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Pressemitteilungen des Fachbereiches Biowissenschaften

2012

CHE-Ranking

Der Fachbereich Biowissenschaften hat im gerade publizierten CHE-Ranking erneut gute bis sehr gute Beurteilungen erhalten. In den Kategorien Forschungsgelder und Ausstattung Praktikumslabore liegt der Fachbereich bundesweit in der Spitzengruppe, was für die forschungsorientierte Lehre des Fachbereiches von großer Bedeutung ist. In den anderen Kategorien befindet er sich in der Mittelgruppe, in keiner Kategorie in der Schlussgruppe. Nur acht der 50 untersuchten deutschen Universitäten stehen noch etwas besser da.

Der Fachbereich wird sich auf seiner guten Position aber nicht ausruhen, sondern für weitere Verbesserungen sorgen. So haben u.a. Projekte im Rahmen des Bund-Länderprogramms Starker Start ins Studium im letzten Jahr begonnen. Ferner wird der Fachbereich in den nächsten zweieinhalb Jahren zusätzlich in die Anschaffung von Lehrbüchern investieren, um der immer weiter ansteigenden Zahl der Studierenden auch zukünftig eine sehr gute Literaturversorgung anzubieten. Weitere Projekte, wie die Unterstützung englischsprachiger Lehre, sind in Vorbereitung.

Ausführliche Informationen zum CHE-Ranking finden Sie unter http://ranking.zeit.de/che2012/de oder dem gerade herausgekommenen ZEIT Studienführer 2012/13, eine kurze Zusammenfassung finden Sie in der Zeit vom 3. Mai 12.

Informationen über das CHE und seine Rankings sind außerdem zu finden unter www.che-ranking.de

Informationen Fachbereich Biowissenschaften und seinen Studiengängen finden Sie unter http://www.bio.uni-frankfurt.de.

Weitere Informationen erhalten Sie von
Dr. Ursula Sittig
sittig@bio.uni-frankfurt.de
Dekanatsreferentin
Fachbereich Biowissenschaften

Dunkle Schatten über dem Bienenfrühling

300.000 Bienenvölker gefährdet: Wissenschaftler suchen Strategien zur Bekämpfung der tödlichen Milbe Varroa destructor

Dienstag, 27. März 2012, 11:03 Uhr 070

FRANKFURT. Für die Imker und Bienenforscher beginnt der Frühling in diesem Jahr mit einer traurigen Bilanz. Bis zu 30 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland sind im vergangenen Winter der Milbe Varroa destructor zum Opfer gefallen. Einzelne Imker haben sogar alle ihre Völker verloren. Am Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität trafen sich bereits in der vergangenen Woche 20 Wissenschaftler aus ganz Deutschland zu einer Krisensitzung. Die Ergebnisse ihrer Diskussion zur Situation der Bienenhaltung und Lösungskonzepte zum Varroaproblem stellen sie auf der heute beginnenden 59. Jahrestagung der AG der Bieneninstitute an der Universität Bonn vor.

Die ursprünglich in Asien beheimatete und nur auf Bienen vorkommende, parasitische Milbe Varroa destructor bildet die größte Gefahr für die heimischen Bienenvölker. Ohne effektive Behandlung kann die Varroamilbe ein befallenes Volk zugrunde richten. Die Wissenschaftler erwarten für das Jahr 2012 bedrohliche Verluste im Umfang von 20 bis 30 Prozent aller Völker. Das sind fast 300.000 Bienenvölker. Die Bekämpfung der Milbe ist daher eines der vordringlichen Ziele der Forschung. Allerdings gibt es noch kein Patentrezept, mit dem die betroffenen Imker ihre Völker retten können. Neue Behandlungskonzepte sind gefragt.

Sicher ist: der Milbenbefall ist für die Imkereien überaus bedrohlich; die Verluste werden 2012 erheblich sein. Einige Forscher beobachten sogar eine deutliche Zunahme der Varroamilben. So gingen in einer Langzeitstudie des Instituts für Bienenkunde der Goethe-Universität in einem hessischen Landkreis die Varroabefallszahlen steil nach oben. Dieses Jahr haben wir so viele Milben gezählt, wie in keinem der Jahre seit 2008 zuvor. Wir müssen dringend etwas tun, fasst Prof. Bernd Grünewald, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel die Ergebnisse zusammen. Wir brauchen eine gemeinsame Linie, ein Konzept für zeitgemäße Betriebsweisen und nachhaltige Behandlungsmethoden, die alle der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute angeschlossenen Einrichtungen in ihre Beratung aufnehmen können, fasst Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts in Kirchhain, Hessen, die Situation zusammen. Allerdings erschweren starke regionale Unterschiede eine Einschätzung der Lage.

