenheit, eine gestiftete zeremonielle Kommunikationsform, Ritus und/oder Text als Medium und Spezialisten zur Pflege. Das Forschungsprojekt ist interdisziplinär zwischen Altamerikanistik, Sinologie und Kulturanthropologie ausgerichtet. Es werden die Entwicklungsprozesse der Geschichte im China vom 16. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ende der Han-Dynastie im 3. Jahrhundert n. Chr. und in Mesoamerika zwischen dem 3. und 16. Jahrhundert n. Chr. vergleichend untersucht. Trotz ähnlicher kultureller Ausgangsbedingungen und vermuteter transpazifischer Kontakte zeigen die beiden Regionen ganz andere Wertesysteme und entwickeln ihre Geschichte in unterschiedliche Richtungen. Während in China der Wille zur Zentralisierung die Vereinigung zu einem großen Kaiserreich verursachte, blieb Mesoamerika ein zwar auf gemeinsamen Wurzeln beruhender jedoch heterogener Kulturraum, in dem die einzelnen Völker ihre Autonomie bewahrten. Parallel dazu lässt sich der Unterschied beim Umgang mit dem Kulturwissen in den beiden Regionen beobachten. Führte die frühe Verschriftung der altertümlichen Riten und die Kanonisierung von Schrifttexten in China zu einem großen Traditionsstrom, der den Chinesen eine heute noch fortwährende kulturelle Identität verleiht, beruhte das kulturelle Wissen in den mesoamerikanischen Hochkulturen der Zapoteken, Maya, Mixteken, Azteken u. a. trotz umfangreicher Schrifttexte weiterhin auf Ritualen und mündlicher Überlieferung. Sind der unterschiedliche Umgang mit der Tradition und die unterschiedlichen Erinnerungsformen verantwortlich für die Diskrepanz der Geschichtsentwicklungen beider Regionen? Welche Korrelation besteht zwischen Erinnerung, kulturelle Identität und politische Macht in der Geschichtsentwicklung? Um Antworten zu diesen zentralen Fragen der Forschung zu finden, werden folgende Themen vorwiegend in den interkulturellen Vergleich einbezogen: Kalenderwesen und Zeitkonzept, Stamms- und Urherrschermythen, Geschichtskonzepte, Politische Herrschaft und Totenkult, Schriftträger und ihre symbolische Bedeutung, Schreiber und ihre soziale Stellung, Kanonisierung der Schrifttexte, Lesekultur, Die kulturrelativistischen Erkenntnisse aus dem Vergleich zwischen dem Alten China und Mesoamerika werden die Weiterentwicklung und Relativierung der von Assmann aufgestellten Theorie vom kulturellen Gedächtnis ermöglichen. In seiner Untersuchung der mediterranen Hochkulturen des Alten Ägypten, Griechenlands und Israels lässt sich eine evolutionistische Sichtweise von Entwicklungsstufen des kulturellen Gedächtnisses erkennen, indem er Schrift gegenüber Ritual als eine höhere Form der Speicherung und Erinnerung, und Kanonisierung als Voraussetzung der Stabilisierung des kulturellen Gedächtnisses ansieht. Karl Jaspers Beginn der kritischen Reflexion in der »Achsenzeit« fällt hier mit der Kanonisierung von Schrifttexten zusammen. Das Forschungsvorhaben des Tandem-Projektes legt hingegen den Schwerpunkt auf die Mechanismen von Schriftlichkeit und Mündlichkeit sowie aus Sicht der Kulturanthropologie auf die komplementäre Funktion von Schrift und Ritual. Die empirischen Studien der beiden Regionen werden zwei verschiedene Muster des kulturellen Gedächtnisses zeigen: im Fall des Alten China verlaufen die von Assmann geschilderten Formen der Erinnerungskultur entsprechend einer evolutionistisch gedachten Geschichtsentwicklung, während diese in Mesoamerika demgegenüber oft gleichzeitig präsent waren und keine Entwicklungsfolge bilden. Kontakt: Dr. Daniel Graña-BehrensUniversität Frankfurt am MainInstitut für Historische EtnologieGrüneburgplatz 160323 Frankfurt am Main E-Mail: danielgranabehrens@web.deTel. 069 / 798-33230Fax 069 / 798-33065
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Digitalisierung und Erschließung der Ethnographischen Bildersammlung des Frobenius-Instituts. Projektleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl; Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Britta Duelke, Dr. Richard Kuba, Dr. Christine Stelzig (bis 30.8.06), danach Dr. des Gabriele Weisser; wissenschaftliche Hilfskraft Dierk Lang M.A.; studentische Hilfskräfte Matthias Debald und Gabriele Franke. Gefördert aus Mitteln der DFG des Förderprogramms „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS) und über das Frobenius-Institut abgewickelt, Laufzeit: Juli 2006 – Juli 2008.
