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Konstruktions- und Funktionsmorphologie der SäugetiereThemen: Ernährungspräferenzen und Spezialisierungen im Gebiss omnivorer Carnivoren | Bipedie und aufgerichtete Körperhaltungen bei Huftieren | Alle Projekte Ernährungspräferenzen und Spezialisierungen im Gebiss omnivorer CarnivorenDie Ernährungsweise von Tieren stellt eine wichtige ökologische Variable dar, wenn man ihre Lebensweise und ihre Umwelt verstehen will. Ebenso spielt sie in der Rekonstruktion fossiler Lebensräume eine große Rolle. Die Nahrung der Tiere gibt Aufschluß über bestimmte Habitateigenschaften. Die Ernährungsweise spiegelt sich vor allem im Gebiss der Tiere wider. Da die Zähne das Hauptwerkzeug zur mechanischen Aufbereitung der Nahrung darstellen, zeigen sie dementsprechende Anpassungen. Die Unterschiede zwischen herbivoren und carnivoren Tieren fallen sofort ins Auge (zum Beispiel auf der Abbildung oben). Aber auch innerhalb dieser Gruppen lassen sich weitere Unterscheidungen treffen.
Dem Namen nach sollten Vertreter der Carnivoren hauptsächlich Fleisch fressen. Innerhalb dieser Ordnung gibt es jedoch verschiedene Familien, deren Mitglieder sich eher omnivor ernähren. Diese Arten besitzen ein sehr weites Nahrungsspektrum. Zu ihnen zählen etwa die Bären (Ursidae, oben links ein Braunbär) bzw. Schleichkatzen (Viverridae, oben rechts ein Binturong). Beide Gruppen werden in der Literatur meist als generalisierte Allesfresser dargestellt. Obwohl omnivor, zeigen jedoch die meisten Arten Präferenzen für einen bestimmten Nahrungstyp. Man kann die Tiere somit in verschiedene Ernährungstypen einteilen (Abb. unten). Es gibt Fleisch bevorzugende Arten (rot), Frucht bevorzugende Arten (grün), Fisch bevorzugende Arten (blau) und Insekten bevorzugende Arten (gelb). Bei manchen dieser Arten stellt eine bestimmte Nahrungskomponente mehr als 60% des gesamten Ernährungsspektrums dar. Vergleicht man das Gebiss dieser Gruppen, dann zeigt sich, dass sich diese Präferenzen in der Morphologie der Zahnstrukturen widerspiegeln. Man findet Unterschiede über den gesamten Gebissbereich verteilt. So zeigen vor allem die Fisch bevorzugenden Arten spezielle Anpassungen vor allem im vorderen Zahnbereich, der dem Fangen und Festhalten der Nahrung dient. Die Zahnreihen stehen dort fast parallel zueinander, sodass die meist glitschige Nahrung sicher gehalten werden kann. Außerdem zeigen sich Höhenanpassungen der Prämolaren, die demselben Zweck dienen. Die linke Graphik der Abbildung oben zeigt das Verhältnis der Beckenstrukturen und Scherkanten am unteren ersten Molaren, wobei der helle Säulenanteil die Becken repräsentiert und der dunklere Säulenanteil die Scherkanten. Fleisch bevorzugende Arten (in rot) zeigen einen höheren Anteil an schneidenden Strukturen. Frucht oder Fisch bevorzugende Arten (in grün und blau) besitzen dagegen ausgedehntere Beckenstrukturen zum Zerquetschen ihrer Nahrung. Auch der Höckerverlauf am oberen vierten Prämolaren zeigt korrespondierende Unterschiede. So sind die Höcker der Frucht bevorzugenden Arten (grün) viel stumpfer, als die Höcker der Insekten, Fleisch und Fisch bevorzugenden Arten (rot, gelb und blau). Dies resultiert vor allem aus der quetschenden Funktion bei Arten, die Früchte bevorzugen. Werden diese Methoden auf fossiles Zahnmaterial angewendet, dann lassen sich detaillierte Aussagen über das Nahrungsspektrum und Ernährungspräferenzen fossiler Tiere treffen. Dies gibt uns eine genauere Vorstellung ihrer Umgebung. Läßt sich ein fossiler Zahn etwa einem Fisch bevorzugenden Typ zuordnen, dann lässt sich daraus auf das Vorhandensein eines permanenten Gewässers schließen. Ulrike Anders Bipedie und aufgerichtete Körperhaltungen bei HuftierenDer Hirscheber Babyrousa babyrussa gehört zu der Familie der Schweineartigen (Suidae). Er unterscheidet sich jedoch in seinem Verhalten von anderen Schweinen. Die männlichen Tiere kämpfen aufrecht stehend und schlagen mit den Vorderbeinen nach dem jeweiligen Gegenüber. Da dies an einen Boxkampf erinnert, wird diese Verhaltensweise auch „boxing“ genannt. Doch die Tiere stehen nicht nur während Rangkämpfen aufrecht, sondern auch wenn es um die Nahrungsaufnahme geht. Sowohl Weibchen als auch Männchen stellen sich zuweilen auf ihre Hinterbeine, um an Blätter und Früchte von herabhängenden Zweigen heranzukommen. Forschern, die sich mit dem Hirscheber beschäftigen, ist dies aus Zoos bekannt. Es wurde sogar schon vorgeschlagen, Nahrung in erreichbare Höhen zu legen, so dass dieses natürliche Verhalten gefördert wird. Nun hat sich während eines Praktikums im Frankfurter Zoo herausgestellt, dass auch hier das männliche Tier regelmäßig auf seinen Hinterbeinen steht, um an Blätter oder andere Leckerbissen zu kommen. Ausgehend von diesen Beobachtungen sind nun eingehendere Studien möglich, die die aufgerichtete Körperhaltung sowie die Lokomotion der Tiere ins Zentrum stellen. Mit solchen Untersuchungen ist es dann möglich zu überprüfen, ob auch pleistozäne Hirscheber dieses Verhalten schon zeigen konnten. Silke Karl
geändert am 13. Dezember 2011 E-Mail: Webmastervolmer@bio.uni-frankfurt.de | | Zur Navigationshilfe |
Druckversion: 13. Dezember 2011, 11:27
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb15/institute/inst-1-oeko-evo-div/AK-Schrenk/Forschung/mammals/index.html