Professorin Dr. Martina Klausner

Prof. Dr. Martina Klausner

Geschäftsführende Direktorin

Professorin für Digitale Anthropologie / Science and Technology Studies

Martina Klausner ist Professorin für Digitale Anthropologie und Science and Technology Studies und seit 2020 Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Goethe-Universität. Als Anthropologin mit einem besonderen Schwerpunkt im Bereich der Science and Technology Studies, bilden ihre Forschungsthemen ein Spektrum aktueller gesellschaftlicher Phänomene ab: Digitalisierungs- und Datafizierungsprozesse von/in Stadt; die Veränderungen von politischer Beteiligung durch online-Plattformen und Daten-Aktivismus; die Regulierung von neuen digitalen Technologien und Verfahren, wie Künstlicher Intelligenz, sowie der Einsatz intelligenter Technologien im Gesundheitsbereich; die rechtliche, politische und infrastrukturelle Steuerung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Neben den thematischen Schwerpunkten sind in ihren Arbeiten vor allem auch methodologische Fragen zentral, wie die Möglichkeiten und Grenzen ko-laborativer Forschung und Interventionen, sowie der Einsatz digitaler Methoden für ethnografische Forschung.

Martina Klausner studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Europäische Ethnologie und Kulturwissenschaft. Im Anschluss an ihr Studium promovierte und forschte sie am Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort war sie viele Jahre aktives Mitglied im Laboratory: Anthropology Environment | Human Relation.

Für ihre Promotion im Rahmen des DFG-Projektes Die Produktion von Chronizität im Alltag psychiatrischer Versorgung und Forschung in Berlin führte sie Feldforschung im Kontext psychiatrischer Versorgung durch. Aus dieser Forschung entstand ihre Monografie: Choreografien psychiatrischer Praxis. Eine ethnografische Studie zum Alltag in der Psychiatrie, die an der Schnittstelle Wissensanthropologie, Science and Technology Studies und Medizinanthropologie verortet und 2015 bei Transcript erschienen ist.

Nach einer Elternzeit im Jahr 2014 arbeitete Martina Klausner als PostDoc im Forschungsverbund BeMobil: Beweglichkeit und Mobilität wiedererlangen. Im Fokus ihrer Forschung stand die Entwicklung digitaler therapeutischer Systeme für die Bewegungsrehabilitation. Bestandteil dieser Auseinandersetzung mit Digitalisierungsprozessen im Gesundheitsbereich war außerdem die Bearbeitung datenschutzrechtlicher Fragen.

Von 2018-2019 war Martina Klausner PostDoc-Mitarbeiterin in der interdisziplinären Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität: Prozesse der Normierung, Kategorisierung und Solidarisierung“. In einer Fallstudie zur Mobilisierung von Antidiskriminierungs- und Teilhaberecht von und für Menschen mit Behinderung untersuchte sie Politiken des Beteiligens in der Berliner Verwaltung und den Netzwerken der Berliner Selbstvertretungen.

Seit dem 1. September 2021 leitet Martina Klausner ein Teilprojekt der Projektgruppe "Normordnung Künstlicher Intelligenz", gefördert vom Zentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung des Landes Hessen. Die Projektgruppe untersucht die Bildung gesellschaftlicher, rechtlicher und ethischer Normen bei der Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz. Das übergeordnete Ziel der Forschungsgruppe besteht darin, durch interdisziplinäre Forschung wirksame Mechanismen an der Schnittstelle von Recht, Ethik, Technologie und Markt zu identifizieren, die dazu beitragen, die Entwicklung von KI und digitalen Technologien zu regulieren.

Das Teilprojekt am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie konzentriert sich dabei auf die stetig wachsende Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) und damit verbundenen Praktiken auf den Finanzmärkten und im Bankensektor. Sowohl Deutschland als auch die Europäische Union haben die Bedeutung von KI-Technologien erkannt und deren Regulierung auf ihre Agenda gesetzt. Die regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen hinken jedoch den technologischen Entwicklungen in diesem Bereich weit hinterher. Einerseits ist KI ein fester Bestandteil von Finanzmärkten und Bankdienstleistungen geworden. Zum Beispiel die Einführung von KI-gesteuertem Kredit-Scoring, meist autonomen Systemen, die vorhandene personenbezogene Daten und maschinelle Lernprozesse nutzen, um die zugrunde liegenden Algorithmen zu entwickeln. Auf der anderen Seite stellen KI-Technologien wie neuronale Netze und Deep Learning die neuesten Trends hin zu komplexen Blackboxen dar, deren Algorithmen möglicherweise nicht mehr nachvollziehbar sind. Diese Systeme werden eingesetzt, um menschliche Analysten bei der Entwicklung aktiver Handelsstrategien zu unterstützen, die darauf abzielen, „den Markt zu schlagen“.