Doch die Behandlung mit den in Deutschland zugelassenen Medikamenten ist schwierig, zeitraubend und der Erfolg nicht immer garantiert. Die deutschlandweite Zulassung von Medikamenten, die in anderen Ländern eingesetzt werden, könnte neue Probleme wie Rückstände im Wachs oder medikamentenresistente Milben mit sich bringen. Dazu Dr. Werner von der Ohe, Leiter des niedersächsischen Bieneninstituts in Celle und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute: Wir brauchen modulare Behandlungskonzepte und dürfen nicht vor Tabus haltmachen. Neben den weichen Milbenbekämpfungsmitteln wie der Ameisensäure und den ätherischen Ölen müssen wir ernsthaft über den Einsatz harter Medikamente nachdenken. Daneben sind die praktische Imkerberatung und die Erforschung nachhaltiger, biologischer Methoden wichtige Stützpfeiler einer zeitgemäßen Bekämpfung der Varroose.

Ein Bild zum download finden Sie hier.

Bildtext: Erwachsenes Varraoweibchen auf einer Bienenlarve, entnommen aus einer kurz zuvor verdeckelten Brutzelle. Hier legt die Milbe ihre Eier ab. Die sich daraus entwickelnden weiblichen Milben verlassen die Brutzelle mit der schlüpfenden Biene und können auf diesem Weg andere Völker infizieren.

Informationen: Prof. Bernd Grünewald, Institut für Bienenkunde, Karl-von-Frisch-Weg 2, 61440 Oberursel, Tel.: (06171)21278; b.gruenewald@bio.uni-frankfurt.dewww.institut-fuer-bienenkunde.de.


Biologischer Nanomotor mit Hybridantrieb entdeckt

Methan-bildende Archaeen als Bindeglied der Evolution der zellulären Bioenergetik

Mittwoch, 18. Januar 2012, 00:00 Uhr
FRANKFURT. Methanbildende Archaeen gehören zu den ursprünglichsten Lebensformen auf der Erde. In den Tiefen der Ozeane gewinnen diese Mikroorganismen Energie für ihren Stoffwechsel, indem sie aus Kohlendioxid und Wasser Methan herstellen. Energetisch gesehen ist dies am Limit dessen, was überhaupt Leben erlaubt. Wie die Methanbildung mit der Synthese der zellulären Energiewährung Adenosintriphosphat (ATP) einhergeht, haben jetzt Mikrobiologen der Goethe-Universität zusammen mit Kollegen vom Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt geklärt.

Wie die Forscher in der Fachzeitschrift PNAS berichten, nutzt das Archaeon Methanosarcina acetivorans die bei der Methanbildung freiwerdende Energie, um Natriumionen und Protonen aus dem Zellinneren zu pumpen. Damit wird über der Membran ein elektrochemischer Gradient erzeugt, ähnlich dem Aufladen einer Batterie. ATP-Synthasen nutzen nun diesen Batteriestrom zur Synthese von ATP. Dazu verfügen sie über eine membrangebundene Turbine. Angetrieben wird sie durch Ionen, die in das Cytoplasma zurückfließenden, ähnlich einer Turbine, die Wasserkraft in elektrischen Strom umwandelt.

Während bisher nur Turbinen bekannt waren, die entweder durch Natriumionen oder Protonen angetrieben werden, hat die ATP-Synthase aus M. acetivorans eine Turbine, die das Ladungsgefälle der Natriumionen und Protonen gleichzeitig nutzt. Die ursprünglichsten Lebensformen nutzen wahrscheinlich exklusiv Natriumionen für die Energiekonservierung. Moderne Lebensformen sind dann komplett auf Protonen umgestiegen, erläutert Prof. Volker Müller von der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik der Goethe-Universität. Da M. acetivorans bisher das einzige bekannte Lebewesen ist, das beide Ionengradienten nutzen kann, liegt es nahe, es als Bindeglied der Evolution anzusehen.