Das Digitalisierungsprojekt dient der Sicherung, Erschließung und Bereitstellung der Ethnographischen Bildersammlung des Frobenius-Instituts. Die Sammlung umfasst etwa 40.000 historische Illustrationen (90% Zeichnungen, 10% schwarz/weiß-Fotografien, vorrangig von materieller Kultur und Kunst, einschließlich Felsbildern), die zwischen 1830 und 1956 gefertigt wurden und deren regionale Schwerpunkte auf Afrika, Ozeanien und Australien liegen. Die bedeutende Sammlung wurde bislang nur unvollständig registriert, nicht aber wissenschaftlichen Standards gemäß archiviert und erschlossen. Sie ist daher nur in stark eingeschränktem Maße der wissenschaftlichen Öffentlichkeit und Forschung zugänglich. Die geplante Digitalisierung und Erschließung der Sammlung richtet sich an zwei Zielen aus: Zum einen soll der Bestand nach gängigen Archivstandards erschlossen, geordnet, beschrieben und adäquat gelagert werden. Zum anderen geht es um den Aufbau eines effektiven Nachweis- und Zugriffssystems durch die Erstellung eines Online-Katalogs, der auch als Findhilfe dient. Der Katalog wird digitale Kopien und detaillierte Beschreibungen der Bilder enthalten und zusammen mit den gleichartig aufbereiteten Bilddokumenten des Fotoarchivs in eine gemeinsame Bilddatenbank integriert werden. Verweise und Hyperlinks stellen die Beziehung zu den Beständen der Völkerkundlichen Bibliothek her. Dadurch soll eine in dieser Form international einmalige ethnographische Dokumentationsstruktur entstehen, die national wie international neue Nutzerkreise erschließt.
Technology and Visual Arts (Band 16 des „Handbook of North American Indians“, Smithsonian Institution, Washington). Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Grudrun Bucher, Dr. Sylvia S. Kasprycki, Mag. Petra Staudinger (Sachbeihilfe der Smithsonian Institution, Washington DC), abgewickelt über das Frobenius-Institut. Laufzeit: 01. Oktober 2005 bis 30. April 2007.
Das auf zwanzig Bände angelegte „Handbook of North American Indians“ wird seit über dreißig Jahren von der Smithsonian Institution in Washington herausgegeben und fasst das Wissen unserer Zeit über die indigenen Bevölkerungen Nordamerikas, ihre Geschichte, Kulturen und Sprachen zusammen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine solche systematische Befassung zahlreiche Forschungslücken offenbart und da-durch neue Forschung anregt. Für den in Band 16 behandelten Bereich gilt dies ins-besondere für den zuletzt vernachlässigten Bereich der materiellen Kultur, während die ethnologische Kunstforschung, vor allem bedingt durch die Marktentwicklung der letzten drei Jahrzehnte, einen erfreulichen Aufschwung genommen hat. Das besondere Problem des in Bearbeitung stehenden Bands „Technology and Visual Arts“ besteht in seiner kontinental-kulturvergleichenden Ausrichtung, für die es gegenüber den bisher vor allem erschienenen Regionalbänden wenig als Fachleute ausgewiesene Autoren gibt. Die Smithsonian Institution hat daher dem Projektleiter nicht nur die Herausgabe des Bands übertragen, sondern auch Mittel zur Verfügung gestellt, um in Frankfurt/Main und Wien ein Mitarbeiterteam zu beschäftigen, das neben der Bearbeitung der Beiträge von Fremdautoren insgesamt etwa die Hälfte der Texte selbst verfassen wird. Die Arbeiten an dem 750 Seiten starken und mit etwa 2000 Abbildungen illustrierten Band haben am 01. Oktober 2005 begonnen und sollen bis 30. April 2007 abgeschlossen sein – die Folgewirkung für die einschlägige Forschung wird wohl weit darüber hinaus anhalten.
