KOOP-inFD

Kooperative Unterrichtsplanung in inklusiven Kontexten der Fachdidaktiken (KOOP-inFD) 

Zielsetzung

Eine Aufgabe der Schulbildung in pluralistischen, demokratischen Gesellschaften ist es, die vielfältigen Lernvoraussetzungen und Lebenswelten ihrer Schüler:innen aufzugreifen und im Unterricht zu berücksichtigen. So fordert auch das novellierte Hessische Lehrkräftebildungsgesetz, das Thema Inklusion im Studium zu verankern und Kompetenzen in den Bereichen Diagnostik, (fachspezifischer) Lernvoraussetzungen sowie individueller Förderung fachdidaktisch zu integrieren. Dabei bieten Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken je spezifische Sichtweisen und Theorien und haben das Potenzial Synergien hinsichtlich adaptiver Unterrichtskonzeption und individueller Lernentwicklung entstehen zu lassen. Trotz dieses Potenzials zeigt ein Blick in die Praxis, dass Lehrkräfte in Deutschland tendenziell eher selten und wenig intensiv kooperieren. Vor diesem Hintergrund wird im Wintersemester 2023/24 ein Lehrformat entwickelt, erprobt und evaluiert. Dabei handelt es sich um ein Professionalisierungsangebot, das auf die ko-konstruktiven Unterrichtsplanungskompetenzen in Tandems bzw. Kleingruppen im Hinblick auf adaptiven und heterogenitätssensiblen Fachunterricht abzielt. Mittels des Einsatzes moodle-basierter digitaler Selbstlerneinheiten sollen seminarbegleitend zunächst Grundkompetenzen heterogenitätssensibler Unterrichtsplanung vermittelt und Grundlagen der Kooperation erarbeitet werden, woraufhin die Lehramtsstudierenden die erlernten Kompetenzen anhand eigener kooperativer Unterrichtsplanungen im Kontext der jeweiligen Fachdidaktik erproben. Das Lehrformat soll Dozierenden in Zukunft eine einfache Durchführung von Peercoachings zur (fachdidaktischen) Diagnostik und Förderung in heterogenitätssensiblen Unterrichtssettings ermöglichen. Ein vergleichbares Lehrformat wurde bereits in den Bildungswissenschaften erfolgreich umgesetzt (Moos et al., 2022). 


Rahmendaten
Learning Design:Selbststudium
Sozialform:Individualarbeit, Kleingruppen
Zeitlicher Rahmen:Kontinuierlich
Voraussetzungen

Voraussetzung für den Einsatz der Professionalisierungsmaßnahme ist zunächst ein geeigneter Rahmen; zum Beispiel in Form eines (fach-)didaktischen Seminars. Insgesamt sollten für die Maßnahme inklusive Evaluation und Reflexion im Seminar ca. fünf Wochen eingeplant werden. Dabei werden allen Studierenden die Inhalte zur kooperativen und heterogenitätssensiblen Unterrichtsgestaltung zunächst mithilfe von asynchron durchführbaren digitalen Lerneinheiten vermittelt. In der Folgewoche sollten bei Bedarf individuelle Schwerpunkte, etwa durch Fachtexte, erarbeitet werden. Alternativ können diese Schwerpunkte bereits im Vorfeld anhand der Studierendenbiografie (z. B. Lehramtsstudiengang) gesetzt werden. Die Schwerpunkte dienen dazu, den Studierenden eine möglichst spezifische Perspektive zu bieten, die in der anschließenden Planungsaktivität eingesetzt werden soll. Die Unterrichtsplanungsaktivität wird in Tandems bzw. Kleingruppen durchgeführt. Dabei verfügt jede:r Tandempartner:in/jedes Mitglied über eine unterschiedliche Perspektive, die sie/er in die Planungsaktivität einbringen soll. Unter Zuhilfenahme der im Vorfeld vermittelten Prinzipien eines ko-konstruktiven Peer-Austauschs konzipieren die Tandems/Gruppen gemeinsam eine Unterrichtssequenz, Lernaufgabe oder Unterrichtsstunde. Im Nachgang werden die Planungsergebnisse samt einer Dokumentation der Planungsaktivität in der Gruppe im Seminar vorgestellt und gemeinsam reflektiert, um so die erarbeiteten Planungsprodukte auch für die anderen Studierenden nutzbar zu machen. 


