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Musik Stadt Frankfurt Stationen aus der Frankfurter Musikgeschichte
Im Wintersemester 2011/2012 findet die Hauptreihe der Bürger-Universität als Kooperation des Instituts für Musikwissenschaft und der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst statt. In 16 Vorträgen beschäftigen sich Wissenschaftler beider Institutionen sowie Gäste mit der reichhaltigen Musikgeschichte und der aktuellen Musikkultur der Mainmetropole.
Nach einer aktuellen Bestandsaufnahme und einem Blick auf die Zukunftsperspektiven für die Musikstadt Frankfurt werden in einem chronologischen Durchgang vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart ausgewählte, mit Frankfurt verbundene Musikerpersönlichkeiten und bedeutende musikhistorische Entwicklungen vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der musikalischen Bürgerkultur Frankfurts, deren Entwicklung eng mit Namen wie Clara Schumann, Ferdinand Hillers und Felix Mendelssohn-Bartholdys sowie der Geschichte der Frankfurter Museums- Gesellschaft verbunden ist. Entwicklungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnen Beiträge zur Frankfurter Orchestrion- und Piano-Instrumenten-Fabrik Philipps, über den Musikpädagogen Bernhard Sekles oder den Komponisten Paul Hindemith nach. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die aktuellen Entwicklungen: Unter anderem werden freie Musik-Initiativen, das Response-Projekt für hessische Schüler und ein globales Städte-Projekt des Ensemble Modern präsentiert.
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| Terminübersicht 2011/12 |
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18. Oktober 2011 | 19.30 Uhr
Gegenwart und Zukunft der Musikstadt Frankfurt Überblick über die Situation
Die Charakterisierung der „Musikstadt Frankfurt“ kann nicht von der Würdigung ihres kunstsinnigen Bürgertums getrennt werden. Die Förderung der Künste gehörte schon früh zu den Herzensangelegenheiten der prosperierenden freien Reichsstadt. Julia Spinola entwirft in ihrem Vortrag eine kleine Geschichte der zentralen Musikinstitutionen der Stadt, also etwa der Alten Oper (Foto) oder der Museums-Gesellschaft. Sie zeigt dabei einerseits, dass diese stets die Frucht bürgerschaftlicher Initiativen darstellten, aber auch, wie dieser lebendige Kultursinn etwa in den Fördervereinen bis heute fortlebt.
Da Frankfurt seit dem 19. Jahrhundert auch ein Zentrum der jüdischen Intellektualität darstellt, widmet Spinola dieser Seite des kulturellen Lebens der Metropole ein eigenes Kapitel. Insbesondere würdigt sie dabei auch eine spezifi sche Form des kulturellen Widerstands, den das jüdische Bürgertum der Stadt gegen die nationalsozialistische Herrschaft übte. Am Ende steht die kritische Diagnose der heutigen Situation.
Die Referentin: Julia Spinola ist verantwortliche Musikredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 2005 erschien im Henschel-Verlag ihr Buch Die großen Dirigenten unserer Zeit.
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25. Oktober 2011 | 19.30 Uhr
Notendrucker und "ihre" Komponistin im Frankfurt des 16. Jahrhunderts
Im 16. Jahrhundert war der Notendruck eine noch relativ junge Technik. Nachdem Johannes Gutenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand, dauerte es noch rund 50 Jahre, bis Ottavio Petrucci 1501 in Venedig die erste Notenausgabe, ebenfalls mit beweglichen „Lettern“ druckte. Der erste Drucker auf deutschem Boden, der auch mit einzelnen (Noten-) Typen arbeitete, war ab 1532 Christian Egenolff in Frankfurt am Main. Durch seine mehrmals jährlich stattfindenden Messen war Frankfurt zu dieser Zeit ein bedeutender Umschlagplatz nicht zuletzt auch von Druckerzeugnissen.
Besonders in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich ein lebhaftes Druck- und Verlagswesen. Eines der ersten im so genannten Volltypendruck gefertigten Werke war das Gassenhauerlin, ein in vier Stimmbüchern vorliegender Notendruck mit 39 deutschen Liedern. Aber auch die Reformation hinterließ ihre Spuren in Frankfurt, unter anderem in Form einiger ganz hervorragend gedruckter lutherischer Gesangbuchausgaben. .
