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Die UNIVERSITAS setzt sich ein für:

 • eine in Forschung und Lehre leistungsstarke Universität, die auch in finanziell schwierigen Zeiten ihre Entwicklungsziele autonom definiert, ihre Unabhängigkeit wahrt und durch den Status als Stiftungsuniversität neugewonnene Spielräume eigenständig nutzt;

 • weitgehende Autonomie für die gesamte Universität und daher eine Stärkung der dezentralen Ebenen/ Einheiten in der Universität;

 • einen starken Senat, der die Universität gemeinsam mit dem Präsidium führt und gestaltet und das Präsidium wirksam kontrolliert;

 •  die Erhaltung eines breiten Fächerspektrums und die dafür notwendige Anerkennung unterschiedlicher Formen der Forschungsorganisation und Fächerkulturen;

 • Transparenz der Entscheidungsprozesse in der Universität und eine verbesserte Kommunikation zwischen der Zentrale, den Fachbereichen, Instituten und Forschungsverbünden.

 

A. Problemkreise und Fragen

Unverändert ringen die Universitäten insgesamt und ringt auch die Goethe-Universität um Richtung und Profil. Es geht um Forschung vs. Lehre, Grundversorgung vs. Drittelmittelabhängigkeit, Exzellenzcluster vs. Einzelforschung, große vs. kleine Fächer. Und es geht auch um Führung der Universität und in der Universität und die Dominanz des Wirtschaftlichkeitsdenkens. All diese grundsätzlichen strukturellen Problemkreise gewinnen zusätzliche Dringlichkeit durch zwei Entwicklungen.

I. Sparzumutungen des Landes

Die Goethe-Universität und andere Hochschulen des Landes Hessen sehen sich seit kurzem mit unerwarteten und unangekündigten Sparzumutungen konfrontiert. Das Land hat wichtige Stellschrauben der Hochschulfinanzierung („Clusterpreise“, „Studierendenzahlen“) verändert. Das hat zu einschneidenden Minderzuweisungen an die Goethe-Universität geführt. Wie die Goethe-Universität diese Einschnitte umsetzt, ist eines der drängendsten Probleme. Die Anstrengungen des Präsidiums sind anerkennenswert. Das Modell der Verteilung der Sparlasten und das dabei eingeschlagene Verfahren lösen allerdings erhebliche Bedenken aus

II. Steigende Studierendenzahlen

Weitere Probleme kommen auf die Goethe-Universität dadurch zu, dass in den nächsten Jahren mit erheblich steigenden Zahlen von Studienanfängern zu rechnen ist. Auch hier stellt sich die Frage der (Re-) Aktionen der Universität und ihrer Leitungsorgane. Die Wahr­neh­mung des Problems als „Wettbewerbsproblem“ birgt die Gefahr, dass in den nächsten Jahren Über­lasten und Unter­finan­zie­rung nicht nur bestehen bleiben, sondern ver­­schärft werden. Richtigerweise muss die Frage als „Qualitätsproblem“ wahrgenommen und (politisch) behandelt werden. Kurzfristig zu erwartende Über­lasten müssen durch befristete Finan­zie­rungsmehrleistungen ausgeglichen werden, der danach lang­fristig zu erwartende Rückgang der Studierenden­zahlen muss als Chance begriffen werden, Über­lasten und Unterfinanzierung abzubauen.

 

B. Weichenstellungen und Antworten

Die unveränderten strukturellen Herausforderungen für die Universität, die aktuellen Zu­mutungen durch die Landes­regierung und die Fragen, die auf die Universität als Konsequenz kurzfristig steigender Stu­dierendenzahlen zukommen, können nur konstruktiv beantwortet werden, wenn sich die Universität wieder stärker auf die Prinzipien besinnt, die von der UNIVERSITAS seit ihrer Gründung mit Nachdruck vertreten werden.

I. Für eine Stärkung der Fachbereiche und Fächer

Die UNIVERSITAS setzt sich für eine möglichst große Autonomie der Fachbereiche und Fächer gegenüber der Universitätsleitung ein. Die dezentralen Einheiten in der Hochschule müssen in die Lage versetzt werden, sich effizient und den Fächerkulturen entsprechend selbst zu verwalten. Entscheidungskompetenzen sollten dort konzentriert sein, wo der meiste Sachverstand ist. Dies gilt auch für Evaluationen: Die Vertreter der UNIVERSITAS im Senat werden sich entschieden dafür einsetzen, dass bei den Evaluationen von Fächern, Institutionen und Professor(inn)en die Kriterien aus den Disziplinen und Fächerkulturen heraus entwickelt und nicht zentralistisch und technokratisch vorgegeben werden.

II. Der Senat als Garant der Selbstbestimmung

Die Grundordnung der Universität hat die Kompetenzen des Senats über den gesetzlichen Rahmen hinaus ausgeweitet (Beschluss über den Haushalt, Präsidentenwahl) und dafür gesorgt, dass das Präsidium in allen wichtigen Fragen den Senat konsultiert und nicht gegen sein Votum handelt. Auch dies haben die Vertreter der UNIVERSITAS mit erstritten. Sie werden sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass der Senat seine Kompetenzen voll ausschöpft und die Hochschulleitung wirk­sam kontrolliert, und dass alle wesentlichen Entscheidungen über Forschung, Lehre und Universi­täts­struk­tur im gleichberechtigten Zusammenwirken von Präsidium und einem mit den dezentralen Ebenen rückgekoppelten Senat getroffen werden.