Untersuchung zum Erkenntnispotential ethnographischer Sammlungen am Beispiel von Alaska. Projektleiterin: Dr. Eike de Vries. Finanziert aus Mitteln der DFG. Laufzeit: 1.7.2004 bis Oktober 2006.
Ethnographische Sammlungen sind Dokumente, die die kulturellen, historischen und individuellen Zusammenhänge ihrer Produzenten und Sammler bezeugen. Am Beispiel von drei ausgewählten Sammlungen aus Alaska vom Ende des 19. Jahrhunderts werden die Auswirkungen der wirtschaftlichen und historischen Veränderungen auf die materielle Kultur der indigenen Völker betrachtet. Die Untersuchung wird Aussa-gen über die Veränderlichkeit von Sammlungen und Objekten in Bezug auf sich verändernde Produktions- und Sammelkontexte treffen und das Erkenntnispotential ethnographischer Sammlungen darlegen.
Semantische Umbrüche in der Sozialphilosophie vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Dieses Projekt ist Teil des von Michael Werner geleiteten Forschungsprojektes „Moderne und Kontingenz. Sozialphilosophische, ideengeschichtliche und historisch-soziologische Dimensionen“ (http://www.kontingenz.net) an der École des Hautes Études, Paris, und wird durch die Volkswagenstiftung gefördert. Mitarbeiterin: PD Dr. Heidrun Friese. Laufzeit: Oktober 2003 – 2006.
Grundprinzipien des menschlichen Gruppenverhaltens. Prof. Dr. Klaus E. Müller. Eigenprojekt. Selbstfinanzierung.
Prozesse der Indigenisierung des Katholizismus in Ostindonesien. Projektleiter: Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl. Wissenschaftlicher Mitarbeiter (ab Oktober 2004): Andreas Türk M.A. Gefördert aus Mitteln der DFG; abgewickelt über das Frobenius-Institut, Laufzeit: Oktober 2004 bis September 2007.
Auf den indonesischen Inseln Flores und Timor bekennt sich die Mehrheit der Bevöl-kerung zum Katholizismus. Obgleich die Missionierung ein großer Erfolg für die dar-an beteiligten Orden war, mussten die Missionare eine Reihe von Zugeständnissen an die lokalen Kulturen machen, die die Gestalt der christlichen Denomination verän-derte und diese in eine indigene indonesische Religion transformierte. Im Rahmen des Projektes sollen die Prozesse dieser Adaption sowie die damit verbundenen De- und Rekontextualisierungen rhetorischer und performativer Muster untersucht wer-den, mit Hilfe derer aus dem Fremden etwas Eigenes geworden ist. Ein zweiter Schwerpunkt des Forschungsvorhabens liegt auf dem Aspekt der religiösen Identität, die in den Auseinandersetzungen um eine Neuorientierung im Post-Suharto Indone-sien eine immer größere Bedeutung erhält.
Transformationsprozesse bei kurdischen Yeziden in Deutschland aus der Perspektive des Diaspora-Konzeptes. Projektleiter: Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl; Mitarbeiter: Dr. Andreas Ackermann. Gefördert aus Mitteln der DFG; abgewickelt über das Frobenius-Institut. Laufzeit: Mai 2004 bis voraussichtlich März 2006.
