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SeiteninhaltWolfgang Gleißberg1903-1986von
Wilhelm H. Kegel
1. Die frühen Jahre (1903-1933)WOLFGANG GLEISSBERG wurde am 26.12.1903 in Breslau geboren. Nach dem Abitur im Jahre 1922 studierte er zunächst in Berlin und dann ab dem Sommersemester 1923 in Breslau Mathematik, Astronomie und Physik, mit besonderem Engagement sowohl in der Astronomie als auch in der Mathematik. 1926 wurde er Assistent am Mathematischen Seminar, das damals unter der Leitung von ADOLF KNESER und HANS RADEMACHER stand. (KNESER leitete 1925/26 vertretungsweise auch die Breslauer Sternwarte [1], bis diese dann im Herbst 1926 von ERICH SCHÖNBERG übernommen wurde [2].) Im Sommer 1927 wechselte GLEISSBERG auf eine Assistentenstelle der Sternwarte über, die er bis 1933 innehatte. Seine Dissertation "Die Bewegung einer rollenden Kreisscheibe als Problem der Variationsrechnung", mit der er 1930 zum Dr. phil promoviert wurde, stammte aber aus dem Bereich der Mathematik. In dieser Zeit entstand auch noch eine weitere rein mathematische Arbeit aus dem Gebiet der Zahlentheorie [3]. In den ersten Jahren an der Sternwarte beschäftigte sich GLEISSBERG hauptsächlich mit Problemen der klassischen Astronomie. Er beteiligte sich an größeren Beobachtungsprogrammen, vor allem an astrometrischen Messungen und deren AusWertungen. Hier sind insbesondere Beobachtungen von Sternbedeckungen durch den Mond zu nennen, die eine sehr genaue Bestimmung der Mondbahn erlauben [4]. Später begann er, sich für mehr astrophysikalische Fragestellungen zu interessieren. In einer Arbeit aus dem Jahre 1931 [5] beschäftigt er sich mit der MasseLeuchtkraft-Relation für homologe Sterne. A. S. EDDINGTON hatte für sein Standardmodell unter der vereinfachenden Annahme, daß das Verhältnis Gas- zu Gesamtdruck in einem Stern konstant ist, eine Masse-Leuchtkraft-Relation abgeleitet. H. VOGT hat dann für homolog aufgebaute Sterne gezeigt, daß diese einschränkende Annahme für die Gültigkeit der EDDINGTONschen M-L-Relation nicht notwendig ist. GLEISSBERG hat im Anschluß an die Untersuchungen von VOGT notwendige und hinreichende Bedingungen angegeben und gezeigt, daß sich nur in einem Spezialfall eine Modifizierung der EDDINGTON' schen Beziehung ergibt. Weiterhin hat er sich in mehreren Arbeiten mit dem Problem der interstellaren Verfärbung der Sterne beschäftigt. Ausgehend von einer Arbeit von SCHÖNBERG glaubte er, zeigen zu können, daß die interstellare Verfärbung auf RAYLEIGH-Streuung beruht, d. h. daß der interstellare Absorptionskoeffizient proportional zu lambda**-4 ist [6]. (Heute wissen wir auf Grund sehr viel detaillierterer Beobachtungen, daß die interstellare Extinktion im sichtbaren Spektralbereich in etwa proportional zu lambda**-1 ist.) Die politischen Ereignisse des Jahres 1933 führten zu einem tiefen Einschnitt im Leben WOLFGANG GLEISSBERGs und insbesondere auch in seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Da er einen jüdischen Großvater hatte, wurde er im Sommer 1933 vom Ministerium seines Amtes enthoben [7]. Er konnte aber noch bis Ende des Jahres an der Sternwarte arbeiten. In offensichtlich richtiger Einschätzung der politischen Situation hat er sich daraufhin entschlossen, Deutschland zu verlassen. 2. Die Jahre im türkischen Exil (1933-1958)An der 1933 neu gegründeten (d. h. grundlegend reformierten) Universität in Istanbul fand GLEISSBERG eine neue Wirkungsstätte. Er wurde dort 1934 Mitar beiter am Institut für Astronomie. Leiter des Instituts war ERWIN FINDLAY FREUNDLICH, der Deutschland ebenfalls hatte verlassen müssen. (Bis 1933 war er der Leiter des von ihm 1920 gegründeten EINSTEIN-Instituts in Potsdam gewesen [8]). In das Jahr 1934 fällt auch GLEISSBERGs Heirat mit CHARLOTTE MICHAEL, die ihm aus Breslau ins türkische Exil gefolgt war. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Die moderne Entwicklung der Wissenschaften in Europa war bis zu Beginn dieses Jahrhunderts an der Türkei weitgehend vorübergegangen. Erst als das Land sich unter ATATÜRK (d. h. ab 1923) nach Westen zu öffnen begann, wurde auch versucht, den Anschluß auf wissenschaftlichem Gebiet zu erreichen. In diesem Zusammenhang wurde die Universität Istanbul 1933 grundlegend reformiert, was einer Neugründung praktisch gleich kam. Die in Deutschland 1933 einsetzende politische Verfolgung ermöglichte es, für die neue Universität in Istanbul eine größere Zahl deutscher Gelehrter zu gewinnen. So waren bei der Wiedereröffnung der Universität im herbst 1933 von den 87 Professoren etwa 30 Deutsche [8]. Die Zahl wuchs später bis auf knapp 100 an [8, 9]. (Von den 1933 nach Istanbul berufenen Professoren kamen 8 allein aus Frankfurt am Main [8].) Vor FREUNDLICH und GLEISSBERG stand eine enorme Aufbauarbeit. Eine Astronomie in modernem Sinne gab es zu der Zeit in der Türkei nicht. Das bedeutete, sie mußten das Fach Astronomie nicht nur in Forschung und Lehre vertreten, sondern es in der Türkei überhaupt erst heimisch machen. Als erstes mußten die materiellen Voraussetzungen geschaffen werden, d. h. es mußte ein Institutsgebäude erstellt, Instrumente angeschafft und eine Bibliothek aufgebaut werden. Dazu kamen die sprachlichen Schwierigkeiten. All diese Probleme sah der junge GLEISSBERG offensichtlich als eine große herausforderung an, der er sich mit großem Engagement stellte. Er bemühte sich gleich zu Anfang intensiv darum, die türkische Sprache zu lernen und war schon nach zehn Monaten in der Lage, seine Vorlesungen auf Türkisch zu halten. Ein weiteres sprachliches Problem lag darin, daß die türkische Sprache über keine astronomischen Fachausdrücke verfügte. In Zusammenarbeit mit türkischen Kolleginnen und Kollegen wählte GLEISSBERG aus dem türkischen Sprachschatz geeignete Wörter für die fehlenden Fachausdrücke. In einigen Fällen bildete er auch neue Wörter aus türkischen Wortstämmen. In der türkischen Fachliteratur haben sich diese Fachausdrücke inzwischen weitgehend eingebürgert [9]. (GLEISSBERG gehörte auch, als einziger Ausländer, einer Sprachkommission an, deren Aufgabe es u. a. war, arabische Fachausdrücke durch türkische Wörter zu ersetzen.) Es gab natürlich auch kein Astronomielehrbuch in türkischer Sprache. FREUNDLICH und GLEISSBERG schrieben daher ein Lehrbuch, das in Zusammenarbeit mit dem späteren Physikprofessor FAHIR YENICAY ins Türkische übersetzt wurde [10]. Kurz nach der Fertigstellung der neuen Sternwarte nahm FREUNDLICH 1937 einen Ruf an die deutsche Universität in Prag an. Als sein Nachfolger kam HANS ROSENBERG nach Istanbul. (ROSENBERG war bis 1934 o. Professor für Astronomie an der Universität Kiel und danach Gastprofessor an der University of Chicago gewesen [11].) Nach ROSENBERGs plötzlichem Tod im Jahre 194ø übernahm 1942 der englische Astronom THOMAS ROYDS für fünf Jahre die Leitung der Sternwarte. wegen der häufigen Wechsel in der Leitung entstand im Wesentlichen nur durch GLEISSBERG eine gewisse Kontinuität in der wissenschaftlichen Arbeit. Im Jahre 1948 wurde GLEISSBERG zum Professor und gleichzeitig zum Direktor der Sternwarte ernannt. Diese Funktion hatte er bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1958 inne. Damit ist GLEISSBERG neben dem Chemiker FRIEDRICH BREUSCH der einzige unter den nicht-habilitierten deutschen Emigranten, dem ein berufliches Weiterkommen in der Türkei ermöglicht wurde [8]. Im Jahre 1954 wurde er dann zum o. Professor ernannt. - Neben seinen Verpflichtungen in Istanbul hat er im Sommersemester 1953 auch noch Vorlesungen in Ankara gehalten. Die Heranbildung wissenschaftlichen Nachwuchses war für GLEISSBERG ein ganz wesentlicher Aspekt seiner Tätigkeit in Istanbul. Als er 1958 nach Deutschland zurückkehrte, war es für ihn eine große Befriedigung, feststellen zu können, daß die wissenschaftliche Arbeit an der Istanbuler