Die Referentin: Britta Schulmeyer (Foto) erforscht am Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität die Musik der Renaissance und des Mittelalters. Darüber hinaus leitet sie seit über 15 Jahren Instrumentenbaukurse
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01. November 2011 | 19.30 Uhr
Georg Philipp Telemann Wirken und Nachwirkung im Frankfurter Musikleben
Zehn Jahre lang, von 1712 bis 1721, wirkte Georg Philipp Telemann als Kapellmeister und Städtischer Musikdirektor in Frankfurt. Hier legte er die Fundamente seines Ruhmes als Komponist und schuf die Basis des öffentlichen Musiklebens der Stadt. Als er 1721 nach Hamburg ging, um das Amt des Cantor Johannei und Director Musices der Stadt zu übernehmen, war er in der Einschätzung seiner Zeitgenossen zur führenden Komponisten-Persönlichkeit Deutschlands geworden.
Das hohe Ansehen Telemannns beruhte aber nicht nur auf seiner Musik, sondern auch auf seiner Weltoffenheit und charismatischen Fähigkeit, Menschen für Musik zu gewinnen. So reorganisierte er das Collegium musicum, und seine regelmäßigen großen Konzerte im Haus Frauenstein wurden zum Grundstein des Frankfurter Konzertlebens.
Der Referent: Peter Cahn (Foto) lehrte von 1962 bis 1982 am Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität sowie von 1982 bis 1996 als Professor für Musiktheorie und Musikgeschichte an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
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08. November 2011 | 19.30 Uhr
Ferdinand Hiller und seine Stadt Vorbermerkungen zu einer Frankfurter Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts
Frankfurt ist nicht Wien, nicht Paris, nicht Neapel… Folgerichtig, so scheint es, taucht Frankfurt auch in kaum einem Handbuch zur Musikgeschichte auf. Ähnlich ergeht es Ferdinand Hiller, geboren 1811 eben in Frankfurt als Sohn eines jüdischen Kaufmanns, gestorben 1885 in Köln als Städtischer Kapellmeister. Die Musik-Geschichtsschreibung kennt ihn allemal als Freund und Vertrauten Mendelssohns, als produktiven und gut vernetzten Musikschriftsteller, als „Musikvermittler“ – so der Untertitel eines unlängst in Frankfurt und Köln stattgefundenen Kongresses zu Hiller.
Die musikgeschichtliche Bedeutung Ferdinand Hillers und seiner Heimatstadt Frankfurt am Main liegt offenbar nicht in Werken überdauernder Größe – aber worin liegt sie dann? Ist Frankfurt im 19. Jahrhundert eine Stadt ohne Musik? Ist Frankfurt, immerhin die Stadt der Kaiserkrönungen, die Stadt des Deutschen Bundes, die Stadt der Paulskirche, bestenfalls musikalische Peripherie einer von Mozart, oder Beethoven geprägten deutschen „Kulturnation“?
Der Referent: Ralf-Olivier Schwarz (Foto) unterrichtet Historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.
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15. November 2011 | 19.30 Uhr
Die Frankfurter Museums-Gesellschaft Eine musikalische Bürgerkultur
1808 wurde in Frankfurt am Main das „Museum“ ins Leben gerufen, eine bürgerliche Akademie, in der man durch Verbindung von Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaften in regelmäßigen, von den Mitgliedern gestalteten Sitzungen die „Cultur der Menschheit“ befördern wollte. Für die musikalischen Beiträge der Sitzungen wurden die Musiker des Frankfurter Opernhauses (Foto) engagiert, woraus sich schon bald ein regelrechter Konzertbetrieb entwickelte. 1851 umbenannt in Frankfurter Museums-Gesellschaft, wurde das „Museum“ zum prägenden Musikveranstalter der Stadt. Bis heute ununterbrochen organisiert die Gesellschaft die Konzerte des Opernorchesters sowie weitere Konzertreihen.
Der Vortrag zeichnet die Geschichte der Gesellschaft nach, setzt die musikalische Bürgerkultur Frankfurts in Bezug zu den Musiktraditionen von Städten wie Leipzig, Zürich oder Wien und geht den Einfl üssen nach, denen das Frankfurter Musikleben im 19. Jahrhundert unterlag. Zu diesen gehörte das Aufkommen des Virtuosentums ebenso wie die Kanonisierung eines Werkrepertoires.
