Entstehung und Geschichte

Die Gründung der Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Johann Wolfgang Goethe-Universität ist eng mit der Geschichte des ersten Gästehauses, der Villa in der Ditmarstraße 4, verknüpft. Anfang der 80er Jahre führte Prof. Hartwig Kelm der allmorgendliche Weg an seinen Arbeitsplatz in der Universität an einer veralteten, verfallenden Villa vorbei, deren großer Garten zunehmend verwahrloste. Prof. Kelm war zu dieser Zeit Präsident der Johann-Wolfgang Goethe-Universität. Ein Problem in dieser Zeit war die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für die stetig ansteigende Zahl von Gastwissenschaftlern aus aller Welt. Räume für Gastwissenschaftler und der Erhalt einer großbürgerlichen Villa mit Ausstrahlung – diese beiden Gedanken waren für Prof. Hartwig Kelm der Grundstein für die Idee eines internationalen Begegnungszentrums in stilvoller historischer Umgebung.

 

Aus der Gründungsphase der Goethe-Universität anfangs des vorigen Jahrhunderts gab es 10 sogenannte „Altstiftungen“, die mangels Vermögen nicht mehr selbständig ihren Stiftungszweck erfüllen konnten. Auf Betreiben des Präsidenten Kelm beschloss der Senat der Universität 1982 eine Zusammenfassung dieser Altstiftungen sowie eine Anpassung des Stiftungszwecks in Sinne der alten Stifter. Damit war der Weg frei für die Gründung einer Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Die Stiftung wurde am 15. September 1983 als Stiftung des privaten Rechts gegründet. Sie erhält in der Regel keine öffentlichen Zuschüsse, hat andererseits auch keine staatlichen Einmischungen zu befürchten. Erster Vorsitzender des nach der eigenen neuen Verfassung zu wählenden Stiftungsrats wurde Prof. Dr. Hartwig Kelm, der geistige Vater dieser Stiftung dessen Namen mit ihr intensiv verbunden ist.

Gleichzeitig zur Gründung der Stiftung verliefen die Bemühungen von Prof. Kelm, die erwähnte verfallende Villa für die Zwecke der Stiftung zu erwerben. Diese Villa wurde um 1923 von Muthesius im Stil englischer Landhäuser erbaut, war im 2. Weltkrieg im Eigentum eines Frankfurter Privatbankiers und wurde nach dem 2. Weltkrieg von den amerikanischen Siegermächten beschlagnahmt. Sie diente dem Oberbefehlshaber im benachbarten US-Hauptquartier als großzügige Residenz. Als die Amerikaner in den 70er Jahren Frankfurt verließen, verwahrlosten die Villa und ihr großer Garten.

In zähen Verhandlungen gelang es dem Stiftungsratsvorsitzenden und Universitätspräsidenten, das Land Hessen von der Idee eines Gästehauses (für die Universität) zu überzeugen. Hessen erwarb das Grundstück von der Bundesrepublik Deutschland und stellte es der Stiftung 50 Jahre unentgeltlich zur Verfügung. Von Bund, Stadt Frankfurt und Sponsoren beschaffte die Stiftung die notwendigen Mittel für eine umfassende Sanierung und entsprechenden Ausstattung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. In 1986 war der Umbau zu Ende, es gab 10 moderne Apartments und großzügige Begegnungsräume in historischer Bausubstanz.


Nur zwei Häuser weiter befand sich die Villa Frauenlobstr. 1, die sich als zweites Gästehaus geradezu anbot. Ein großbürgerliches Haus mit ähnlichem Schicksal und Ausstrahlung. Eigentümer vor dem Krieg war ein hoher Repräsentant des I.G.Farben-Konzerns. Auch diese Villa wurde nach Kriegsende von der US-Army beschlagnahmt und diente als Residenz hoher US-Militärs. Nach Abzug der Amerikaner wurde die Bundesrepublik Eigentümer der Immobilie. Mit der Begründung einer Straßenverbreiterung enteignete und entschädigte die Stadt Frankfurt 1985 den Bund. Als die Straßenbaumaßnahme ad acta gelegt wurde, gelang es der Stiftung, auch dieses Gebäude für 50 Jahre unentgeltlich überlassen zu bekommen. Bis 1993 ließ die Stiftung das Anwesen nach ihren Bedürfnissen entkernen und modernisieren. Wieder war der Stiftungsratsvorsitzende Prof. Dr. Kelm erfolgreich, mit Hilfe von Bund, Stadt, Alexander von Humboldt-Stiftung, Volkswagen-Stiftung und der Deutschen Bank unter Mitwirkung des Landes die beträchtlichen Baukosten von damals über 8 Millionen Deutsche Mark aufzubringen.

Das Dritte Grundstück: Im Jahr 2007 ging für die Stiftung ein Traum in Erfüllung. Dazu muss man wissen, dass zwischen den beiden Gästehäusern ein trennendes Grundstück mit zweigeschossigem Wohnhaus liegt. Seit etwa 20 Jahren hatte die Stiftung versucht, auf dieses Grundstück ein Vorkaufsrecht zu erwerben. Allerdings ohne Erfolg. Nun kam durch einen Erbschaftsfall eine neue Lage, das Grundstück stand zum Verkauf. Es gelang der Stiftung, den damaligen Universitätspräsidenten zu motivieren, diese einmalige Gelegenheit zur Arrondierung des Areals zu nutzen. Zumal die Universität inzwischen vom Land Hessen das Eigentum am Grundstück Ditmarstraße übertragen bekommen hatte, ein Folge der Gründung als Stiftungsuniversität.  

Nach Übertragung des Eigentums auf die Universität wurde das vorhandene Wohnhaus abgerissen, die Grube aufgefüllt, das Gelände zwischen Gästehäusern nivelliert und von Landschaftsgärtnern gestaltet. Im besten Wohngebiet Frankfurts, im „Diplomatenviertel“, gegenüber dem Palmengarten, ist ein „Stiftungspark“ entstanden, dessen Gestaltung aus finanziellen Gründen aber noch nicht abgeschlossen ist. Wir hoffen durch Zustiftungen die derzeitigen Lücken schließen zu können.