Um diese more-than-human Interaktionen zu untersuchen und herauszuarbeiten, wie KI in der Herstellung von Finanzmärkten partizipiert, bedient sich die anthropologische Studie des Instituts eines analytischen Rahmens, der auf ethnographische als auch eine Reihe transdisziplinärer Methoden zurückgreift. Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit in einer Gruppe Wissenschaftler:innen aus den Bereichen Philosophie, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Informatik.

Projektleitung: Prof. Dr. Martina Klausner, Projektmitarbeit: Matthias Kloft, M.A.

2021

Martina Klausner: Postkategoriales Teilhaberecht und (trans-)kategoriale Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung. Kollektivierungsprozesse durch die Mobilisierung von Recht. Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaft 7/1, 153-185, 2021.

Martina Klausner: Das Format ›Beteiligung‹ als Arbeit am Verhältnis von Recht und Politik. Hamburger Journal für Kulturanthropologie (HJK), (13), 635–642, 2021

2020

Patrick Bieler, Milena D. Bister, Janine Hauer, Martina Klausner, Jörg Niewöhner, Christine Schmid, and Sebastian von Peter: Distributing Reflexivity through Co-Laborative Ethnography. Journal of Contemporary Ethnography 50, 1, pp. 77–98, 2021. https://doi.org/10.1177/0891241620968271

Martina Klausner, Jörg Niewöhner: Integrierte Forschung – ein ethnographisches Angebot zur Ko-Laboration. In: Gransche B., Manzeschke A. (eds) Das geteilte Ganze. Springer VS, Wiesbaden, 2020. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26342-3_8

2019

Sabine Biedermann, Patrick Bieler, Milena Bister, Sascha Cornejo Puschner, Adina Dymczyk, Dennis Eckhardt, Janine Hauer, Maren Heibges, Dženeta Hodžić, Jonna Josties, Martina Klausner, Anja Klein, Céline Lauer, Ruzana Liburkina, Jörg Niewöhner, Stefan Reinsch, Christine Schmid, Tim Seitz, Itzell Torres, Krystin Unverzagt, Jorge E. Vega-Marrot: Current work in the Laboratory: Anthropology of Environment | Human Relations: Doing research in a more-than-thought collective. AND (same issue): From the Collaboratory Social Anthropology & Life Sciences to the Laboratory: Anthropology of Environment | Human Relations. Both in: EASST Review, 38 (2), 2019.

Jörg Niewöhner, Patrick Bieler, Milena Bister, Janine Hauer, Maren Heibges, Jonna Josties, Martina Klausner, Anja Klein, Ruzana Liburkina, Julie Sascia Mewes, Christine Schmid, Tim Seitz (Ed.): After Practice. Thinking through Matter(s) and Meaning Relationally . Volume I and II. Panama Verlag, Berlin, 2019.

Patrick Bieler, Martina Klausner: Niching in cities under pressure. Tracing the reconfiguration of community psychiatric care and the housing market in Berlin . Geoforum, 101, pp. 202-211, 2019.

Patrick Bieler, Martina Klausner: Iterative Go-alongs: Eine ethnografische Methode zur Erforschung des Zusammenspiels von psychischen Beeinträchtigungen und städtischer Umwelt. In: Silvia Krumm, Reinhold Kilian, Heiko Löwenstein (Ed.): Qualitative Forschung in der Sozialpsychiatrie, pp. 173-183, Psychiatrie Verlag, Köln, 2019, ISBN: 9783884146866.

2018

Patrick Bieler, Jonna Josties, Ruzana Liburkina, Julie Sascia Mewes, Martina Klausner, Anja Klein, Jörg Niewöhner, Christine Schmid, Tim Seitz: Assembling Comparators – Assembling Reflexivities. Science as Culture, 27 (4), pp. 563-568, 2018.

Martina Klausner: Calculating Therapeutic Compliance. An Ethnographic Account of Numerical Inference and Interference in Mobile Health Care. Science & Technology Studies, 31 (4), pp. 30-51, 2018. doi:https://doi.org/10.23987/sts.66375

Martina Klausner: Wie man lernt gerade zu sein. Mensch-Technik-Beziehungen in der orthopädischen Behandlung. In: Sabine Wöhlke, Anna Palm (Ed.): Mensch-Technik-Interaktion in medikalisierten Alltagen, pp. 51-63, Universitätsverlag, Göttingen, 2018.