III. Für eine kooperative universitäre Führungskultur

Die Universität ist kein Unternehmen. Aber sie ist eine komplexe Großorganisation, die auch geführt werden muss. Führung muss hier allerdings berücksichtigen, dass in der Universität vor allem intrinsisch motivierte Menschen mit verbrieften Freiheitsrechten arbeiten, die mit Recht erwarten, dass man sie einbezieht, informiert und durch Argumente überzeugt. Dies erfordert hohe Transparenz und intensive Kommunikation. Die Vertreter der UNIVERSITAS im Senat werden auch in Zukunft eine solche Führungskultur einfordern.

IV. Die Chancen der Stiftungsuniversität nutzen, ihre Risiken vermeiden

Die Goethe-Universität verfügt als Stiftungsuniversität seit drei Jahren über ein hohes Maß an Autonomie. Diese muss gewahrt und inhaltlich weiter aus­­gefüllt werden. Die UNIVERSITAS steht ein für eine Stiftungs­uni­ver­sität, die die Bedingungen für Forschung und Lehre in allen Fach­bereichen entscheidend verbessert und einen nachhaltigen Gewinn an Selbst­bestim­mung und Ressourcen bringt, ohne bisher staatlich garan­tier­te Freiräume zu gefährden. Vor allem muss die Freiheit von Forschung, Lehre und Organisation gegen­über den ‚Stiftern’ ge­sichert werden. Die Macht des Geldes darf nicht an die Stelle der Macht des Landes treten. Die vom Senat erarbeitete (und für Deutschland modellhafte) ‚Richtlinie zum Umgang mit Zuwen­dun­gen privater Dritter’ sichert die Freiheit von Forschung und Lehre, die Unab­hängigkeit der Universität von privaten Interessen und größtmögliche Transparenz. Die Vertreter der UNIVERSITAS im Senat werden deren Umsetzung und Ergänzung weiterhin kritisch mitgestalten.

V. Faire Gewichtung der Fächer in der Universität

Die UNIVERSITAS begrüßt die großen Erfolge, die die Universität in letzter Zeit mit ‚Exzellenz­projek­ten’ erreicht hat und unterstützt die Anstrengungen, im Rahmen der Exzellenzinitiative weiterhin erfolg­reich zu sein. Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass ‚Exzellenz’ nicht mit Großforschung im Ver­bund gleichzusetzen ist. Exzellente Einzelforschung in einem breiten Fächer­spektrum muss weiter ihre faire Chance haben. Dritt­mittel­einwer­bung allein ist ein viel zu grobes Kriterium für die Beurteilung von Forschungserfolgen. Die be­stehen­den Tendenzen zu einem Ungleich­gewicht, das insbesondere die Geistes- und Sozialwissenschaften bei der Mittelverteilung benachteiligt, dürfen sich nicht weiter verfestigen. Die Vertreter der UNIVERSITAS im Senat fordern deshalb seit langem eine Revision der Parameter des derzeitigen Modells der erfolgsorientierten Mittel­ver­teilung auf die Fachbereiche. Dass das Präsidium sich dieser Forderung bisher verschlossen hat, ist ein Grund mehr, sie noch entschiedener zu artikulieren.

VI. Verbesserte Strukturen für Forschung, Lehre und Verwaltung

Engagement in der Forschung darf nicht zur Vernachlässigung der Lehre führen. Vor allem die stark nach­ge­fragten Fächer brauchen dringend eine bessere Ausstattung, und die Lehrerbildung benötigt grund­le­gen­de Strukturreformen, die – wo nötig – eine bessere pädagogische und didak­tische Ausbildung ermöglichen und der gesellschaftlichen Bedeutung dieses Berufs gerecht werden. Auch die ‚kleinen Fächer’ sind so in For­schungsverbünde und Studiengänge einzubinden, dass sich in ihnen weiter­hin Studierende und Nach­wuchswissenschaftler quali­fi­zieren können. Die Verwaltung von Studien­­gängen und Prüfungen, von For­schungs­projekten und Drittmitteln, das Berichtswesen, usw. sind so zu organi­sieren, dass die Belastung der Lehrenden und Forschenden mit Verwaltungsaufgaben abnimmt und ihnen mehr Zeit für Forschung und Lehre bleibt.

 

Die UNIVERSITAS ist zur Durchsetzung ihrer Ziele auf die Unterstützung vieler Kolleginnen und Kollegen angewiesen. Wir bitten Sie um Ihre Stimme und Ihre Mitarbeit.

Die UNIVERSITAS steht für eine kritische, aktive und weitsichtige Hochschulpolitik mit Augenmaß. In ihr wirken Professorinnen und Professoren aus vielen Disziplinen und einem breiten Fächerspektrum mit. Das bietet eine Gewähr für die sachgerechte und wirksame Vertretung der Interessen von Lehre und Forschung in einer Zeit beschleunigter Veränderungen und großer Herausforderungen.

 

 

 

geändert am 16. Februar 2011  E-Mail: Webmasterwakolbinger@math.uni-frankfurt.de

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Druckversion: 16. Februar 2011, 18:04
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