Navigationshilfe

 

Hauptnavigation

Seiteninhalt

Demokratische Initiative

Die "Demokratische Initiative" vertritt seit einigen Jahren die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Goethe-Universität im Senat. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat, immer am Donnerstag nach Senatssitzungen, um 20 Uhr im Eppstein Eck (Eppsteiner Straße 26). Gäste sind herzlich willkommen. Die kommenden Termine sind:

            Donnerstag, 26. Januar

            Donnerstag, 23. Februar

            Donnerstag, 22. März

 

Fünfzehn Thesen zur Partizipation

Anlässlich der konstituierenden Sitzung der Arbeitsgruppe „AG Goethe-Universität 2015". Von Michael Ott.

(1) Die Mitarbeit in den Gremien der universitären Selbstverwaltung ist insbesondere für MitarbeiterInnen und Studierende unattraktiv. Was die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen anbelangt, so sorgen vor allem befristete Verträge für eine kaum oder gar nicht vorhandene Identifikation mit der Hochschule und deren Selbstverwaltung. Wer sich nur kurze Zeit an der Universität aufhält und wem aus einem hochschulpolitischen Engagement nur Nachteile erwachsen, wird sich aus guten Gründen von der Hochschulpolitik fernhalten. Den Studierenden wiederum fehlt einerseits durch eng getaktete Studienpläne und Erwerbstätigkeit die Zeit und andererseits oftmals jegliches Interesse an einer aktiven Mitgestaltung der Hochschule. Diese gilt vielen als Dienstleistungsunternehmen, dessen Leistungen man in Anspruch nimmt. Die technisch-administrativen MitarbeiterInnen sind durch ihre spezifischen Aufgabengebiete eher an arbeitsrechtlichen und administrativen Fragen interessiert, für die die Gremien (jenseits des Personalrats) kaum verantwortlich sind.

(2) Die Gremien der universitären Selbstverwaltung können zunehmend weniger mitbestimmen, da die Organisationseinheiten, Leitungsorgane und politischen Institutionen miteinander verhandeln und Verträge abschließen, an denen die Gremien kaum beteiligt sind. Michael Breitbach, Kanzler der Justus-Liebig-Universität Gießen, schrieb dazu im Jahr 2009: »Durch die Reform der Landeshochschulgesetze sind die exekutiven Stäbe der Hochschule, Präsidium und Dekanate, nachhaltig in ihren Kompetenzen gestärkt worden. Die Hochschulgesetze haben mit der Einführung des Neuen Steuerungsmodells als einem neuen Führungskonzept für die Hochschulen die Ministerialstäbe, Präsidien und Dekanate in einer Linie mit der Aushandlung der wesentlichen hochschulpolitischen Agenden miteinander verbunden. Diese Säule steht neben dem tendenziell auf akademische Angelegenheiten reduzierten Gremienbetrieb, dem im Wesentlichen nur noch die auf das akademische Geschehen bezogenen operativen Befugnisse zukommen.«[1]

(3) Eine niedrige Wahlbeteiligung hängt mit den geringen Einflussmöglichkeiten der Gewählten zusammen. Erst wenn die VertreterInnen im Studierendenparlament, in den Direktorien, Fachbereichsräten und im Senat tiefgreifende Einflussmöglichkeiten erhalten, gibt es für die Mitglieder der Universität einen hinreichenden Grund, an der Wahlurne über die Vorstellungen und Ziele der Personen und Gruppen zu entscheiden. Politisierung setzt substantielle Partizipation voraus.

(4) Moderne Medien bieten die Möglichkeit, mehr Partizipation zu ermöglichen, die Identifikation der Hochschulangehörigen mit ihrer Universität zu erhöhen und die an einer Massenuniversität fragmentierte Öffentlichkeit zu stärken. Gerade eine Massenuniversität braucht spezifische Instrumente zur Herstellung einer funktionierenden universitären Öffentlichkeit. Die Universität muss ausloten, welche neuen Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten sich durch die modernen Medien ergeben. Zu suchen sind insbesondere Möglichkeiten der Information, der Rückkoppelung und der Kritik. Anders gesagt: Die Universität benötigt ein Kommunikationskonzept: »Für den Differenzierungsprozess im Zuge der Weiterentwicklung der Entwicklungsplanung ist es zweckmäßig, ein Kommunikationskonzept zu entwickeln, das die vom Präsidium vorgeschlagene strategische Entwicklung der Universität breit diskutiert. Es sollten die möglichen Zielgruppen innerhalb der Hochschule für die notwendige Kommunikation identifiziert und die Einschätzung ihrer Betroffenheit vorgenommen werden. Damit könnte das Bild geklärt werden, wer als Promotor oder als Opponent und wer zu der Gruppe der Unentschlossenen gehört. Sodann müssten die Kommunikationskanäle bestimmt werden, mit denen die Arten der Kommunikation gestaltet werden sollen, welche Inhalte und Zeitfenster berücksichtigt werden müssen.«[2]