Evaluationsergebnisse aus der Pilotphase

Die begleitende formative Evaluation des Kompetenzzuwachses soll die Wirkung der Maßnahme mithilfe einer Prä-/Post-Erhebung dokumentieren. Eingesetzt werden dafür in der Prä-Erhebung bereits erprobte vierstufige Ordinalskalen zur Heterogenitätssensibilität bzw. zum Umgang mit Heterogenität im Unterricht sowie der Einstellung zur kollegialen Zusammenarbeit (Moos et al., 2022). Ergänzt wird die Prä-Erhebung durch eine eindimensionale Skala zur Unterrichtsplanungskompetenz (Schnebel et al., 2017). Die nach der Maßnahme und Seminarreflexion durchgeführte Posterhebung stützt sich insbesondere auf Skalen zur Zieltransparenz, dem allgemeinen Lernzuwachs, der Reflexivität der Lerneinheit(en) und ihrer Gestaltung. Darüber hinaus werden noch jeweils eine Skala zur Kooperationsqualität der Unterrichtsplanungsaktivität und dem Lernzuwachs hinsichtlich der allgemeinen Unterrichtsplanungskompetenz eingesetzt. Die Ergebnisse werden für Februar nach der Post-Erhebung erwartet und im Rahmen der RMU-Dialogkonferenz "Neue Formate fachdidaktischer Lehre" vorgestellt.

DigiTeLL Querschnittsthemen

Insbesondere die Heterogenitätsdimensionen behandelnden digitalen Lerneinheiten verfügen über direkten Diversitätsbezug und sensibilisieren die Studierenden auf wertfreie Betrachtung bzw. Berücksichtigung differenter Lebensstile und nicht normierter Indentitäten. Darüber hinaus wurde jede eingesetzte Lerneinheit systematisch auf stereotype Darstellungen von Personen untersucht. Die verwendete Sprache in den Lerninhalten, aber auch in der Kommunikation gleichwohl mit Kooperationspartner:innen und Studierenden, ist durchgehend geschlechterneutral. Eine sexismusfreie, inklusive und geschlechtergerechte Ausdrucksweise gehört zu den zentralen Voraussetzungen einer diskriminierungsfreien Kommunikation und somit auch Lehre.

Die eingesetzten Lernbarkurse sind in ihrer grundsätzlichen Funktionsweise barrierefrei nutzbar. So können alle Grundfunktionen der Kurse bequem mit Tastatur und Screenreader navigiert und bedient werden. Wichtige Funktionsfelder werden optisch hervorgehoben, um die Orientierung zu erleichtern. Ein wichtiges Prinzip, auf dem die Erstellung der Lernpakete basiert, ist das Zwei-Sinne-Prinzip. Dabei liegt der Fokus darauf, multiple Zugangswege für die angebotenen Lerninhalte bereitzustellen. Durch die Kombination von visuellen Elementen mit alternativen textbasierten oder auditiven Darstellungen wird eine umfassende Teilhabe ermöglicht. Dieser Ansatz trägt dazu bei, dass die Kurse sowohl für visuell als auch auditiv orientierte Lernende gleichermaßen zugänglich und ansprechend sind. Gleichzeitig werden textbasierte Inhalte auf Kompatibilität mit Screenreadern geprüft und ggf. durch separate Audiofelder mit Vorlesefunktion ergänzt. Zusätzlich zur technischen Umsetzung der Barrierefreiheit werden auch Gestaltungsrichtlinien berücksichtigt, um die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Inhalte zu verbessern. Dies beinhaltet die Verwendung von klaren und einfachen Sprachstrukturen sowie eine gut strukturierte Kursarchitektur, die den Lernprozess unterstützt. Darüber hinaus wird mit den Lehrenden bei der Entwicklung der Kurse und Selbstlerneinheiten thematisiert, wie man eine offene Atmosphäre schaffen kann, in der alle Lernenden ermutigt werden, ihre individuellen Schwierigkeiten oder Fragen offen anzusprechen und wie das Zeitmanagement gestaltet werden muss, um trotz individueller Lebenssituationen eine erfolgreiche Lernerfahrung zu ermöglichen.