Die Idee zu dieser Untersuchung entstammt der Klimaforschung. Meine Doktorandin Katharina Schlegel wollte im Rahmen eines Projektes am Forschungszentrum Biodiversität und Klima (BiK-F) erforschen, wie sich methanbildende Archaeen an trockene und salzhaltige Standorte anpassen. Als sich herausstellte, dass wir einem neuen Motor auf der Spur sind, haben wir die biochemischen und molekularen Untersuchungen im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Transport und Kommunikation über biologische Membranen weitergeführt und die Zusammenarbeit mit den Biophysikern gesucht, erklärt Müller, der zugleich Projektleiter des Sonderforschungsbereichs (SFBs) ist.

Mit dem Max Planck-Institut für Biophysik besteht seit Jahren eine enge Kooperation über diesen SFB sowie über den Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe. Eine so enge Verzahnung von angewandter Forschung und Grundlagenforschung, und eine thematische Spannweite von der Klimaforschung zum strukturbasierten Modell der Ionenspezifität eines membrangebundenen Nanomotors, ist so nur in Frankfurt möglich ist, freut sich Prof. Müller über den gemeinsamen Erfolg.

Publikation:
Schlegel, K., Leone, V., Faraldo-Gomez, J.D., Müller, V. (2012) Promiscous arachael ATP synthase concurrently coupled to Na+ and H+ translocation. Proc. Natl. Acad. Sci. USA, doi;10.1073/pnas.1115796109

Informationen: Prof. Volker Müller, Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29507, VMueller@bio.uni-frankfurt.de.

2011

  • Ehren für Frankfurter Biowissenschaftler

    Paläobiologe Friedemann Schrenk wird Johannes-Gutenberg-Stiftungsprofessor in Mainz / Orientierungsforscher Wolfgang Wiltschko erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Bielefeld
    2. Dezember 2011 / 286

     

    FRANKFURT. Gleichsam über je ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk können sich diese Woche zwei herausragende Biowissenschaftler der Goethe-Universität freuen: Der Paläobiologe Prof. Friedemann Schrenk übernimmt im Jahr 2012 die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur der Universität Mainz, der Verhaltensphysiologe Prof. Wolfgang Wiltschko wurde zum Ehrendoktor der Universität Bielefeld ernannt.

    Friedemann Schrenk, der als Paläobiologe und -anthropologe sowohl am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität als auch am Frankfurter Senckenberg Forschungsinstitut verankert ist, wird in Mainz eine Ringvorlesung zum Thema ?Out of Africa: Zur Globalgeschichte des Homo sapiens? anbieten: Afrika gilt heute als biologischer Ursprungsort der Menschen, die sich seit etwa zwei Millionen Jahren in mehreren ?Wellen? über die Welt verbreitet haben. Auch die biologisch modernen Menschen entstanden ? vor etwa 160.000 Jahren ? in Afrika und besiedelten von dort aus die gesamte Erde. Schrenk  begreift die Geschichte des Homo sapiens im Sinne einer globalen Geschichte. Das dabei leitende paläoanthropologische Wissenskonzept der biokulturellen Evolution der Menschen wird er gemeinsam mit Gästen wie der Paläoanthropologin Meave Leakey vorstellen und diskutieren. ?Ich will die historischen Verflechtungen aufarbeiten, die zum heutigen Menschen geführt haben?, fasst Schrenk das Ziel der Stiftungsprofessur zusammen, ?die Besucher der Vorlesungen dürfen sich dabei auch auf gesellschaftspolitische und wissenschaftshistorische Fragestellungen freuen.?

    1956 in Stuttgart geboren, studierte Schrenk Geologie, Paläontologie, Zoologie, Anatomie und Anthropologie in Darmstadt, Johannesburg und Frankfurt. Nach Dissertation und Habilitation war er unter anderem Leiter der Paläontologischen Abteilung am Hessischen Landesmuseum Darmstadt und stellvertretender Museumsdirektor ebendort. Seit dem Jahr 2000 wirkt Schrenk in Frankfurt und beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Paläoanthropologie, Biogeographie und Evolutionsökologie des Plio-Pleistozäns Afrikas (mit Geländearbeiten in Malawi, Tansania, Kenia und Südsudan), der Evolutions- und Funktionsmorphologie der Säugetiere und der Evolution der Menschen. Ausgezeichnet wurde Schrenk mit dem Grüter-Preis für Wissenschaftspublizistik (1999), dem Forschungspreis des Collège de France, Paris (1997) und dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft (2006).

