Community Guidelines für ein verantwortungsvolles Miteinander

Community Guidelines

Am Institut für Humangeographie kommen wir als akademische Community zusammen um gemeinsam zu arbeiten, zu forschen, zu lehren und zu studieren.

Unsere alltäglichen Interaktionen sind von Abhängigkeiten, Machtverhältnissen und Diskriminierungen geprägt. Diese beschränken sich nicht auf unsere Rollen als Studierende, technisch-administrative und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen oder Professor*innen. Geschlecht, Race, Dis/ability, Klasse, sexuelle Orientierung, Alter, Religion, Herkunft und weitere Kategorien, die sich darüber hinaus überschneiden können, sind Bestandteil ungleicher alltäglicher Erfahrungen am Institut.

Umso wichtiger ist es, dass sich am Institut jede*r sicher, willkommen und wertgeschätzt fühlt – in Seminarräumen, Büros, auf Fluren, in Videokonferenzen, auf Exkursionen, im Feld und überall da, wo sich die Arbeits-, Forschungs- und Lehrverhältnisse des IHG fortsetzen. Deshalb pflegen wir eine sensible Sprache und einen achtsamen Umgang miteinander und dulden keinen Missbrauch von Machtverhältnissen jeglicher Art.

Dabei sehen wir individuelle und kollektive Verantwortung als zentralen Bestandteil unserer Zusammenarbeit: Wir übernehmen Verantwortung für unsere eigene Rolle und unsere Handlungen, sowie für die Sicherheit und das Wohlbefinden Anderer.

Dazu gehört es, in Konfliktsituationen Beteiligten zuzuhören und sich mit Betroffenen zu solidarisieren. Die Deutungshoheit über die Wirkung der Situation – z.B. von Aussagen, Gesten, Blicken oder Begriffen – liegt bei den Betroffenen. Mit einer höheren Position in der universitären Hierarchie geht auch eine zunehmende Verantwortung einher, die Rahmenbedingungen für ein gutes Miteinander zu schaffen und Betroffene in konkreten Situationen zu beschützen.

Wir sind uns bewusst, dass unterschiedliche Wissensstände über implizite Normen im universitären Kontext bestehen. Die Verunsicherung, sich nicht diesen Normen entsprechend verhalten zu können, kann verletzen und exkludieren. Durch empathischen, geduldigen Umgang miteinander und proaktive Erläuterungen wollen wir derartige Barrieren vermeiden und jede*n ermutigen, Unsicherheiten offen anzusprechen.

Wir erkennen an, dass es auch zu zufälligen und unbeabsichtigten Grenzverletzungen kommen kann. Deshalb legen wir Wert auf kollektive Lösungsstrategien, in denen unser Verhalten im Vordergrund steht. Wir benennen problematisches Verhalten (z. B. rassistische Äußerungen) konkret, vermeiden dabei aber individualisierte Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe. Somit bedarf es der Offenheit, Selbstreflexivität, aktiven Auseinandersetzung und Lernbereitschaft Aller, um unseren Alltag so diskriminierungsfrei und wertschätzend wie möglich zu gestalten.

Konkret bedeutet ein verantwortungsvoller Umgang für uns:

… dass diskriminierende Aussagen, Texte und Symbole als solche benannt werden und wir ihnen entschieden entgegengetreten.

Negativbeispiel: Im Seminar wird kommentar- und kontextlos ein älterer Text vorgestellt, in dem koloniale Ausbeutung positiv konnotiert ist.

Positivbeispiel: Im Seminar wird ein älterer Text vorgestellt, in dem koloniale Ausbeutung positiv konnotiert ist. Der Referent ordnet den Text historisch ein und weist deutlich auf diese Problematik hin.

Negativbeispiel: Vor dem Seminar macht ein Student einen sexistischen Witz. Als eine Mitstudierende den Dozenten unter vier Augen darauf hinweist, geht er nicht weiter darauf ein und äußert nur, dass dies den Ablauf der Sitzung durcheinander bringen würde.