Sternwarte jetzt ohne ausländische Hilfe weitergeführt werden konnte [9]. GLEISSBERGs Engagement für den Aufbau der Astronomie in Istanbul fand auf türkischer Seite große Anerkennung. Das kam u. a. in der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Istanbul im Jahre 1981 zum Ausdruck. GLEISSBERGs wissenschaftliche Arbeiten in Istanbul schlossen sich zunächst an die seiner Breslauer Zeit an. In den Jahren 1935 38 erschienen einige Publikationen zur Frage der interstellaren Verfärbung. Im Gegensatz zum Zeitpunkt seiner früheren Untersuchungen lagen inzwischen für eine größere Zahl von Sternen Farbmessungen bei verschiedenen Wellenlängen vor, so daß GLEISSBERG individuelle Extinktionskurven konstruieren konnte.^1 Es zeigte sich, daß die interstellare Extinktion näherungsweise umgekehrt proportional zur Wellenlänge ist. Damit war die frühere Hypothese, daß es sich um RAYLEIGH-Streuung handelt, widerlegt. Im Anschluß an Arbeiten von sCHALeN interpretierte er die interstellare Verfärbung als Folge von Absorption durch kleine Eisenpartikel mit Durchmessern im Bereich 0.02 bis 0.1 mum. Diese Interpretation erlaubte es, unter Zugrundelegung der MIEschen Theorie aus dem Farbexzeß auf die absolute Extinktion zu schließen [12]. (Die Kenntnis der absoluten Extinktion ist notwendig, um bei verfärbten Sternen aus einem Vergleich von scheinbarer und absoluter Helligkeit die Entfernung bestimmen zu können.) Daneben galt sein Interesse Fragen des inneren Aufbaus der Sterne. Er hat eine Reihe mathematischer Sätze bewiesen, die bestimmte, aus den Zustandsgrößen gebildete, Funktionen betreffen. So hat er z. B. zeigen können, daß die Bedingung des hydrostatischen und Strahlungsgleichgewichts äquivalent mit der Forderung ist, daß ein bestimmtes Integral sein Minimum annimmt [13]. Weiterhin zeigte er, daß bestimmte Funktionen monoton mit dem Radius zunehmen, während andere, ganz ähnlich konstruierte Funktionen monoton abnehmen [14]. Derartige Sätze, die es erlauben, den Verlauf der Zustandsgrößen mit dem Radius zumindest qualitativ abzuschätzen, waren damals von erheblicher Bedeutung, da die numerische Integration der Aufbaugleichungen nicht so einfach durchzuführen war wie heute. Ähnliche Sätze wurden auch von E. A. MILNE und von S. CHANDRASEKHAR abgeleitet. Nachdem der Aufbau der Sternwarte abgeschlossen war und systematische Beobachtungsprogramme durchgeführt werden konnten, publizierte GLEISSBERG in den Jahren 1939-1944 eine ganze Reihe von Beobachtungsarbeiten aus dem Gebiet der Positionsastronomie mit Schwerpunkt auf der Beobachtung von kleinen Planeten (Asteroiden) und Kometen. Ein von GLEISSBERG in der Türkei neu aufgegriffenes Arbeitsgebiet, das ihn bis zum Ende seines Lebens beschäftigt hat, war die Sonnenaktivität. Hier galt sein besonderes Interesse der Frage nach der zeitlichen Variation der Fleckenhäufigkeit. Er war der erste, der nachgewiesen hat, daß dem bekannten 11- bzw. 22jährigen Zyklus ein 80jähriger überlagert ist. Er versuchte - wie auch andere Autoren - darüber hinaus weitere, kürzere und längere, Periodizitäten nachzuweisen (s. z. B. [15]). Das Hauptproblem bei derartigen Untersuchungen liegt in dem beschränkten Datenmaterial, das zur Verfügung steht. Dies gilt insbesondere für den Nachweis sehr langer Perioden [16]. Auf Grund seiner Ergebnisse versuchte GLEISSBERG dann, längerfristige Vorhersagen der Fleckenhäufigkeit und damit allgemein der Sonnenaktivität zu machen (s. z. B. [17,18,19]). Da die Sonnenaktivität einen großen Einfluß auf den Sonnenwind und auch auf die Ionosphäre der Erde hat, haben solche Vorhersagen auch Bedeutung für die Planung von Raumfahrtunternehmungen sowie für den Funkverkehr auf der Erde. Eine erste Arbeit aus diesem Themenkreis [20], der eine große Zahl weiterer Untersuchungen folgte, erschien im Jahre 1937. Einen Überblick gibt die Monographie Die Häufigkeit der Sonnenflecken aus dem Jahr 1952 [18].
