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SeiteninhaltPromotionsordnung
Mit Beschluss am 28. Juli 20011 gilt für Islamische Studien ab jetzt folgender Zusatz zur bestehenden Promotionsordnung Laufende Promotionsprojekte am Institut
Nachwuchsprogramme
Die Goethe-Universität gründet durch die Förderung des BMBF eine Nachwuchsgruppe für Islamische Studien: "Dialektik der Wissens- und Methodenbegriffe in den Islamischen Studien: Tradition - Modifikation - Innovation"
Der Islam als religiöses Zeichensystem individueller und kollektiver Identitäten ist wie jedes diskursive System auf Überlieferung angelegt. Über die Tradition, welche ein Reservoir an Vorstellungen über das Selbst und Mechanismen der Kontingenzbewältigung bereitstellt, wird eine individuelle und kollektive Vorstellung des „Sich-Selbst-Gleichseins“, d.h. Identität erzeugt. Hierin liegt eine wichtige soziale Bedeutung von Religion. Doch der konservierende Aspekt von Religion kann nur dann seine Wirkung entfalten, wenn Religion als Zeichensystem immer wieder neue Antworten auf ein im Wandel begriffenes Umfeld bereithält, indem durch De- und Rekonstruktion und Neudeutung der Tradition Innovationen geschaffen werden. Hierbei spielt der jeweilige Wissens- und Methodenbegriff eine wichtige Rolle, denn dadurch wird die Tradition immer wieder neu gedeutet. Der Begriff Wissen (‘ilm) hat sich für den muslimischen Kulturkreis als zentral und konstitutiv erwiesen. Dies ist nicht nur für die klassische Zeit so gewesen, sondern auch die späteren Jahrhunderte sind hier gefolgt. Umso erstaunlicher ist es, dass von einer systematischen Erschließung oder begriffsgeschichtlichen, die Grenzen spezifischer Disziplinen übersteigender Analyse dieses Begriffs innerhalb des islamischen Denkens nicht die Rede sein kann, auch wenn das moderne muslimische Denken epistemologische Fragen, angefangen von den im 19. Jahrhundert entstandenen »Erneuerungsbewegungen« bis heute immer wieder ins Zentrum rückt. Ausgehend von den im Koran und Sunna verwendeten Begriffsbestimmungen haben sich die Wissenskonzeptionen der muslimischen Tradition, begünstigt durch den Kontakt mit den neuen Kulturräumen, ausdifferenziert und pluralisiert. Hierauf deuten die nun aufkommende Verwendung des Begriffs ›Wissen‹ im Plural (‘ulūm) und der zunehmende Grad von Spezialisierung und Professionalisierung, der die Ausprägung der islamischen Wissenschaften mit ihren spezifischen Methoden ermöglicht hat. In dieser historischen Konzipierung sind Tradition und Innovation nicht voneinander getrennt zu betrachten, auch wenn ihr Zusammenhang oftmals verwischt wird. Innovation und De- und Rekonstruktion sowie Neudeutung mögen im islamischen Diskurs zwar immer wieder stattgefunden haben, mussten aber auf die Tradition zurückgeführt werden, wenn sie erfolgreich in bestehende Konzepte von Identität integriert werden wollten. So wurden und werden aus der Außenperspektive oftmals sichtbare Modifikationen und Innovationen, in der Binnenperspektive vielmehr als Wiederherstellung der wahren Tradition gerechtfertigt. Solche Innovationen können ihrerseits Bestandteil von Tradition werden. Tradition wohnt damit auch ein kreatives Element inne. Durch die ganze islamische Geschichte hat es diese Trias gegeben. Diese reicht von der Schaffung von Traditionen z.B. der Normierung der Vorstellungen der frühislamischen Geschichte in den entsprechenden Geschichtswerken, bis hin zur Relektüre der Tradition in Bezug auf gegenwärtige Herausforderungen des Islam in Europa. Ziel der Frankfurter Nachwuchsgruppe Islamische Studien ist es, aus historischer und zeitgenössischer Perspektive nach den Prozessen und Mechanismen zu fragen, die Tradition schaffen, Traditionen vergessen lassen oder wieder in Erinnerung rufen, um jeweils aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Die Nachwuchsgruppe steht damit für eine selbstreflexive Auseinandersetzung, darin dem Anspruch des Studiengangs folgend, die eigene Tradition durch kritische Reflexion kreativ zur Problemlösung in neuen Kontexten zu nutzen. Auch die Empfehlungen des Wissenschaftsrates sprechen davon, dass Theologien „keine ihnen exklusiv eigenen Forschungsmethoden oder Erkenntnisweisen“ kennen, sondern dem „Methodenkanon der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften verpflichtet“ sind. In diesem Sinne plädiert der Wissenschaftsrat für eingehende Kooperationen der neu zu gründenden Islamischen Studien mit etablierten christlichen Theologien, den islamwissenschaftlichen Fächern sowie den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Derartige interdisziplinäre Transferleistungen stellen jedoch keinen Automatismus dar. Vielmehr sind hier seitens der Islamischen Theologie erhebliche Vorleistungen zu erbringen, deren Kernbestandteile die Rekonstruktion und Bewusstmachung der Konstituierungsprozesse der bereits in der islamischen Tradition angelegten Anschlussdiskurse und ihre Aktualisierung im Kontext eines pluralistischen Wissenschaftsverständnisses umfassen. Vor diesem Hintergrund sollen zwei Post-Doc-Gruppen entstehen, die sich der Dialektik der Wissens- und Methodenkonzepte in den Islamischen Studien in der Trias „Tradition - Modifikation - Innovation“ widmen.