Die Referenten: Christian Thorau ist Professor für Musikwissenschaft an Universität Potsdam und forscht zu Fragen der bürgerlichen Musikrezeption und der Veränderung des Musikhörens. Andreas Odenkirchen leitet die Bibliothek der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und ist stellvertretender Vorsitzender der Museums-Gesellschaft.
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22. November 2011 | 19.30 Uhr
"Wie lieblich da der Gesang klang" Felix Mendelssohn Bartholdy in Frankfurt
Felix Mendelssohn Bartholdys Beziehung zu Frankfurt am Main ist eine besondere. Mögen seine Hauptwirkungsstätte auch Berlin und Leipzig gewesen sein – nach seiner Heirat in Frankfurt zog es ihn vor allem in den Sommermonaten immer wieder zurück in die Stadt am Main. Doch welche Kompositionen schrieb Mendelssohn in und für Frankfurt, welche musikalischen Funktionen hatte er inne, wie waren seine Beziehungen und Meinungen zu Frankfurter Komponisten und Musikinstitutionen? Und letztlich: Wie erlebte Mendelssohn seine Zeit in Frankfurt?
Diesen und anderen Fragen geht der Vortrag von Rainer Heyink nach und rückt dabei Mendelssohns umfangreichen Briefwechsel ins Zentrum. Denn diesem sind nicht nur rein biographische Details zu entnehmen, sondern auch lebhafte Schilderungen seiner Frankfurter Aufenthalte. Besonders anschaulich geriet dabei die Beschreibung eines Familienfestes im Frankfurter Stadtwald, das ihm zu Ehren gefeiert wurde und auf dem Lieder Mendelssohns zur Aufführung gelangten: „Wie lieblich da der Gesang klang.“
Der Referent: Rainer Heyink (Foto) ist Privatdozent an der Universität Halle-Wittenberg und lehrt Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.
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29. November 2011 | 19.30 Uhr
Die "eiserne Meisterin" Clara Schuhmanns Frankfurter Jahre
Das 1878 gegründete Hoch’sche Konservatorium ist eine bürgerliche Stiftung und damit typisch für Frankfurt. Als erste Klavierpädagogin wurde Clara Schumann an dieses Haus berufen, die Gattin des 1856 verstorbenen Komponisten Robert Schumann. Damit hatte das jahrzehntelange Reisedasein der gefeierten Virtuosin ein Ende. Ihre Wohnung in der Myliusstraße 32 wurde für fast zwei Jahrzehnte zum Mittelpunkt eines fruchtbaren musikalischen Austauschs zwischen der großen, in ihrer Strenge ebenso gefürchteten wie geliebten „eisernen Meisterin“ und ihren zahlreichen Schülern, von denen viele internationale Bedeutung erlangen.
Darüber hinaus spielte Clara Schumann eine bedeutende Rolle im Musikleben der Stadt: Die Frankfurter feierten sie zu ihrem 50. und 60. Bühnenjubiläum und erfreuten sich an ihren wunderbaren Konzerten. Ihre im damaligen Verständnis durchaus „konservative“ Musikanschauung hatte sogar Einfluss auf die Programmgestaltung des „Museums“: Frankfurt wurde eine Hochburg der Brahms-Verehrung. 1896 beschloss Clara Schumann ihr Leben in der Mainetropole. Ihre Schüler trugen das Ideal des Schumannschen Klavierstils in die Welt und gaben ihn an die nächste Generation weiter.
Die Referentin: Ulrike Kienzle (Foto) ist Privatdozentin für Musikwissenschaft an der Goethe-Universität und arbeitet freiberufl ich als Autorin, Publizistin und Kuratorin von musik- und kulturgeschichtlichen Ausstellungen.
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06. Dezember 2011 | 19.30 Uhr
Jazz und anderes Populäre Musik in Frankfurt
Frankfurt galt in den 1950er Jahren als „Jazzhauptstadt der Republik“, in den 1990er Jahren als Zentrum elektronischer Tanzmusik (Techno). Zentrale Orte wie der Jazzkeller und das Dorian Gray zogen Musiker und Publikum aus der ganzen Welt an. Umgekehrt trugen Frankfurter Musiker wie der Jazz-Posaunist und Komponist Albert Mangelsdorff oder der DJ, Label-Gründer und Club-Besitzer Sven Väth ihre musikalischen Botschaften in die Welt hinaus und fanden damit international Anerkennung. Der Beitrag von Kai Lothwesen bietet Streifzüge durch Populäre Musikwelten im musikalischen Leben der Stadt Frankfurt am Main und beleuchtet Stationen, Strukturen und Stellenwerte von Jazz, Pop und Rock an ausgewählten Beispielen.