3. Die Rückkehr nach Deutschland und die Jahre in Frankfurt (1958-1986)Im April 1947 erhielt GLEISSBERG den Ruf auf eine Professur für Astronomie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Berlin. Zu diesem Zeitpunkt konnte er sich aber noch nicht entschließen, nach Deutschland zurückzukehren. Der spätere Kontakt nach Frankfurt am Main, wo GLEISSBERG ab 1958 eine neue Wirkungsstätte fand, ergab sich über WILLY HARTNER, der sich nach 1952 mehrere Male zu Studienzwecken in Istanbul aufhielt. Nachdem im Jahre 1935 der alte BRENDELsche Lehrstuhl (s. den Beitrag über BRENDEL in diesem Band) gestrichen worden war, wurde das Fach Astronomie an der Universität Frankfurt nur noch im Rahmen eines Lehrauftrages bis 1942 vertreten. Nach dem Krieg bemühte sich die Naturwissenschaftliche Fakultät, und hier insbesondere W. HARTNER, der Direktor des Instituts für Geschichte der Naturwissenschaften, darum, das Fach Astronomie wieder in das Lehrprogramm aufzunehmen. Zwar war das Universtitätsinstitut Sternwarte 1936 etatmäßig gestrichen worden, aber die wertvolle Bibliothek und einige Instrumente waren noch vorhanden und konnten als Grundstock für einen neuen Anfang dienen. Dem Versuch der Naturwissenschaftlichen Fakultät im Jahre 1946, den ehemaligen BRENDELschen Lehrstuhl wieder einzurichten, war kein Erfolg beschieden. Dagegen wurde ein Antrag, dem Astronomen KARL SCHILLER einen Lehrauftrag zu erteilen, genehmigt. SCHILLER war bis Juni 1945 an der Sternwarte in Leipzig tätig gewesen. Als die Amerikaner sich aus Thüringen zurückzogen, ging er in den Westen. Er wohnte dann in der Nähe von Frankfurt am Main und suchte nach einer astronomischen Betätigung. In Frankfurt am Main hat er sich sehr für den Wiederaufbau der Astronomie engagiert. Im Sommer 1947 hat WILLY HARTNER das Kuratorium der Johann Wolfgang Goethe-Universität gebeten, ihn von der kommissarischen Leitung der Sternwarte zu entbinden und diese K. SCHILLER zu übertragen. Dieser hat die Sternwarte (später - wohl zur Abgrenzung von der Volkssternwarte des Physikalischen Vereins - Astronomisches Institut genannt) bis 1960 ehrenamtlich geleitet. Daß dies nur als provisorische Lösung anzusehen war, ergibt sich allein schon daraus, daß SCHILLER, als er die Leitung übernahm, bereits 65 Jahre alt war. Ab 1954 wurde SCHILLER in seiner Lehrtätigkeit von WERNER LOHMANN vom Astronomischen Recheninstitut in Heidelberg unterstützt, der ebenfalls einen Lehrauftrag erhielt. In der Situation, daß einerseits die Fakultät das Fach Astronomie im Lehrplan erhalten wollte, andererseits hierfür keine Professur zur Verfügung stand, war es als glücklicher Umstand zu betrachten, daß GLEISSBERG, als er sich 1957 entschlossen hatte, nach Deutschland zurückzukehren, den Wunsch äußerte, sich in Frankfurt an der Universität zu betätigen. Da er auf Grund der Wiedergutmachungsregelungen ein Gehalt aus Bundesmitteln erhielt, konnte seine Mitarbeit ohne Schaffung einer neuen Stelle gewonnen werden. Zum Sommersemester 1958 erhielt GLEISSBERG in Frankfurt einen Lehrauftrag für Astronomie. Noch im selben Jahr wurde er zum Honorarprofessor ernannt. Zum 1. Juni 1960 übernahm er von K. SCHILLER, der zu diesem Zeitpunkt 78 Jahre alt war, die Leitung des Astronomischen Instituts. Neben seiner Tätigkeit in Frankfurt hielt GLEISSBERG auf