(5) Ebenso wichtig wie Entscheidungen sind die Begründungen, die zu diesen Entscheidungen führten. Eine Universität mit einer breiten und niedrigschwelligen Partizipation muss es der universitären Öffentllichkeit ermöglichen, Begründungen und Entscheidungswege nachzuvollziehen. Aus diesem Grund sind Statistiken leicht zugänglich zu machen sowie Dokumente und Protokolle der verschiedenen Gremien und Organisationseinheiten zu veröffentlichen. Nötig sind deshalb auch neue Formen der Organisation von Information und Wissen.

(6) Alternativen zur »Gremienuniversität« stärken die Partizipation, dürfen aber nicht der Willkür der Leitungsgremien unterliegen. So bieten etwa die vielgelobten Bologna-Werkstätten ein nicht vorgesehenes, recht erfolgreiches und überdies sehr erfolgsversprechendes Partizipationsmodell, das durch die enge Anbindung an das Präsidium zwar an administrativer Unterstützung gewinnt, jedoch auch in eine starke Abhängigkeit gerät. Zudem bergen die Bologna-Werkstätten angesichts der übrigen Gremien Legitimationsdefizite. Auch die QSL-Kommissionen gehören zu diesen neuartigen und nur mangelhaft institutionalisierten Foren der Partizipation. 

(7) Repräsentative Partizipation in Gremien setzt voraus, dass es eine repräsentierte Gruppe gibt. Die zunehmende Differenzierung innerhalb der Universität sorgt für eine mangelnde Repräsentativität der Gremien. Die Aufteilung in vier klar geschiedene Statusgruppen entspricht immer weniger der Realität an den Hochschulen. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sind Versuche zu unternehmen, die Heterogenität der Universität in den Foren der Partizipation zu berücksichtigen. Was etwa die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen anbelangt, so vereint diese Statusgruppe »Habilitanden, Assistenten in berufsqualifizierenden Ausbildungen sowie dauerbeschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiter, zu denen auch Privatdozenten und außerplanmäßige Professoren gehören können. Von einer gemeinsamen Basis als Mitglieder kann man daher nicht sprechen, eher von einer Restgröße, definiert durch die Nichtstellung als Professor. […] Jede Hochschule sollte ein ihrem Fächerspektrum, ihrer Größe und ihrer Personalstruktur angepaßtes Besteiligungsmodell entwickeln können. Für eine bundesweite gesetzliche Feststellung einer homogenen Gruppengliederung für alle Hochschulen gibt es keinen zwingenden Grund, und die in 25 Jahren erzielten Ergebnisse dieser Regelung sind nicht überzeugend.«[3]

(8) Eine »Universitätskultur« im Sinne einer »corporate identity« setzt voraus, dass sich möglichst viele Mitglieder der Universität mit der Universität und deren Zielen identifizieren. Dies wiederum setzt einerseits voraus, dass klare Ziele formuliert und kommuniziert werden; andererseits müssen alle Mitglieder der Universität an der Formulierung und Hierarchisierung der Ziele beteiligt werden.

(9) Ein professioneller Umgang mit Beschwerden und Kritik setzt ein Beschwerdemanagement voraus. Es muss klare Wege für Anregungen und Hinweise geben, klare Verantwortlichkeiten und dialogorientierte Verfahren. Alle Mitglieder der Universität müssen die Möglichkeit erhalten Beschwerden einzureichen, die in einem transparenten Verfahren bearbeitet werden.

(10) Die Universität selbst muss sich als Akteur innerhalb hochschulpolitischer Diskussionen und Verhandlungen auf Landesebene verstehen. Das bedeutet, dass insbesondere Präsidium und Senat an der Hochschulpolitik des Landes partizipieren. Da dies nicht einfach nur durch regelmäßige Appelle geschehen kann, müssen Präsidium, Senat und die gesamte Administration ein politisches Profil und Formen politischer Kommunikation entwickeln, die es der Universität ermöglichen, als landespolitischer Akteur wahrgenommen zu werden.