Positivbeispiel: Vor dem Seminar macht ein Student einen sexistischen Witz. Als eine Mitstudierende den Dozenten unter vier Augen darauf hinweist, bietet er an, den Vorfall in der Runde zu thematisieren. Nach Zustimmung weist er zu Beginn der Sitzung mit Rückbezug auf die Antidiskriminierungsrichtlinie der Universität und die Community Guidelines des Instituts darauf hin, dass abwertende und explizit misogyne Sprache nicht geduldet wird.

Negativbeispiel: In einem Seminar zu rassismuskritischer Bildung werden bewährte Methoden und didaktische Settings, bspw. ein Rollenspiel, themenunabhängig angewendet.

Positivbeispiel: In einem Seminar zu rassismuskritischer Bildung werden Methoden und didaktische Settings, bspw. ein Rollenspiel, auf die Sensibilität und Spezifizität des Themas reflektiert und ggf. angepasst.

… dass wir das Recht auf einen belästigungsfreien Arbeits- und Studienort für alle schützen. Unerwünschte und übergriffige körperliche und verbale Annäherungen sind klare Grenzüberschreitungen, aber auch subtilere Aufdringlichkeiten sind für uns inakzeptabel.

Negativbeispiel: Nach dem Exkursionstag klopft der Dozent noch später am Abend an den Zimmertüren von Studierenden und versucht sie zum gemeinsamen Bier trinken zu überreden.

Positivbeispiel: Der Dozent schlägt zum Ende des offiziellen Teils eines Exkursionstags vor, das man sich nach dem Abendessen noch zu einem gemeinsamen Getränk in der Lounge der Unterkunft treffen könne.

Negativbeispiel: Eine weiße Studentin fasst ihrer Schwarzen Kommilitonin aus Neugier ungefragt in die Haare.

Positivbeispiel: Eine weiße Studentin beschäftigt sich mit antirassistischen Inhalten und macht sich bewusst, dass die Haare Schwarzer Menschen historisch Gegenstand von Rassismus waren und sind. Sie weist einen weißen Mitstudierenden darauf hin, als er ihr erzählt, dass er gerne wissen würde wie sich das Haar der Schwarzen Kommilitonin anfühlt.

… dass wir einen guten Umgangston miteinander pflegen und uns gegenseitig auf unsensible und verletzende Sprache hinweisen. Dazu gehört es auch, Bedürfnisse wahrzunehmen und abzufragen.

Negativbeispiel: Der Dozent spricht eine Person in seinem Seminar wiederholt nicht mit dem gewünschten Pronomen an. Als er darauf hingewiesen wird, winkt er ab, das sei aber auch schwierig.

Positivbeispiel: Im Rahmen der anfänglichen Vorstellungsrunde eines Seminars gibt die Dozentin den Teilnehmenden explizit Gelegenheit, der Seminargruppe ihre präferierten Pronomen mitzuteilen. Sie erläutert proaktiv den Begriff. Sie lädt mit Nachdruck dazu ein, Unsicherheiten über im Seminar verwendete Begriffe jeglicher Art auch zukünftig bei ihr persönlich oder offen in der Gruppe anzusprechen.

Negativbeispiel: Vor dem Referat hat ein Student Probleme mit der Medientechnik des Seminarraums. Ein weiterer Student kommt ungefragt nach vorne, drängt den Kommilitonen zur Seite und schaltet den Beamer an. Als er zurück zu seinem Platz geht sagt er nur: ist doch ganz einfach.

Positivbeispiel: Vor dem Referat hat ein Student Probleme mit der Medientechnik des Seminarraums. Die Mitstudierenden warten zunächst geduldig, doch als klar wird, dass die Anspannung des Kommilitonen steigt, bietet ein Mitstudierender freundlich seine Hilfe an und erklärt wo das Problem liegt.

… dass Meetings, Lehrveranstaltungen und Sprechstunden in einem angemessenen Rahmen stattfinden. Orte und Zeiten wählen wir so, dass sich alle Beteiligten wohl und wertgeschätzt fühlen können, und dass sie barrierefrei erreichbar sind.