die Bitte von E. F. FREUNDLICH hin (der nach dem Krieg in Mainz lehrte) in den Jahren 1959 bis 1962 auch noch Vorlesungen in Mainz. Für das Sommersemester 1965 und das Wintersemester 1965/66 ließ er sich von seinen Verpflichtungen in Frankfurt beurlauben, um eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Ankara zu übernehmen. - Schließlich ist zu erwähnen, daß er sich sehr aktiv an dem Vortragsprogramm des Physikalischen Vereins beteiligte. Die wissenschaftliche Arbeit am Astronomischen Institut litt stark unter dem Mangel an Stellen. Als GLEISSBERG 1958 nach Frankfurt kam, gab es keine etatisierte Stelle. Das Institut erhielt 1961 zwei Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte [21], denen 1963 eine halbe Stelle für eine Sekretärin folgte [27], erst 1971 wurde dem Institut eine Stelle für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter zugewiesen [23]. GLEISSBERGs Bemühungen um die Wiedereinrichtung des ehemaligen BRENDELschen Lehrstuhls blieben jedoch ohne Erfolg [22,24,25], so daß das weitere Schicksal des Instituts unklar war, als er 1977 aus Alters- und Gesundheitsgründen [26] die Leitung des Astronomischen Instituts niederlegte und auch seinen Lehrauftrag nicht mehr wahrnehmen konnte. GLEISSBERGs wissenschaftliches Interesse richtete sich in seinen Frankfurter Jahren weiterhin hauptsächlich auf Fragen der Sonnenaktivität und hier insbesondere auf die zeitliche Variation der Häufigkeit der Sonnenflecken und ihre Vorhersagbarkeit sowie solar-terrestrische Beziehungen. Auf dem letztgenannten Teilgebiet entstand eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Geophysik. Daneben beschäftigte er sich aber auch mit z. T. recht anders gearteten Fragestellungen. So erschien 1968 eine Arbeit aus dem Gebiet der Archäoastronomie, in der er (zusammen mit HANS WALTENBERG) der Ausrichtung des archaischen und des hellenistischen Tempels in Didyma (Türkei) eine astronomische Deutung gab [27]. Nach seinem Ausscheiden aus dem Astronomischen Institut verfolgte GLEISSBERG weiterhin mit regem Interesse den Fortgang der Sonnenforschung und korrespondierte mit Kollegen im In- und Ausland. Am 23. August 1986 starb er in seinem Haus in Oberursel-Oberstedten. Es ist ganz wesentlich dem von WOLFGANG GLEISSBERG bis ins hohe Alter gezeigten persönlichen Engagement für die Astronomie - ebenso wie dem von KARL SCHILLER - zu verdanken, daß dieses Fach nach dem Krieg an der Johann Wolfgang Goethe-Universität wieder Fuß fassen konnte. Quellennachweisa) Zitierte Literatur
[1] Vierteljahresschrift der Astron. Ges. 61 (1926) 103.
b) Weitere Quellen
Frau C. Gleißberg verdanke ich viele wertvolle Hinweise. Sie stellte auch das hier
veröffentlichte Foto ihres Mannes zur Verfügung.
Fußnoten1 In der Astronomie bezeichnet man als "Farbe" eines Sterns den Logarithmus des Verhältnisses der Intensitäten in zwei verschiedenen Wellenlängenbereichen. Vergleicht man die Farbe eines entfernten Sterns mit der eines nahen, unverfärbten Sterns des gleichen Spektraltyps, so erhält man den Farbexzess, der auf der wellenlängenabhängigen Extinktion im interstellaren Medium beruht.
geändert am 12. Dezember 2008 E-Mail: Webmasterpresse@uni-frankfurt.de | | Zur Navigationshilfe |
Druckversion: 12. Dezember 2008, 11:11
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