    Wolfgang Wiltschko hingegen, der am Dienstag mit der Ehrendoktorwürde der Universität Bielefeld ausgezeichnet wurde, ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der Orientierung von Vögeln. Für seinen ersten Nachweis, dass sich Vögel zur Navigation auch am Magnetfeld der Erde orientieren, ist er über die Grenzen der Biologie hinaus bekannt. Er erforschte zudem, welchen Einfluss Ortserfahrung, Infraschall oder Geruchssinn auf die Orientierung nicht nur von Vögeln, sondern auch von anderen Tierarten haben. Seine Theorie, dass Vögel über einen Magnetkompass verfügen, musste er zunächst gegen Skeptiker verteidigen, ehe mit einer ?Science?-Publikation die internationale Anerkennung seiner Ergebnisse folgte.

    Wiltschko, der 1938 in Kienberg im Böhmerwald geboren wurde, studierte von 1959 bis 1967 an der Goethe-Universität und wurde mit seiner experimentellen Arbeit ?Über den Einfluss statischer Magnetfelder auf die Zugorientierung der Rotkehlchen (Erithacus rubecula)? ebendort promoviert. Noch während seiner Assistenzzeit bei Prof. Friedrich Wilhelm Merkel, in der er über das Kompass-System in der Orientierung von Zugvögeln habilitierte, verbrachte er 1973 einen Forschungsaufenthalt an der Cornell University in Ithaca, New York. 1975 wurde er Professor der Zoologie an der Universität Frankfurt, an der er auch nach seiner Emeritierung 2003 weiterhin aktiv forscht. Er ist Autor von über 160 Publikationen, von denen allein acht in den renommierten Organen ?Nature? und ?Science? erschienen. Gemeinsam mit seiner Frau, Prof. Roswitha Wiltschko, veröffentlichte er 1998 das Standardwerk ?Magnetic Orientation in Animals? im Heidelberger Springer Verlag.

    Zu den zahlreichen Ehrungen und Preise, die Wolfgang Wiltschko erhielt, gehören der Erwin-Stresemann-Preis der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (1977), deren Präsident er von 1992 bis 1997 war, der Elliott-Cues-Award der American Ornithologists Union (1994) sowie die Ehrenmitgliedschaft des britischen Royal Institute of Navigation (2009).

     

    Bildmaterial: www.muk.uni-frankfurt.de/pm/pm2011/1211/286

     

    Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die ?Science City? auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofes­suren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

     

    Herausgeber: Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Redaktion: Stephan M. Hübner, Pressereferent/ stv. Leiter, Abteilung Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-23753, Fax: (069) 798-28530, huebner@pvw.uni-frankfurt.de

     
  • Bakterien produzieren zunächst Vorstufen von Antibiotika

    Aktive Form entsteht durch Spaltung/Publikation in Nature Chemical Biology

    FRANKFURT. Bakterien der Gattung Xenorhabdus befallen Insekten. Gegen Nahrungskonkurrenten wehren sie sich durch die Produktion von Antibiotika. Forscher der Goethe Universität Frankfurt um Prof. Helge B. Bode haben dem Bakterium dabei ?zugeschaut? und festgestellt, dass es zunächst Vorstufen produziert, die anschließend in die aktive Form überführt werden. So schützt sich Xenorhabdus  auch selbst vor der tödlichen Wirkung des Zellgifts.

    Wie die Forscher in der renommierten Fachzeitschrift ?Nature Chemical Biology? berichten, entstehen fünf Vorstufen, die verlängerte Derivate des aktiven Antibiotikums darstellen und komplett inaktiv sind. Diese auch als ?Prodrug? zu verstehenden Substanzen werden dann über einen neu entdeckten Mechanismus aus der Bakterienzelle gepumpt und gleichzeitig durch Enzyme so gespalten, dass aus allen fünf Vorstufen nur eine aktive Verbindung ? das Antibiotikum Xenocoumacin-1 - entsteht. Dieses ist dann in der Lage, Nahrungskonkurrenten des Produzenten abzutöten. Um selbst nicht Schaden zu nehmen, hat Xenorhabdus einen ausgeklügelten Resistenzmechanismus entwickelt: Es wandelt Xenocoumacin-1 in ein inaktives Derivat um, das keine antibiotische Wirkung mehr aufweist.