Post-Doc-Gruppe I: Wissens- und Methodenkonzepte in den islamischen Wissenschaften
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Post-Doc-Gruppe I setzen sich mit den unterschiedlichen Wissenskonzeptionen und den hiermit verknüpften Methoden in den folgenden klassischen Disziplinen der muslimischen Wissenschaftstradition auseinander: Koranexegese, Hadithwissenschaft, Islamische Jurisprudenz und Prophetenbiographie. Hierbei sollten auch die marginalisierten und diskreditierten Anteile der Tradition, die sich an den Grenzlinien des muslimischen Kulturraumes finden, im Sinne einer erschöpfenden Tradition (tradition exhaustive bei Arkoun) einbezogen werden. Die Post-Doc-Gruppe soll mit ihren Themenschwerpunkten zur Aktualisierung der Islamischen Theologie beitragen und gesellschaftliche Prozesse einleiten, die zur Versachlichung der Debatten über den Islam führen und damit einen Beitrag zur Etablierung der Islamischen Theologie im deutschen und europäischen Kontext leisten.
Post-Doc-Gruppe II: Wissens- und Methodentransfer in den islamischen Studien
Die selbstreflexive Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext der Gegenwart setzt ihrerseits eine interdisziplinäre Öffnung des theologischen Wissens- und Methodensystems voraus. Die Erforschung der Wissens- und Methodenkonzepte in den islamischen Wissenschaften kann nur sinnvoll durch ihre interdisziplinäre Erschließung, durch die reflexive Begegnung mit außertheologischen Wissenschaftsdisziplinen und ihren Methoden ergänzt, aktualisiert, weiterentwickelt und schließlich gesellschaftsrelevant gemacht werden. Wenn Lösungen für aktuelle Problemlagen erwartet und dafür neue Ansätze entwickelt werden sollen, wird sich die Kontextualisierung von Methoden und Lehren des islamischen Denkens und der Theologie den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen im deutschen und europäischen Raum nicht verwehren können. Die interdisziplinäre Öffnung erfolgt dabei anhand der Rezeption, Analyse und Diskussion soziopolitischer, interkultureller, interreligiöser, genderspezifischer, befreiungstheologischer, literaturwissenschaftlicher, medizin- und bioethischer Ansätze im Kontext wertpluraler und globaler Gesellschaften. Gerade diese Öffnung und interdisziplinäre Erschließung und Kompetenz bescheren schließlich der Theologie die Wissenschaftlichkeit nach gegenwärtigem Wissenschaftsverständnis, die ohne vorgegebene und vordefinierte Ergebnisse operieren und Korrekturen ihrer bisherigen Befunde zulassen muss. Angestrebt ist die enge Zusammenarbeit der Teilnehmenden der beiden Post-Doc-Gruppen, unter anderem, um Verwendungsweisen bestimmter Begrifflichkeiten, die in den unterschiedlichen Disziplinen als operative Konzepte fungieren, auf Ähnlichkeiten und Differenzen hin zu untersuchen, und so die Bedingungen komparativer Studien auch im Rahmen einer begriffsgeschichtlichen Analyse bestimmen zu können.