Im Rahmen des kompetenzorientierten Prüfkonzepts werden die Selbstlerneinheiten so gestaltet, dass verschiedene Frageformate, wie zum Beispiel Single- oder Multiple-Choice-Fragen, Zuordnungsaufgaben und Freitextfragen, nahtlos integriert werden können. Diese Elemente werden durch individuell anpassbare Tippfunktionen ergänzt, was eine breite Palette an Möglichkeiten schafft, Fragestellungen genau auf das Niveau der zu prüfenden Kompetenzen abzustimmen. Unterstützt durch Musterlösungen, Feedbackfunktionen und automatisierte Auswertungs- sowie Verlaufsübersichten, erhalten die Studierenden ein kontinuierliches Feedback zu ihrem Lernprozess. Zusätzlich wird angestrebt, eine Begleitstruktur mittels E-Portfolios zu schaffen. Dieses Instrument, das bereits in weiten Teilen für Modulprüfungen genutzt wird, erlaubt eine umfassende kompetenzorientierte Prüfungsgestaltung.

KOOP-inFD hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Akteur:innen aus der Fachdidaktik mit der allgemeinen Grundschuldidaktik zusammenzubringen. Hierbei finden regelmäßig Vernetzungstreffen statt. Die verschiedenen fachimmanenten Erfahrungen und Ansätze fließen ins Gesamtkonzept ein und sollen zukünftig den Einsatz im Seminar niederschwellig möglich machen.

Insbesondere die Heterogenitätsdimensionen behandelnden digitalen Lerneinheiten verfügen über direkten Diversitätsbezug und sensibilisieren die Studierenden auf wertfreie Betrachtung bzw. Berücksichtigung differenter Lebensstile und nicht normierter Indentitäten. Darüber hinaus wurde jede eingesetzte Lerneinheit systematisch auf stereotype Darstellungen von Personen untersucht. Die verwendete Sprache in den Lerninhalten, aber auch in der Kommunikation gleichwohl mit Kooperationspartner:innen und Studierenden, ist durchgehend geschlechterneutral. Eine sexismusfreie, inklusive und geschlechtergerechte Ausdrucksweise gehört zu den zentralen Voraussetzungen einer diskriminierungsfreien Kommunikation und somit auch Lehre.

Die eingesetzten Lernbarkurse sind in ihrer grundsätzlichen Funktionsweise barrierefrei nutzbar. So können alle Grundfunktionen der Kurse bequem mit Tastatur und Screenreader navigiert und bedient werden. Wichtige Funktionsfelder werden optisch hervorgehoben, um die Orientierung zu erleichtern. Ein wichtiges Prinzip, auf dem die Erstellung der Lernpakete basiert, ist das Zwei-Sinne-Prinzip. Dabei liegt der Fokus darauf, multiple Zugangswege für die angebotenen Lerninhalte bereitzustellen. Durch die Kombination von visuellen Elementen mit alternativen textbasierten oder auditiven Darstellungen wird eine umfassende Teilhabe ermöglicht. Dieser Ansatz trägt dazu bei, dass die Kurse sowohl für visuell als auch auditiv orientierte Lernende gleichermaßen zugänglich und ansprechend sind. Gleichzeitig werden textbasierte Inhalte auf Kompatibilität mit Screenreadern geprüft und ggf. durch separate Audiofelder mit Vorlesefunktion ergänzt. Zusätzlich zur technischen Umsetzung der Barrierefreiheit werden auch Gestaltungsrichtlinien berücksichtigt, um die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Inhalte zu verbessern. Dies beinhaltet die Verwendung von klaren und einfachen Sprachstrukturen sowie eine gut strukturierte Kursarchitektur, die den Lernprozess unterstützt. Darüber hinaus wird mit den Lehrenden bei der Entwicklung der Kurse und Selbstlerneinheiten thematisiert, wie man eine offene Atmosphäre schaffen kann, in der alle Lernenden ermutigt werden, ihre individuellen Schwierigkeiten oder Fragen offen anzusprechen und wie das Zeitmanagement gestaltet werden muss, um trotz individueller Lebenssituationen eine erfolgreiche Lernerfahrung zu ermöglichen.