Der Referent: Kai Lothwesen lehrt Systematische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Seine Forschungsschwerpunkte sind psychologische Aspekte musikalischer Improvisation und Kreativität, musikalische Jugendkulturen sowie Musikkulturen der Gegenwart.
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13. Dezember 2011 | 19.30 Uhr
Response. Neue Musik in hessische Schulen Ein Erfahrungsübersicht
Nicht erst seit den niederschmetternden Ergebnissen der PISA-Studie wird vom deutschen Schulunterricht mehr selbstentdeckendes Lernen gefordert. Für das Fach Musik kann an Hessens Schulen das Projekt Response diese Forderungen erfüllen und wichtige Eigenschaften für erfolgreiches Lernen entwickeln und festigen. Bereits seit 1990 ermöglicht Response Kindern und Jugendlichen aller Klassenstufen und Schulformen Begegnungen mit zeitgenössischer Musik. Auf neue Hörerlebnisse durch ungewöhnliche „neue“ Musik antworten die Klassen und Kurse mit eigenen Improvisationen und Kompositionen. Dabei arbeiten Komponisten, Interpreten und Lehrer im Team mit den Schulgruppen zusammen und führen die Kinder und Jugendlichen spielerisch durch Experimente und Übungen an musikalische Erfi ndungsaufgaben heran. So wird Ihnen Mut zur eigenen Kreativität gemacht: Denn mit Neugier und Motivation kann jeder musikalische Ideen entwickeln.
Der Referent: Gerhard Müller-Hornbach (Foto) ist Professor für Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Dort ist er unter anderem seit 2009 für das Response- Projekt verantwortlich. Zudem tritt er als Komponist und Dirigent in Erscheinung und hat die künstlerische Leitung des Mutare Ensembles inne.
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20. Dezember 2011 | 19.30 Uhr
Der Klang der Großstadt Die Entdeckung des Urbanen im Musiktheater
Wie in der Malerei und der Literatur wird das Erleben der urbanen Metropole auch im Musiktheater der Moderne thematisch. In Puccinis Il tabarro oder La Bohème wird diese Affi nität erstmals entdeckt. Aber erst in der folgenden Epoche wurde sie thematisch. Der Vortrag geht den Klangspuren des manchmal als neues Babylon, manchmal auch als Zukunftswerkstatt verstandenen Lebensraumes der Megapolis unserer Gegenwart nach. Die Autoren der „Neuen Sachlichkeit“, darunter Dos Passos, Döblin und Joyce, verwandten erstmals cinemaskopische Techniken wie Überblendung, Zeitlupe, Zeitraffer oder schnittlose Kamerafahrt, vor allem aber die Simultan- und Montagetechnik. Komponisten wie Hindemith, Weill, Schostakowitsch und Strawinsky bedienten sich der gleichen Verfahrensweisen. Hans Werner Henze perfektionierte sie nach dem Krieg; Peter Eötvös und Heiner Goebbels fanden ganz neue Ausdrucksformen für das Leben in der anonymen Großstadtwelt unserer unmittelbaren Gegenwart. Mit Beispielen aus Frankfurter Inszenierungen soll der Vortrag an Plastizität und Anschaulichkeit gewinnen.
Der Referent: Norbert Abels (Foto) wirkt als Professor für Musiktheatertheorie an der Folkwang-Hochschule Essen. Als Dramaturg arbeitete Abels an zahlreichen deutschen und europäischen Theatern, seit der Saison 1997/98 ist er Chefdramaturg der Oper Frankfurt.