Die Yeziden sind eine seit Jahrhunderten verfolgte religiöse Minderheit, die in den kurdischen Gebieten des Irak, Syriens, der Türkei und im Kaukasus beheimatet ist. Seit den 1980er Jahren kommt es zu einer verstärkten Migration nach Europa, spe-ziell Deutschland, wo inzwischen ca. 30.000 Yeziden leben. Damit änderte sich die Lebenssituation der Yeziden ganz grundlegend. Waren sie in ihrer Heimat eher gehal-ten, wesentliche Aspekte ihrer Kultur und Religion zu verbergen, so können sie diese im Exil nun zum ersten Mal offen ausleben. Dabei wird der bislang bewährte undog-matische Charakter der Religion, deren Inhalte überwiegend mündlich tradiert wur-den, im Zuge der kollektiven Identitätsbildung unter den Bedingungen des Lebens in der Diaspora zum Problem: Einerseits lassen sich wesentliche Bestandteile des yezidi-schen Glaubenssystems innerhalb einer säkular geprägten Gesellschaft nur schwer weitergeben - auch gegenüber der eigenen zweiten Generation. Andererseits drohen - mit dem Abbruch der Überlieferungskette - wesentliche Aspekte der yezidischen Reli-gion verloren zu gehen. Damit befindet sich die yezidische Gemeinschaft in Deutsch-land in einer Übergangssituation - einem Schwellenzustand, in dem Neu-Orientierung nicht nur möglich, sondern auch notwendig wird. Es kommt zu Trans-formationsprozessen yezidischer Kultur und Religion, die im Zuge des Vorhabens systematisch erhoben und im Rückgriff auf das Diaspora-Konzept gedeutet werden sollen.
Vom Umgang mit Massenwaren in Nordnigeria. Leitung: Dr. Editha Platte. Forschungsprojekt mit Unterstützung des Frobenius-Instituts.
Gegenstand der Forschung ist es, Aneignungsprozessen von industriell gefertigten Waren in Nordnigeria nachzugehen. Dabei handelt es sich überwiegend um Objekte, die in den Räumen der Frauen akkumuliert werden. In ihrer ersten Generation stammen die Waren aus europäischen oder asiatischen Produktionszentren und wer-den zum Teil etwa seit den 1950er Jahren in Nigeria aus den Materialien Plastik, Blech, Email, Glas etc. hergestellt. Die immense Attraktivität dieser Gegenstände zeigt sich u. a. daran, dass es heute keinen Haushalt mehr gibt, in dem nicht die Mehrzahl der Gebrauchs- und Prestigeobjekte diesem Bereich der Massenkultur zu-zurechnen sind. Die Einbettung dieser Waren in die Lokalkulturen Nordnigerias hat auf den ersten Blick zu einer kulturellen Vereinheitlichung in einer Region geführt, in der vor der Einführung industriell gefertigter Waren regionale und ethnische Unterschiede auch an der differenzierten Ausgestaltung innerhalb der materiellen Kultur formuliert wurden. Bei genauer Analyse des hier vonstatten gehenden Kulturwandels läßt sich jedoch feststellen, dass die europäischen Objekte nicht einfach unmodifiziert übernommen werden. Statt dessen wird ihre Form, Funktion und Bedeutung verän-dert und den sich wandelnden Bedürfnissen und Lebensstilen angepasst.Unter An-wendung vergleichender Methoden soll der Umgang mit der importierten Moderne sowohl in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus untersucht als auch der Prozess der Integration der Waren in die Alltagswelt unterschiedlicher Lokalkulturen in seinen spezifischen historischen Bedingungen analysiert werden. Ziel der For-schung ist es, neben der dynamischen Beziehung zwischen den Objekten und den Personen, die sie verwenden, auch den Innovationen und Manipulationen am Objekt selbst nachzugehen.