Im Rahmen des kompetenzorientierten Prüfkonzepts werden die Selbstlerneinheiten so gestaltet, dass verschiedene Frageformate, wie zum Beispiel Single- oder Multiple-Choice-Fragen, Zuordnungsaufgaben und Freitextfragen, nahtlos integriert werden können. Diese Elemente werden durch individuell anpassbare Tippfunktionen ergänzt, was eine breite Palette an Möglichkeiten schafft, Fragestellungen genau auf das Niveau der zu prüfenden Kompetenzen abzustimmen. Unterstützt durch Musterlösungen, Feedbackfunktionen und automatisierte Auswertungs- sowie Verlaufsübersichten, erhalten die Studierenden ein kontinuierliches Feedback zu ihrem Lernprozess. Zusätzlich wird angestrebt, eine Begleitstruktur mittels E-Portfolios zu schaffen. Dieses Instrument, das bereits in weiten Teilen für Modulprüfungen genutzt wird, erlaubt eine umfassende kompetenzorientierte Prüfungsgestaltung.

KOOP-inFD hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Akteur:innen aus der Fachdidaktik mit der allgemeinen Grundschuldidaktik zusammenzubringen. Hierbei finden regelmäßig Vernetzungstreffen statt. Die verschiedenen fachimmanenten Erfahrungen und Ansätze fließen ins Gesamtkonzept ein und sollen zukünftig den Einsatz im Seminar niederschwellig möglich machen.

Neuigkeiten

Haben Sie Interesse, die digitalen Lerneinheiten in Ihrem (Fach-)Didaktikseminar einzusetzen? Bisher führen wir die Maßnahme in Seminaren der Grundschuldidaktik durch. Insbesondere die Inhalte zur ko-konstruktiven und heterogenitätssensiblen Unterrichtsgestaltung können aber universell in allen Lehramtsstudiengängen eingesetzt werden. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht. 


Referenzen: 

Moos, M., Adl-Amini, K. & Hardy, I. (2022). Kooperative Unterrichtsplanung von angehenden Regel- und Förderschullehrkräften : ein Seminarkonzept. Vorab-Onlinepublikation. https://doi.org/10.18716/OJS/KON/2022.0.6 (K:ON - Kölner Online Journal für Lehrer*innenbildung, Nr. 5, nationale und internationale Perspektiven). 


Schnebel, S., Kreis, A., & Musow, St. (2017). Wie schätzen Studierende ihre Planungskompetenz und den Nutzen kooperativer Unterrichtsplanung ein? Ergebnisse einer Interventionsstudie zu Peer Coaching in der Lehrepersonenausbildung nach dem Ansatz des Kollegialen Unterrichtscoachings. In A. Kreis & S. Schnebel (Hrsg.), Lehrerbildung auf dem Prüfstand: 2017, Sonderheft. Peer Coaching in der praxissituierten Ausbildung von Lehrpersonen (S. 107–128). Verlag Empirische Pädagogik.

Team

Prof'in. Dr. Ilonca Hardy

Projektleitung

FB 04  | Erziehungswissenschaften


Telefon: +49 (0)69 798 36269

E-Mailhardy@em.uni-frankfurt.de 

Robert Barski

Projektmitarbeiter

Institut für Pädagogik der Elementar- und Primärstufe (WE II)


E-Mailbarski@em.uni-frankfurt.de