    Die Aktivierung von Proteinen durch enzymatische Spaltung ist ein weit verbreitetes und wichtiges Prinzip der Natur. Beispielsweise enthält unser Blut Vorstufen der Blutgerinnungsproteine, die bei einer Verletzung blitzartig aktiviert werden können. Auch die Bauchspeicheldrüse produziert Vorstufen der Verdauungsenzyme, die erst im Dünndarm aktiviert werden. ?Obwohl dieser neue Aktivierungsmechanismus sehr kompliziert erscheint, konnten wir zahlreiche weitere Bakterien identifizieren, die biologisch aktive Substanzen offenbar nach dem gleichen Mechanismus erzeugen?, erläutert Prof. Helge Bode, Inhaber der Merck Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie an der Goethe-Universität. Das hat auch praktische Bedeutung: ?Ein Großteil unserer medizinisch genutzten Antibiotika oder Krebsmedikamente leitet sich von der auf diesem Weg produzierten, weit verbreiteten Gruppe von Peptiden ab?, so Bode.

    Das Projekt wurde gefördert von Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Europäischen Union, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Goethe Universität Frankfurt

    Publikation: Daniela Reimer, Klaas M. Pos, Marco Thines, Peter Grün, Helge B. Bode, A natural prodrug activation mechanism in nonribosomal peptide synthesis, Nature Chemical Biology, 2011, doi: 10.1038/nchembio.688

    Bilder zum Download finden Sie unter:
    http://www.muk.uni-frankfurt.de/pm/pm2011/0911/211/index.html

     

    Informationen: Prof. Helge Bode, Merck Stiftungsprofessur Molekulare Biotechnologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29557, H.Bode@bio.uni-frankfurt.de


  • Landschnecken auf Seefahrt

In der Jungsteinzeit von Sardinien nach Nordafrika

FRANKFURT. Die Landschnecke Tudorella sulcata führt ein verstecktes Leben unter Kalksteingeröll an den mit Pinienwäldern oder Büschen bewachsenen Küsten des Mittelmeers. Da sie weder schwimmen noch große Strecken an Land zurücklegen kann, fragten sich Frankfurter Biologen, wie sie sich über die weit auseinanderliegenden Küsten Frankreichs, Sardiniens und Algeriens hat verbreiten können. Mit Hilfe von molekularen Markern und neuen statistischen Methoden haben sie die Besiedlungsgeschichte jetzt rekonstruiert und den Zeitpunkt der Auswanderung aus dem Ursprungsgebiet ermittelt. Er fällt zusammen mit dem Aufbau von Handelswegen in der Jungsteinzeit. Vermutlich reiste die Landschnecke auf den Booten der neolithischen Händler mit.

?Seit der Mensch sich aufgemacht hat, um von Afrika aus die Welt zu besiedeln, hat er - absichtlich oder unabsichtlich - Tier- und Pflanzenarten aus ihren Ursprungsgebieten verschleppt?, sagt Prof. Markus Pfenninger vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität. ?Insbesondere bei Arten mit einem fragmentierten Verbreitungsgebiet, aber geringer Ausbreitungsfähigkeit, ist es deswegen oft schwer festzustellen, ob die Verbreitung auf natürlichem Weg oder durch den Menschen geschehen ist.? In einer Zusammenarbeit des Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrums Frankfurt (BiK-F), der Goethe-Universität und der Universität Montpellier ist es jetzt gelungen, der Ursprung der Art auf Sardinien auszumachen. Von dort hat sie sich in einem ersten Schritt nach Algerien ausgebreitet, um anschließend die Küste der südfranzösischen Provence zu besiedeln.

Da die Besiedlung eines neuen Gebietes immer auch mit einer Vergrößerung der Population verbunden ist und diese ihre Spuren in den Genen hinterlässt, konnte die erste Ausbreitung auf circa 8000 Jahre vor heute datiert werden. Zu dieser Zeit besiedelten gerade neolithische Siedler die westlichen Mittelmeerregion, was zu regem Handel - beispielsweise mit Feuersteinen - führte, aber auch zu einem heute noch genetisch nachweisbaren Kontakt der Bevölkerungen Sardiniens und Nordafrikas. ?Deshalb liegt es nahe, dass diese Siedler auch die etwa Daumennagel große, weiß bis orange oder rötlich schimmernde Schnecke in den Maghreb gebracht haben, sei es als Schmuck oder nur zufällig?, so Pfenninger. Dafür spricht auch, dass die versteckte Lebensweise der Schnecke einen natürlichen Transport mit Strömungen, Zugvögeln oder Wind praktisch ausschließt.