Maren Heibges, Martina Klausner, Jörg Niewöhner: Umgang mit Unsicherheiten in der Technikentwicklung – ein sozialanthropologischer Einwurf. In: Tobias Redlich, Robert Weidner, Markus Langenfeld (Ed.): Unsicherheiten der Technikentwicklung, pp. 76–89, Cuvillier Verlag, Göttingen, 2018.

2017

Martina Klausner, Maren Heibges (Ed.): Stadt erfahren: Ethnografische Explorationen urbaner Mensch-Umwelt-Beziehungen, pp. 7–19, Panama Verlag, Berlin, 2017.

Martina Klausner, Sebastian Golla: Reasonable Expectations of Data Protection in Telerehabilitation — A Legal and Anthropological Perspective on Intelligent Orthoses. In: Ronald Leenes, Rosamunde van Brakel, Serge Gutwirth, Paul de Hert (Ed.): Data Protection and Privacy. The Age of Intelligent Machines, pp. 167-191, Hart Publishing, Oxford, 2017.

2016

Martina Klausner: „Wenn mann den Boden unter den Füßen nicht mehr spürt“: Körperlichkeit in der Herstellung psychischer In/Stabilität. In: Katrin Amelang, Sven Bergmann, Beate Binder, Anna-Carolina Vogel, Nadine Wagener-Böck (Ed.): Körpertechnologien: Ethnografische und gendertheoretische Perspektiven, pp. 126–136, Panama Verlag, Berlin, 2016.

Milena Bister, Martina Klausner, Jörg Niewöhner: The cosmopolitics of "niching": Rendering the city habitable along infrastructures of mental health care. In: Anders Blok, Ignacio Farías (Ed.): Urban Cosmopolitics: Agencements, Assemblies, Atmospheres, pp. 187–206, Routledge, Abingdon and New York, 2016.

Jörg Niewöhner, Patrick Bieler, Maren Heibges, Martina Klausner: Phenomenography: Relational Investigations into Modes of Being-in-the-World. The Cyprus Review, 28 (1), pp. 67–84, 2016.

Sebastian von Peter, Alexandre Wullschleger, Lieselotte Mahler, Ingrid Munk, Manfred Zaumseil, Jörg Niewöhner, Martina Klausner, Milena Bister, Andreas Heinz, Stefan Beck: Chronizität im Alltag der psychiatrischen Versorgung: Eine Forschungskollaboration zwischen Sozialpsychiatrie und Europäischer Ethnologie. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 64 (1), pp. 7–18, 2016.

2015

Martina Klausner: Choreografien psychiatrischer Praxis: Eine ethnografische Studie zum Alltag in der Psychiatrie. Transcript, Bielefeld, 2015.
Martina Klausner, Milena Bister, Jörg Niewöhner, Stefan Beck: Choreografien klinischer und städtischer Alltage: Ergebnisse einer ko-laborativen Ethnografie mit der Sozialpsychiatrie. Zeitschrift für Volkskunde, 111 (2), pp. 214–235, 2015.

Martina Klausner: Der Stuhlkreis als plausibler Partizipand im psychiatrischen Behandlungsalltag. In: Karl Braun, Claus-Marco Dieterich, Angela Treiber (Ed.): Materialisierung von Kultur: Diskurse, Dinge, Praktiken, pp. 541–548, Königshausen & Neumann, Nürnberg, 2015.

Michael Wahl, Natalie Jankowski, Martina Klausner, Jörg Niewöhner: Neue Medien und Telemedizin in der Bewegungsrehabilitation – Chancen, Potentiale und Grenzen aus Sicht der beteiligten Personen. In: K Gramann, TO Zander, C Wienrich, M Rötting (Ed.): Tagungsband zur 11. Berliner Werkstatt Mensch-Maschine-Systeme, pp. 241-244, Technische Universität, Berlin, 2015.

2012

Martina Klausner: Klassifikationen und Rückkopplungseffekte. In: Stefan Beck, Jörg Niewöhner, Estrid Sørensen (Ed.): Science and Technology Studies: Eine sozialanthropologische Einführung, pp. 275–298, Transcript Verlag, Bielefeld, 2012.

Martina Klausner, Jörg Niewöhner (Ed.): Psychiatrie im Kiez: Alltagspraxis in den Institutionen der gemeindepsychiatrischen Versorgung, pp. 7–18, Panama Verlag, Berlin, 2012.

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25.05.2022, 10-12 Uhr
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20.07.2022, 10-12 Uhr

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