Negativbeispiel: Um den Methodenteil der Masterarbeit genauer zu besprechen, lädt der Betreuer die Studentin in die Kneipe ein.

Positivbeispiel: Um den Methodenteil der Masterarbeit genauer zu besprechen, bietet der Betreuer der Studentin einen Termin im Rahmen seiner Sprechstunde an.

Negativbeispiel: Einer Studierenden im Rollstuhl wird für die Teilnahme an einer Vorlesung wiederholt eine Absage erteilt, da sie in einem nicht-barrierefreien Raum stattfindet.

Positivbeispiel: Dozierende und Lehrplanende des Instituts verlegen die Veranstaltung so, dass die Studierende barrierefrei daran teilnehmen kann.

… dass wir über geeignete Kanäle und zu geeigneten Zeiten miteinander kommunizieren.

Negativbeispiel: Eine Tutorin erstellt eine WhatsApp-Gruppe für die Studierenden einer Veranstaltung und schickt spät abends Links zu den Aufgaben für die folgende Woche.

Positivbeispiel: Eine Tutorin erstellt einen E-Mail-Verteiler für die Studierenden einer Veranstaltung und schickt mit ausreichend zeitlichem Vorlauf Links zu den Aufgaben für die folgende Woche.

Negativbeispiel: Eine Assistenz wird im Urlaub angerufen: Ach, mir ist noch eingefallen, dass am Montag dringend ….

Positivbeispiel: Der Assistenz wird vor Beginn des Urlaubs mitgeteilt, welche Aufgaben im Anschluss anstehen.

… dass wir uns gegenseitig zuhören, Arbeiten Anderer ernst nehmen und diese produktiv kritisieren.

Negativbeispiel: Ein Professor schreibt eine E-Mail, anstatt der Vorstellung des Dissertationsprojekts des Doktoranden im Kolloquium zuzuhören.

Positivbeispiel: Ein Professor macht sich während der Vorstellung des Dissertationsprojekts des Doktoranden im Kolloquium Notizen und gibt anschließend ein fundiertes Feedback.

Negativbeispiel: Eine Studentin gibt einer Kommilitonin nach einem Referat das Feedback, dass sie sehr unsicher gewirkt und immer so komisch gelacht habe.

Positivbeispiel: Eine Studentin gibt einer Kommilitonin Feedback zu einem Referat, indem sie konstruktive Nachfragen stellt, ohne die Vortragende bloßzustellen: Ich habe mich an der Stelle gefragt, ob ….

Negativbeispiel: Ein Studierender wird aufgrund einer sprachlich nicht fehlerfreien E-Mail an eine*n Dozierende*n unmittelbar als faul oder defizitär klassifiziert.

Positivbeispiel: Der*die Dozierende wertschätzt Beiträge inhaltlich auch dann, wenn sie sprachliche Fehler enthalten und reflektiert fehlerhafte E-Mails in Bezug auf weitere Deutungshorizonte, bspw. mögliche Unsicherheiten aufgrund von Mehrsprachigkeit oder nicht-akademischem Familienhintergrund.

Negativbeispiel: Ein*e Leiter*in einer Arbeitsgruppe besteht darauf und hält es für selbstverständlich bei Artikeln, die von Mitarbeitenden in der Arbeitsgruppe verfasst wurden, als Autor*in genannt zu werden.

Positivbeispiel: Gemeinsame wissenschaftliche Paper werden in Abstimmung miteinander erstellt, sodass die Autor*innenschaft die geleisteten Arbeitsbeiträge repräsentiert.

… dass wir verbindliche Absprachen treffen und Planbarkeit ermöglichen.

Negativbeispiel: Die Studentische Hilfskraft bekommt zum fünften Mal einen Arbeitsauftrag, den sie unbedingt bis morgen erledigen soll.

Positivbeispiel: Die Studentische Hilfskraft bekommt längerfristig Aufgaben und Arbeitspakete zugewiesen und bearbeitet diese selbständig bis zu einem vereinbarten Termin.