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10. Januar 2012 | 19.30 Uhr
Bernhard Sekles und sein Wirken am Hoch´schen Konservatorium
Bernhard Sekles, 1872 in Frankfurt geboren und 1934 ebenda gestorben, war für die Musikbildung und -pflege in seiner Heimatstadt von herausragender Bedeutung. Allein seine Tätigkeit am Hoch’schen Konservatorium – zunächst als Lehrer für Musiktheorie und Komposition, später als dessen Direktor – umfasste 37 Jahre. Als Kompositionslehrer genoss Sekles weit über Frankfurt hinaus hohes Ansehen, so dass zu seinen Schülern Künstlerpersönlichkeiten wie Hans Rosbaud, Paul Hindemith oder Ottmar Gerster zählten. Sein eigenes kompositorisches Schaffen schließt Kammermusik, Bühnen- und Orchesterwerke ein. Zahlreiche Kompositionen erschienen im Druck. Stilistisch reichen sie von der teils impressionistischen, teils spätromantischen Koloristik des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis hin zum Spiel mit Exotismen und Mitteln der neuen Sachlichkeit und spiegeln somit die wesentlichen musikgeschichtlichen Strömungen der Zeit wider. Beachtenswert ist auch, dass Sekles trotz einiger Widerstände im Jahr 1928 die Gründung der ersten Jazz-Klasse am Hoch’schen Konservatorium durchsetzte. In Folge der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kam seine Laufbahn jedoch zu einem jähen Ende.
Die Referentin: Daniela Philippi (Foto) hat seit 2011 die erste Akademieprofessur der Goethe-Universität inne; diese beruht auf einer Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Inhaltlich widmet sich Philippi vor allem der Gluck-Forschung und der Musikgeschichte des 18. bis 21. Jahrhunderts.
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17. Januar 2012 | 19.30 Uhr
Klingende Industriegeschichte Die Frankfurter Orchestrion- & Piano-Instrumenten-Fabrik J. D. Philipps
Selbstspielende Musikinstrumente gehören zu den faszinierendsten Entwicklungen der Musikgeschichte. In Frankfurt- Bockenheim wurde 1877 von Daniel Philipps die Orchestrion- Fabrik Philipps & Ketterer gegründet. Walzenbetriebene Musikschränke, kunsthandwerklich gefertigt, mit Lichtaufsatz und aufwendigem Instrumentarium versehen, zählten zu den ersten Fabrikaten. Sie sorgten für Konzertund Tanzmusik in Salons, Gasthäusern und später auch in Kinos. 1909 kam das Reproduktionsklavier Duca auf den Markt. Es zählt zu den hochwertigen Selbstspielklavieren, die es ermöglichen, das Klavierspiel eines Pianisten mittels Lochstreifen aufzuzeichnen und nahezu authentisch wiederzugeben – und dies lange bevor der Klavierton in befriedigender Weise auf Grammophonplatten konserviert werden konnte.
Die Firma Philipps produzierte bis 1929 elektrische Klaviere und Kunstspielapparate in den Werken Bockenheim und Rödelheim, zuletzt unter dem Firmennamen Pianella Musikwerke AG. Neben Welte und Hupfeld zählt sie zu den drei namhaften deutschen Firmen, die zwischen 1900 und 1925 eine Erfolgsgeschichte der mechanischen Reproduktion von Klaviermusik geschrieben haben. Die
Die Referentin: Kerstin Helfricht (Foto) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität. Dort forscht sie unter anderem über mechanische Musikinstrumente sowie Klavierspiel und Klavierbau im 19. und 20. Jahrhundert.
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24. Januar 2012 | 19.30 Uhr
"... doch immer vergeß ich dich, so fern ich wandre, schöner Main!" Paul Hindemith in Frankfurt
Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Moderne und reüssierte zugleich als Bratschist und Konzertmeister der Frankfurter Oper. Noch bis heute spielt Paul Hindemith, der 1895 in einer Hanauer Arbeiterfamilie geboren wurde, mit zahlreichen Kompositionen eine wichtige Rolle in Musiktheater und Konzertleben. Hervorzuheben sind etwa seine Opern Cardillac (nach E. T. A. Hoffmann) und Mathis der Maler (über das Schicksal Matthias Grünewalds).
Im Laufe seines wechselvollen Lebens hat Hindemith an keinem anderen Ort auch nur annähernd so lange gelebt wie in Frankfurt. Der Vortrag von Susanne Schaal-Gotthardt beschäftigt sich mit Hindemiths Verhältnis zu dieser Stadt, in der er seit seinem zehnten Lebensjahr lebte, in der er entscheidende Impulse für seine künstlerische Arbeit erhielt und der er ein Leben lang durch persönliche Freundschaften und familiäre Beziehungen verbunden blieb.
