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Paläobiologische Forschung

Forschungsgebiete

Wir erforschen die Evolution der Menschen anhand der fossilen Überreste, die sie hinterlassen haben. Fossilien stellen die einzigen direkten Belege für diesen Prozess dar. Dabei liefert ein bestimmter Fund drei unterschiedliche, grundlegende Daten zu einem Fossil: nämlich die Einordnung in Raum und Zeit sowie eine systematische Einordnung über seine spezifischen morphologischen Eigenschaften. Aus dem Fundkontext lassen sich weitere Rückschlüsse ziehen, zum Beispiel auf das Habitat, das bei Bildung der Fundstelle vorherrschte, oder auch auf den ökologischen und taphonomischen Kontext. Ein großer Teil unserer Arbeiten besteht in der Rekonstruktion von Fossillagerstätten und ihrer Interpretation. Daneben führen wir aber auch eigene Geländearbeiten durch, in denen wir an bereits länger bekannten Fundstellen neue Daten erheben bzw. nach neuen Fundstellen suchen.

Die von uns durchgeführten Forschungsprojekte lassen sich vier unterschiedlichen Bereichen zuordnen. Auf dieser Seite geben wir Ihnen lediglich kurze Übersichten. Detailliertere Angaben können Sie erhalten, wenn Sie die Links auf der linken Seite anklicken.

Paläoanthropologie und Evolution der Hominiden

Die Evolution der Menschen nahm vor ca. sechs bis sieben Millionen Jahren in Afrika ihren Anfang mit der Entwicklung früher Australopithecinen. Diese Australopithecinen unterschieden sich von Menschenaffen unter anderem dadurch, dass sie in der Lage waren, sich wenigstens zeitweise biped fortzubewegen. Vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren gingen aus diesen Vorläufer-Formen die ersten Vertreter der Gattung Homo hervor. Dieser Prozess ist gekennzeichnet durch eine ganze Serie von Veränderungen. Dazu gehört die Entwicklung eines vollständig aufgerichteten Gangs, die Herstellung und Verwendung von Werkzeugen, das Erschließen neuer Nahrungsquellen, Veränderungen im Gebiss und weiteres. Vor 1,8 Millionen Jahren verliessen frühe Menschen erstmals den afrikanischen Kontinent und besiedelten weite Teile Eurasiens. Ihre fossilen Überreste finden wir zum Beispiel im Kaukasus aber auch auf der indonesischen Insel Java. Bei diesen Hominiden handelt es sich um Vertreter von Homo erectus. Europa wurde vor etwa einer Million Jahren besiedelt. Hier nahm die Evolution offenbar einen eigenständigen Verlauf, der zur Entwicklung von Neandertalern führte. Wieviele Ausbreitungswellen die Hominiden im Pleistozän, also von ca. 1,8 Millionen bis vor ca. 40.000 Jahren, vollzogen und welchen Routen diese Ausbreitungswellen folgten, ist gegenwärtig nicht sicher bekannt. Vor ungefähr 300.000 Jahren entwickelten sich  im östlichen Afrika die ersten Vertreter von Homo sapiens. Von dort aus breiteten sie sich über den gesamten Globus mit Ausnahme der Antarktis aus.

In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns vor allem mit der Entstehung der Gattung Homo sowie regionalen Besonderheiten in der Entwicklung von Homo erectus.

Biogeographie und Evolutionsökologie der Säugetiere

Frühe Menschen waren keine isolierten Kreaturen. Je weiter wir in der Vorgeschichte der Menschen zurück gehen, desto unmittelbarer werden ihre Beziehungen zur belebten und unbelebten Umwelt. Für ein umfassendes Verständnis der Evolution der Menschen genügt es daher nicht, sich ausschließlich mit Hominiden-Fossilien zu beschäftigen; vielmehr untersuchen wir begleitend auch Evolutionsprozesse anderer Säugetiere. Damit können wir zum Beispiel die Frage beantworten, ob ein bestimmter Schritt in der Evolution der Menschen sich bei anderen Säugetieren in vergleichbarer Weise abgespielt hat oder ob er spezifisch nur bei Vor- und Frühmenschen stattfand.