(11) Studierende sollen sich intensiv an der Lehre beteiligen; damit sind nicht einfach nur Tutorien gemeint, sondern eine Hochschulkultur, die den Studierenden Raum gibt, Einfluss auf die Themen und Wissenbestände zu nehmen, die innerhalb einzelner Disziplinen an der jeweiligen Universität verhandelt werden. Im Gegensatz zur traditionellen Lehrer-Schüler-Rolle sollten sich Lehrende und Lernende als Teil einer gemeinsamen Interessenssphäre verstehen. Dies erstreckt sich etwa auch auf die allgegenwärtigen Evaluationen: »Mit den neuen Handlungsfeldern haben auch viele neue Steuerungsinstrumente an den Hochschulen Einzug gehalten. Hierbei sucht man neue Formen der Beteiligung von Beschäftigten und Studierenden allerdings meist vergebens, viele Chancen einer partizipativen Ausgestaltung wurden bislang verspielt. So wurde die Evaluation der Lehre nicht zu einer umfassenden Beteiligung der Studierenden genutzt, sondern verkümmerte vielerorts zum Ausfüllen von Fragebögen über die Lesbarkeit von Tafelbildern und Ähnlichem, während gleichzeitig die Mitbestimmung über den Studienplan in den Gremien abgebaut wurde.«[4]

(12) Das Hessische Hochschulgesetzt versteht die Mitarbeit in der akademischen Selbstverwaltung als Pflicht;[5] die Universität muss Mittel und Wege erkunden, diese Verpflichtung ernstzunehmen und umzusetzen.

(13) Die Studierenden und wissenschaftlich Beschäftigten der Universität müssen die Möglichkeit erhalten, an der Universität zu leben, d.h., es muss ihnen ermöglicht werden, dort einen großen Teil ihrer Zeit zu verbringen. Die Universität sollte Lebensmittelpunkt sein (können). Dies hat Auswirkungen auf Architektur, Öffnungszeiten und auf die Leistungen und Angebote des Studentenwerks.

(14) Eine partizipative Universitätskultur setzt voraus, dass alle, die an der Universität leben und arbeiten, als Mitglied der Universität gelten. Dies bedeutet, dass Lehrbeauftragte, Stipendiaten sowie MitarbeiterInnen externer Einrichtungen, die mit der Universität kooperieren, als Mitglieder der Universität zu gelten haben. Ihnen sind die entsprechenden Rechte und die infrastrukturelle Unterstützung zu gewähren, die allen Mitgliedern der Universität zukommen.

(15) Um eine wechselseitige Kooperation von Stadt und Universität zu erreichen, ist zu klären, was die Stadt von der Universität erwartet. Aus diesem Grund sind Formen der wechselseitigen Kommunikation und Partizipation zu suchen, die eine effektive Vernetzung von Stadt und Universität ermöglichen.

-----------------------------------------------------

[1] http://www.academics.de/wissenschaft/partizipation_in_hochschulen_eine_neue_herausforderung_der_juengeren_hochschulreform_36183.html

[2] http://www.academics.de/wissenschaft/partizipation_in_hochschulen_eine_neue_herausforderung_der_juengeren_hochschulreform_36183.html

[3] Hans Brinckmann: Die neue Freiheit der Universität. Operative Autonomie für Lehre und Forschung an Hochschulen. (Modernisierung des öffentlichen Sektors 10) Berlin 1998, S. 73.

[4] Andreas Keller/Sonja Staack: Einleitung. In: Andreas Keller/Sonja Staack (Hrsg.): Innovation durch Partizipation. Steuerung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen im 21. Jahrhundert. (Materialien aus Hochschule und Forschung 115) Bielefeld 2009, S. 11-16, hier S. 13.