Die Referentin: Susanne Schaal-Gotthardt studierte Musikwissenschaft in Freiburg im Breisgau und wurde mit einer Arbeit über frühbarocke Operntheorie promoviert. Sie kam 1993 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin zum Hindemith Institut Frankfurt und ist seit 2011 dessen Direktorin.
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31. Januar 2012 | 19.30 Uhr
"Im Trüben der Selbstverständlichkeit" Adorno und die leichte Musik
Selbstredend ist bei Theodor W. Adorno (Foto) leichte Musik auch schlechte Musik. Dennoch hat er in seiner Einleitung in die Musiksoziologie der leichten Musik ein ganzes Kapitel gewidmet. Zunächst geht es ihm um die Klärung, wie „leichte“ Musik zu defi nieren sei. Deshalb charakterisiert Adorno die Operette, die Revue, den Schlager und auch die Jazzmusik anhand ihrer schlechten Eigenschaften: Während bis ins 19. Jahrhundert ein gewisser Unterhaltungsanspruch in der Musik noch mit Niveau vertreten worden sei, sei die leichte Musik des 20. Jahrhunderts untrennbar an den Begriff des Verfalls gekoppelt.
Nicht nur im Bereich der Popmusikforschung ist Adornos Position vielfach diskutiert worden. Gleichwohl lohnt es, seine gewichtige Position als historisch spezifi sche aufzuzeigen: Gemeinsam mit dem Komponisten Hanns Eisler machte sich Adorno bereits im amerikanischen Exil Gedanken über die üblen Eigenschaften der leichten (Film-) Musik und über die Auswirkungen ihrer massenhaften Produktionsweise. Im Rahmen des Vortrags soll Adornos Lesart der leichten Musik in Abgrenzung zu Eislers Position diskutiert werden.
Die Referentin: Dr. Friederike Wißmann (Foto) lehrt Historische Musikwissenschaft an der Goethe-Universität und ist Projektleiterin im Exzellenzcluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin. Sie arbeitete über Faust im Musiktheater des 20. Jahrhunderts, die Opern Georg Friedrich Händels und das Gesamtwerk Hanns Eislers.
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07. Februar 2012 | 19.30 Uhr
Globale Stadtmusik Das into-Projekt des Ensemble
En passant Klangkunst und Klangökologie im urbanen Raum
Sechs Komponisten haben jeweils einen Monat lang in vier Weltstädten gelebt und anschließend ihre Eindrücke kompositorisch verarbeitet. Im Rahmen von into – einem Projekt des in Frankfurt ansässigen Ensemble Modern und des Siemens Arts Program in Kooperation mit dem Goethe-Institut – sollten sie den Topos „Stadt“ neu befragen. In den zwischen 2008 und 2010 uraufgeführten Werken bieten die Komponisten (darunter Beat Furrer, Heiner Goebbels und Jörg Widmann) ein breites Spektrum musikalischer Topografien.
Die Begegnung von Musik und Stadt kann jedoch auch auf andere Weise stattfi nden – beispielsweise indem sie traditionelle Räume der Konzerterfahrung verlässt und in den öffentlichen Raum verlagert wird. Dabei wird zunehmend der Begriff der „Klangökologie“ diskutiert. Im zweiten Teil des Abends wird die Entwicklung dieser neuen Formen von Klangkunst skizziert. Darüber hinaus werden künstlerische Arbeiten vorgestellt, die sich auf den städtischen Raum Frankfurts beziehen.
Die Referentinnen: Julia Cloot (Foto) leitet das Institut für zeitgenössische Musik der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Institutionsgeschichte der Neuen Musik. Marion Saxer ist kommissarische Leiterin des Instituts für Musikwissenschaft der Goethe-Universität und beschäftigt unter anderem mit gattungsübergreifenden Kunst-Phänomenen.
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geändert am 12. Oktober 2011 E-Mail: Webmasterhuebner@pvw.uni-frankfurt.de
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Veranstaltungsort
IG-Hochhaus, Casino, Raum 1.801 (Renate von Metzer-Saal)
Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt
Hinweis: Die Veranstaltungen am 25.10./22.11./29.11. und 06.12. finden im IG-Hochhaus, Raum 411 statt.
Beginn der Veranstaltungen ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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