Publikation:
Jesse R, Véla E, Pfenninger M: Phylogeography of a Land Snail Suggests Trans-Mediterranean Neolithic Transport. PLoS ONE 6(6) 2011: e20734.
doi:10.1371/journal.pone.0020734

Informationen: Prof. Markus Pfenninger, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biologie-Campus Siesmayerstraße, Tel: (069) 798- 24714; pfenninger@bio.uni-frankfurt.de.

(29.06.2011 Dr. Anne Hardy)
Vollständiger Text bei IDW

 

  • Der Fachbereich Biowissenschaften gratuliert zum Adolf Messer Stiftungspreis 2011!

    Der Adolf Messer Stiftungspreis, durch den herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Goethe-Universität im Bereich der experimentellen Grundlagenforschung geehrt werden sollen,  geht in diesem Jahr an Dr. Stefan Merker aus dem Fachbereich Biowissenschaften (Institut für Ökologie, Evolution und Diversität; Abteilung Prof. Bruno Streit). Den Preis erhält er für seine Entdeckung und Erforschung der Koboldmakis, mit der Dr. Merker in den letzten Monaten auch international und über die Wissenschaftswelt hinaus großes Aufsehen erregt hat. Ein wesentliches Ziel von  Dr. Stefan Merkers Forschung ist es zudem, zur Erhaltung des Lebensraumes dieser gerade erst entdeckten Art beizutragen. (30.11.2011 fb15)

  • Giftige Zwerge in der Umwelt?
    Nanomaterialien können aquatische Ökosysteme gefährden

FRANKFURT. Die Zukunftserwartungen an die Nanotechnologie sind hoch. Sie bringt Materialien mit neuartigen Eigenschaften hervor, gilt als energiesparend und ressourcenschonend. Auf der anderen Seite stehen die Sorge um gesundheitliche Risiken für den Menschen und eine erhöhte Verbreitung der neuen nanopartikulären Produkte in der Umwelt. Da die meisten Produkte erst kurze Zeit im Umlauf sind, herrscht Unklarheit über die Langzeiteffekte. Um Risiken angemessen beurteilen zu können, müssen bestehende Richtlinien zur Prüfung von Chemikalien ergänzt und angepasst werden, so das Plädoyer der Forschergruppe "Aquatische Ökotoxikologie" um Prof. Jörg Oehlmann in der aktuellen Ausgabe von "Forschung Frankfurt". (mehr in der vollständigen Pressemitteilung Link )

  • Die Zukunft der biologischen Abwasserreinigung ? Projekt Athene untersucht enzymatische Abbauwege von Spurenschadstoffen
    ERC Advanced Grant für interdisziplinäres Forscherteam unter Beteiligung von Prof. Jörg Oehlmann

    FRANKFURT. Biologisch hochaktive Spurenstoffe, darunter Arzneimittelwirkstoffe und Umwelthormone, gelangen primär über Kläranlagen in die Gewässer und können dort trotz geringer Konzentrationen Organismen schädigen. In den Kläranlagen werden diese Substanzen zwar umgewandelt, für ihre effektive Eliminierung ist die Abbauleistung jedoch zu gering. Eine verbesserte biologische Abwasserreinigung kann dieses Problem lösen, wobei gleichzeitig gewährleistet wird, dass kein erhöhter Verbrauch von Energie oder anderen Ressourcen entsteht, wie bei weitergehenden Abwasserreinigungsverfahren sonst üblich. Die Optimierung des biologischen Abbaus organischer Spurenstoffe setzt jedoch eine detaillierte Aufklärung der enzymatischen Abbauwege voraus, die derzeit noch weitgehend unbekannt sind. ... (mehr in der vollständigen Pressemitteilung - Download )

  • Sieben Richtige für den BioCampus
    Antrittsvorlesung der BiK-F-Professuren an der Goethe-Universität Frankfurt

FRANKFURT. Der Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität hat sich im vergangenen Jahr um sieben renommierte Professorinnen und Professoren verstärkt. Sie wurden im Rahmen einer Kooperation der Goethe-Universität mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung berufen und forschen neben ihrer Lehrtätigkeit am LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), einem Joint Venture beider Institutionen. Am 7. Februar (Montag) werden sich die Wissenschaftler mit einer gemeinsamen Antrittsvorlesung öffentlich vorstellen und dabei zeigen, welche breite Forschungskompetenz Frankfurt im Bereich Biodiversität und Klima zu bieten hat. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist dazu eingeladen. Die Veranstaltung findet statt

am Montag (7. Februar) von 13 bis 18 Uhr
auf dem BioCampus Siesmayerstraße der Goethe-Universität, Großer Hörsaal, Gebäude B, Siesmayerstraße70, 60323 Frankfurt