[5] § 33 (1): »Die Mitglieder haben das Recht und die Pflicht, nach Maßgabe dieses Gesetzes und der Grundordnung an der Selbstverwaltung mitzuwirken.«

 

Liste

Bei der vergangenen Senatswahl sind wir mit der folgenden Liste angetreten und sitzen ab April mit einem Vertreter im Senat:

        (1a) Michael Ott, FB 10

        (1b) Dietmar Frenz, FB 10

        (2a) Matthias Martens, FB 04

        (2b) Gabriele Rohowski, FB 10

        (3a) Martin Schuhmann, FB 10

        (3b) Karin Gottschalk, FB 08

        (4a) Frank Estelmann, FB 10

        (4b) Antje Grigereit, FB 05

        (5a) Silke Schwandt, FB 08

        (5b) Martin Saar, FB 03

        (6a) Bernd Dolle-Weinkauff, FB 10

 

Wahlprogramm zur Senatswahl 2011

In Zeiten von Exzellenzinitiativen, Bolognaprozess, Budgetkürzungen, steigenden Studierendenzahlen und einer zunehmenden Entkopplung von Forschung und Lehre wird der Mittelbau heterogener und gerät von allen Seiten immer mehr unter Druck. Deshalb ist es für den Mittelbau wichtig, sich Gehör zu verschaffen und die Mitbestimmungsrechte des Senats zu nutzen. Die Demokratische Initiative setzt sich seit Jahren im Senat für den Mittelbau ein, begleitete kritisch und konstruktiv den Umbau zur Stiftungsuniversität, die Umsetzung und Ausgestaltung der neuen Studiengänge und den Umgang mit Studienbeiträgen und QSL-Mitteln. Wir fordern ein umfassendes Zukunftskonzept für die Beschäftigten im wissenschaftlichen Mittelbau, um langfristige Perspektiven zu eröffnen und um Forschung und Lehre – insbesondere auch im Bereich der LehrerInnenausbildung – dauerhaft zu stärken. Es gibt viel zu tun:

  • KollegInnen, die aus QSL-Mitteln bezahlt werden, haben zum Teil Verträge mit sehr kurzen Laufzeiten, extrem hoher Lehrverpflichtung und schlechten Arbeitsbedingungen. Dieser Stellentyp ist eine Fehlkonstruktion und sollte mittelfristig aufgegeben werden.
  • Der Abbau regulärer MitarbeiterInnenstellen zugunsten von Stipendien und Drittmittelstellen führt zu einer Entkoppelung von Forschung und Lehre. Benötigt werden Konzepte, um einer Spaltung des Mittelbaus entgegenzuwirken und um ein hohes Niveau in Forschung und Lehre sicherzustellen.
  • In den neuen Studiengängen nehmen die verwaltenden Tätigkeiten enorm zu. Um dies zu bewältigen, braucht die Universität nicht nur eine effektive und moderne Verwaltung, sondern auch und vor allem einen breiten wissenschaftlichen Mittelbau.
  • Die steigende Arbeitsbelastung lässt den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen kaum Freiräume, sich in der universitären Selbstverwaltung zu engagieren und die Zukunft der Universität mitzugestalten. Engagement für die Universität muss belohnt werden (beispielsweise durch Vertragsverlängerungen).
  • Hervorragende Lehre fällt nicht vom Himmel. Umfassende hochschuldidaktische Angebote auf allen Qualifikationsstufen sind ebenso notwendig wie Programme, die gute und innovative  Lehre belohnen (zum Beispiel mit Freisemestern). Deshalb wenden wir uns gegen eine Hochschulkultur, die Engagement in der Lehre bestraft.
  • Gute Lehre ist ein gemeinsames Projekt, an dem sich alle beteiligen müssen. Aus diesem Grund sollten ProfessorInnen auf allen Stufen der akademischen Ausbildung lehren.

Die Demokratische Initiative

  • stellt sich erneut zur Wahl, um kritisch, konstruktiv und demokratisch für den wissenschaftlichen Mittelbau zu arbeiten;
  • setzt sich aus Mitgliedern verschiedener Fachbereiche zusammen und tritt entschieden für die Berücksichtigung aller Fächerkulturen ein;
  • tritt ein für Gleichberechtigung und eine lebenswerte und familiengerechte Hochschule;
  • engagiert sich bei allen rechtlichen Veränderungen, die den Mittelbau betreffen, und steht den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen beratend zur Seite.

 

 

 

 

 

geändert am 18. Januar 2012  E-Mail: Webmasterpresse@uni-frankfurt.de

|

| Zur Navigationshilfe
empty

Seitenabschlussleiste


Druckversion: 18. Januar 2012, 11:44
http://www.uni-frankfurt.de/org/ltg/grem/gruppen/demoinit/index.html