Die Ausbreitung früher Hominiden wird maßgeblich von dem Potenzial mitbestimmt, das ihnen natürlicherweise, aber auch kulturell bedingt offen steht. Die Untersuchung von Expansionsprozessen früher Hominiden gibt uns daher Aufschluss über die Fähigkeiten, die für das Vordringen in neue oder unbekannte Habitate entscheidend ist.

Unsere Projekte:

  • ROCEEH - The Role of Culture in Early Expansions of Humans
  • Mediterrane Inselfaunen des Pleistozäns
  • demons

Konstruktions- und Funktionsmorphologie der Säugetiere

Vor allem die Entwicklung des aufgerichteten Ganges bei Australopithecinen sowie die Erweiterung des Nahrungsspektrums bei frühen Vertretern der Gattung Homo führten zu Veränderungen in der Konstruktion der entsprechenden Apparate. Wenn Lebewesen von einer quadrupeden über eine fakulativ bipede zu einer obligatorisch bipeden Form der Fortbewegung übergehen, verändert sich nicht nur die Struktur der Beine und Füsse. Die andere Belastung hat Einfluss auf praktisch alle Abschnitte des Skeletts. Die Rekonstruktion des Skelettapparates von Australopithecinen zeigt, dass diese Formen sich mehr oder minder häufig biped fortbewegten. Sie zeigt aber auch, dass Australopithecinen dabei ganz eigenständige Wege eingeschlagen haben, die in vergleichbarer Form heute nicht mehr vorkommen.

Die Erweiterung des Nahrungsspektrums bei frühen Vertretern der Gattung Homo und vor allem der Einsatz von Werkzeugen bei der Zerkleinerung und Vorbereitung von Nahrung für den Kauvorgang führte zur Umstrukturierung des Gebisses. Dies zeigt sich vor allem an den Strukturen auf der Kaufläche von Backenzähnen, die an der mechanischen Zerkleinerung der Nahrung beteiligt sind. Diese Veränderungen untersuchen wir mit Hilfe modernster Methoden der 3D-Topometrie.

Auch bei nicht-hominiden Säugetieren lassen sich Veränderungen beobachten, die mit ihren Nahrungspräferenzen in Zusammenhang stehen. Unser besonderes Interesse gilt dabei sogenannten "generalistischen Omnivoren", zu denen ja auch Menschen gerechnet werden können. Bei genauerer Betrachtung der Zusammensetzung ihres Nahrungsspektrums zeigt sich, dass sie ausgeprägte Nahrungspräferenzen besitzen können. Die Bezeichnung 'omnivor' ist also nur eingeschränkt gültig. Und 'generalistisch' sind sie vielfach lediglich in dem Sinne, dass sie alle Zähne des normalen Säugetier-Gebisses besitzen; also etwa keine ausgeprägte Reduktion der Zahn-Anzahl stattfindet, wie sie für Beutegreifer wie Raubkatzen kennzeichnend sind. Wir identifizieren funktionell bedeutsame Strukturen auf der Okklusalfläche der Zähne und arbeiten an einer Methode, um sie im Hinblick auf das ausgebeutete Nahrungsspektrum quantitativ zu bewerten. Angewendet auf fossile Vertreter eröffnet sich so die Möglichkeit, detaillierte Angaben über das Nahrungsspektrum ausgestorbener Tiere zu machen.

Geländeprojekte in Afrika und Asien

Wir führen Geländearbeiten und Explorationen in Afrika und Südostasien durch. Schwerpunkte unserer Geländearbeiten in Afrika liegen in Malawi, Kenya, Tanzania, Uganda, Äthiopien sowie Südafrika. In Südostasien arbeiten wir hauptsächlich in Indonesien. Genauere Beschreibungen unserer Arbeitsregionen erhalten Sie, wenn Sie den Links auf der linken Seite folgen.

 

geändert am 27. April 2011  E-Mail: Webmastervolmer@bio.uni-frankfurt.de

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Druckversion: 27. April 2011, 09:56
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb15/institute/inst-1-oeko-evo-div/AK-Schrenk/Forschung/index.html