28.Januar.2011
(mehr in der vollständigen Pressemitteilung - Download )

  • Frankfurter Biodiversitätsforscherin in Nationales Komitee für Global Change Forschung berufen
    Prof. Katrin Böhning-Gaese will bei deutscher Forschung
    zu globalen Veränderungsprozessen neue Akzente setzen

FRANKFURT. Wo sollten künftig die Schwerpunkte der deutschen Forschung zu globalen Veränderungsprozessen liegen? Dies ist eine der strategischen Fragen, mit denen sich das ?Nationale Komitee für Global Change Forschung? befasst. Der Impulsgeber für Förderaktivitäten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat seit kurzem ein neues Mitglied: die Frankfurter Biodiversitätsforscherin Prof. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und Professorin am Fachbereich Biowissenschaften, Institut für Evolution und Diversität, Goethe-Universität.

28.Januar.2011
(mehr in der vollständigen Pressemitteilung - Download )

 

2010


 

  • Studiengänge des Fachbereichs Biowissenschaften gehören zur Excellence Group in Europa

 

Im ExcellenceRanking des CHE (2010) wurde der Fachbereich Biowissenschaften mit seinen Masterstudiengängen mit einem Gütesiegel ausgezeichnet.

Das CHE hat europaweit aufgrund von acht Kriterien herausragende naturwissenschaftliche Fachbereiche ausgewählt und diese auch hinsichtlich ihres Lehrangebotes für Graduierte bewertet. So können Studierende mit einem Abschluss gezielt nach Master- und Promotionsstudiengängen europaweit suchen.Der Fachbereich Biowissenschaften hat hervorragende Ergebnisse erzielt in:

  • Publications
  • Citation
  • Marie Curie projects
  • International master's students
  • Gender balance master's students
  • Scientific Journals in library
  • Memberships in Editorial Boards

Detaillierte Informationen zur Methodik und den ausgewählten Kriterien finden Sie unter
http://www.che-ranking.de/cms/?getObject=2&getNewsID=1192&getCB=212&getLang=de
oder
http://www.zeit.de/excellenceranking

 
CHE_Siegel
 
 

  • Vögel müssen scharf sehen, damit ihr Kompass funktioniert

Verbindung zwischen magnetischer Richtungsinformation und dem Sehsystem entdeckt

Frankfurt - Der magnetische "Kompass" von Vögeln befindet sich im rechten Auge, wo lichtabhängige chemische Prozesse die Wahrnehmung von magnetischer Richtungsinformation vermitteln.(zum Artikel - extern)
(derStandard.at 13.Juli 2010)

 


  • Ein Magnetometer im Oberschnabel aller Vögel?

Frankfurter Neurobiologen weisen die gleichen Strukturen für einen Magnetrezeptor bei verschiedenen Vogelarten nach ? Kooperation mit Physikern am Hamburger DESY (zum Artikel)


  • Der Schatz der Sechsfüßer

Artikel auf Spektrum.de mit einem Beitrag von Prof. Helge Bode

"Obwohl viele sich vor Ameisen, Käfer und Co. ekeln, können sich unter dem Chitinpanzer doch ungeahnte Kostbarkeiten verstecken. Frankfurter Forscher begeben sich auf die Suche nach noch unbekannten Naturstoffen..."
(zum Artikel)


 

2009


  • Den Ursachen des Tinnitus auf der Spur

Manuela Nowotny erforscht, welche Schädigungen der Hörschnecke die belastenden Ohrgeräusche erzeugen (Zum Artikel)


  • Wir gratulieren den Professoren Wiltschko?

"Frankfurter Forscher des Fachbereichs Biowissenschaften der Goethe Universität zu Ehrenmitgliedern des Royal Institutes of Navigation ernannt." (Zum Artikel)


  • Nachschub für die grünen Kraftwerke der Pflanze

Wie große Proteine durch kleine Poren in der Chloroplasten-Membran gelangen (Zum Artikel)


 

 

geändert am 30. Mai 2012  E-Mail: WebmasterThomas.Gbenro@bio.uni-frankfurt.de

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Druckversion: 30. Mai 2012, 08:53
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