DFG bewilligt neues Graduiertenkolleg an der Goethe-Universität Die Deutsche Forschungsgemeinschaft richtet zum 1. April 2012 ein neues Graduiertenkolleg mit dem Titel „Theologieals Wissenschaft- Formierungsprozesse der Reflexivität von Glaubenstraditionen in historischerundsystematischer Analyse“ ein. Das Kolleg wird von der Goethe-Universität als federführender Hochschule in Kooperation mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, der Hochschule fürJüdische Studien Heidelberg und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz getragen. Ineiner weltoffenen und multireligiösen Stadt wie Frankfurt am Main ist es eine intellektuelle Herausforderung ersten Ranges, die unterschiedlichen religiösen Traditionen in einen fairen und offenen Diskurs einzubinden. Dies gelingt nur in dem Maße, in dem sich die unterschiedlichen Religionen in ein reflexives Verhältnis zu ihrer je eigenen Traditionsetzen können. Hier liegt die angestammte Aufgabe akademischer Theologe, die deshalb gerade an einer modernen Universität im Kontext einer kosmopolitischen Bürgergesellschaft eine unverzichtbare Funktion erfüllt. Dass die Voraussetzungen für diese Aufgabe wissenschaftlicher Theologie an der Goethe-Universitätauf herausragende Weise erfüllt sind, wurde nun durch die DFG eindrucksvoll bestätigt. Im neuen Graduiertenkolleg wird die Herausbildung und Begründung der Reflexivität von Glaubenstraditionen auf exemplarischen interreligiösen und religiös-säkularen Konfliktfeldern von der Spätantike bis zur Gegenwart erforscht. Dies geschieht interkonfessionell und interreligiös durch dieKooperation von Evangelischer, Katholischer, Jüdischer und Islamischer Theologie undunter Beteiligungnicht-theologischerWissenschaften. In dieser deutschlandweit wohl einmaligen Konstellation will das Kolleg den Wissenschaftscharakters der Theologie(n) neu verständlichmachen und speziell zur Etablierung von Islamischer Theologie im deutschen universitären Kontext beitragen. Das Kolleg ist für zunächst viereinhalb Jahre bewilligt und wird zwölf Promotionsstipendien ausschreiben. Es soll AbsolventInnen mit interreligiöser Kompetenz fürdie Wissenschaft und für Berufsfelder in Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften hervorbringen und zur Hebung des Frauenanteils in den beteiligten Theologien beitragen. Zugleich soll die langjährige interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachbereiche Evangelische und Katholische Theologie, Philosophie und Geschichtswissenschaften sowie desInstituts für Studien der Kultur und Religion des Islam der Goethe- Universitätim Rahmen des Forschungsschwerpunkts‚ Religion im Dialog‘weitergeführtund die Kooperation mit den beteiligten Partnerhochschulen vertieft werden. Von Seiten des Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam am Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften sind Prof. Dr. Ömer Özsoy als Hauptantragsteller sowie Prof. Dr. Abdullah Takim als assoziiertes Mitglied am Kolleg beteiligt.
Ausgangssituation und Ziele In Deutschland liegt der Anteil der muslimischen Bevölkerung mittlerweile bei fünf Prozent. Es besteht ein breiter Konsens in Politik und Gesellschaft, dass eine angemessene Repräsentation von Muslimen auch in Schule und Hochschule erreicht werden soll. Dazu fördert die Bundesregierung seit 2010 die Einrichtung von Zentren für Islamische Studien an ausgewählten Universitäten in Deutschland. Um wissenschaftlichen Nachwuchs für diesen Bereich auszubilden, hat die Stiftung Mercator gemeinsam mit sechs Universitäten ein Graduiertenkolleg für Islamische Theologie gegründet. Die Stiftung stellt dafür für den Zeitraum von 2011 bis 2016 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Damit sollen in Deutschland Nachwuchswissenschaftler in der Islamischen Theologie ausgebildet werden. Mittelfristig soll das Kolleg zu einer angemessenen Repräsentation muslimischer Stimmen in Wissenschaft, Schule und Öffentlichkeit beitragen. Es schafft zudem die Voraussetzungen für die Ausbildung von Religionslehrern für islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen und für die Ausbildung von Imamen an Universitäten in Deutschland. Aufbau und Organisation des Kollegs Das Graduiertenkolleg ist standortübergreifend an den Universitäten Münster, Erlangen-Nürnberg, Frankfurt, Hamburg, Osnabrück und Paderborn eingerichtet. Bis zu 15 Doktoranden promovieren an einem der Standorte und nehmen am Studienprogramm des Kollegs teil, das auch renommierte Gastwissenschaftler aus dem Ausland integriert. Da die teilnehmenden Kollegiaten aus ganz Deutschland stammen, wird das Studienprogramm in regelmäßig stattfindenden Seminaren und Konferenzen an den jeweiligen Partneruniversitäten organisiert. Dieses Programm durchlaufen die Teilnehmer in der Regel in drei Jahren, während sie ihre Dissertation in einem wissenschaftlichen Kernbereich des Graduiertenkollegs schreiben. Inhaltliche Schwerpunkte des Graduiertenkollegs sind Koranwissenschaften, Hadithwissenschaften, Islamisches Recht, Systematische Theologie (Kalam), Islamische Philosophie, Ethik und Mystik, Geschichte und Gegenwartskultur des Islams und islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik. Die Koordination des Kollegs übernimmt die Universität Münster.
geändert am 04. Oktober 2011 E-Mail: Webmaster (für technische Fragen zur Homepage)Sahin@em.uni-frankfurt.de | | Zur Navigationshilfe |
Druckversion: 04. Oktober 2011, 12:31
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb09/islam/Promotions-_und_Nachwuchsprogramme/index.html