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Erstellung eines systematischen Typenindex zur vergleichenden Erschließung unbearbeiteten afrikanischen Erzählgutes aus den Beständen des Frobenius-Instituts. (Projektleiter: Prof. Dr. K.-H. Kohl, wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Sabine Dinslage; gefördert aus Mitteln der DFG, abgewickelt über das Frobenius-Institut. Laufzeit: Juni 2005 – Mai 2007
In diesem Forschungsvorhaben wird der in den Jahren 1928-30 von Frobenius aufgenommene Korpus afrikanischer Erzählungen bearbeitet. Da die Erzählungen lediglich in deutscher Sprache, überwiegend noch unveröffentlicht, unbearbeitet und z. T. nur in handschriftlichen Originalen vorliegen, sind sie der internationalen Wis-senschaft wie auch einer breiteren Öffentlichkeit nur schwer zugänglich und lagern so mehr oder weniger ungenutzt im Archiv des Frobenius-Instituts. Es handelt sich um 432 Erzähltexte, die Frobenius an sieben verschiedenen Orten und Etappen auf seiner Forschungsreise ausgehend von Kapstadt über Pretoria nach Zimbabwe bis hin zum oberen Zambesi aufgenommen hat. Bei eingehender Sichtung der im Archiv des Fro-benius-Instituts lagernden Originalaufzeichnungen der Texte nebst persönlichen Kommentaren und Tagebuchaufzeichnungen von Frobenius zielt das Projekt darauf hin, versteckte Hinweise und Angaben zu finden, die Aufschluss über die Umstände der Aufnahme der Erzählungen liefern, weil der Performanz in der internationalen Erzählforschung heutzutage eine weitaus größere Bedeutung beigemessen wird. In Zuge einer systematischen Aufarbeitung des vorliegenden Materials liegt der Kern-punkt des Forschungsvorhabens darin, die einzelnen Erzählungen nach einem einheitlichen Schema zu dokumentieren, zu analysieren und jeweils mit einem „Abs-tract“ in englischer Sprache zu versehen. Jede Erzählung wird nach einem eigens für den afrikanischen Kulturraum entwickelten Klassifikationssystem, das nach den typi-schen Themen- und Handlungsträgern des afrikanischen Erzählguts geordnet ist, klassifiziert. Diese Art der Dokumentation und Analyse ermöglicht Wissenschaftlern auf internationaler Ebene in übersichtlicher und anwendungsorientierter Form einen Zugriff auf die bisher nicht oder nur in deutscher Sprache veröffentlichten Erzähl-sammlungen von Leo Frobenius. Insbesondere der einheimischen Bevölkerung eröff-net sie damit einen Zugang zu historischen Dokumenten und dem oralen Erbe ihrer eigenen Kultur.
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Konstitution und Transformation indigener Wissenskulturen in Nordamerika.
Im Rahmen des Forschungskollegs „Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel“ am Fachbereich 08 der Goethe-Universität, Frankfurt. Projektleiter: Prof. Dr. K.H.Kohl. Laufzeit: 1999 bis 2008. MitarbeiterInnen: Jana Steingässer M.A., Susanne Jauernig M.A., Henry Kammler M.A. Förderung: DFG.
Ein allgemeiner und theoriebildender Projektteil untersucht „Spezialisierung und Konstitution von Wissenskultur“ vor allem am Beispiel religiösen und handwerklichen Wissens in seinen gesamtgesellschaftlichen Bezügen im Kulturvergleich. Die „Trans-formation indigener Wissenskulturen“ wird am Beispiel des Einflusses christlicher Missionen und der von ihnen betriebenen Schulen auf die Elitenbildung in indigenen Gemeinschaften deutlich gemacht. „Lokale Wissenskulturen in einer globalen Me-diengesellschaft“ wendet sich in Fallstudien Musik, Museen, Print- und elektronischen Medien in ihrer aktuellen Bedeutung für die Wissensbestände indigener Ge-sellschaften Nordamerikas zu.
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geändert am 07. Oktober 2010 E-Mail: Webmasterethnologie@em.uni-frankfurt.de
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