Negativbeispiel: Die Betreuerin der Bachelorarbeit hat es nicht geschafft, die Gliederung zu lesen, und sagt den gemeinsamen Termin kurzfristig ab.

Positivbeispiel: Die Betreuerin der Bachelorarbeit bemüht sich um rechtzeitige Sichtung der übersandten Vorlagen für das Beratungsgespräch oder sagt den Termin frühzeitig ab.

Negativbeispiel: Eine Studentin erscheint nicht zum vereinbarten Sprechstundentermin.

Positivbeispiel: Eine Studentin sagt frühzeitig Bescheid, dass sie es doch nicht zur Sprechstunde schafft.

… dass die dafür Verantwortlichen Aufgaben und Arbeitsbereiche klar formulieren und abstecken, sodass sie dem wissenschaftlichen Kontext und Statusgruppen angemessen sind.

Negativbeispiel: Für das Arbeitsgruppentreffen schleift es sich so ein, dass immer die eine Doktorandin den Kaffee kocht.

Positivbeispiel: Die Planung von Arbeitsgruppentreffen schließt auch organisatorische Abläufe ein. Anfallende Aufgaben werden fair und transparent verteilt.

Negativbeispiel: Die studentische Hilfskraft bekommt von den Mitarbeiter*innen einer Arbeitsgruppe unkoordiniert Arbeitsaufträge, so dass Sie manchmal kaum hinterher kommt oder über längere Zeit Leerlauf hat.

Positivbeispiel: Die Mitarbeiter*innen einer Arbeitsgruppe sprechen sich immer gut ab, so dass die studentische Hilfskraft nie mehrere Aufgaben gleichzeitig bekommt.

… dass wir mit den von uns gemeinsam genutzten Räumen und Materialien sorgsam und bedacht umgehen.

Negativbeispiel: Der eine Mitarbeiter räumt immer wieder die Moderationskoffer auf, die unordentlich im Materialraum liegen.

Positivbeispiel: Jede*r Mitarbeitende gibt bei der verantwortlichen Assistenz Bescheid wenn Materialien aus den Moderationskoffern verbraucht wurden.

Negativbeispiel: Eine Mitarbeiterin wäscht ständig die Küchenhandtücher.

Positivbeispiel: Die Verantwortlichkeit für das Waschen der Küchenhandtücher wechselt mit dem Küchendienst.

Negativbeispiel: Eine Person in der Arbeitsgruppe fühlt sich für die Spülmaschine zuständig, während andere dies ignorieren.

Positivbeispiel: Alle Personen einer Arbeitsgruppe fühlen sich gleichermaßen für die Spülmaschine zuständig und teilen die Wochentage untereinander auf.

Handlungsoptionen und Ressourcen

Community Guidelines als Prozess

Dieses Dokument soll nicht auf dem Fileserver verstauben, sondern als Plattform für einen lebendigen, kontinuierlichen Austausch über verantwortungsvolles Miteinander am IHG dienen.

Alle sind deshalb herzlich dazu eingeladen, Kommentare und neue Beispiele beizusteuern. Wir wollen in regelmäßigen Abständen zu offenen Treffen einzuladen, in denen wir über Kommentare und Beispiele diskutieren. Das Dokument soll dann angepasst werden um den Diskussionsstand abzubilden.

Anmerkungen, Änderungsvorschläge und neue Beispiele könnt Ihr / können Sie – gerne auch anonym – an die Adresse schicken. Eingehende E-Mails werden automatisch zugestellt an die derzeitige AG Community Guidelines (bestehend aus Laura Chihab, Anna-Larissa Hoffmann, Nuray Ileri, Merve Kahveci, Isabelle Muschaweck, Mara Linden, Eva Nöthen, Canan Solmus, Till Straube, Tilma*n Treier und Eugenia Winter). Ihr könnt / Sie können natürlich gerne auch vertrauensvoll Kontakt mit Einzelpersonen aus der AG aufnehmen.

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